Der CDU-Politiker Daniel Günther ist ein Bürger- und Verfassungsfeind – aber nicht verrückt. Er und seine Helfer wissen sehr genau, was sie tun.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Am 7. Januar kam es zwischen dem ZDF-Talker Markus Lanz und dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Daniel Günther zu einem Dialog, der in die Geschichtsbücher eingehen dürfte. Der Politiker mit CDU-Parteibuch beklagte sich über die seiner Ansicht nach skandalöse Berichterstattung über die schließlich gescheiterte Verfassungsgerichtskandidatin Frauke Brosius-Gersdorf.
Die Juristin, das zur Erinnerung, plädierte und plädiert immer noch dafür, ungeborenem Leben keine Menschenwürde zuzugestehen und das Ehegattensplitting abzuschaffen; Richterinnen mit Kopftuch und geschlechterquotierte Parlamente kann sie sich außerdem gut vorstellen. Als präsumtive Angehörige des für Parteiverbote zuständigen 1. Senats fand sie, das Verbot der AfD wäre ein „starkes Zeichen“.
Niemand weiß, ob die Rechtsprofessorin ohne kritische Berichterstattung eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag bekommen hätte. Jedenfalls scheiterte sie. Ihre Nichtwahl hielt sie übrigens nachträglich für einen „Angriff auf unsere liberale Demokratie“; sie meinte, die Abgeordneten hätten hier nicht nach ihrem Gewissen entscheiden dürfen. Mit dieser Äußerung lieferte sie noch nachträglich einen Grund, warum ihr zwei Dutzend Mandatsträger den Weg nach Karlsruhe ganz zu Recht versperrten.
Daniel Günther hält diese Entscheidung, jemanden nicht zu wählen, offenkundig ebenfalls für unerhört, und plädierte bei „Lanz“ für staatliche Maßnahmen gegen mehrere Medien, die damals nicht so schrieben und sendeten wie von ihm gewünscht: „Wer hat denn dagegen geschossen? Nius und solche Portale (…) Ich glaube, wir müssen viel, viel mehr aufwachen, dass das unsere Gegner und auch die Feinde von Demokratie sind.“
Günther nannte nur Nius namentlich, hinter ’solchen Portalen‘ verbergen sich außerdem die WELT, „Tichys Einblick“, Apollo News, FAZ, Junge Freiheit und ein kleiner Mitspieler namens Publico.
In seinem längeren Monolog beklagte sich der Kieler Regierungschef außerdem über die angeblich faktenfreien Medienbeiträge zu seiner Person, die ihm offenbar missfielen.
Lanz fragte, wie man sich das landesweite Erwachen nach Art von Günther konkret vorstellen sollte: „Also was Sie jetzt sagen, ist im Grunde, wir müssen das regulieren, wir müssen das notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten?“
Günther: „Ja.“
Lanz: „Darüber reden wir.“
Die Frage des Moderators bezieht sich unmissverständlich auf Günthers Suada über „diese Portale“ und nichts anderes.
Anschließend versuchte der Politiker zwar hastig, das Gespräch auf ein anderes Gleis zu schieben, nämlich das von ihm ebenfalls befürwortete Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16. Nur: Das hatte er vorher sowieso schon gefordert. Wenn er jetzt behauptet, sein „Ja“ hätte sich auf die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen bezogen, führt er nebenbei noch ein Experiment zu der Aufgabenstellung durch: Wie viele Leute lassen sich davon beeindrucken, wenn ein Spitzenpolitiker etwas völlig Offensichtliches einfach bestreitet?
Dafür, dass ein nicht ganz einflussloser deutscher Politiker in dieser Klarheit und ganz ohne steinmeieresken Wortnebel eine Zensur und notfalls ein Verbot von Medien vorschlägt, die ihm nicht passen, muss man ihm zunächst einmal danken. Jeder, der will, kann jetzt nachhören und nachlesen, wie sich die Daniel Günthers – ja, es handelt sich um einen Typus – ihren Idealstaat vorstellen.
