Hamburgs Volksentscheide wirken wie Bürgerwille, doch die Finanzberichte erzählen von Stiftungen, Kampagnenapparaten und Geld aus ganz Europa. Parteien dürfen so nicht finanziert werden – Volksinitiativen schon. Ergebnis: Einmischung und Zerstörung der Wirtschaft Deutschlands.
picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt
Direkte Demokratie soll die Abkürzung zum Bürger sein. In Hamburg war sie zuletzt eher die Abkürzung zum Geld. Zwei Volksentscheide, große Parolen, viel Pathos und dahinter Finanzberichte, die ein unangenehmes Muster zeigen: Nicht der Kiez hat geredet, sondern vor allem die Kasse.
Und jetzt kommt der Teil, den man vor der Abstimmung gern gewusst hätte: wer diese Kampagnen überhaupt möglich gemacht hat. Die Rechenschaftsberichte zeigen keine zwei überquellenden Spendendosen aus Hamburg, sondern eine Dominanz von Stiftungen und finanzstarken Akteuren, die mit der Hansestadt vor allem eines verbindet: das Interesse, hier politische Ergebnisse zu erzeugen.
Bei „Hamburg testet Grundeinkommen“ lag das Budget bei 1,67 Millionen Euro. Fast die Hälfte – 788.000 Euro – kam von der dm-Werner-Stiftung aus Karlsruhe, errichtet vom dm-Gründer Götz W. Werner, der das Grundeinkommen jahrelang propagierte. Weitere große Posten kamen von der Haleakala-Stiftung und der Eutopia Foundation. In Summe mehr als 80 Prozent des gesamten Budgets aus drei Quellen. Das ist nicht „Bürgerinitiative“. Das ist ein finanziertes Projekt.
Beim „Hamburger Zukunftsentscheid“ war das Grundmuster identisch, nur der Motor ein anderer: Campact. Und genau hier setzt der Punkt an, den WELT-Journalist Axel Bojanowski anspricht: Wenn Campact als Kampagnenmaschine auftritt, bleibt oft im Dunkeln, welche Großspender hinter diesem Apparat stehen. Bojanowski nennt das ausdrücklich „nicht transparent“ und verweist auf einen möglichen Kern des Interesses: Klimapolitik als Hebel, mit dem sich auch deutsche Wirtschaftskraft massiv schwächen lässt, wenn es manch anderen nützt.
Die Initiative Transparente Demokratie beziffert den Einfluss ganz konkret: Mit weitem Abstand größter Finanzier der Kampagne zur Hamburger Klimaneutralität bis 2040 sei Campact gewesen – über 460.000 Euro und damit knapp die Hälfte der Gesamtkosten. Mehr als die Hälfte der knapp 910.000 Euro Gesamtbudget stammte damit aus einem Berliner Kampagnenzentrum, das nicht nur Inhalte setzt, sondern über Geld und Infrastruktur den Ton bestimmt. Dazu kamen weitere Geldströme aus den Niederlanden (European Climate Foundation, Patagonia Europe Coöperatief), aus Norwegen (UNIFOR-Stiftung der Familie Opsvik) und wieder die Haleakala-Stiftung. Man muss es aussprechen: Volksentscheide, gedacht als Instrument lokaler Selbstbestimmung, werden so zu einem Spielfeld internationaler Geldströme und Interessen.
Währenddessen fiel das echte Hamburger Kleingeld bemerkenswert klein aus. Beim Zukunftsentscheid kamen über private Spenden nur gut 100.000 Euro zusammen. Größter Privatspender war Michael Otto mit 15.000 Euro – und selbst er distanzierte sich kurz vor der Abstimmung von der Kampagne. Das ist das Gegenteil einer breiten, lokalen Trägerschaft.
Auch das Personalbild passt dazu. Die Grundeinkommensinitiative investierte über eine Million Euro in bezahlte Kräfte. Beim Klimaentscheid waren externe Personalkosten niedrig, weil Fridays for Future Hamburg und der NABU mobilisieren konnten: Unterschriften sammeln, Infostände, Plakate. Trotzdem gab es professionelle Unterstützung durch eine Hamburger Werbeagentur, die Leistungen im Wert von 30.000 Euro beisteuerte. Bürgerengagement trifft Kampagnenhandwerk. Aber das große Gewicht liegt beim Geld, nicht beim Ehrenamt.
Das wirklich Politische daran ist die Regelungslücke. Parteien dürfen keine Auslandsspenden annehmen und keine erkennbar interessengebundenen Zuwendungen, zumindest nicht in dieser Form. Volksinitiativen hingegen bewegen sich in einem massiven Graubereich, der solche Beschränkungen bislang nicht kennen will. Wer genug Mittel hat, kann also kommunale Entscheidungen mitfinanzieren, ohne den Kontrollen zu unterliegen, die sonst als Mindeststandard gelten.
Und als Krönung der Intransparenz werden die Finanzströme erst drei Monate nach Ende des Volksentscheids offengelegt. Erst wird abgestimmt, dann wird abgerechnet. Wer das für „Transparenz“ hält, hält auch eine Milchglasscheibe für ein Fenster.
