Nur noch Merz stützt die SPD, der die Grünen die letzten Wähler streitig machen

Die zentrale Bedeutung des Ausgangs der Landtagswahlen in Baden-Württemberg ist nicht die Fortsetzung der grünen Herrschaft, sondern der dramatische Absturz der SPD - und das parlamentarische Ende der FDP in ihrem einstigen Kernland.

Die Grünen nahmen in Baden-Württemberg der SPD nun die Wähler weg, die die einstige Arbeiterpartei noch nicht an die AfD verloren hatte. Merz ist danach nicht nur wie bisher Kanzler von Gnaden der SPD, sondern einer schrumpfenden SPD. Die verlorenen alten Wähler kann die SPD nicht durch Zuwanderer ins Sozialsystem und aus dem Lager der Feinde Amerikas, der Juden und Israels ersetzen, weil das die Grünen besser können.

Gegen 22 Uhr gestern Abend zeigte die ARD diesen Hochrechnungsstand.

In der Nacht gab das Statistische Landesamt das vorläufige amtliche Endergebnis bekannt. Stärkste Kraft nach dem Zweitstimmenergebnis sind die Grünen mit 30,2 Prozent vor der CDU mit 29,7 Prozent und der AfD mit 18,8 Prozent. Gerade noch in den Landtag kommt die SPD mit 5,5 Prozent. Die FDP scheitert in ihrem Stammland mit 4,4 Prozent erstmals an der 5-Prozent-Hürde. Auch mit 4,4 Prozent misslingt der SED-Die Linke der erstmalige Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg. Bei den Sitzen kommt es zu einem Patt von je 56 Sitzen für Grüne und CDU. Die AfD mit 35 Sitzen folgt auf Platz drei, die SPD erhält 10 Sitze.

Was die Gesternmedien als Sieg der Grünen inszenieren, stimmt psychologisch. In nackten Zahlen sind 5,5 Prozent SPD in rotgrünroter Wähler-Binnen-Wanderung zu den Grünen gewechselt. Der Wähler-Verlust der FDP von 6,1 Prozent verteilt sich  nicht bezifferbar auf CDU und AfD.

SPD-abwärts auch bei den Kommunalwahlen in Bayern. Vorzeige-Mann Reiter, Münchens Oberbürgermeister kommt nach Auszählung von über 900 der 1.376 Stimmbezirke nur noch auf 35,5 Prozent der Stimmen, Grünen-Kandidat Krause auf 29,7 Prozent. Das bedeutet eine Stichwahl am 22. März. Reiter hatte 2020 mit 47,9 Prozent im ersten Wahlgang gewonnen.

Mainz, wie es sinkt und kracht. Nach Stuttgart wird sich am 22. März in Mainz am dortigen Zähltag der Landtagswahl zeigen, ob Stuttgart heute die Blaupause war.

Grünen-Nouripour sagt: „Die Wahl in Baden-Württemberg ist eine Blaupause, wie Bündnisgrüne auch bundesweit wieder breiter mehrheitsfähig werden können … Wir müssen dabei nicht überall gleich klingen. Unterschiedliche Bundesländer, Milieus und Lebensrealitäten vertragen auch unterschiedliche Tonlagen und Schwerpunkte (RND).“

Keine Wähler-Klientel muss sich weniger Sorgen um das Bestehen im Alltag machen als die der Grünen, der Partei der gut Versorgten im und durch den Staat, der den Wertschöpfenden immer mehr vom Selbstverdienten wegnimmt.

CDU-Spahn reklamiert den CDU-Zuwachs für „ziemlich Rückenwind in den letzten zwei, drei Wochen“ wie den CDU-Bundesparteitag und wichtige Entscheidungen: „… Heizungsgesetz abschaffen, Bürgergeld abschaffen. Und das hat übrigens dazu geführt, dass wir bei steigender Wahlbeteiligung ein deutlich besseres Wahlergebnis haben als beim letzten Mal … Aber es hat eben – Stand jetzt – nicht für Platz 1 gereicht. Und das ist dann das Bittere daran.“

Von Kanzler Merz war heute früh noch nichts zu hören. Es darf bezweifelt werden, ob ihn derartiges überhaupt interessiert, solange er den Kanzlerstuhl be-sitzt. Mit Frankreichs Macron und UK-Starmer arbeitet er am Abstieg von Alteuropa. Wäre in Merz auch nur eine Spur Kanzlereigenschaft, setzte er jetzt zum Sprung in die Minderheitenregierung an. Das eiskalte Abwarten der folgenden SPD-Abstürze bei den nächsten vier Landtagswahlen traut ihm keiner zu. Aber Wunder gibt’s ja immer wieder. Jedenfalls würde das den Fortgang des Absturzes des Landes verhindern.

