New Nuclear – ein Rohrkrepierer?

Kann die Wiederentdeckung einer verworfenen Idee der Kerntechnik zu neuem Aufschwung verhelfen? Im Prinzip schon. Aber nur, wenn sich Multiplikatoren und Macher diesmal die richtigen Verbündeten suchen und nicht wieder auf ungeeignete Märkte zielen.

By ORNL (ornl.gov) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Weg zur Innovation beginnt häufig damit, der Gegenwart die richtige Frage zu stellen. Kirk Sorensen hatte eine solche. Als Ingenieur bei der NASA war er in den Jahren 2000 bis 2010 an den Plänen zum Aufbau einer ständig bemannten Mondstation beteiligt. Insbesondere beschäftigte ihn das Problem der für eine solche Einrichtung erforderlichen Energiequelle. Autark sollte die lunare Basis sein und vor allem unabhängig von einer teuren Versorgung aus irdischen Quellen. Kohle, Gas und Erdöl gibt es auf dem Mond nicht. Wasserkraft, Geothermie, Windkraft und Biomasse sind auf dem kahlen, atmosphärelosen Felsen ebenfalls keine Optionen. Es bleibt die Photovoltaik. Große Flächen wären mit Solarpaneelen zu belegen, da diese nicht nur den laufenden Bedarf zu decken, sondern auch Speicher für die zwei Wochen dauernde Mondnacht zu füllen hätten. Die hohen Wartungs- und Reparaturerfordernisse gepaart mit dem Risiko, Schäden nicht eigenständig beheben zu können, ließen Sorensen vor dieser Lösung zurückschrecken. Es verblieb die Kernenergie. Aber welche Art von Reaktor kann man einer Mondbasis wirklich zumuten?

Im Frühjahr 2000, so die häufig kolportierte Geschichte,entdeckte Sorensen im Büro eines Kollegen eine alte Abhandlung aus dem Jahr 1958 mit dem Titel „Fluid Fuel Reactors“, das seine Frage beantwortete. Das Werk beschrieb die am Oak Ridge National Laboratory in den USA zu Flüssigsalzreaktoren durchgeführten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Ein Ansatz, der kleine und kompakte Kernkraftwerke möglich machte, die sich, weil inhärent sicher und ohne vorgelagerte Brennelementfertigung auskommend, besonders für extraterrestrische Kolonien eignen würden. Thorium findet man auch auf dem Mond. Sorensen war elektrisiert. Und überlegte, ob das, was für den Mond ideal schien, nicht besser zuerst auf der Erde eingesetzt werden sollte. Womit er begann, in die falsche Richtung aufzubrechen.

Wie Ideen verschwinden und wieder auftauchen können

Wie konnte diese wundersame Maschine Flüssigsalzreaktor, deren Konzept sich grundlegend von allen heute im Einsatz befindlichen Kernkraftwerken unterscheidet und deren technisch/physikalische Eleganz alle Bedenken der Kernkraftgegner gegenstandslos macht, jemals in Vergessenheit geraten? Ganz einfach, es gab damals noch kein Internet. Tatsächlich hatten wohl kaum mehr als hundert Leute auf dem ganzen Planeten ein tieferes Verständnis dieser Technologie, die in den 1950ern konzipiert, in den 1960ern realisiert und zu Beginn der 1970er verworfen wurde. Den Technikern und Wissenschaftlern fehlten nicht nur nicht die geeigneten Ansprechpartner, in den Medien, im Freundes- und Bekanntenkreis oder bei Fachkollegen aus anderen Forschungseinrichtungen. Sie sahen auch keine Notwendigkeit, ihre Vorstellungen aktiv zu verbreiten. Denn Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima waren noch lange nicht geschehen, eine große politische Bewegung gegen die Kernkraft gab es nicht und die Entscheidung der Nixon-Administration, alle Gelder in den Plutonium-Brüter zu stecken, erschien auf den ersten Blick sogar sinnvoll. Der Präsident hatte nach allen ihm vorliegenden Informationen von einer bevorstehenden Ressourcenknappheit auszugehen, die auch Uran betraf. Um die Versorgung sowohl der nuklearen Verteidigung, als auch der zivilen Energieproduktion mit geeigneten Spaltstoffen dauerhaft sicherzustellen, blieb ihm kaum etwas anderes übrig, als sich auf ein Reaktorkonzept zu konzentrieren, das die Herstellung von Plutonium in großen Mengen ermöglichte.

