Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird immer weniger nicht-deutsche Mitmenschen abschieben müssen - die Zahl der Einbürgerungen steigt im Rekordtempo: Im Jahr 2025 haben in 14 Bundesländern 309.852 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. 2015 waren es 107.317.
Der Anstieg ist das Ergebnis mehrerer Entwicklungen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts der früheren Ampel-Regierung, die seit Juni 2024 gilt, hat den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft deutlich erleichtert: Die Mindestaufenthaltsdauer wurde von acht auf fünf Jahre verkürzt, bei besonderen Integrationsleistungen sogar auf drei Jahre. Zudem ist die doppelte Staatsbürgerschaft nun grundsätzlich möglich. All die politisch gewollten Änderungen zeigen nun Wirkung.
So wurden in 14 Bundesländern mindestens 309.852 Einbürgerungen registriert – deutlich mehr als der bereits rekordverdächtige Wert von 291.955 im Jahr 2024. Das geht aus einer umfassenden Recherche von WELT AM SONNTAG hervor, die vorläufige und finale Zahlen mehrerer Länder auswertete. Fehlende Daten aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und teilweise aus Niedersachsen, Saarland sowie Schleswig-Holstein deuten darauf hin, dass die bundesweite Gesamtzahl noch höher ausfallen dürfte.
Größte Gruppe: Tausende Syrer werden Deutsche
Der sprunghafte Anstieg seit 2022 hängt maßgeblich mit der Massenzuwanderung in den Jahren 2015/2016 zusammen. Viele Syrer und andere Migranten aus dieser Zeit haben nun die erforderliche Aufenthaltsdauer erreicht. Syrer bilden in den meisten Bundesländern weiterhin die größte Gruppe unter den Eingebürgerten. In Nordrhein-Westfalen etwa wurden 2025 Tausende Russen eingebürgert – ein Anstieg um mehr als 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch türkische Staatsangehörige verzeichnen deutliche Zuwächse.
Politologe Dmitri Stratievski vom Osteuropa-Zentrum Berlin erklärt gegenüber der WELT AM SONNTAG die steigenden russischen Einbürgerungen mit einer „gemischten“ Gruppe: Ein Teil wolle die politische Verbindung zu Russland kappen, ein anderer Teil nutze den deutschen Pass aus praktischen Gründen (etwa für Reisen), behalte aber den russischen Pass.
Dass sich die Einbürgerungszahlen in nur zehn Jahren (2015: 107.317) fast verdreifacht haben, sorgt auch für Kritik: So warnen besonders Unions-Politiker und die AfD vor einer zu schnellen Vergabe des Passes und fordern strengere Prüfungen bei Loyalität zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Alice Weidel etwa kritisierte wiederholt die „Massen-Einbürgerung“ und eine „Entwertung des deutschen Passes“. Weidel bezeichnete die Reform als „Staatsbürgerschaft light“, die Loyalität und Integration nicht ausreichend prüfe.

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