AfD bei Infratest erstmals vor Union: Merz führt die CDU in historischen Absturz

Die AfD liegt bei Infratest erstmals vor der Union, Schwarz-Rot stürzt auf historische Tiefstwerte, und Friedrich Merz erreicht den schlechtesten Kanzlerwert seit Beginn des Deutschlandtrends. Zeit für die Vertrauensfrage.

IMAGO - Collage: TE

Zum ersten Mal liegt die AfD auch im Infratest-Deutschlandtrend vor der Union. 27 Prozent erreicht die AfD in der politischen Stimmung, zwei Punkte mehr als Anfang April. Die Union fällt im selben Zeitraum um zwei Punkte auf 24 Prozent. Das ist mehr als eine Momentaufnahme. Es ist die Quittung für eine CDU, die liefert – aber nur, was der SPD an immer neuen Zumutungen für die Steuer- und Beitragszahler einfällt.

Friedrich Merz wollte die Union aus der Merkel-Starre befreien. Herausgekommen ist eine CDU, die unter ihm weiter an Profil verliert, während sie zugleich für die Folgen einer Politik haftet, die sie den Wählern so großspurig als Neuanfang verkauft hat. Ein Jahr Schwarz-Rot reicht, um aus moderatem Regierungsrückhalt einen historischen Vertrauensbruch zu machen. Im Mai 2025 startete die Koalition mit 40 Prozent Zufriedenheit. Jetzt sind es 13 Prozent. 86 Prozent der Befragten sind weniger oder gar nicht zufrieden.

Seit Beginn des Deutschlandtrends 1997 wurde keine Bundesregierung zwölf Monate nach Amtsantritt schlechter bewertet als diese. Nur in drei Fällen lag der Zufriedenheitswert überhaupt noch niedriger: Rot-Grün im November 2003 und März 2004 mit jeweils 11 Prozent sowie Schwarz-Gelb im Juni 2010 mit 12 Prozent. Merz hat damit binnen eines Jahres aus dem Kanzleramt keinen Ort der Führung gemacht, sondern ein politisches Belastungszentrum für die eigene Partei.

Der Kanzler selbst steht noch schlechter da als seine Koalition. 16 Prozent sind mit seiner politischen Arbeit zufrieden, 83 Prozent unzufrieden. Das ist der schlechteste Wert, der im Deutschlandtrend je für einen amtierenden Bundeskanzler gemessen wurde. Olaf Scholz, den die Union jahrelang als Inbegriff der Führungsschwäche vorführte, lag an seinem Tiefpunkt im September 2024 bei 18 Prozent. Merz unterbietet sogar Scholz.

Noch härter fällt das Urteil aus, wenn die Deutschen nach Kanzlertauglichkeit, Krisenfähigkeit und Kommunikation gefragt werden. Nur 25 Prozent halten Merz für dem Amt gewachsen, 69 Prozent sehen das anders. Im August 2025 waren es noch 42 Prozent. Nur 18 Prozent trauen ihm zu, das Land gut durch eine Krise zu führen; 75 Prozent verneinen das. Gerade einmal 14 Prozent finden, Merz kommuniziere überzeugend, 82 Prozent widersprechen. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist ein Führungsbefund.

Auch inhaltlich ist Schwarz-Rot für die Bürger abgeschrieben. 86 Prozent sind unzufrieden damit, was die Regierung bislang auf den Weg gebracht hat. Nur 12 Prozent zeigen sich zufrieden. Die Bundesregierung bekommt damit nach einem Jahr das Urteil, das Regierungen normalerweise am Ende verbrauchter Legislaturperioden ereilt. Bei Merz kommt es früh, deutlich und mit voller Wucht.

Besonders verheerend ist der Befund bei der Wirtschaft. Nur noch 24 Prozent trauen der Bundesregierung zu, die deutsche Wirtschaft wieder zu stärken. Das sind 31 Punkte weniger als im Juni 2025. Für eine CDU, die sich jahrzehntelang als Partei der wirtschaftlichen Vernunft verkaufte, ist das ein politischer Kernschaden. Wenn der Union bei Wirtschaft, Führung und Vertrauen die Kompetenz entgleitet, bleibt von ihrem Machtanspruch wenig übrig.

