Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger schlägt Alarm: Für Bürgergeld-Empfänger zahlt der Bund weiterhin zu wenig an die Krankenkassen. Die sich neu auftuende Milliardenlücke sollen abermals Beitragszahler und Arbeitgeber zahlen. Nun drohen neue Beitragssprünge. Mit diesem Raubzug muss Schluss sein.
picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann
Deutschlands gesetzliche Krankenversicherung steuert auf die nächste Beitragserhöhung zu. Das Defizit für 2026 könnte nach Kassenangaben auf bis zu 15 Milliarden Euro anwachsen. Die Ausgaben steigen, die Reserven schmelzen, die Unruhe im System wächst. Und wieder läuft alles auf dieselbe Pointe hinaus: Bezahlen soll am Ende nicht der Staat, sondern derjenige, der ohnehin schon jeden Monat abliefert.
Besonders brisant ist dabei der Block Bürgergeld. Für Empfänger dieser Leistung überweist der Bund nach den Angaben des Berichts derzeit nur 140 Euro pro Monat an die Krankenkassen. Nach Darstellung der Kassen reicht das hinten und vorne nicht. Die Unterdeckung summiert sich demnach auf rund zehn Milliarden Euro im Jahr. Diese Summe verschwindet nicht im Nebel. Sie taucht als Belastung bei Kassen, Arbeitgebern und regulären Beitragszahlern wieder auf.
Damit liegt der Kern des Problems offen zutage. Die Politik beschließt Leistungen, verweigert aber die ehrliche Finanzierung. Der Bundeshaushalt schont sich, während die Sozialversicherungen als Ausweichkasse herhalten. Auf dem Papier wirkt das elegant. In der Realität ist es ein grober Zugriff auf die Einkommen derjenigen, die das System tragen.
Genau deshalb haben die Krankenkassen inzwischen den juristischen Weg gegen den Bund eingeschlagen. Der GKV-Spitzenverband spricht offen von Milliarden, die der Bund den Kassen schuldig bleibe. Schon diese Wortwahl zeigt, wie weit die Sache aus dem Ruder gelaufen ist. Es geht nicht um eine kleine Fehljustierung und nicht um eine vorübergehende Unwucht. Es geht um eine politische Dauerpraxis, bei der Lasten verschoben, Kosten kaschiert und Rechnungen versteckt werden.
Für die Betroffenen ist die Lage eindeutig. Arbeitnehmer zahlen höhere Beiträge, Arbeitgeber ebenfalls. Arbeit in Deutschland wird noch teurer, Nettolöhne geraten noch stärker unter Druck, der ohnehin angeschlagene Standort verliert weiter an Luft. Währenddessen inszeniert sich die Politik gern als sozial, großzügig und verantwortungsbewusst. Tatsächlich arbeitet sie mit einem Taschenspielertrick. Sie verteilt Wohltaten, legt die Rechnung aber nicht offen auf den Tisch, sondern schiebt sie durch die Hintertür ins Beitragswesen.
Besonders brisant ist dabei nicht nur die Summe, sondern die Dreistigkeit des Musters. Kaum wird die Finanzierung eng, tauchen sofort neue Ideen auf, wie sich die Lücke bei den Falschen schließen ließe, weswegen die unfähige Bundesregierung nun auch an die bisher beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern ran will. Ein Mindestbeitrag von 225 Euro monatlich steht im Raum, mit bestimmten Ausnahmen. Der normale Versicherte soll also noch einmal tiefer in seine ohnehin schon klammen Taschen greifen, weil der Staat an anderer Stelle zu wenig zahlt bzw. Millionen an eingereisten Menschen aus aller Welt, die nie einen Cent in die Krankenversicherung eingezahlt haben, von den Beitragszahlern mitfinanzieren lassen. Die Politik bestiehlt die Beitragszahler.
Das ist der eigentliche Skandal. Erst wird das Bürgergeld im Gesundheitsbereich nicht kostendeckend finanziert. Danach erklärt man den Familien, nun müsse eben auch ihre bisherige Absicherung auf den Prüfstand. So sieht die Logik einer Politik aus, die sich vor klaren Prioritäten drückt. Nicht der eigene Apparat wird beschnitten, nicht die falsche Konstruktion korrigiert, nicht die Wahrheit über die Kosten ausgesprochen. Stattdessen wächst der Druck auf jene, die ohnehin schon die Hauptlast tragen.
Rainer Dulger hat deshalb recht mit seiner Forderung, versicherungsfremde Leistungen aus dem Steuerhaushalt zu finanzieren. Dort gehören sie hin. Dann müsste die Regierung offen bekennen, was ihre Politik kostet. Dann wäre sichtbar, welche Summen für welche Entscheidungen wirklich aufgebracht werden müssen. Genau diese Transparenz wird seit Jahren vermieden. Lieber belastet man die Sozialkassen, weil sich das politisch leichter verstecken lässt.
