Zwischen der Zutode-Rettung des Buckelwals und dem Suizid durch Energiewende gibt es aufregende Parallelen. Wer sie versteht, versteht auch das Land besser, als es ihm womöglich lieb ist.
picture alliance/dpa | Marcus Golejewski
Gerhard Henschels Standardwerk „Das Blöken der Lämmer. Die Linke und der Kitsch“, erschienen 1994 und heute nur noch antiquarisch zu ergattern, zeigte damals auf dem Titel weder ein Lamm noch einen Linken, sondern einen singenden Wal vor sinkender Sonne. Die Titelillustration des Klassikers passt aus mehreren Gründen perfekt zum Deutschland des Jahres 2026, nicht nur wegen Timmy, dem ertrunkenen Meeressäuger, der vor seinem Ableben noch eine anderthalb Millionen Euro teure und vier Wochen andauernde teure SM-Behandlung verpasst bekam.
Vermutlich ahnte selbst der ziemlich fantasiebegabte Henschel seinerzeit nicht, dass sich die Kitsch- und Ideologiekrempel-Obsession Jahrzehnte später nicht mehr nur auf das harte linke Lager beschränken würde. Die Verdrängung der Rationalität durch das Selbstgefühl findet sich heute in fast allen Milieus, sie bestimmt weite Teile von Politik und Medien und mutmaßlich auch die Zukunft dieses Landes. Davon legt der tote Timmy lebendiges Zeugnis ab, die deutsche Energiepolitik, fast jeder Tagesthemenkommentar, aber eben auch die Einlassungen äußerlich ganz normaler Bürger, die am Ostseestrand fest daran glaubten, der schon halbtote Buckelwal würde ihre nachgemachten Gesänge nicht nur hören, sondern auch dankbar aufnehmen. Der gleiche Phänotyp hält es auch für einen Erfolg, wenn deutsche Solaranlagen einen Stromüberfluss erzeugen. Dass dieser Überfluss beispielsweise am sonnigen aber verbrauchsarmen 1. Mai für eine Entsorgungsgebühr von bis zu 499 Euro pro Megawattstunde ins Ausland gedrückt wurde, damit daheim das Netz nicht zusammenbricht, halten sie
a) für Zauberey der erzbösen Gaskathi in Berlin
b) Desinformation
oder
c) ein kleines Opfer für eine übergroße Sache.
In Deutschland herrscht nämlich traditionell eine Vorliebe für Übergrößen, sobald es um Visionen, Ideen und raumgreifende Operationspläne geht. Die meisten Zeitgenossen sehen vermutlich auch kein Problem darin, a bis c gleichzeitig zu glauben.
Um die Energiewende, die wirtschaftliche und auch geistige Entwicklung des Landes besser zu verstehen, müssen wir an dieser Stelle noch kurz die Timmypassion nacherzählen. „Sie war weder kurzweilig noch langweilig, sie war eine hermetische Geschichte“ (Thomas Mann an einem anderen Ort). Am 3. März tauchte der Buckelwal vor Wismar im flachen Wasser auf, behindert durch Seile und Netzteile im Maul, die ihm aber von Helfern entfernt werden konnten. Dann legte er sich auf verschiedene Sandbänke, erst in der Timmendorfer Bucht (daher sein Name), später wieder vor Wismar und dann nahe der Insel Poel. Am 7. April geben echte Experten dem Tier nur geringe Überlebenschancen. Sie weisen auch später mehrfach darauf hin, dass ein Wal aus bestimmten Gründen immer wieder ins Flachwasser schwimmt: nämlich, um sich dort auszuruhen, weil ihm die Kraft zum Schwimmen fehlt. Bekanntlich müssen die Meeressäuger regelmäßig zum Atmen an die Oberfläche. Dieser Kraftanstrengung entgehen sie auf der Sandbank. Es handelte sich also um ein geschwächtes und höchstwahrscheinlich krankes Tier.