Auch bei sozialer Sicherheit und Migration trägt die Koalition keine Stärke vor sich her. 23 Prozent trauen ihr zu, für mehr soziale Sicherheit zu sorgen, 14 Punkte weniger als zuvor. Bei irregulärer Migration glauben 34 Prozent, Schwarz-Rot könne wirksam begrenzen und steuern. Selbst dort, wo die Union den Bürgern Härte, Ordnung und Kurswechsel versprochen hatte, bleibt ein Drittel Restvertrauen. Mehr nicht.

Die Koalition wirkt auch im Inneren verbraucht. 84 Prozent sind unzufrieden damit, wie die Regierungsparteien miteinander umgehen. 87 Prozent sind unzufrieden damit, wie die Regierung ihre Politik erklärt und vermittelt. Merz und die CDU haben sich an eine SPD gebunden, deren Minister sichtbar schwach bewertet werden, und schaffen es dennoch nicht, daraus eigene Stärke zu ziehen. Drei von zehn Befragten meinen, die Union habe sich am stärksten durchgesetzt. 22 Prozent sehen die SPD vorn. Mehr als jeder Dritte meint, beide hätten sich gleich stark oder gleich wenig durchgesetzt. Das ist für eine Kanzlerpartei ein Armutszeugnis.

Selbst im Kabinett sieht Merz blass aus. Boris Pistorius kommt auf 56 Prozent Zufriedenheit und liegt damit weit vor allen anderen. Innenminister Alexander Dobrindt erreicht 25 Prozent, Lars Klingbeil 21 Prozent, Bärbel Bas 18 Prozent. Merz steht bei 16 Prozent. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kommt auf 12 Prozent, Jens Spahn ebenfalls auf 12 Prozent Zufriedenheit bei 78 Prozent Unzufriedenheit. Die Union stellt den Kanzler, doch ihr Spitzenpersonal wirkt in dieser Erhebung wie eine Belastungsliste.

Alice Weidel erreicht 26 Prozent Zufriedenheit, die AfD liegt bei 27 Prozent und damit erstmals auch bei Infratest vor der Union. SPD und Grüne stehen bei 12 und 15 Prozent, die Linke bei 10, BSW bei 3, FDP bei 4 Prozent. Die politische Mitte, die sich selbst so gern als stabilisierende Vernunft beschreibt, produziert eine Lage, in der die stärkste Kraft rechts der Union steht.

Schwarz-Rot regiert ein Land, das wirtschaftlich unter Druck steht, und diskutiert schon die nächste Umverteilung. Auch daran erkennt man, dass es diese bürgerliche Wende zu keinem Zeitpunkt gegeben hat.

Die Merz-CDU wollte nach Scholz die Führung übernehmen. Merz wollte die AfD halbieren. Stattdessen halbiert er bald die CDU. Und nimmt zum Glück die SPD gleich mit. Da darf man gratulieren. Nach einem Jahr steht die Union hinter der AfD, trägt eine historisch unbeliebte Regierung, verliert jede fälschlich zugeschriebeneWirtschaftskompetenz und hat einen Kanzler, dem die Mehrheit weder Amtstauglichkeit noch Krisenführung noch überzeugende Kommunikation zutraut. Aus der angekündigten Wende ist ein Absturz geworden. Die Union wollte den politischen Raum rechts von sich kleinhalten und hat sich dabei selbst kleiner gemacht.

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Kommentare ( 76 )

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Mausi
1 Monat her

Der Schwarze Peter – der demjenigen zufällt, der D aus der Pleite bringen soll – wird der AfD in die Hände geschoben. Geld weg, Vermögen weg, Schulden für mindestens die nächste Generation und eine Struktur in D zusammen mit der Einbindung in die EU, die keine Reformen möglich macht. Wer kann z. B. ein Bildungssystem reformieren, dessen Verantwortung bei den Ländern liegt? Oder Gesetze, die der Zustimmung durch den Bundesrat bedürfen? Oder Regeln, die von der EU verpflichtend vorgegeben sind? Im übrigen traue ich der AfD nicht zu, einen Plan in der Schublade zu haben, sollte sie regieren dürfen. Anders… Mehr

Ralf Poehling
1 Monat her

Da hat jemand Spaß in den Backen. 🙂 Zu recht.