Hinzu kommt ein Apparat, der sich selbst immer weiter aufbläht. Dulger hält Verwaltungskosten der Sozialversicherungen von mehr als 26 Milliarden Euro jährlich für deutlich zu hoch. Auch das zeigt, wie das Land inzwischen regiert wird: oben wächst der bürokratische Wasserkopf, unten sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Rechnung dafür bezahlen.
Am Ende entsteht ein Zustand, der das Vertrauen in das ganze System komplett untergräbt. Die gesetzliche Krankenversicherung soll Gesundheit absichern. Stattdessen wird sie immer stärker zur politischen Verfügungsmasse. Mal stopft sie Haushaltslöcher, mal trägt sie Sozialpolitik, mal federt sie Entscheidungen ab, die aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden müssten. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Ein System, das ständig für fremde Zwecke angezapft wird, verliert Stabilität, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.
Die Debatte über steigende Beiträge ist deshalb in Wahrheit keine Debatte über Naturgesetze, Demografie oder irgendein anonymes Schicksal. Sie ist eine Debatte über politische Bequemlichkeit. Der Staat lädt die halbe Welt zu sich ein, zahlt beim Bürgergeld zu wenig an die Krankenkassen, verschiebt Milliarden in andere Taschen und lässt sich die Differenz von denen zurückholen, die nicht ausweichen können. Er bestiehlt die Beitragszahler zur Finanzierung dieser aus dem Ruder gelaufenen Party. Genau so wird aus Sozialpolitik eine schleichende Enteignung der arbeitenden Mitte.
Und der Befund ist klarer, als es manchem in Berlin lieb sein dürfte: Nicht die Krankenkassen haben dieses Milliardenloch politisch geschaffen. Nicht die Beitragszahler. Es ist das Ergebnis einer Regierungspraxis, die Kosten verschleiert und Verantwortung weiterreicht. Bürgergeld steht dabei nicht am Rand, sondern im Zentrum. Der Bund spart sich gesund, und der Bürger bezahlt die Rechnung.
Im Interview mit der NZZ bestätigt Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Befund sehr deutlich. Nicht Ärzte und nicht Patienten treiben dieses System an die Wand, sondern ein Staat, der es mit immer neuen Lasten überzieht und die fälligen Reformen vor sich herschiebt. Die Gesundheitsversorgung von Bürgergeld-Empfängern sei das plakativste Beispiel für versicherungsfremde Leistungen, sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Rund zehn Milliarden Euro würden auf diese Weise im Gesundheitssystem geparkt, obwohl diese Kosten in Wahrheit in den Haushalt des Arbeits- und Sozialministeriums gehörten.
Damit fällt auch die übliche Ausrede in sich zusammen, wonach eben einfach die Versorgung immer teurer werde und deshalb die Beiträge steigen müssten. Gassen widerspricht genau diesem Narrativ. Von rund 45 Milliarden Euro nicht gegenfinanzierten versicherungsfremden Leistungen ließen sich allein mit einer ehrlichen Verlagerung der Bürgergeld-Kosten sofort zehn Milliarden aus dem Druckkessel nehmen. Die Krise der Kassen ist also nicht bloß das Ergebnis medizinischer Notwendigkeiten, sondern Ausdruck einer Politik, die ihre Sozialausgaben verschleiert und sie den Beitragszahlern unterjubelt.
Besonders brisant für die Politik wird es dort, wo Gassen das Thema ganz offen mit Migration verknüpft. Rund die Hälfte der Bürgergeld-Empfänger habe keinen deutschen Pass, sagt er, erhalte aber sofort Zugang zum Sozial- und Gesundheitssystem. Für die Betroffenen sei das natürlich günstig, für die Beitrags- und Steuerzahler teuer. Genau darüber werde jedoch nicht ehrlich gesprochen. Statt die Kosten offen zu benennen und politisch zu verantworten, werden sie über andere Töpfe verdeckt gegenfinanziert. So sieht der Mechanismus aus: öffentliche Großzügigkeit auf dem Podium, heimliche Belastung der arbeitenden Bevölkerung bei der Rechnung.

