Nur zehn Tage vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz sprechen CDU und CSU von noch höheren Steuern: Es gibt erstmals die Bereitschaft, über eine Anhebung des Spitzensteuersatzes zu sprechen. Erst vor vier Wochen lehnte Friedrich Merz eine Steuererhöhung klar ab – da meinte er noch, „die Zitrone ist ausgequetscht“.
picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora
Am 18. Februar dieses Jahres lehnte der Kanzler eine Steuererhöhung noch klar ab, etwas mehr als ein Monat später ist dies wieder anders: Politiker der CDU und CSU signalisieren, über eine Anhebung des Spitzensteuersatzes zu sprechen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Voraussetzung wäre eine umfassende Steuerreform, die vor allem kleine und mittlere Einkommen spürbar entlastet und gleichzeitig den Solidaritätszuschlag vollständig abschafft, berichtet aktuell das Handelsblatt.
Anstoß für die neue Debatte lieferte ein Reformkonzept des Ökonomen Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: In seiner Analyse schlägt er eine grundlegende Neuordnung des Einkommensteuertarifs vor.
Kern des Modells ist die Abschaffung des sogenannten „Mittelstandsbauchs“. Damit wird der Bereich im deutschen Steuersystem bezeichnet, in dem die Steuerbelastung für mittlere Einkommen besonders schnell ansteigt. Viele Experten kritisieren seit Jahren, dass dadurch insbesondere Arbeitnehmer mit durchschnittlichen Einkommen relativ stark belastet werden.
Spitzensteuersatz soll auf 49 Prozent steigen
Das Konzept sieht deshalb vor, die Steuerkurve in diesem Bereich abzuflachen. Gleichzeitig soll der Solidaritätszuschlag vollständig entfallen. Im Gegenzug würde der Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent auf etwa 49 Prozent steigen.
Vertreter der Union bewerten den Vorschlag inzwischen zumindest als Diskussionsgrundlage. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler, erklärte, das Konzept könne ein Ausgangspunkt für Gespräche über eine dringend benötigte Reform des Einkommensteuertarifs sein.
Ähnlich äußerte sich der CSU-Finanzpolitiker Florian Dorn. Der Vorschlag könne als Basis dienen, wenn die Koalition über eine umfassende Steuerreform berate. Beide Politiker betonten jedoch, dass eine spürbare Entlastung für die breite Bevölkerung oberste Priorität habe.
Dass die Union eine mögliche Anhebung des Spitzensteuersatzes überhaupt in Betracht zieht, gilt als bemerkenswerter Kurswechsel: Noch im Bundestagswahlkampf hatten zahlreiche Unionspolitiker eine solche Maßnahme kategorisch ausgeschlossen und als klassische Steuererhöhung kritisiert.
Jetzt, nur zehn Tage vor der Wahl in Rheinland-Pfalz, wird diese Position aufgegeben. Auch der Kanzler muss sich nun um 180 Grad drehen: Aus der „ausgequetschten Zitrone“ dürften doch noch einige Milliarden für den Staatshaushalt herauszupressen sein.

Es würde somit nicht überraschen, wenn die AfD (aktuell auf 19 Prozent) auch in Rheinland-Pfalz bei der Wahl am 22. März zulegen könnte.
Spitzensteuersatz von 55 Prozent in Österreich
Zum Vergleich: Der höchste Grenzsteuersatz für Arbeitnehmer im Nachbarland Österreich beträgt derzeit 55 Prozent. Dieser gilt für das zu versteuernde Einkommen über eine Million Euro pro Jahr (der Betrag darüber wird mit 55 Prozent besteuert). Für sehr gut verdienende Arbeitnehmer (ab 104.859 Euro Jahresbezug) ist der relevante Spitzensteuersatz 50 Prozent – also der echte „Super-Spitzensteuersatz“.


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Ich erwarte sogar, dass Merz seine Aussagen widerruft. Es würde mich enttäuschen, wenn ich mich auch nur einmal bei ihm irre.
Verrat an seinen Wählern, an den Grundsätzen seiner vormals bürgerlichen Partei, Verrat an allen wertschöpfend Tätigen, Verrat an der vormals angesehnen deutschen Industrie, Verrat an Sicherheit und Zukunft des deutschen Volkes – alles das hat einen Namen: Merz.
So wie ich die Regierung aus CDU und SPD einschätze, wird der Spitzensteuersatz von 49% ab einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € greifen. Das gäbe die Möglichkeit, von den geringfügig Besserverdienenden möglichst viel abzuzocken und umzuverteilen. Um nichts anderes geht es.
Pinocchio ist der falsche Name, denn dessen Glaubwürdigkeit ist wesentlich höher.
Vor allem war für ihn Erlösung möglich.
Sie haben leider vergessen zu erwähnen, dass in Österreich die Rentenhöhe 80% gegenüber 50% in Deutschland beträgt (u.a. aufgrund von 14 Monatsrenten pro Jahr), Aber kann ja schon mal vergessen werden.
Den Menschen tiefer in die Taschen greifen, da funktioniert dieser „failed state“ wie geschmiert!
Merz fällt um?
Falsch. Das suggeriert, daß der Mann vorher gestanden hat…
Friedrich von Münchhausen zu Arnsberg hat innerhalb kürzester Zeit im Amte die Gebrüder Grimm bei wetem überholt. Manch ein Poitiker muss froh sein, dass die nächste Wahl noch recht weit entfernt ist.
Voraussetzung wäre eine umfassende Steuerreform, die vor allem kleine und mittlere Einkommen spürbar entlastet und gleichzeitig den Solidaritätszuschlag vollständig abschafft, … So verschafft man sich Wähler. Die vom Spitzensteuersatz Betroffenen sind relativ wenige, allen anderen verspricht man mehr Geld, die freuen sich. Und die SPD freut sich auch.
„Merz fällt um::
Das ist sein Markenzeichen, den Mann nehme gar nicht mehr ernst und glauben, kein Wort.