Nach dieser Feststellung läuft der Rummel rund um Timmy erst so richtig an. Leute, die sich als Helfer bezeichnen, verfolgen den Plan, den Buckelwal von seiner Ruhebank zu zerren und ihn dorthin zu befördern, wo er offenkundig nicht hin will, nämlich ins tiefe Wasser. Zu diesem Zweck lärmt das Retterteam um ihn herum, Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus lässt sich zu dem Wal fahren und muss ihn unbedingt anfassen. Ein Meeresbiologe macht darauf aufmerksam, dass Krach für einen Wal, der vor allem per Gehör navigiert, eine Zumutung bedeutet, und dass man Wildtiere ohne wichtigen Grund nie anfassen sollte, weil das bei ihnen einen Fluchtinstinkt auslöst, der um so mehr Stress bedeutet, wenn die geschwächte Kreatur nicht fort kann. Mittenmang gibt es auch politische Misshelligkeiten; die Bundestagsfraktion der Grünen begreift Timmys Schicksal als Auftrag und Mahnung (oder umgekehrt), während der NDR die politische Instrumentalisierung des Wals durch Rechte beklagt. Einer der Flüsterer soll angeblich oder tatsächlich Verbindung in einschlägige Kreise unterhalten. Jedenfalls muss auch bei fortgesetzter Tierquälerei die Brandmauer stehen.
Ende April verabschiedet sich die aus Hawaii angereiste Tierärztin Jenna Wallace aus Protest gegen das Herumgestümpere rund um Timmy. Einer der Aktivisten, schrieb sie später auf Facebook, sei „so sehr damit beschäftigt gewesen, sich selbst zu filmen, zu telefonieren, mit Timmy zu sprechen und ihm in die Augen zu sehen, dass das Unternehmen beinahe zum Abschluss gekommen wäre: Er hätte beinahe mit der Schiffsschraube Timmys Fluke überfahren.“ Apropos Fluke, also Heckflosse: Eines der letzten Bilder auf dem Lastkahn zeigt später ein um die Fluke geschlungenes Seil, offenbar angebracht, um ihn daran ins Wasser zu ziehen. Ein Biologe wies später darauf hin, dass nur blutige Laien so etwas tun würden: Die Fluke des Wals sei nämlich nicht mit dem Skelett verbunden, sie kann also bei Zug leicht ein- oder sogar abreißen.
Am 28. April bugsiert der Trupp Timmy mittels umgelegter Feuerwehrschläuche auf einen mit Wasser gefüllten Lastkahn, eine sogenannte Barge, und schippert mit ihm gen Nordsee. Die Barge schaukelt im Seegang, das kranke Tier schlägt deshalb mit ziemlicher Sicherheit gegen die stählernen Wände. Am 2. Mai schließlich kommt Timmy 70 Kilometer vor Skagen irgendwie von Bord. Unter welchen Umständen, das wissen nur sehr wenige Augenzeugen. Denn ausgerechnet von dem großen Free-Willy-Moment existieren keine Bilder. Der an seiner Rückenfinne angebrachte GPS-Sender liefert keine Positionsdaten. Da er nur sendet, wenn der Wal zum Atmen auftaucht, liegt die Vermutung nahe, dass er den schnellen Ertrinkungstod starb, sobald er vom Kahn gezogen oder geschubst wurde. Womöglich stürzte er sich auch selbst in die Tiefe, um der erzblöden Angelegenheit ein Ende zu machen. Am 15. Mai treibt der Kadaver eines schon seit längerem toten Buckelwals vor der dänischen Insel Anholt. Es handelt sich um keinen anderen als Timmy. Zur Identifizierung taugt der GPS-Tracker immerhin. Erst jetzt stellt sich das wahre Geschlecht heraus, nämlich weiblich. Zu allem Überfluss wurde das Wesen also die ganze Zeit auch noch gemisgendert.