Ein Irrtum, wie wir heute wissen. Es gab nie Engpässe bei der Uranversorgung und es wird auch keine geben.

Dem Oak-Ridge-Team aber blieb nichts anderes übrig, als die Dinge niederzuschreiben, in die Bibliothek zu stellen, sich in den Ruhestand zu verabschieden oder sich anderen Aufgaben zu widmen.

Heute funktioniert das anders. Heute präsentiert man seine Ideen im Web. Dadurch kann man noch lange nicht jeden erreichen. Tatsächlich lesen, was auch immer man in sozialen Kanälen, Diskussionsforen, Blogs oder andere Plattformen verbreitet, meist kaum eine Handvoll Leute. Wirklich substantiell große Aufmerksamkeit zu erzielen, bedarf erheblicher Investitionen, wie in den klassischen Medien auch. Der wahre Vorteil des Netzes liegt in seiner Fähigkeit, eine unüberschaubare Menge an Informationen auf einfache Weise dauerhaft für jeden zur Verfügung zu stellen. Ohne große Zugangsbarrieren auf beiden Seiten, weder für den Verbreiter, noch für den Konsumenten. Keine im Internet geäußerte Idee geht mehr verloren. Schon eine unscharfe Vorstellung von dem, wonach man Ausschau halten sollte, genügt, um zu finden, was man sucht.

Kirk Sorensen nutzte diese Möglichkeiten intensiv. Neben der direkten Ansprache des interessierten Publikums durch Vorträge auf Konferenzen und Kongressen begann er im Jahr 2006 zu bloggen und richtete ein Diskussionsforum ein. Bald fanden sich Multiplikatoren, die seine Botschaft weitertrugen, erste Artikel in technologieorientierten Fachmagazinen erschienen, das Thema lockte weitere Mitstreiter an, die immer mehr Anlaufpunkte im Netz boten und sich schließlich in festen Strukturen vernetzten. Der Flüssigsalzreaktor stand plötzlich auf der Tagesordnung, von der er nun auch nie wieder verschwinden kann.

New Nuclear – von der Verheißung zur Verheizung

Sorensen wurde damit, ohne es zu intendieren, zu einem der Gründungsväter einer neuen Bewegung, die neudeutsch mit dem Begriff „New Nuclear“ beschrieben werden kann. Einige hundert, vielleicht tausend Menschen weltweit, Wissenschaftler, Techniker, Unternehmer, Publizisten, Freizeitblogger und schlicht engagierte Bürgerwirken unter dieser Überschrift zusammen, um die Kerntechnik in eine neue Zukunft zu führen. Was sie auszeichnet, ist ihr „Graswurzel-Ansatz“. New Nuclear startete nicht mit Unterstützung der klassischen kerntechnischen Großindustrie.