Von hier an beginnen nun zwei Erzählungsstränge. Zum ersten gehören Politiker und Netzkrieger auf X, die Günther für seine Äußerung ausdrücklich loben und sie ganz offensichtlich so verstehen, wie er sie meinte. Beispielsweise der wegen Erfolglosigkeit ins Privatleben retirierte frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz, der auf X postete: „Daniel Günther hat recht. So einfach ist es.“
Oder Andreas Bovenschulte, SPD-Bürgermeister in einem Stadtstaat, der bei Bildungsvergleichen traditionell ganz unten und in der Kriminalitätsstatistik an der Spitze liegt, kurzum, ein Politiker, der sich strikt dagegen verwahrt, dass Medien Sachprobleme personalisieren und falsche Meinungsmache betreiben:
— Andreas Bovenschulte (@AndreasBovensc1) January 9, 2026
Auch die „Omas gegen Rechts“, Ortsgruppe Leipzig, begrüßen die Worte des Vorsitzenden der CDU Schleswig-Holsteins uneingeschränkt
Lang anhaltenden Beifall gibt es auch von Grünen-Anhängern, die in Daniel Günther einen gemäßigten Konservativen sehen
Endlich, so lautet der Tenor, fordert hier auch jemand aus der zweiten CDU-Reihe, was wir schon längst für richtig halten, nämlich, „rechten Medien auf die Tasten zu treten“.
Der zweite Strang besteht aus Mandatsträgern, Journalisten und Gefolgsleuten auf X, die behaupten, Günther habe mit seinem „Ja“ auf die entsprechende Frage, siehe oben, überhaupt nie und nimmer Zensur und kein Medienverbot gefordert, diese Interpretation sei wieder einmal die typische Desinformation bestimmter Kreise; der Politiker habe vielmehr nur gemahnt, Medien sollten Qualitätsstandards einhalten. Im Übrigen setze er sich nur für den Schutz von Jugendlichen vor Social Media ein. An der Spitze dieser zweiten Gruppe steht Günther selbst.
Jeder weiß, dass er lügt, Günther eingeschlossen. Er tut also genau das, was er bestimmten Medien ohne jeden Beleg vorwirft. Und das eben nicht allen Medien. Würde er das „faktenfrei“ auf alle beziehen, dann müsste man sich beispielsweise bei der umstrittenen Plattform ARD warm anziehen.
Bundesfamilienministerin Karin Prien erklärt den Vorwurf der Zensurforderung an Günthers Adresse zu einer „absurden Kampagne“, ohne zu erklären, ob sie damit nun meint, Günther habe der Zensur gar nicht das Wort geredet, oder ob sie findet, es sei absurd, sich über seinen Zensurwunsch aufzuregen.
Vermutlich trifft aber ersteres zu. Zum Tross gehört auch die frisch als SPIEGEL-Chefredakteurin gescheiterte Melanie Amann, die Günther in der Berliner Morgenpost für seinen Mut beglückwünscht, und ihn gleichzeitig milde tadelt: Natürlich sei er nicht für Zensur und Verbot von Medien, darauf habe sich sein „Ja“ gar nicht bezogen. Umso beherzter lobt sie ihn dafür, dass er darauf hinweisen würde, wie sehr kritische Berichterstattung (sie sagt natürlich nicht „kritische Berichterstattung“, sondern unterscheidet zwischen „Qualitätsmedien“ und „Krawallportalen“) den Verantwortlichen im Land mental zusetzt: „Endlich traut sich mit Günther ein Spitzenpolitiker, den Druck anzusprechen und zum zivilen Widerstand zu ermutigen.“ Ausgewählte Medien als „Feinde der Demokratie“ zu markieren und nach staatlichen Maßnahmen gegen sie zu rufen, ist also ziviler Widerstand, so, wie ja auch schon Günther in der Sendung an „zivilgesellschaftliche Kräfte“ appellierte, beim Großputz in der deutschen Debattenarena mitzuwirken.
Womit wir uns mitten in der orwellesken Gegenwart befinden, in der Kritik – Herrschenden früher schon lästig, aber in klassischen Demokratien trotzdem normal – als Hasshetze gilt und das Planieren der Meinungsfreiheit als Verteidigung der Demokratie, und in der Zensur selbstverständlich das passende Mittel darstellt, solange sie die Feinde trifft, wobei man das eigentlich gar nicht so meint, wie es jeder im Video hören kann, sondern ganz anders.
