Die neuesten Umfrageergebnisse aus Schleswig-Holstein dürften Daniel Günther nicht nur die Sommerlaune verhageln, sondern seinen allzu hohen Karrierewünschen einen gehörigen Dämpfer geben. Günther war ein Missverständnis der Landesgeschichte. Seine Zeit neigt sich dem Ende zu.
picture alliance/dpa | Carsten Koall
Nach einer aktuellen Insa-Umfrage würden nur noch 27 Prozent der Schleswig-Holsteiner Daniel Günther ihre Stimme geben. Klar, in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin wären sie froh, wenn sie diese Werte hätten. Doch Daniel Günther holte zur letzten Landtagswahl im Jahr 2022 noch 43,4 Prozent der Stimmen. Das bedeutet einen Einbruch von 16,4 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Landtagswahl. In der letzten Umfrage von INSA Anfang 2025 stand die CDU mit Günther noch bei 39 Prozent, das heißt, das ist im Vergleich zur letzten Umfrage ein Einbruch von – 12 Prozentpunkten. Tendenz fallend.
Hatten die Grünen, die mit Günther in Kiel regieren, zur Landtagswahl noch 18,3 Prozent geholt, liegen sie jetzt bei 17 Prozent, konnten sich aber im Vergleich zur letzten Umfrage auf Kosten von CDU und SPD leicht erholen. Die SPD, die zur Landtagswahl noch 16 Prozent holte, liegt nun bei 15 Prozent. Die AfD, die bei der letzten Landtagswahl mit 4,4 Prozent den Sprung in den Landtag verfehlte, ist nach dieser Umfrage nun zweitstärkste Partei in Schleswig-Holstein mit 18 Prozent. Das ist im Vergleich zur Landtagswahl ein Zuwachs von 13,6 Prozentpunkten, im Vergleich zur letzten Umfrage von INSA Anfang 2025 ein Zuwachs von 4 Prozentpunkten.
Diese Zahlen belegen das Scheitern des Ministerpräsidenten Daniel Günther, der nun nicht einmal mehr in Kiel der Allergößte ist.

Dabei hätte aus Sicht Daniel Günthers alles so schön laufen können, seinen – wie man manchmal ironisch, manchmal sarkastisch in der DDR sagte – „sozialistischen Gang gehen“ können. In jungen Jahren Ministerpräsident geworden, sich immer wieder aus der nördlichsten Ecke Deutschlands republikweit ins Gespräch gebracht mit abstrusem Merkelismus und einer Wendung nach so weit links, dass sie die Block-CDU Ostdeutschlands noch links überholte, weil ihm Robert Habeck und andere in Kiel einredeten, der Zeitgeist wehe links. So machte er immer wieder von sich reden. Irgend jemand, sein Berater oder Robert Habeck, muss ihm eingeredet haben, wenn Du einmal ein richtig großer Bundeskanzler werden willst, Daniel, musst Du linker als die Linken und grüner als die Grünen sein, aber in der CDU bleiben, denn der Platz der CDU ist in der Mitte, und zwar in der Mitte zwischen den Linken und den Grünen. Die SPD zählt nicht, die weiß ohnehin nicht, ob sie dunkelrot oder grün ist.
So ungeistig proviantisiert startete Daniel Günther immer wieder Zwischenrufe aus dem hohen Norden, um der CDU im Osten eine Zusammenarbeit mit der SED-Linken nahezulegen. Der ostdeutsche Wahlkämpfer Sven Schulze in Sachsen-Anhalt, der sich an Günthers Rat hält, geht gerade mit dem Kurs der Anbiederung bei den Linken und permanenten Angriffen auch unter der Gürtellinie gegen die AfD unter.
In Berlin suchte Günther, sich eine Machtposition zu sichern, indem er zwei Abgesandte ins Kabinett Klingbeil-Merz schickte, beide stark linksgrün ideologisch unterwegs, beide ohne tiefere Kenntnis der Geschichte, der demokratischen Valeurs und Non-Valeurs.
Wadephul, den man als Baerbock im Anzug verspotten könnte, ganz in der Hand eines durch und durch grünen Außenministeriums, der Deutschland in Baerbockscher Manier im Ausland isoliert und lächerlich macht, der gern viel deutsches Steuergeld außer Landes schafft, weil er unter anderem meint, in Syrien sähe es schlimmer aus als in Deutschland 1945 und dass den türkischen Gastarbeitern das deutsche Wirtschaftswunder zu verdanken ist, ist ein glatter Ausfall, dessen Spitzenleistungen in Peinlichkeiten bestehen.
Doch Daniel Günther genügten weder die ständigen Rufe aus dem hohen Norden, noch die beiden Emissäre in Berlin, er suchte dann auch noch den Weg über die Talk-Shows, so über Lanzens Journaillenkabinett. Bis heute weiß niemand, ob Daniel Günther dort als Ministerpräsident, als CDU-Vorsitzender oder als Privatmann Günther saß, vielleicht weiß er auch sonst nicht, in welcher seiner drei Identitäten er gerade unterwegs ist. Die Talk-Show geriet zum Desaster, er beschuldigte die freien Medien, Fake News zu verbreiten, und verwechselte an dieser Stelle die freien Medien mit den Brandmauermedien, allen voran dem ÖRR, und forderte Zensur. Belegen konnte er seine Behauptungen, die nicht einmal Stammtischniveau haben, nicht.
So gern wäre Daniel Günther CDU-Vorsitzender geworden, so gern Bundeskanzler. Er hätte dann wohl auch den erfolgreichsten Wirtschaftsminister aller Zeiten, Robert Habeck, zurück ins Amt gerufen, denn bei der Northvolt-Pleite, bei der von beiden zu verantworten 600 Millionen Euro im Feuer stehen, arbeiteten sie richtig gut zusammen. Dass das inzwischen CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium mir den Einblick in die Akten verweigert, sagt alles – sagt alles darüber, wie viel sie dort zu verbergen haben, und dass sie versuchen, Habeck und vor allem Günther zu schützen.
Die Umfragen zeigen es, Daniel Günther war ein Missverständnis der Landesgeschichte. Seine Zeit neigt sich dem Ende zu. Nur Parteienverbote und die Oligarchisierung der Demokratie können ihn noch retten, nur noch Brandmauermedien und ein durch ein neues Gesetz umgebauter Verfassungsschutz nebst ideologisch abhängigen Gerichten.
Nicht Schleswig-Holstein ist Provinz, Daniel Günther ist Provinz. Der Ministerpräsident hat nun offensichtlich die den Norddeutschen nachgesagte Geduld und Gelassenheit überstrapaziert.





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