Sondern versucht, die Branche von außen zu revolutionieren. Natürlich sind Flüssigsalzreaktoren nicht die einzigen fortgeschrittenen Reaktorkonzepte, mit denen man sich in diesem Netzwerk beschäftigt. Aber sie stellen eine zentrale Säule dar, um die man sich gruppiert. Im Laufe der letzten Jahre entstanden aus losen Verbünden organisierte Strukturen wie die Thorium Energy Alliance, die International Thorium Energy Organization, die Alwin Weinberg Foundation und die Thorium Energy Association, die Öffentlichkeitsarbeit betreiben und zahlreiche Veranstaltungen organisieren. Sogar hierzulande gibt es mit der Nuklearia eine Anlaufstelle für Kernenergie-Enthusiasten jenseits der etablierten Industrielobby. New Nuclear induzierte schließlich die Gründung zahlreicher Startups, die sich alle der Realisierung von Flüssigsalzreaktoren in unterschiedlichen Varianten verschrieben haben. Zu nennen sind Transatomic Power und ThorCon Power (beide USA), Terrestrial Energy (Kanada), Moltex Energy (Großbritannien), Thorium Energy Generation (Australien), Thorium Tech Solutions (Japan) und Copenhagen Atomics (Dänemark). Selbst in dem der Kernkraft feindlich gegenüberstehenden Deutschland hat sich das Institut für Festkörperkernphysik aus Berlin mit seinem Dual Fluid Reactor einen Namen in der Szene gemacht. Wer dies alles genauer betrachten möchte, findet eine Linkliste unter dem Artikel.

Kernenergie – Teil 2
Der Stein der Weisen – ein neuer Ansatz für die Kerntechnik?
Da gibt es nun einen Haufen bunter Webseiten mit verheißungsvollen Versprechen. Der Blick hinter die Kulissen aber ernüchtert schnell. Außer hübschen Bildern und großen Ansprüchen hat New Nuclear nichts zu bieten. Von keinem einzigen dieser vielen Flüssigsalzreaktoren existiert auch nur eine einzige Schraube. Zwar kann auf die alten Ergebnisse des Oak-Ridge-Forschungsprogramms in vollem Umfang zurückgegriffen werden, aber die noch zu nehmenden technischen Hürden sind enorm. Der Flüssigsalzreaktor ist nicht nur ein Wunderwerk der Physik, sondern auch ein Alptraum für die Ingenieure. Es beginnt mit der Suche nach und der Entwicklung von korrosions- und strahlungsfesten Materialien, aus denen Rohrleitungen, Pumpen und Ventile hergestellt werden müssen und endet mit den Systemen, die das selektive Abtrennen von Brut- und Spaltprodukten aus den umlaufenden flüssigen Salzen während des Betriebes ermöglichen. Denn nur erstere gestatten das mögliche Sicherheitsniveau und nur letztere eröffnen die Ausnutzung der wirklich revolutionären Fähigkeiten des Systems. Für all dies sind schlicht keine Mittel da, es mangelt den vielen kleinen Unternehmen an Investoren.

Weil sie es völlig falsch anstellen. Ihre Marketingstrategie beruht auf der ständigen Wiederholung angestaubter und nichtssagender ökologistischer Dogmen, von Nachhaltigkeit ist viel die Rede und von grüner Elektrizität. Ausgerechnet die Stromproduktion haben sie sich als Zielmarkt ausgewählt, wohl, weil man glaubt, hier das große Geld zu finden. In dieser Branche aber treffen sie nicht nur auf zahlreiche Wettbewerber, die das Thema bereits beherrschen und keine Milliarden mehr in das Risiko einer Entwicklung stecken müssen, die am Ende vielleicht doch nicht so gut wie angenommen funktioniert. In dieser Branche treffen sie auch auf ein Dickicht von Regulierungen, das in einzelnen Staaten bis hin zu einer vollständig realisierten Planwirtschaft reicht. New Nuclear hat zielsicher ein Umfeld gewählt, das für Startups toxisch ist.