Aus dem Vorgang lassen sich sechs Dinge lernen, um am Ende eine Schlussfolgerung zu ziehen. Erstens gab es auch Tage später in der Spitze seiner eigenen Partei keinen einzigen Vertreter, der Günthers „Ja“ zur Zensur zurückwies, und sich an seiner anschließenden Wahrheitsverdrehung störte. Auch niemand aus der zweiten Garde. Bisher äußerte sich nur ein einziger ziemlich unbekannter Vertreter mit angemessener Deutlichkeit, nämlich Jan Jacobi, stellvertretender Regionalvorsitzender der CDA Potsdam.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Hessens Regierungschef Boris Rhein beschränkten sich auf ein allgemeines Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. Auf der anderen Seite eilt ihm nicht nur Bundesministerin Prien zur Hilfe, sondern auch die innerhalb der Partei zwar nahezu bedeutungslose, aber medial aufgepumpte Gruppe „Compass Mitte“ um den Kürzestzeitgeneralsekretär Ruprecht Polenz, die auch prompt den Topos vom Schutz der Demokratie durch Meinungseinschränkung hervorkramen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wiederholte einfach aalglatt die Falschbehauptung, Günther habe sich doch nur zum Schutz von Jugendlichen geäußert.
Nun beschränkte sich Günthers entscheidender Redebeitrag nicht auf dieses eine „Ja“ auf die Frage von Lanz. Vorher bezeichnet der Ministerpräsident Journalisten bestimmter Medien als „Feinde der Demokratie“. Es fallen auch die bemerkenswerten Sätze: „Wenn ich mir Nius-Artikel anschaue, mit denen ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin. … Aber die machen den Eindruck, das wäre im Sinne der Meinungsfreiheit etwas, das man sagen darf.“
Ganz offensichtlich meint er also, Nius-Mitarbeiter und andere Journalisten dürften das nicht. Beziehungsweise: Sie sollen es in Zukunft nicht mehr dürfen. Natürlich weiß er auch, dass es sich bei dem, was ihn aufregt, nicht um Fakten handelt: Nius, Tichys Einblick und andere schreiben seinen Namen schon Korrekt mit th, und machen ihn auch nicht zum Bürgermeister von Wesel.
Ihn ärgert vielmehr die geäußerte Meinung, also das, wofür die Kategorien stimmt oder stimmt nicht sowieso nichts taugen. Dass das Grundgesetz auch zugespitzte und polemische Meinungen schützt, stellte das Bundesverfassungsgericht schon 1958 in seinem Lüth-Urteil fest, also in der angeblich so autoritären Adenauer-Zeit.
Damals redeten, schrieben und entschieden allerdings Politiker, Richter und Journalisten meist unter dem noch ziemlich frischen Eindruck einer eben erst zusammengebrochenen totalitären Herrschaft. Die gesamte heutige Unionsspitze versäumt es also, einen deutlichen Trennstrich zwischen die beiden Parteien und Günther zu ziehen. Und was tut eigentlich der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer, der eigentlich schon von Amts wegen Günther zurechtstauchen müsste? Ihn treiben gerade ganz andere Sorgen; er muss gerade die Reste seines Medienfassadenunternehmens am Tegernsee in Sicherheit bringen
Weimer firmiert nämlich so sehr als seriöser Medienunternehmer, wie es sich bei Günther um einen gemäßigten Konservativen handelt. Die nachträglichen Erlaubnisschreiben von FAZ und Economist an Weimer, deren Unternehmenslogo für seine Veranstaltungen zu nutzen, brauchen bestimmt nur ein bisschen länger auf dem Postweg, genauso, wie die Zahlungen an Urheber für unerlaubt übernommene Texte halt ein bisschen später ankommen.
Auch die pomadige Angelegenheit mit den Sonderpaketen inklusive Zugang zu Kabinettsmitgliedern, die Besucher von Weimers „Ludwig-Erhard-Gipfel“ für ordentliche Beträge buchen konnten, löst sich garantiert wohlgefällig auf. Jedenfalls kann sich ein Staatsminister unmöglich um alles kümmern, sondern muss Prioritäten setzen. Alles in allem: Wer sich bis jetzt noch ernsthaft und gutgläubig an die Erwartung klammerte, die Union würde im Notfall demokratische Grundelemente wie Presse- und Meinungsfreiheit verteidigen, der darf endlich loslassen.