Raul Gutmann
1 Monat her

Die Union steuert zielgerichtet auf ihren Untergang zu.
Das in naher Zukunft eintretende Zustimmungsverhältnis von 30:20 AfD zu Union wird eine Beschleunigung bewirken.
Parallel wird eine Parteiaustrittswelle einsetzen…
Die Democratia cristina läßt grüßen …

Siggi
1 Monat her

Die nahe Zukunft ist doch wieder leicht auszumachen. WAs jetzt kommt, ist die übliche Verzögerungstaktik aus Gründen, dann kommen die gegenseitigen Vorwürfe, zur Vorbereitung auf die Position im Wahlkampf, dann wieder die Hetze gegen die AfD, eventuelle mit Böhmermann, Steinmeier und wie die Komiker alle heißen mögen, ja und dann kommt der Wahlkampf. Diesmal wird es schwer mit Lügen und falsche Versprechen, denn das wichtigste, die Glaubwürdigkeit wurde leichtgertig für einen Pyrrhussieg wegegeworfen. Was hat diese Regierung und die Akteure außer unglaubliches Geld zu verbraten, sich bis auf die Konchen lächerlich zu machen und dem Land extremen Schaden zuzufügen den… Mehr

Mikmi
1 Monat her

Deutschland läßt sich nicht mit Zufriedenheit retten, diese Versager haben uns 1 Bio. Euro weitere Schulden beschert und nichts erreicht. Es wir so viel Geld zweckentfremdet, soviel gelogen, diese Leute sollen endlich zurück treten, jeder weitere Tag werden sie dafür haften. Wer wissentlich dieses Land ausraubt, der soll auch vor Gericht dafür gerade stehen.
In Berlin macht man sich Gedanken über einen Führerschein für Supersportwagen, dumme und ungebildete sollten kein Land regieren.

hoho
1 Monat her

Tun sie nicht.
Es ist eine kleine Minderheit die es verstanden haben, dass diese Richtung falsch ist. Der Rest und das sind jetzt immer noch gute 60% der aktiven Wählerschaft, will nichts davon wissen.

Michaelis
1 Monat her

Man darf gespannt sein, wie sich unsere Demokratieverächter jetzt zur AfD-Verbotsdebatte stellen!!!

Verhältnissse allmählich wie bei unseren österreichischen Nachbarn, wobei die Ösis noch vor uns liegen, da sie nicht von tapferen Ossis gerettet werden müssen.

Last edited 1 Monat her by Michaelis
Engel
1 Monat her

Boris Pistorius kommt auf 56 Prozent Zufriedenheit und liegt damit weit vor allen anderen. Innenminister Alexander Dobrindt erreicht 25 Prozent, Lars Klingbeil 21 Prozent, Bärbel Bas 18 Prozent. Merz steht bei 16 Prozent. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kommt auf 12 Prozent, Jens Spahn ebenfalls auf 12 Prozent Zufriedenheit bei 78 Prozent Unzufriedenheit.“

Völlig uninteressant. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Engel
1 Monat her

„Friedrich Merz wollte die Union aus der Merkel-Starre befreien.“

Dieser Satz ist falsch.

Ce n’est pas une pipe.

Last edited 1 Monat her by Engel
Wise Otherwise
1 Monat her
Antworten an  Engel

„Ce n’est pas une pipe.“

Magritte hat mehrere Bilder mit diesem Titel gemalt. Der Witz dabei war: Eines davon zeigt wirklich eine Pfeife. 🥳 Passt.

Chrisamar
1 Monat her
Antworten an  Wise Otherwise

Der Witz dabei war, es ist keine Pfeife. Sondern die Illusion einer Pfeife.

MerkelistdasProblem
1 Monat her

„Merz führt die CDU in historischen Absturz“

Endlich schreibt mal Jemand über seine Führungsqualitäten ,
das wird ihn freuen .