Trotzdem biedert man sich der Politik als Klimaschutzbewegung an. Ausgerechnet der Politik, die bislang noch jede Technologie in den Sand gesetzt hat, der sie sich mit hoher Aufmerksamkeit widmete. Die Kernenergie selbst ist das beste Beispiel dafür, zunächst euphorisch unterstützt, dann, man beachte die oben angesprochene Nixon-Entscheidung, in die falsche Richtung gelenkt, und schließlich unter dem Druck des ökologistischen Zeitgeistes im Stich gelassen. Wer sich dem Klimaschutz verschreibt, stärkt diese grüne Stimmungsmache nur. Denn er räumt ein, daß anthropogene Einflüsse auf das irdische Klimasystem zu katastrophalen Entwicklungen führen könnten, die die Anwendung des Vorsorgeprinzips rechtfertigen. Nach dem jedes noch so kleine Risiko zu vermeiden ist, wenn es im Falle seines Eintretens zu Schäden führt, die man als nicht akzeptabel ansieht. Wer zusätzlich noch mit der Bekämpfung der Luftverschmutzung argumentiert, bestätigt implizit jene Rechenmodelle, nach denen nicht nur die Anzahl hypothetischer Stickoxidopfer, sondern auch virtuelle Strahlentote ermittelt werden. Wenn New Nuclear zu „Green Nuclear“ mutiert, unterwirft es sich also exakt den Argumentationsmustern, die der Kernenergie schon einmal den Garaus bereitet haben.

Deswegen haben derzeit nicht private Initiativen in den westlichen Industrienationen, sondern ausgerechnet ein staatliches chinesisches Programm hinsichtlich der Entwicklung von Flüssigsalzreaktoren die Nase vorn. Aber auch im Reich der Mitte führt man allzu häufig die Dinge nicht zu Ende. Auch China hat zu Beginn der 1970er Jahre bereits an dem Thema gearbeitet und auch China hat dann wieder aufgegeben. Sollte es diesmal tatsächlich anders sein, gestaltet man die Zukunft der Kernenergie wohl leider im Osten.

Alternative Ansätze werden gebraucht

Wer seine Idee unbedingt als Substitution bereits etablierter Systeme durchsetzen will, erleidet mit Sicherheit Schiffbruch. Denn Innovationen lösen keine Probleme, Innovationen schaffen neue Möglichkeiten. Was also kann der Flüssigsalzreaktor, was andere Energietechnologien nicht können? Auf sein Potential als chemische Fabrik, die komfortabel und preiswert allerlei Metalle und Gase sowie Materialien für die Nuklearmedizin, für Radionuklidbatterien, für betavoltaische Zellen und für viele technische Anwendungen in der Sensorik liefert, wurde bereits im Vorgängerartikel hingewiesen. Auch wenn die Protagonisten von New Nuclear dies natürlich ansprechen, führen sie diese Fähigkeit inklusive der Option zur Vernichtung vorhandenen radioaktiven Abfalls lediglich im Kleingedruckten auf.

Was den Flüssigsalzreaktor zusätzlich auszeichnet, sind seine hohen Betriebstemperaturen. Er liefert Wärme, sehr viel Wärme, auf sehr kleinem Raum, mit vergleichsweise kleinem Aufwand. Wärme für industrielle Prozesse aller Art, von der Meerwasserentsalzung bis hin zur Produktion synthetischer Treibstoffe. Aber wer braucht eine Einheit, die ein Truck transportieren und die daher überall stationiert werden kann, um Temperaturen von mehreren hundert bis tausend Grad zur Verfügung zu stellen? Für wen könnte ein solches System wertvoll genug sein, um seine Entwicklung zu finanzieren?

Es ist die Erdölindustrie, die häufig in entlegenen Regionen jenseits entwickelter Zentren den Rohstoff fördert, der die chemische Industrie füttert, der Maschinen schmiert, der Straßen bedeckt und vor allem die Motoren treibt, die auf ihnen fahren. Aus vielen Lagerstätten, man denke insbesondere an Ölsande, wird das schwarze Gold mit heißem Dampf gewonnen. Zu dessen Erzeugung oft wiederum Öl verbrannt wird, mitunter solches aus dem Vorkommen selbst. Auch die Weiterverarbeitung der auf diese Weise gewonnenen Rohstoffe, die häufig noch vor Ort stattfindet, bedarf großer Wärmemengen. Man kennt die Bilder der dazu errichteten großen Infrastrukturen, beispielsweise aus dem kanadischen Athabasca-Revier. Dies alles preiswerter, mit weniger Flächenverbrauch und daher weniger Naturzerstörung haben zu können, wäre für die Ölindustrie ein Geschenk des Himmels. Bei ihr sollte sich New Nuclear daher nach Kunden und Entwicklungspartnern umsehen und nicht ausgerechnet bei verbohrten Umweltschützern, die meinen, die Menschheit müsse ihren wichtigsten Energieträgern zügig entsagen.