Von dieser CDU-geführten Regierung stammt bekanntlich auch ein Gesetzentwurf, mit dem die Bundesnetzagentur – geführt von einem grünen Parteifunktionär – das Recht erhalten soll, die Räume von Medienunternehmen ohne richterliche Anordnung zu betreten und dort Beschlagnahmungen vorzunehmen. Während Günther mit Hilfe seines Amtskollegen Wüst und geneigter Journalisten beteuert, ihm ginge es überhaupt nicht um Zensur, niemals, liegt also schon ein Gesetz zur Medienknebelung fix und fertig vor.
Ein Günther allein kann die Grundrechte nicht abräumen. Auch nicht mit dem Trick, ein kleines Tarnkäppchen zu tragen, indem er sich als bürgerlicher Politiker ausgibt. Die meisten Anhänger bürgerlicher Politik glauben ihm das schon längst nicht mehr, spätestens, seit er 2021 die Corona-Impfung zur „absoluten Bürgerpflicht“ erklärte, und flankierend ein Kontaktverbot für Ungeimpfte vorschlug.

Den Bürgern wollte er übrigens schon vor einiger Zeit nicht mehr jedes Wahlverhalten „durchgehen lassen“.
Das zweite Fazit lautet also: Zur erfolgreichen Transformation der alten Bundesrepublik gehören immer zwei Kräfte. Für die Demontage der Meinungsfreiheit in Deutschland gilt das Gleiche wie für den Ausstieg aus der Kernenergie und die schrankenlose Migration.
Auch diese ursprünglich rein linken Herzensprojekte kamen erst richtig in Schwung, als eine nominalbürgerliche Regierungschefin alle Hindernisse wegräumte. Die linken Parteien verfügten nie über die nötige Kraft dazu. Und sie kämen auch jetzt ohne die Hilfe von Gesinnungsverwandten mit CDU-Parteibuch wie Wüst, Voigt, Wegner und Günther auf dem Weg zum autoritären Beaufsichtigungsstaat nicht in diesem Schweinsgalopp voran.
Zum dritten käme es ohne den Funktionswechsel eines großen Teils der Medien nicht zu dieser Rutschpartie Richtung Autoritarismus. Willy Brandt nannte den SPIEGEL ein „Scheißblatt“, Helmut Schmidt bezeichnete Journalisten, die ihm lästig fielen, als „Wegelagerer“. Helmut Kohl gab dem SPIEGEL ab 1976 keine Interviews und pflegte Mitarbeiter der Öffentlich-Rechtlichen abzukanzeln.
Aber keiner von ihnen hätte auf die Frage, ob er eine Zensur und notfalls ein Verbot dieser Medien befürworte, mit Ja geantwortet. Der Minister, der 1962 den SPIEGEL zwar nicht dichtmachen wollte, dem Magazin aber mit einer konstruierten Anschuldigung die Polizei auf den Hals hetzte, nämlich Franz Josef Strauß, verlor über diese Affäre sein Amt.
Solange sich Medien in ihrer Mehrheit mit Kontrolle und Kritik der Mächtigen beschäftigten, akzeptierte das auch die politische Klasse als Normalfall, wenn auch nur sehr unbegeistert. Erst als Sender und Blätter sich zu Schallverstärkern der Politik machten, die sie für progressiv und alternativlos hielten, als sie sich vor allem als Bürgererzieher und Bekämpfer von Desinformation aka falscher Ansichten verstanden, als sie anfingen, einfühlsam die Löcher in Robert Habecks Strümpfen zu besingen und von Flüchtlingskindern schrieben, die ihrerseits nachts von Angela Merkel träumten, kurz, als Regierungskritik eben nicht mehr den Normalfall darstellte, fiel es Mandatsträgern ein, die Medien, die sich immer noch als Kontrolleure der Macht verstanden, für eine skandalöse Erscheinung zu halten.
Viertens zeigt sich in der Günther-Affäre nicht zum ersten Mal, in voller Deutlichkeit, ein neues Phänomen neben einem alten. Bei dem älteren handelt es sich um das, was Hannah Arendt „Wahrlügen“ nannte, also die massive Wiederholung der Unwahrheit in Dauerschleife mit dem Ziel, eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Das geschieht mit der abstrusen Versicherung Günthers und seiner Helfer, er hätte nie Zensur und Verbot von Medien bejaht.