Von dem Gesamtergebnis distanzierte sich MediaMarkt-Chef Walter Gunz ein bisschen, der den größten Teil der Chose bezahlte. Offenbar ging ihm auf, dass sich die Aktion nur so mittelgut als Werbung für seine Firma eignet. Ohne das Großaufgebot von Walflüsterern und -flüsterinnen hätte sie aber nie in dieser Dimension anlaufen können. Über eine von ihnen, die Sonderpädagogin Andrea Maria Böttcher, schrieb die NZZ: „Für den Wal hat sie sich beurlauben lassen, schläft seit zwei Wochen im Auto auf der Insel, in Sichtweite immer Timmy.“ Hier erzählt Böttcher, Timmy habe „definitiv gerufen“; „mit Menschenkraft“ ließe er sich retten, wenn man nur wirklich wollte.
Eine andere Frau erklärte vor der Kamera, sie sei hinaus zu Timmy geschwommen und habe dort mit ihm mittels Walgeräuschen kommuniziert. Tränen fließen nicht erst nach der Strandung vor Anholt. Wenn überhaupt, dann flossen sie vor allem vorher aus Selbstrührung und via Social Media, zu sehen beispielsweise hier. Minister Backhaus vergoss zwar nicht direkt Zähren, erklärte aber öffentlich, er hätte Timmy „elfmal in die Augen geschaut“ und ihm/ihr Begleitung bis zum Schluss angeboten. Dann blieb er trotzdem lieber oberhalb des Wasserspiegels und überhaupt in Schwerin.
Für die hermetische Geschichte vom Wal gilt genauso wie für die noch unabgeschlossene Erzählung von der Energiewende, dass sie ohne die Aktivisten, Tränen, Selfies und ministerielles Handauflegen anders verlaufen wären, vor allem kürzer und weniger qualvoll. Die Entsprechung zu Andrea Maria Böttcher bei der Neuinszenierung von „Stirb langsam“ für die deutsche Volkswirtschaft heißt Michael Bloss, Europaabgeordneter der Grünen ,und seines Zeichens Energiespezialist. Das heißt selbstredend: grüner Energiespezialist. Auf X (wo er wie viele andere seiner Partei ausharrt) beklagte er neulich, was jeder weiß, der das deutsche Energiesystem versteht:
Dass die Strombörse an sonnigen, verbrauchsarmen Tagen, siehe oben, Negativpreise ausweist, liegt daran, dass dann vor allem Dach- und Balkonsolaranlagen, die sich nicht abregeln lassen, Strom ins Netz senden, den niemand braucht, und der sich nicht speichern lässt. Bloss hält ihn allen Ernstes für „kostenlos“. In Wirklichkeit handelt es sich um die teuersten Kilowattstunden überhaupt: Einmal vergütet sie erst der Netzbetreiber, der sie abnehmen und dafür staatlich festgelegte und von Robert Habeck noch eigens erhöhte Entgelte zahlen muss, die natürlich deutlich über null liegen. Die Differenz erstattet ihm der Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung, also der Steuerzahler. Um den Netzkollaps zu verhindern, muss die unbrauchbare Energie schnell ins Ausland – wie schon beschrieben für Entsorgungskosten von gut 500 Euro je Megawattstunde. Auch diesen Posten holen sich die Netzbetreiber aus dem steuergeldgespeisten Fonds, für den die Regierung 2026 gut 30 Milliarden Euro einplant. Mehr „Netze“ helfen gegen diesen Irrsinn sowieso nicht, Speicher in diesen Dimensionen, die man bräuchte, um den nutzlosen Strom aufzufangen, existieren weder heute noch gibt es sie morgen oder übermorgen.