Als Minderheitenregierung könnte ein Merz mit strategischen Eigenschaften jetzt auch die Wenden wenden.

Als strategische Revolution bewertet Militärhistoriker Victor Davis Hanson Trumps Vorgehen im Iran und nicht nur als militärischen Sieg. Sein Argument: 𝗴𝗲𝘁 𝗿𝗶𝗱 𝗼𝗳 𝘁𝗵𝗲 𝗿𝗲𝗴𝗶𝗺𝗲 𝗮𝗻𝗱 𝗮𝗹𝗹 𝗴𝗼𝗼𝗱 𝘁𝗵𝗶𝗻𝗴𝘀 𝗵𝗮𝗽𝗽𝗲𝗻. Kein Iran bedeute kein Geld für Hisbollah, kein Geld für Hamas und kein Geld für die Houthis. China verliere seinen Stellvertreter im Nahen Osten. Russland habe bereits Syrien verloren. Jetzt verliere es auch noch den Iran.

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Kommentare ( 56 )

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OJ
5 Stunden her

Ohne die MEHRHEIT der Rentner (SPD und CDU/CSU Wähler) würden wir wahrscheinlich da stehen, wo wir stehen sollten ❗
Altersgruppe Anteil an allen Wahlberechtigten:
18 bis 29 Jahre 15,7 %
30 bis 44 Jahre 22,1 %
45 bis 59 Jahre 23,6 %
60 Jahre und älter 38,5 %
Gesamt 100 %

Last edited 5 Stunden her by OJ
RUEDI
6 Stunden her

Schade nur, aus meiner Sicht, dass die SPD nicht bei 4,995 % gelandet ist. Sie, die UN(S)DEMOKRATEN hätten sofort die Wahlkommission noch in der Nacht aus den Betten getrommelt und NEUAUSZÄHLUNG geplärrt, das was man ganz GESICHERT DEMOKRATISCH dem BSW auf Bundesebene strikt verweigert.
Noch besser, um im Bild der politischen Schönheit zu bleiben: CEM mit aufgerissenen braunen Augen bei seiner Wahl zum MP im Parlament, bestehend aus DER Nationalen Front (Sw-Gr Einheitspartei) und DER einzigen Oppositionspartei AFD.
Gut gemacht BW: Sie machen weiterso, brauchen nicht mal aus ihrem Sessel aufzustehen.

Milton Friedman
6 Stunden her

die SPD, der die Grünen die letzten Wähler streitig machen (…) in nackten Zahlen sind 5,5 Prozent SPD in rotgrünroter Wähler-Binnen-Wanderung zu den Grünen gewechselt. Wenn wir nicht vom Regen in die Traufe kommen und irgendwann so darstehen wollen wie verratene Trump-Wähler, kann man nicht deutlich genug mit dem Finger darauf zeigen, wenn erfolgreiche politische Bewegungen unterwandert werden. Ich weiß nicht, was des Authors Absicht ist, hier den Elefanten im Raum nicht nur zu vermeiden, sondern unseren Blick auf den Bettvorleger zu richten, also der rot-grünen Binnenwanderung. Als Ex-Liberaler kann ich den Ex-FDPler verstehen, es so sehen zu wollen. Aber… Mehr

Last edited 6 Stunden her by Milton Friedman
LiKoDe
7 Stunden her

Bei der SPD hat man immer noch nicht begriffen, dass die Grünen ihre Mitbewerber sind, die auf Kosten der SPD stets grösser wurden und werden.

Klaus D
7 Stunden her
Antworten an  LiKoDe

Das würde der CDU auch passieren wenn sie sich auf die AfD einlassen würde

verblichene Rose
5 Stunden her
Antworten an  Klaus D

Ich hätte nichts dagegen 😉
Oder benötigt man die Merzel-CDU noch zu irgendwas?

Last edited 5 Stunden her by verblichene Rose
Ohanse
8 Stunden her

In der Bundes-CDU ist man sich einig: An Merz hat es nicht gelegen. In der BaWü-CDU ist man sich einig: An Hagel hat es nicht gelegen. In der CDU ist niemand für irgendetwas verantwortlich. Die CDU ist die Partei der organisierten Verantwortungslosigkeit.