Dazu kommt neuerdings das Weichlügen, indem die gleiche politmediale Front behauptet, der CDU-Mann hätte Medien ja nur an Qualitätsstandards erinnert. Joseph Goebbels hielt die Kunst des Weichlügens seinerzeit nicht für nötig, und das mit guten Gründen. In etablierten Diktaturen brauchen die Herrschenden sie nicht, sie empfiehlt sich eher als Instrument für den Übergang.
Aber nehmen wir einmal an, er hätte Gefallen an dieser Technik gefunden, dann hätte sein berühmtes Diktum zum gleichgeschalteten Reichsrundfunk 1933 nicht gelautet: „Den Rundfunk werden wir in den Dienst unserer Idee stellen, und keine andere Idee soll hier zu Worte kommen!“ Sondern: „Selbstverständlich herrscht Freiheit im Rundfunk. Es darf dort aber nur zu Worte kommen, wer bestimmte Qualitätsstandards einhält. Die Prüfung obliegt der unabhängigen Reichsrundfunkkammer.“
„Die geistigen Kräfte des deutschen Journalismus, die sich zu einem JA verpflichten, können der wärmsten ideellen und materiellen Unterstützung der Regierung gewiss sein. Jene Kräfte aber, die sich aus Bosheit und Unverstand zu dieser Aufgabe verneinend verhalten, die glauben, sie hemmen oder sabotieren zu können, die müssen es sich am Ende auch gefallen lassen, dass sie aus der Gemeinschaft der aufbauwilligen Kräfte ausgestoßen und an der Bildung der öffentlichen Meinung des deutschen Volkes mitzuwirken als unwürdig erachtet werden.“
Das stammt nicht von Daniel Günther, was man leicht an der flüssigen Formulierung erkennt, sondern von dem schon oben zitierten Minister.
Genauso wie die folgende Passage:
„Der Beruf des Pressemannes ist von einer hohen staatspolitischen Verantwortung umgeben; und nur Menschen, die dieser Verantwortung würdig sind, die die sittliche Reife mitbringen, um sie zu tragen, haben das Recht, an der Presse mitzuwirken und mitzuschaffen. Als unumgänglich notwendig erscheint mir in diesem Zusammenhang ein in Kürze zu erlassendes neues Pressegesetz, das das Verhältnis der Presse zu den staatspolitischen Kräften, die den Staat tragen, aufs Neue regelt.“
Die meisten Vertreter der Grünen, der SPD und der Günther-Wüst-CDU würden sich, sollte ihnen jemand diesen Text ohne Quelle vorlegen, nur daran stoßen, dass er ausschließlich den „Pressemann“ erwähnt. Also: „Bitte noch gendern, dann Freigabe.“
Sechstens und vorletztens: Die Günthers und ihre Helfer betätigen sich verfassungsfeindlich. Deshalb darf man sie allerdings nicht für verrückt halten. Sie wissen, was sie wollen, und warum sie auf diesem Pfad wandeln, immer zwei Schritt vor, dann wieder ein taktisches Schrittchen zurück. Sie nehmen genau diese Feinde ins Visier, die der von ihnen gewünschten Gesellschaftstransformation noch entgegenstehen. Damit handeln sie aus ihrer Sicht völlig zweckrational.
Viele dürften das sogenannte Asch-Experiment kennen, das der Psychologe Solomon Asch zum ersten Mal 1951 am Swartmore-College mit Studenten durchführte. Es handelte sich um einen einfachen Versuchsaufbau; eine Tafel zeigte eine Gerade, eine andere drei Geraden deutlich unterschiedlicher Länge, nur eine davon stimmte mit der Linie auf Tafel eins überein. Die Probanden sollten sagen, welche Geraden die gleiche Länge aufweisen.
Was sie nicht wussten: Asch hatte in dem Raum eine Mehrheit von instruierten Mitspielern platziert, die steif und fest behaupteten, alle Linien der zweiten Tafel wären mit der auf der ersten identisch. Gut drei Viertel der echten Versuchsteilnehmer unterwarfen sich damals nach einigem Hin und Her der simulierten Mehrheit. Sie stimmten also aus Konformität einer Aussage zu, von der sie mit eigenen Augen sehen konnten, dass sie falsch war. Asch kommentierte den Ausgang mit den Worten, erstaunlich viele erklärten offenbar lieber schwarz für weiß, als sich mit einer vermuteten Mehrheit anzulegen.