Und wenn er sich in den harschen Bedingungen eines Dschungels, einer Wüste oder nördlicher Prärien bewährt, dann in der Tat ist der Flüssigsalzreaktor auch bereit für Mond, Mars, Asteroiden oder Raumstationen. Kirk Sorensen verließ leider die NASA im Jahr 2010 und gründete nach einem weiteren Jahr in der kerntechnischen Industrie mit Flibe Energy sein eigenes kleines Startup um selbst einen Flüssigsalzreaktor zu bauen. Auf der Suche nach potenten Geldgebern tingelt er weiter mit immer denselben Präsentationen auf immer denselben Konferenzen und Kongressen herum. Wäre er nur gedanklich im Weltraum geblieben. Dann könnte er mit seiner Idee schon viel weiter sein. Vielleicht hat er das begriffen, jedenfalls weist sein jüngster Werbefilm, der „Thorium Remix 2016“, deutlich darauf hin (ein zwei Stunden langer Videoclip, dessen Betrachtung sich dennoch wirklich lohnt). New Space und New Nuclear sollten eine Verbindung eingehen, denn nur letztere können die Energiesysteme bereitstellen, die erstere für ihre Pläne brauchen.

Bis dahin sind antiquarische Buchhändler die einzigen, die mit dem Thorium-Flüssigsalzreaktor ein richtig gutes Geschäft machen. Denn durch Sorensen wurde das Werk über „Fluid Fuel Reactors“, von dem es noch etwa zweihundert Exemplare geben soll, berühmt genug, um mittlerweile für vierstellige Beträge über den Ladentisch zu wandern.

Unsere kleine Serie zur Zukunft der Kernenergie endet an dieser Stelle. Aber nur vorläufig, denn in den Tiefen der Archive schlummern noch weitere spektakuläre Ideen.

Hinweis: Der Autor ist Mitglied der Nuklearia.

Wichtige Netzwerke und Vereine:

• Thorium Energy Alliance: http://thoriumenergyalliance.com
• International Thorium Energy Organization: http://www.itheo.org/
• Alvin Weinberg Foundation: http://www.the-weinberg-foundation.org/
• Thorium Energy Association: http://thorea.hud.ac.uk/
• Nuklearia e.V.: http://nuklearia.de/
Unternehmen (Auswahl):
• FlibeEnergy (USA): http://flibe-energy.com
• Transatomic Power (USA): http://transatomicpower.com/
• ThorCon Power (USA): http://thorconpower.com/
• TerrestrialEnergy (Kanada): http://terrestrialenergy.com/
• MoltexEnergy (GB): http://www.moltexenergy.com/
• Thorium Energy Generation (Australien): http://thoriumenergy.com.au/
• Thorium Tech Solutions (Japan): http://ttsinc.jp/indexenglish.html
• CopenhagenAtomics (Dänemark): http://www.copenhagenatomics.com/
• Institut für Festkörperkernphysik (Deutschland): http://dual-fluid-reactor.org/

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Kommentare

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  • Tom

    Arte hat dazu eine bemerkenswerte Dokumentation ausgestrahlt. Demnach scheint Thorium wirklich gut zu sein. Und warum es Uran wurde, wird auch plausibel dargelegt: es war eine militätische Entwicklung (Manhatten Project), die schnell vorangetrieben werden musste.