Ein aktuelles Beispiel aus Niedersachsen kann das illustrieren: Erstens, was den Batteriespeicher Emmerthal in der Nähe des früheren Kernkraftwerks Grohnde, Niedersachsen selbst betrifft, und zweitens, was sich die Fraktion der Energiewender darunter vorstellt. Ein Portal behauptet, die Riesenbatterie würde „mehr leisten als einst das AKW Grohnde“, der Autor dort übersieht nur eine Kleinigkeit, wenn er die elektrische Nettoleistung des 2021 stillgelegten Meilers von 1,36 Gigawatt mit der Speicherkapazität der Großbatterie von 6 Gigawatt vergleicht. Grohnde schickte die 1,36 Gigawatt pro Stunde ins Netz – und das, Wartungszeiten ausgenommen, 24 Stunden am Tag. Die Batterie leistet also bei ihrer Entladung etwa das gleiche wie das Kraftwerk an einem späten Vormittag. Abgesehen davon erzeugt ein Kraftwerk Strom, eine Batterie speichert ihn lediglich (was bei der Emmerthal-Batterie nur vier Stunden bis zur Entleerung dauert). Man sollte meinen, dass jeder Absolvent selbst des deutschen Schulsystems diesen Unterschied versteht. In Wirklichkeit verstehen ihn noch nicht einmal Politiker, in deren Hand dummerweise das Schicksal einer ganzen Volkswirtschaft liegt. In einer zweiten Mitteilung auf X empfiehlt Bloss: „Man könnte jetzt Netze und Speicher bauen.“
Wer immer sich hinter „man“ versammelt – Bloss gehört mit Sicherheit nicht dazu. Ausweislich seines Lebenslaufs erwarb er einen Master in „Globalisation and Development“, arbeitete für die UN, die grüne EU-Abgeordnete Franziska Keller und die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, bis er 2019 selbst in das EU-Parlament einrückte. Irgendeine Lebensstation in der Privatwirtschaft oder generell eine wertschöpfende Tätigkeit lässt sich nicht entdecken, noch nicht einmal eine ultrakurze. Der Politiker, der prototypisch für die Grünen aller Parteien steht, hält also besonders teuren und sinnfreien Wegwerfstrom für hochwertvoll, andererseits aber auch kostenlos. Und obwohl die Blossenergie – vergleichbar etwa mit der Menschenkraft der Walversteherin weiter oben – kostenlos herbeiströmt, wirft er Wirtschaftsministerin Reiche vor, sie würde diese kostenlose Energieerzeugung durch Subventionskürzung kaputtmachen. Tatsächlich will Reiche die nicht regelbaren Dachsolaranlagen, die im wachsenden Maß das Stromnetz an seine Grenzen und womöglich bald darüber hinaus bringen, ab 2027 wenigstens nicht mehr vom Steuerzahler bezuschussen lassen. Bauen darf sie auch danach noch jeder. Warum die Anlagen überhaupt Staatsstütze brauchen, obwohl die Sonne doch keine Rechnung schickt – diese Frage würde unser Energieesoteriker in Brüssel vermutlich mit einem ähnlich gequirlten Redeschwall (nicht) beantworten wie eine hochengagierte Walquälerin, sobald sich ihr jemand mit Mikro nähert.
Auf X tippen ganze grünennahe Netzdivisionen trotz des angeblichen linken Auszugs aus der Muskhölle täglich das gleiche wie Bloss, nämlich die Siegesmeldung über den Überflussstrom, der die Überlegenheit der deutschen Energiewende beweist. Diese feste Überzeugung herrscht auch bei vielen Weltrettungsbegleitmedien des Landes. „Deutschland erstmals seit 2023 wieder Strom-Nettoexporteur. Deutschland hat im ersten Quartal 2026 wieder mehr Strom ins Ausland verkauft. Und erneuerbare Energien spielen dabei eine große Rolle“, meldet beispielsweise das Neue Deutschland der Spiegel. Wie schon in früheren Zeiten empfiehlt sich bei Triumphnachrichten der Blick ins Kleingedruckte. Laut Bundesnetzagentur importierte Deutschland zwischen 1. Januar und 14. Mai 2026 in Summe 23 458 Gigawattstunden Strom und exportierte 24 982 Gigawattstunden, es ergab sich also ein Exportüberschuss von 1524 GWh. Finanziell lag der Saldo für diesen Zeitraum bei minus 259,26 Millionen Euro. Das Austauschgeschäft kostete den bundesdeutschen Steuerzahler also eine Viertelmilliarde.