In diesen Tagen läuft in Deutschland ein größerer Asch-Versuchsaufbau: In der oben skizzierten Weise versuchen Günther und Verbündete der Öffentlichkeit auf allen verfügbaren Kanälen einzureden, er hätte sich niemals für Zensur eingesetzt – obwohl das Video der Lanz-Sendung das Gegenteil beweist.
Bei der ARD-Anstalt NDR klingt das in einem Kommentar beispielsweise so: „Ich glaube, Daniel Günther wollte das Richtige. Er wollte für die Demokratie kämpfen, er wollte Jugendliche schützen, und er wollte Qualitätsstandards im Journalismus einfordern. Natürlich will er keine Zensur.“
Diese Versuche, schwarz als weiß zu deklarieren und eine Mehrheit dafür zu simulieren, gab und gibt es in Deutschland seit 2015 in ziemlich dichter Folge. Eigentlich konnte niemand ernsthaft glauben, dass eine unbegrenzte Armutseinwanderung in den Supersozialstaat Bundesrepublik ein zweites Wirtschaftswunder auslöst. Jeder intellektuell halbwegs Intakte wusste, dass es sich bei der Corona-Impfung um kein nebenwirkungsfreies Medikament handelt. Dass die Installation immer neuer Windräder hauptsächlich in Schwachwindgebieten elektrische Energie nicht billiger macht, kann man mühelos an der Strompreiskurve seit dem Jahr 2000 ablesen. Diese Erzählungen (wie es unter Sozialingenieuren gern heißt) fanden und finden trotzdem ihre gläubigen Zuhörer – aber eben nicht so viele, wie es die Erzähler gern hätten. Bestimmte Medien stören dabei, außerdem das Netz, jedenfalls, seit es bei X und Facebook keine Zensurmaßnahmen wie Löschung und Shadow ban wie zu früheren Zeiten gibt. Wer das Konzept verfolgt, wieder einer breiten Mehrheit schwarz für weiß vorzumachen, muss genau hier ansetzen.
Es empfiehlt sich, noch einmal zu Überhauptnichtzensur-Günther bei „Lanz“ zurückzublenden. Dort sagt er unter anderem: „Wir lassen zu, dass wir über Social Media unsere Bevölkerung infiltrieren.“
Unsere Bevölkerung. Infiltrieren.
Außerdem plädierte der Meinungsfreiheitisteinhohesgut-Politiker dafür, dass wir – gemeint offenbar fast alle Parteien – weniger „streiten“, um den falschen Medien keine „Steilvorlagen“ zu geben. Und was das AfD-Verbot angeht: „Da bin ich ohnehin dafür.“ Ihm schwebt also, wie ganz offen erklärt, ein Land mit einer faktischen Einheitsparteifront, ohne Opposition und ohne unverantwortliche Medien vor, umgeben mit einem digitalen Schutzwall, damit falsche Ansichten die Bürger nicht via Internet infiltrieren.
Das schafft man nur, wenn man erst einmal alle Medien plattwalzt, die nicht den „Qualitätsstandards“ der angestrebten neuen autoritären Ordnung entsprechen. Diejenigen, die sich als Vertreter der Qualitätsmedien (Melanie Amann) sehen, bekämen dann endlich ihre alte und derzeit bedauerlicherweise abhandengekommene Torhüterfunktion wieder. Deshalb gibt es aus ihrer Richtung kaum Widerworte gegen die Günthersche Vision vom ungestörten Politikbetrieb. An die Stelle der grundgesetzlichen Freiheit soll die Lizenz treten, also das von oben zugestandene Recht, immer nur gewährt unter dem Vorbehalt, es bei Unbotmäßigkeit jederzeit wieder zu entziehen.
Beim Siebten und letzten handelt es sich nur um einen Vorschlag: Die Medien, die Günther und die Seinen als verantwortungsvoll und konstruktiv loben, und die ihn umgekehrt einen Demokraten und gemäßigten Konservativen nennen, sollen in Zukunft und für alle Zeiten Daniel-Günther-Medien heißen.
Das macht die Unterscheidung zu den anderen sehr einfach.








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Zu viele Worte um einen dreisten Lügner und seine Fangruppen.