  • Gerd Ganteför

    Lieber Autor, liebe Leser,
    ich stehe der deutschen Energiewende kritisch gegenüber und ich halte die Kernenergie global für unverzichtbar. Aber der Flüssigsalz-Reaktor ist eine Höllenmaschine. Diese Flüssigkeit strahlt im laufenden Betrieb so stark, dass man nach wenigen Sekunden eine tödliche Strahlendosis erhält. Es gibt moderne Reaktoren, die den internationalen Sicherheitsstandards genügen, aber dieser hypothetische Reaktor gehört nicht dazu. Sorry, es gilt für die Grünen genauso wie für die Kritiker der Grünen: ein wenig echtes Wissen aus der Kernphysik wäre hilfreich. Einen schönen Tag noch.

    • JanChristian_Lewitz

      Lieber Herr Ganteför,
      Ich zitiere Sie:
      “ … Aber der Flüssigsalz-Reaktor ist eine Höllenmaschine. Diese Flüssigkeit strahlt im laufenden Betrieb so stark, dass man nach wenigen Sekunden eine tödliche Strahlendosis erhält. Es gibt moderne Reaktoren, die den internationalen Sicherheitsstandards genügen, aber dieser hypothetische Reaktor gehört nicht dazu. … “
      Im Detail:
      1. „Höllenmaschine“ – ist ein demagogisches Angst-mach-Wort ohne Inhalt
      2. „in wenigen Sekunden tödliche Strahlendosis“ – gilt für jeden Kernreaktor mit einigen MW in der Nähe des Kernes
      3. „hypothetischer Reaktor“ – die physikalischen Prinzipien sowohl des Salzschmelze- als auch des Metall-gekühlten Reaktors sind bereits in der Realität in funktionierenden Reaktoren nachgewiesen worden

      Was möchten Sie uns mitteilen? Natürlich genügen die meisten heute betriebenen Reaktoren den internationalen Sicherheitsstandards. Sonst dürften sie ja nicht betrieben werden.
      Nun gibt es Forscher und Initiativen, die sich mit einer Weiterentwicklung beschäftigen, höhere Abbrände bis zu vollständigem Abbrand des Kernbrennstoffes inklusive Transmutation (Umwandlung) der Transurane und langlebigen Spaltprodukte in kurzlebige. Das könnte uns ein Endlager sparen, denn: Das beste Endlager ist – kein Endlager.
      Sie haben natürlich recht: so ein Reaktor wird noch nicht betrieben. Aber versuchen Sie doch, sich den einmal vorzustellen und etwas auf die Technologie einzugehen.
      Dann gibt es auch eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema.
      Bitte lassen Sie uns an „ein wenig echtem Wissen aus der Kernphysik“ teilhaben.
      Mit strahlenden Grüßen – Jan-Christian Lewitz

    • Andreas Schneider

      Sehr geehrter Herr Ganteför, bitte sehen sie es einem technischen Laien nach – aber Wortkreationen wie „Höllenmaschine“ ohne tiefere Begründung der Meinung zum Thema erinnern mich zunächst an mittelalterliche Hexenverfolgung und Scheiterhaufen.

      Als „Höllenmaschinen“ haben unsere Vorfahren z. B. auch die erst6en Automobile betrachtet. Ebensolchen „Höllenmaschinen“ wie der Dampfeisenbahn schrieb man anfänglich einen zerstörerischen Einfluss zu, da die damals erreichten Höchstgeschwindigkeit um die 30 km/h angeblich das menschliche Hirn schädigen würden.

      Sehen Sie sich in der Erbfolge solch abstruser Denkweisen oder können Sie Ihre Meinung stichhaltig untermauern?

  • Rainer Brandl

    Sehr geehrter Herr Heller,

    eins noch – nuke klaus, Herr Klaus Humpich, sieht Probleme. Wenn ich es richtig verstanden habe gibt es noch viele technische Schwierigkeiten zu überwinden. Die Siede- und Druckwasserreaktoren aber sind ausgereift. Das ist ein
    wirtschaftlicher Faktor.

    Gas, Öl und Kohle verbrennen um daraus Strom zu gewinnen ist doch viel zu Schade. Uran und Thorium kann andererseits fast nur zu Stromgewinnung verwendet werden.