https://factsheets.stromdaten.info/

Das ergibt sich zwangsläufig, wenn ein Land den zum dunklen und trüben Jahresbeginn eher teuren Strom aus dem Ausland kauft, und dafür Energie über die Grenze schickt, die oft knapp über Null und gelegentlich auch minus 499 Euro kostet. Hier stoßen wir auf das Kernproblem: Viele Leute in Deutschland, von denen wiederum etliche an einflussreichen Stellen sitzen, verstehen den Unterschied zwischen Plus und Minus nicht, zwischen einem nützlichen und einem Wegwerfgut, zwischen einer Batterie und einem Kraftwerk, zwischen Erzeugungskosten direkt am Solarmodul und Windrad und den Systemkosten, die es verursacht, wenn Anlagen Strom nicht dann erzeugen, wenn ihn jemand braucht, sondern zu den Zeiten, in denen das Wetter gerade passt. Dieser ARD-Faktenfinder etwa vergleicht genau diese Gestehungskosten, die nicht das geringste über die Gesamtkosten – zusätzliche Stromtrassen, Speicher, Stromentsorgung – aussagen; die Gestehungskosten setzt sein Text für Windkraft bei vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde an, die von Kernkraft bis zu 49 Cent (was in Wirklichkeit bestenfalls für Vollkosten von Neubauanlagen gilt). Bei dem Autor des Volksaufklärungsstücks Pascal Siggelkow handelt es sich übrigens um die ARD-Koryphäe, die den berühmten pflanzenförmigen Sprengstoff erfand.
In Niedersachsen versteht ein Grüner Umweltminister, der sich 2023 über die Abwrackung der letzten Atomkraftwerke freute, partout nicht, warum die CO2-Emissionen seines Landes wieder steigen. Sie verstehen es nicht und glauben an alles Mögliche, beispielsweise an das Netz als Speicher, das heilige Grundlasthuhn, Kernkraftelektronen, die das Netz verstopfen, oder gleich an stromerzeugende Fernseher, so wie auch eine herumröhrende Frau am Ostseestrand fest daran glaubt, dass Timmy sie ganz genau versteht. Weder der eine noch der andere Zustand lässt sich therapieren. Zu einem Bloss, Spiegel-Redakteuren mit Dyskalkulie und dem erkenntnisgehemmten Landesumweltminister in Hannover gesellen sich Figuren sonder Zahl, die einander sehr stark ähneln. Überall dort, wo sie wirklich wichtig wäre, herrscht nämlich in diesem Staat keine Vielfalt.
Zu der großen Riege gehört beispielsweise die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, die in ihrer Parlamentsrede von 2021 das Verschwinden der Grundlast und Energieversorgung „angebotsorientiert“ in Aussicht stellte. Kotting-Uhl verdingte sich laut Vita eine Zeitlang als Dramaturgin bei der Landesbühne Baden-Württemberg, zeitweise betrieb sie auch eine „Familiengründung für ein alternatives Leben im Kraichgau mit Selbstversorgertendenzen“. Damals lachte man über sie. Heute nähert sich die Wirklichkeit ihren Visionen an. Und mit der Selbstversorgersache (was preppen heißt, wenn Nichtlinke es tun) bewies sie eine erstaunliche Weitsicht, zumindest im privaten Bereich.
Weiter oben stand: Grüne aller Parteien. Aus gutem Grund, denn es war schließlich eine nominelle CDU-Kanzlerin, die hervorragend funktionierende Kernkraftwerke auf den Müll beförderte. Aber die wirklichen Grünen bilden innerhalb dieser Gruppe noch einmal einen ganz besonderen Kreis. Nirgends kommen Spökenkiekerglaube, Esospinnerei, Gemeinschaftskundelehrergerede, die buchstäbliche Unfähigkeit, eins und eins zusammenzuzählen, Moral im Doppelpack, grandiose Selbstüberschätzung und ebenso ausgeprägte Selbstrührung so reibungslos zusammen wie hier.
