Axel Müller (CDU) greift im Corona-Untersuchungsausschuss zum untersten Mittel und versucht einen Sachverständigen mittels Missbrauchstraumas abzuqualifizieren. Was für eine unglaubliche Schande und ein Offenbarungseid der CDU, die Aufklärung durch persönliche Diffamierung ersetzt.
Screenshot X / TheRealTom
Noch unterhalb der untersten Schublade des persönlichen Verhaltens und der einst üblichen parlamentarischen Gebräuche bewegte sich der CDU-Abgeordnete Axel Müller, Ravensburg. Er versuchte Stephan Kohn, den Verfasser der qualifizierten Warnungen vor der Corona-Politik im Innenministerium, als Sachverständigen im Corona-Untersuchungsausschuss des Bundestages zu disqualifizieren. Müller wollte Kohns mehr als berechtigte Kritik von damals entwerten, indem er Kohn fragte, ob sein Kindheitstrauma des sexuellen Missbrauchs, der vertuscht wurde, ihn dazu gebracht hätte, auch bei den Regierungsplänen der Corona-Politik Vertuschen zu unterstellen.
Christoph Lütge, Professor für Unternehmensethik, kommentiert den Skandalauftritt des CDU-MdB Müller als „bezeichnend, zu welchen Mitteln mittlerweile gegriffen wird, um die Corona-Aufarbeitung aus der Bahn zu werfen. Offensichtlich fällt diesen Leuten nichts anderes mehr ein.“
Das Kindheitstrauma eines Sachverständigen hat nichts in einer fachlichen Debatte über Krisenmanagement, Corona-Politik oder Behördenversagen zu suchen. Der Versuch, einen unangenehmen Kritiker der Regierungslinie zu diskreditieren, statt mit Argumenten zu antworten, ist mehr als durchsichtig und menschlich miserabel.
Müller ließ sich durch Einwürfe im Untersuchungsausschuss in keiner Weise davon abbringen, mit seinen Untergriffen ungerührt – ja, nahezu angestachelt – fortzufahren, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, mit einer gewissen Lust.
Stephan Kohn gab Axel Müller ruhig und pointiert Bescheid, Schicksalsschläge würden durchaus gegen die Erwartung schützen, sich stets stromlinienförmig einzupassen.
Stephan Kohn war Oberregierungsrat im Referat für Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesinnenministerium (BMI). Im Mai 2020 verfasste und versandte er eigenständig einen kritischen „Auswertungsbericht“ zur Corona-Politik an Kollegen in anderen Ministerien und externe Kooperationspartner, nachdem in der Hierarchie niemand bereit war, das heiße Eisen anzufassen. TE veröffentlichte damals den „Auswertungsbericht“ und löste damit eine breite öffentliche Beachtung und Kontroversen aus. Der Bearbeiter bei TE hatte den Bericht nicht von Kohn, sondern von Gunnar Heinsohn.
Kohn ist als Kind und Jugendlicher (zusammen mit Brüdern und seiner damaligen Freundin) Opfer sexuellen Missbrauchs durch seinen Stiefvater, einen evangelischen Pfarrer, geworden. Der Skandal („Ahrensburger Missbrauchsskandal“) wurde 2010 durch den Spiegel öffentlich und führte zu einer umfangreichen Aufarbeitung in der Nordkirche. Die Taten waren verjährt, der Täter blieb straffrei.
Als die Bewertung der Coronapolitik-Pläne von Stephan Kohn vorlag, war klar, hier tickt eine Zeitbombe. Gunnar Heinsohn und TE waren einig, Kohn hatte höchst relevante Informationen zusammengetragen und bewertet im regelmäßigen Austausch mit seinen Kollegen in Landesinnenministerien. Kohns Referatsleiter scheute seine Verantwortung und bat Kohn, seine Erkenntnisse „unter seinem eigenen Namen und nicht im Namen″ des Referats weiter zu verfolgen. Der Referatsleiter hatte in der Sache keine Einwände, wusste aber, was bei den Führungsebenen des BMI politisch unerwünscht sein wird. Kohn sollte sich die Hände verbrennen, wenn er denn wollte, aber er, der Referatsleiter, würde seine Hände in Unschuld waschen.
Stephan Kohn hat keinen CDU-Abgeordneten Müller verdient, der ihn herabwürdigen will, sondern seine volle Rehabilistierung. Stephan Kohn hat den Mut vor Herrscher-Thronen bewiesen, der dem deutschen Beamtentum abhanden gekommen ist.




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„Ist das der neue Ton der FDP, lieber Herr Kubicki? So wird das nichts. Früher hatte die FDP noch Stil und Anstand.“ ….twitterte die CDU bzgl. einer Ausage gegen Merz von Herrn Kubicki. Zur CDU kann man nur fragen: Wie tief kann man sinken? Absolut widerlich!
„Der real existierende öffentliche Dienst wie Minister und der ganze Parteienstaat können aufrechte Beamte mit Berufsethos nicht ertragen.“
Das ganze System wird gehalten von Stiefelknechten, Bütteln, Profiteuren und der Heerschar abhängiger Beamter, die dem Dienstherren folgen (müssen), nicht ihrem Gewissen, was natürlich wie überall auch nur begrenzt ausgeprägt ist. Jeder Durchschnitt der Gesellschaft ergäbe gleiche Ergebnisse – nur die Beamten erhalten ihre Bonbons vom Staat in Fürsorge, da lässt sich das Gewissen, sofern vorhanden, doch schnell wieder beruhigen.
Das ist der ganze Sinn des Beamtengesetzes – Stillhalten und Funktionieren gegen Sicherheit und Bonus!