    Sicherheitstechnisch geht es wohl nur
    um Kühlung; die muß unter allen Umständen gewährleistet werden.

  • Rainer Grimmer

    Im beigefügten, verlinkten Artikel wird der Dual Fluid Reaktor nach dem Patent des deutschen IFK sehr anschaulich und verständlich beschrieben. Auch sind wohl die erforderlichen Metalllegierungen heute nicht mehr das Problem, weil auch schon in anderen Technologien zum Einsatz kommend. Wie der Autor des bezogenen Artikels schreibt, handelt es sich bei dem DFR mittlerweile nicht mehr um Grundlagenforschung, die das Risiko des Scheiterns einschließt, sondern um eine technische Entwicklungsforschung, die natürlich immer noch sehr anpruchsvoll ist, wo es aber keine grundsätzlichen Realisierungsbedenken mehr gibt. Sehr interessant und lesenswert!
    http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/der-dual-fluid-reaktor-ein-neues-konzept-fur-einen-kernreaktor/0010073/

  • Der Prophet

    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass man gerade in der Ölindustrie einen Abnehmer für diese Technik finden würde. Die Ölmultis schaufeln sich doch nicht ihr eigenes Grab, nur um ein ein paar Barrel bei der Weiterverarbeitung zu sparen oder die Umwelt zu schonen. Ganz im Gegenteil, man wird so lange wie möglich versuchen, diese Technik zu verhindern. In dem Punkt wird man sich mit den Lobbyisten der erneuerbaren Energien ausnahmsweise mal einig sein, denn dann wären ihre Geschäftsmodelle dahin und die Menschheit hätte plötzlich billige und saubere Energie ohne Ende.

    • Störk

      Der Witz ist: wenn man die Bohrinsel weit genug off-shore hat, kann man sich aussuchen, von welchem Staat man sich seine Anlagen genehmigen läßt. Und der Bedarf an Öl verringert sich ja nicht merklich, wenn eine neue Quelle für *Prozesswärme* verfügbar ist – die Deutschen kaufen weiter Heizöl, weil kaum jemand einen kleinen Reaktor im Heizungskeller haben will, die Autos laufen weiterhin auf Benzin und Diesel, weil ein MSR für einen PKW immer noch etwas zu groß wäre und die Vorstellung, daß bei einem Unfall statt Benzin und Motoröl plötzlich geschmolzenes Urantetrafluorid auslaufen könnte, bei den Genehmigungsbehörden garnicht gut ankäme (da kann man zehnmal sagen „das wird doch in Sekunden fest und ist mit Gummihandschuhen schneller aufgesammelt als man Benzin abstreuen kann“, Atomautos werden nicht genehmigt) und die chemische Industrie würde einfach mehr produzieren, wenn die Prozesswärme billiger wäre – und um mehr Kunststoffe zu produzieren, würde sie mehr Öl einkaufen.

      Insofern, garkeine so schlechte Idee, die „bösen Atome“ mit dem „bösen Öl“ zusammenzubringen, um zu geringeren Kosten meh Wohlstand zu schaffen.

      PS: wenn ich mir einen Kernreaktor in den Heizungskeller bauen lasse, bekomme ich dann Kraft-Wärme-Kopplungs-Fördergelder?

      • Rainer Grimmer

        Lieber Herr Störk, Sie wissen sicherlich selbst, dass Ihr Beispiel mit dem (Klein)Reaktor im Auto hahnebüchener Blödsinn ist und wohl nur deshalb von Ihnen so dargestellt wird, weil Sie die Leser hier verar…en wollen. Die anfallende Prozesswärme bei einem Dual Fluid Reaktor könnte beispielsweise zur kostengünstigen und damit äußerst konkurrenzfähigen Herstellung von Wasserstoff verwendet werden. Dann wären wir bei der Auomobiltechnik wirklich in der Zukunft angekommen und müssten uns nicht mit der schwachsinnigen Elektromobilität begnügen, wo Sie ja nach ziemlich kurzer Strecke schon wieder zum Nachladen anhalten müssen. Wenn Sie denn dann auch eine freie Ladesäule finden würden.