Last edited 8 Stunden her by Ohanse
Michael Palusch
9 Stunden her

Als strategische Revolution bewertet Militärhistoriker Victor Davis Hanson Trumps Vorgehen im Iran und nicht nur als militärischen Sieg. Der militärische Sieg ist noch längst nicht ausgemacht. Jedenfalls nicht so, wie sich das Trump vielleicht zu Beginn des Überfalls ausmalte. Ein Anzeichen dafür sollte sein, dass man inzwischen dazu übergegangen ist, die anfangs sorgsam ausgesparten Ölförderinfrastruktur des Iran zu bombardieren. Ganz nach dem Motto: „Wenn wir die nicht haben können, dann soll sie auch kein anderer haben!“. Somit dürfte die „strategische Revolution“ im Falle eines Pyrrhussiegs wohl darin bestehen, dass die gesamt Region -und die Weltwirtschaft gleich mit- im völligen Chaos… Mehr

Juergen P. Schneider
9 Stunden her

Die einst so stolze SPD ist nur noch eine Splitterpartei, aber das kümmert die Versager an der Parteispitze wenig. Hauptsache noch ein paar Jahre abkassieren. Das Schicksal von Land und Leuten ist diesen Versagern genauso egal wie ihren politischen Freunden vom Merkel-Merz-Klatschhasenverein. Im Brandmauerland bleibt alles beim Alten. Besserung ist nicht in Sicht, weil die Untertanenmehrheit sie nicht wählen will.

Engel
1 Stunde her
Antworten an  Juergen P. Schneider

Die einst so stolze SPD“

Hehehe!

Logiker
9 Stunden her

„……..der Prozess, den Angela Merkel mit ihrer „Alternativlosigkeit“ angestoßen und mit ihrer „Brandmauer“ zementiert hat, ist weit fortgeschritten. Wozu das führt, haben wir heute bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gesehen: Die Wähler hatten keine Wahl. Denn es stand schon vorher fest, dass sie grün regiert würden. Es war nur unklar, ob diese grüne Regierung formell von einem CDU-Politiker geführt wird oder von einem Grünen……
……Dank der Brandmauer haben wir die verrückte Situation, dass trotz bürgerlicher Mehrheit immer nicht-bürgerliche, linke Parteien mit in der Regierung sind.
Das ist keine Demokratie mehr.“

Quelle:
https://reitschuster.de/post/das-ende-der-demokratie/

Last edited 9 Stunden her by Logiker
Yani
8 Stunden her
Antworten an  Logiker

Wessis sind scheinbar nie an etwas selber schuld. Immer sind es andere (Merkel, der ÖRR, Putin, Trump, die Mullahs, das „böse“ CO2…). Einfach mal, wie im Osten, knallhart zu 40% oder mehr AfD wählen? Nein. Wie? Das geht doch nicht.

Chrisamar
9 Stunden her

Übersichtlich und strukturiert alles in den Artikel gepackt, was man wissen sollte. Dafür vielen Dank!

Logiker
9 Stunden her

Alle schreiben, dass die Wahl einmal mehr vergeigt wurde – nicht nur die Parteien, sondern auch die Wähler wie üblich versagt haben.

Falsch !

Die CDU auch in BW hat es mit dem vorliegenden Wahlergebnis in der Hand, eine konservative Regierung zu bilden – mit der AfD. Die Grünen hätten dann keinen Mehrheitsbeschaffer mehr.

Aus bekannten Gründen passiert das aber nicht.

Das ist der eigentliche Skandal – den ich persönlich nicht als solchen bezeichne, sondern als „Sabotage“, die die in Kürze zelebrierten Amtseide ad absurdum führt.

Kassandra
9 Stunden her
Antworten an  Logiker

Kann der Fehler nicht darin liegen, die union weiter „konservativ“ zu denken?

Logiker
8 Stunden her
Antworten an  Kassandra

Dem ist so – man kann das auch hier in mind. jedem 2. Artikel lesen. Da bedeutet „konservativ“ alles so lassen wie es ist. Meckern und Palavern über Unzulänglichkeiten, aber ja nichts Unbequemes damit verbinden. Das war Merkels Strategie, die leider aufgegangen ist und von allen Blockparteien bis heute praktiziert wird. Die wurde nur deshalb so lange ertragen, weil sie vermeintlich die Leute in Ruhe ließ – „Mutti“ eben. Da diskutiert der CDU-Parteitag kürzlich über Internetverbot für 14-Jährige, über Work-Life-Balance und ähnliche gaaanz wichtige Themen. Die wichtigen Dinge aber werden nicht angegangen. Der Westen Deutschlands war und ist eben das… Mehr

Last edited 8 Stunden her by Logiker
eschenbach
8 Stunden her
Antworten an  Kassandra

Es wäre vielleicht unschädlich zu erwägen, daß der von Roland Tichy in Aussicht gestellte „Manchester- Effekt“ eine Rolle gespielt haben könnte. An dem wäre die Union einigermaßen schuldlos. Die Leidtragenden sind hier die Sozis, deren Wähler massig zu den Grünen übergelaufen sind.

Engel
1 Stunde her
Antworten an  eschenbach

Gut so. Ich halte die SPD für noch übler als die Grünen. Besser wäre es nat. noch gewesen, sie wären zur AfD gelaufen.

Last edited 1 Stunde her by Engel