Herausragender Artikel. Die Frage allerdings, wieviele Menschen sind bereit, dem Thema die dringend notwendige Aufmerksamkeit zu schenken! Ich befürchte dem gemeinen Deutschen sind mehrheitlich die Ausfälle dieses Menschen einfach egal, es interessiert ihn nicht, zumal er nur Systemmedien konsumiert!
Gehört zum Thema: Im Blog von H. Danisch wird auf eine umfangreiche Publikation verwiesen: Das Zensurnetzwerk: Regulierung und Repression im heutigen Deutschland, 19. November 2025. Autor: Andrew Lowenthal.
https://liber-net.org/wp-content/uploads/2025/11/de-report-de.pdf
Wo ist der Verfassungsschutz, wenn man ihn mal wirklich braucht?
Es steht offenbar ein Deutschland-Besuch der UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit ab 26. Januar bevor (https://www.ohchr.org/en/calls-for-input/2026/call-input-official-visit-germany-un-special-rapporteur-freedom-expression).
Mal abgesehen von der Frage nach der Wirksamkeit einer solchen „zahnlosen“ Einrichtung frage ich mich, was Grund für den Besuch sein mag. Meldungen an die Sonderberichterstatterin? Internationale Berichterstattung, z.B. „The Economist“, liber-net-Studie?
Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung. Andererseits: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Günther macht Goebbels alle Ehre…
Um einen Politiker oder eine andere Person des öffentlichen Lebens einordnen zu können, bedarf es nur einer Frage und der Antwort darauf: Wie hast du es während „Corona“ gehalten, was hast du gesagt, getan und gefordert?
Wer sich damals befleckt hat, bleibt es auf immer und ewig.
„Corona“ hat außerdem gelehrt, daß die schönen Verfassungsartikel nur tote Hülle sind, wenn sie nicht von den Machthabern geachtet und mit Leben erfüllt werden.
„Papier ist geduldig“ – das trifft hier exemplarisch zu.
„Der CDU-Politiker Daniel Günther ist ein … Verfassungsfeind“ Das ist nicht mal ausschließlich eine persönliche Meinung von Hr. Wendt und von Millionen Bürgern. Das ist nachweislich und objektiv der Fall. Und was müssen wir als Bürger erleben? Die Staatsmedien ignorieren. Der Verfassungsschutz duckt sich weg. CDU-Funktionäre schweigen. Die rotgrünlinken Dauerkoalitionsphalanx der CDU-Partei nebst linksradikalem Medien- und Kulturvorfeld der Beisenhetzer, Reschke-Restles, Correctiv & Co. legen sich schützend vor und über Daniel Günther (Schabowski), hetzen wie die Derwische gegen alle Demokraten, die sich ob dieser verfassungsfeindlichen und demokratieverachtenden Offenbarungen des Daniel Günther zurecht entrüsten und seinen Rücktritt fordern und schreien zudem ablenkend… Mehr
Der Eckernförder Daniel Günther dürfte schlicht das ausgesprochen haben, was eine Mehrheit der Classe politique denkt.
Die 1949 bewußt als Gegenentwurf des Naziregime gegründete Bundesrepublik tritt in einem erschreckenden Maße in die Fußstapfen jener Diktatur ein.
Die Gründe hierfür wird man in Zukunft analysieren.
Doch der seit vielen Jahren impertinente Moralismus läßt Karl Poppers Diktum aufleben, nach dem der utopische Versuch, das „Himmelreich auf Erden“ verwirklichen zu wollen, stets in die Hölle führe.
Gegenwärtig scheinen wir im Begriff zu sein, genau diese Höllenschwelle zu überschreiten.
Wie bitte? Ach ja, richtig: Dafür wurde 1918 die Monarchie abgeschafft.
Die CDU-Mitglieder in Schleswig-Holstein sollten Günther entweder absetzen oder die Partei die demonstrativ verlassen. Ansonsten machen sie sich der Beihilfe schuldig. Ich zumindest werde zukünftig bei jeder passenden Gelegenheit jedes CDU Mitglied drauf aufmerksam machen, dass ihr Parteichef an der Demontage unserer Verfassung arbeitet. Da braucht mir dann von diesen Gestalten auch keiner mehr mit „nie wieder ist jetzt“ kommen, wenn sie jetzt nicht die Reißleine ziehen.