  • senfdazu

    Danke an den Autor für diese umfangreiche Zusammenstellung.

    Kann mich in diesem Zusammenhang an einen ca. dreißig Jahre alten Artikel in „Bild der Wissenschaft“ erinnern. Damals schon waren inhärent sichere Kernkraftwerke das Thema. Leider übernahmen zu dieser zeit bekannte Umweltschutzaktivisten die Meinungshoheit.

    wenn ich mir erlauben darf einen link zu empfehlen:
    Auch das noch: Die Mini-Kernreaktoren kommen
    Absatz:
    Eine Frage bleibt: Warum nicht gleich so ?
    http://www.buerger-fuer-technik.de/Die_Minireaktoren__kurz2.pdf

  • Jan M.

    Vor 10 Jahren hörte ich zum Ersten mal von Begriffen wie Kugelhaufen-, Dual Fluid- und Flüssigsalzreaktor und ich muss sagen, dass ich Leute bewundere, die da beharrlich an der Sache bleiben. Da hat man ein handfestes Konzept, welches Mensch und Planet wirklich voranbringen kann, aber Politik und Industrie versenken hunderte Milliarden lieber wo anders – um das Klima erfolglos zu bekämpfen.
    Um mal ein bisschen zu träumen. Hätten wir keine Spaß-Regierung, hätte diese nach Fukushima ein 3 Mrd. Paket schnüren können und wir hätten heute vielleicht schon ein funktionierendes Reaktor-Konzept. Deutschlands Ingenieurskunst hätte hier erfolgreich zu einer Vorreiterrolle führen können. Doch Deutschland schmeißt lieber eine Billion in Ideologien und „Rettungen“, die sich nicht auszahlen und die die Welt nicht besser machen. Oder es träumt von einem Silicon Valley im Lande. Es ist echt zum Haare raufen.

  • Peter Gramm

    solange sich die Grünen in der Politik rumtreiben braucht man über solche Innovationen gar nicht nachdenken. Sobald das Wort Kernenergie auftaucht bekommen die ausgewiesenen Energiefachleute wie Frl. Roth und Frau KGE Schnappatmung. Trittin guckt dann in der Maobibel nach was dort zur Kernenergie ausgeführt wird. Hauptsache bei denen zu Hause kommt der Strom aus der Steckdose.

  • Rapsack

    Wenn mich recht entsinne, hatte Uranreaktoren den „Vorteil“, dass mit dieser Technologie waffenfähiges Plutonium gewonnen wurde, als „Abfall“ sozusagen. Und ich denke bei Thoriumreaktoren ist dies nicht der Fall. Daher wurde Uran bevorzugt. Heute könnte dies genau DAS Argument für eine Thorium-Lösung sein, was damals dagegen sprach.

  • John Galt

    Auch das Endlagerproblem könnte gelöst werden laut https://dual-fluid-reaktor.de/
    Aber laut BK Merkel leben wir in postfaktischen Zeiten, deshalb wird hierzulande Strom lieber mit Windrädern und Solarmodulen erzeugt.
    Der Wohlstand und Lebensstandard einer wachsenden Menschheit hängt von der Verfügbarkeit preiswerter Energie ab, der mit nicht grundlastfähigen Erzeugern wie Windräder und Solarmodule nicht gesichert werden kann.
    Die Gesamtkosten des ITER-Projektes werden auf ca. 15 Mrd Euro bis 2023 geschätzt, allein die jährliche deutsche Umlage für die Ökostromer liegt bei mittlerweile 30 Mrd Euro. Die Investition in Forschung und Entwicklung erscheint mir nachhaltiger und weitaus sinnvoller als die Förderung ideologischer Sackgassen.