So kippt die Idee der direkten Demokratie: Sie wird zur Materialschlacht. Wer das größte Budget hat, bekommt die größte Lautstärke, die meisten Plakate, die professionellsten Botschaften. Und am Ende eine politische Entscheidung, die alle trifft. Auch jene, die nicht Teil dieser Kampagnenmaschine sind.
Hamburg zeigt, wie leicht ein schönes Versprechen entkernt werden kann. Wenn Volksinitiativen keine klaren Spendenregeln bekommen, wenn Auslandsgeld und interessengeleitete Großfinanzierung faktisch durchgewunken werden, dann bleibt von „Bürgerbewegung“ nur die Kulisse. Regiert wird dann nicht mehr vom Bürger, sondern von denjenigen, die sich Einfluss leisten können – und deren Hintermänner im Zweifel im Schatten bleiben.




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Nun gut, aber noch wird niemand gezwungen, im Sinne einer finanzierten Kampagne abzustimmen. Warum also stimmten die Leute für den Klimawahn in Hamburg? Warum stimmten sie nicht dagegen? Warum nahmen so wenige teil an der Abstimmung? Warum informieren die Leute sich nicht selbstständig? Geht ja heutzutage ganz gut, mit alternativen Medien, X usw…
Hamburg schafft sich eben gerne ab. Das mit dem Klima winken sie durch, aber das bedingungslose Grundeinkommen, was nun wirklich einen Mehrwert hätte, riesigen Bürokratieabbau und eine würdige Grundversorgung darstellen würde, lehnen sie ab. Denen ist nicht mehr zu helfen.
Ich habe null Mitleid mit Hamburg, denn wo war die dort noch starke Wirtschaft, wo die anderen Parteien? Angesichts der offensichtlichen Konsequenzen hätten da die Alarmglocken schrillen müssen. Und ein paar Handzettel und Plakate sind nicht so teurer.
Eine Idee für den nächsten Bürgerentscheid habe ich auch:
„Und als Krönung der Intransparenz werden die Finanzströme erst drei Monate nach Ende des Volksentscheids offengelegt.“
Volksentscheide in Dunkeldeutschland – keine gute Idee! Was grundsätzlich die Frage aufwirft, wann und ob überhaupt der „Souverän“ die Geschicke eines Landes „lenken“ können sollte. Ein uraltes Problem der direkten Demokratie. Natürlich würde die Politik nur dort so etwas zulassen, wo (a) keine „Gefahren drohen“, und/oder (b) die Ergebnisse absehbar den Wünschen und Intentionen entsprechen.
Außenpolitisch scheint die Mehrheit der Michels noch immer den militärischen Sieg über Putins Russland zu fordern, und angesichts dessen kann und muss man schlussfolgern, dass die BRD schlicht nicht REIF ist für eine direktdemokratische Verfasstheit.
also ich find das gut, dieses Selbstvernichten. sollten noch paar mitmachen, da geht es schneller… die sogenannten Gutmenschen. Irgendwann einen Zaun bauen und Almosen über den Zaun werfen. Die Gutverdiener werden Hamburg schnell verlassen, dann sind sie unter sich, oder machen sie dann unter sich ??
Nützliche Idioten also für die Interessen einer Handvoll wohlhabender Privatleute und Investoren. Das ist „Fridays for future“, das ist der NABU.
Was war das Geschrei der „Zivilgesellschaft“ groß als Ungarn (und/oder Rußland?) die Regelung einführte, daß ausländische „NGOs“ ihre ausländischen Geldquellen offen ausweisen müssen! Aus Gründen der Transparenz und der Demokratie.
Deutschland ist da viel weiter. Hier soll die freiheitliche Demokratie ja abgeschafft werden, von den „Unsere-Demokratie“-Schwaflern. Zumindest gibt es immer mehr und immer bessere Gründe, das zu unterstellen.
Hier hat auch der Hamburger Senat versagt!
Sind unsere hoch bezahlten Gesetzesmacher denn tatsächlich so dämlich, dass sie dieses nicht bedacht haben, oder haben sie es nicht bedenken wollen? Genauso wie jede journalistische Veröffentlichung ein Impressum beinhalten muss, aus dem hervorgeht wer rechtlich hierfür verantwortlich ist, müsste bei Volksentscheid-Kampagnen auf jedem Plakat, deutlich lesbar, die Finanzierungen gleich groß wie die Forderungen aufgelistet werden: rechts steht die Forderung: „Klimaneutral bis dann und dann“, parallel daneben steht, „Finanziert von Windkraft Unternehmen so und so“ , das ist doch nun wirklich keine Raketen Wissenschaft.
Unsere Judikative und Legislative bezahlen sich solche „Volksbegehren“ selbst, wenn es „demokratisch aussehen muss“.
Das Konzept der „Zivilgesellschaft“ ist eine kommunistische Erfindung. Es überrascht also gar nicht, dass es in dieser Form fortgesetzt wird.
Diese Untersuchung ist sehr wertvoll. Sie zeigt welche Einflüsse die Abstimmungen entscheiden und – hoffentlich – wie man zu einer überlegten Meinung der echten Bürger kommt … und nicht von Interessengruppen dahinter. Leider gibt es – Klimaversprechen! – dazu nur intelligenzgedrosselte Politiker.