In seinem oben erwähnten Buch „Die Linke und der Kitsch“ zitiert Gerhard Henschel unter anderem Luise Rinser mit folgender Passage aus ihrem Lebenswerk: „Jetzt denke ich: daß unsere geschändete, vergiftete Erde uns immer noch Rosen schenkt! Diese unendliche Geduld. Diese unendliche Hoffnung. Ich knie in meinem Garten nieder, ich streichle die Erde, ich sage ihr Liebesworte, ich verspreche ihr, daß wir sie retten“ (Fade out). Rinser schrieb während der NS-Zeit schwülstige Huldigungslyrik („Wir jungen Deutschen, wir wachen, siegen oder sterben, denn wir sind treu!“), fälschte sich nach 1945 eine Widerstandsbiografie zusammen und lobte den nordkoreanischen Massenmörder Kim Il-sung für seine Menschlichkeit. Noch etwas später demonstrierte sie gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf; 1984 machten die Grünen sie zu ihrer Bundespräsidentenkandidatin. Wer den Erdenlauf dieses ausgepichten Lügenendlagers samt aller politischen Implikationen studiert, versteht schlagartig erstens den Charakter der Grünen und zweitens den gegenwärtigen Zustand des Landes vermutlich besser, als ihm lieb ist. Wem das wider Erwarten nicht reichen sollte, der sehe sich diese ultraseifige Milieustudie an.
Für die Bilanz der teutonischen Energiewende reichen drei Zahlen. Der deutsche Haushaltsstrom ist der teuerste in der EU, gleichzeitig aber auch der mit dem viertgrößten CO2-Abdruck.


Und wie das Statistische Bundesamt gerade bekannt gab, ging in der kurzen Zeit von Februar 2022 bis 2026 die Produktion der energieintensiven Industrie um 15,2 zurück, die der Industrie insgesamt um 9,5 Prozent. Deutschland exportiert Jobs und importiert die Emissionen von Produkten, die jetzt in China, Indien und anderswo entstehen. Diese wirtschaftliche Selbstzerstörung beeinflusst das Globalklima ungefähr so, wie dem Kadaver vor Anholt kalte Umschläge helfen. Bundesumweltminister Carsten Schneider, SPD, beklagt zeitgleich, dass Deutschland seine „Klimaziele“ nicht einhält. Wie schlimm, muss man sagen, stünde es auf diesem Feld der Ehre erst ohne Deindustrialisierung?
Zwischen der Energiewende und Timmy lassen sich viele Parallelen ziehen. Erstens, was Aufwand und Ergebnis betrifft, zweitens angesichts der Tatsache, dass beide als Rettungsobjekte galten beziehungsweise immer noch gelten, und das trotz der Kostenlosenergie galore. Drittens, was den mentalen Zustand der jeweiligen Retter betrifft. Und schlussendlich liegt die Engführung darin, dass beide Zirkusvorstellungen nirgendwo sonst in der Welt stattfinden. An den diversen Atlantikküsten kommt es jedes Jahr zu hunderten Walstrandungen. Überall betrachtet man sie nüchtern als Teil der Natur, jedenfalls kam niemand weit und breit auf die Idee, ein Tier tagelang über den Styx zu fahren, um es dann wie eine deutsche Megawattstunde zu verklappen. Selbst in Deutschland kam früher keiner auf diesen Gedanken. Nur hier reißen sich Selbstgerührte das Derrière auf und dem Wal fast ab.
Immerhin: Die große Timmy-Session zahlten zwei Millionäre privatim. Für die deutsche Energiewende berappen fast 84 Millionen privat, aber nicht ganz freiwillig.
Nachdem die Landesflagge mittlerweile bunt und längs gestreift aussieht, wäre es Zeit, auch die Nationalhymne zu ersetzen: durch den großen Buckelwalgesang.

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