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… Ein System, das ständig für fremde Zwecke angezapft wird, verliert Stabilität, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. … Das hat aber keine Konsequenzen. ARDZDF verliert uferlos an den letzten beiden?! Na und! GEZ ist trotzdem zu zahlen. Bei der KK dito – ist zu zahlen und fertig!. Politische Bequemlichkeit?! Nein. Kalt kalkuliert. Die Rechnungen müssen bezahlt werden. Also nimmt man es von dort, wo Gegenwehr nicht möglich ist. Gut, etwas habe ich mich doch gewehrt. Seit 2026 Teilzeit. Ich bin nahe an der Rente, hatte eigentlich vor, noch weiter zu arbeiten. Aber als alter weißer über- privilegierter Mann, der zu keiner Minderheit gehört und damit von… Mehr
Wie hieß es doch 2015/16 von seiten der für die Masseneinwanderung verantwortlichen Merkel-Regierung: niemandem wird dadurch etwas genommen werden. Die damaligen Kritiker wurden teils übel beschimpft, aber sie haben recht behalten, weil sie einfach weiter gedacht bzw. überhaupt nachgedacht haben. Jetzt haben wir die Misere, verschärft durch viele Ukrainer, die ebenfalls nie ins deutsche Sozialsystem einbezahlt haben. Man kann nur hoffen, daß sich die Krankenkassen gegnüber einer zynischen Politik durchsetzen können. Geld ist angesichts enormer Steuereinnahmen und ebensocher Zusatzverschuldung gegug da, man darf es nur nicht weiterhin sinnlos verplempern, sondern müßte die Ausgaben streng begrenzen bzw. abschaffen (vor allem für… Mehr
Je mehr Migranten nach Deutschland kommen, umso prekärer wird die Wirtschaftslage der GKVs. Das will aber die herrschende Clique von Politikern nicht hören.
Warum können AUCH Bürgergeldempfänger nicht einen „Symbolischen“ Beitrag bei JEDEM Artzbesuch zahlen. Sagen wir 5 €. ( Nicht bei reinen Verschreibungsterminen.)
Mal sehen ob sich dann etwas ändert….
„Die CDU will Krankenkassenkosten von Grundsicherungsempfängern vom Bund übernehmen lassen. Die SPD bezeichnet die Idee ohne Finanzierungsvorschlag als unausgegoren. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt „Zu einem seriösen Vorschlag gehört allerdings auch, dass man dann benennt, wie eine Gegenfinanzierung aussehen könnte.“ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/nina-warken-dagmar-schmidt-carsten-linnemann-gesetzliche-krankenversicherung-finanzierung-gxe Die Finanzierung durch die Beitragszahler ist ja gesichert, weshalb daran etwas ändern, gelle SPD. Heute „Reform der Krankenversicherung:SPD lehnt Leistungskürzungen für gesetzlich Versicherte abKommende Woche will die Expertenkommission zur Reform der Krankenkassen ihre Ideen abgeben. Die Probleme liegen nicht auf der Einnahmeseite, mahnt die SPD.“ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-03/nina-warken-reform-gesetzliche-krankenkasse-spd-kritik-kuerzungen Die Beiträge können ja ganz einfach immer weiter nach oben geschraubt werden, gelle… Mehr
Wie kann es sein, dass Politiker, an sich Dienstleister, ihre Arbeitgeber – die Wähler/Bevölkerung ausplündern können?. Wie kann es sein, dass gezielt seit 2015 millionfach europaweit hergeschaffte Fremde auf Kosten der Einheimischen jahrelang rundum versorgt werden können, ohne Ende?. Was erlaubt sich diese Politik?. Ist Deutschland, Europa deren Eigentum?.
Ich sehe sie schon kommen; die nicht enden wollenden Massenproteste entzürnter Bürger, mit Mistgabeln bewaffnet, Gülle und Tomaten hektoliterweise vor dem Parlament auskippend! Aber Halt! In Frankreich, NICHT im Schlafland Deutschland.
Was ist da los? Bei jeder sich bietenden Gelegenheit flankiert der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger Kritik an der seit Jahren andauernden und schier nimmer endenden katastrophalen Regierungspolitik des linken rotgrünschwarzroten Parteienblocks mit einer deutlichen „Warnung vor der AfD“.
Ja hat denn Rainer Dulger das nun vergessen? Es wäre ein unverzeihlicher da „demokratiegefährdender“ Fauxpas. Oder behält er sich seine politische Einordnung bis vor die kommenden Landtagswahlen im September vor, weil zu inflationär warnende Stümperhaftigkeit, die Inflation im Land nur noch weiter anheizen würde? Nur Rainer Dulger allein weiß es wohl.
Woher soll die Regierung die fehlenden Milliarden für die Krankenversicherung der Bürgergeldempfänger nehmen? Das Geld wird für den Ukraine-Krieg und Förderung der Energiewende in aller Welt benötigt. Und mal ehrlich: Die gesetzlich Krankenversicherten mucken auch nicht auf, sondern ertragen das Abkassieren stumm. Für die vielen Rentner ist das ganze noch eine zusätzliche Rentenkürzung bei den ohnehin niedrigsten Renten aller Industrieländer.
Zitat: „Der Bund spart sich gesund“ – nein, der Bund spart nichts und es reicht alles nicht. Es handelt sich noch um ein hektisches Gerumgeschiebe von Kosten, die der Bürger tragen soll, das nützt aber nichts mehr. Ohne radikalen Sparkurs, der auch Kürzungen bei Beamten beeinhalten muss, ohne radikale Streichung der Bürokratie (was viele Stellen freisetzen wird) , man nehme auch die völlig überzogene Verwaltung bei der Bundeswehr, wird nichts reformiert werden können. Und die Rechnung für die Migration muss an Angela Merkel geschickt werden – zumindest im politischen Sinn.