„Ich bin auch nur ein Mensch“

Debatte: Der freie Autor Jürgen Fritz schrieb unter dem Titel „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“ einen kontrovers diskutierten Gastbeitrag bei Tichys Einblick. Alexander Wallasch blickte auf Leserkommentare.

Der freie Autor Jürgen Fritz veröffentlichte unter dem Titel „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“ einen kontrovers diskutierten Gastbeitrag bei Tichys Einblick.

Der studierte Philosoph attestierte in seinem Text dem politischen Gegner pauschal ein Irrsein. Seine Kernthese geht im Wortlaut so: „Grün-linke Gutmenschen (eigentlich nur Gutmeiner, weil gute Menschen etwas anderes meint) erscheinen mir – und ich sage das nicht einfach so dahin – krank. Nicht körperlich, sondern geistig-psychisch. Daher ist es auch weder sinnvoll noch empfehlenswert, sich auf größere Diskussionen mit ihnen einzulassen.“

Solche Vorwürfe kennt man schon länger von einem ganz anderen Spielplatz: dort, wo Atheisten Christen ein Induziertes Irrsein bescheinigten. In der Sowjetunion gab es den politischen Missbrauch der Psychiatrie und auch die Staatssicherheit der DDR soll zu diesem Mittel gegriffen haben. Für die Redaktion gilt: Der Beitrag
hätte hier nicht erscheinen dürfen.
Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.
Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.

Sie sehen, ein heikles Thema. Aber nun sind wir bei TE ja grundsätzlich mal auf solche Themen abonniert. Also stellte sich Jürgen Fritz der Aufgabe und schrieb explizit in Richtung grüne Politiker: „Mit derart gestörten Personen sollte man nicht großartig diskutieren. Man muss sie behandeln. Aber das müssen spezialisierte Fachärzte machen.“ Schauen wir mal, was unsere Leser auf Facebook und direkt unter dem Artikel dazu kommentierten und schrieben (die Kommentare sind im Folgenden alle Original belassen). Der Versuch einer Zusammenfassung:

Katja hat zunächst eine ziemlich eindeutige Meinung zum Artikel:
„Der Autor sollte sich gegebenenfalls selbst dringend professionelle Hilfe holen, bevor er eine undefinierte Menschenmenge meint analysieren zu müssen. Krank.“

Peter Gandor hingegen hält den Artikel für eine „sehr gute Beschreibung, warum es so schwierig oder fast unmöglich ist, mit solchen Menschen sachliche Argumente, Fakten, Ansichten, auszutauschen.“ Er ergänzt aber, das man fairerweise erwähnen sollte, „das es bei einer Argumentation mit der politischen Gegenseite (rechts, konservativ) nicht viel einfacher ist.“

Michael M. kann der Diskussion mit der von Fritz genannten Klientel durchaus Amüsantes abgewinnen, wenn er befindet, „es macht schon spass, einen gutmenschen allein auf grundlage der logischen widersprüche vorzuführen und die reaktionen zu erleben, vor allem wenn unbeteiligte dabei sind. man benötigt nur eine gewisse menschenkenntnis, damit man weiss bis wohin man gehen kann, ohne aufs maul zu bekommen. aber es macht trotzdem echt spass…“

Leser Pherrmann findet das alles weniger lustig, für ihn arbeite der Artikel „wie die gesamte ’neue Rechte‘ daran ein Feindbild zu erschaffen, dass es nicht gibt.“ Und er fragt sich angesichts des Kommentars eines Herbert, ob der ein normaler Mensch sei, wenn der schreiben würde: „Die NWO-gesteuerte Kanzlerdarstellerin möchte Europa im Auftrag der Rothschild Khazarian Mafia mit einer steuerbaren Mischrasse bevölkern!”

Walter Eiden differenziert die vorgetragene Analyse von Fritz insofern, dass er feststellt: „Dieses Verhalten ist also scheinbar ein menschliches und keineswegs ein rein gutmenschliches Phänomen.“

Ein oder eine Leserin, die sich Neue Heimat nennt, befindet, der Ansatz von Autor Fritz gehe in die falsche Richtung. Er/Sie hält die von Fritz Angeklagten für kerngesund. Das angeprangerte Verhalten sei hingegen „knallharte(s) politische(s) Kalkül“. (…) Seien Sie gewiss Hr. Fritz, die grün-
linke Negation hat Methode.“ Wahn und Ideologie gehen laut Neue Heimat Hand in Hand.

Für Martin Lederer ist es weniger Pathologie als eine Wohlfühlblase in der sich die beschriebene Klientel eingerichtet hätte. Und Hellerberger konstatiert, das es keine reinen Gutmenschen gäbe, jeder hätte Leichen im Keller und er ergänzt durchaus selbstkritisch: „Am Ende habe auch ich, ein Rechter, meine Überzeugungen. Mich dünkt, nicht alle würden akribischer Analyse standhalten. Aber ich bin auch nur ein Mensch.“

Sie sehen, die Kommentare sind durchaus kontrovers wie abwägend, zustimmend wie kritisch. Deutlich überwiegen die „Ja, aber … Meinungen“ zum Artikel.

Und wie sieht es auf Facebook aus? 120 Kommentare bewegen sich hier zunächst schon rein quantitativ im vorderen Viertel aller Beiträge bei Tichys Einblick. Gleich maximal kritisch geht Christian Thümmel, laut google ein hessischer Anlagenvertriebsleiter, mit unserem Gastautor ins Gericht, wenn er befindet: „Ich bin mir sicher, dass einiges zutrifft, dennoch hat der Artikel für mich ein ganz tiefes Niveau. Wer einen Großteil der Bevölkerung das sinnerfassende Denken abspricht, sollte auch ein paar Argumente und Gründe ins Feld führen.“

Monika Schulte hingegen ist wieder ganz bei Autor Fritz: „Richtig, bevor der Chirurg das Messer ansetzt, muss die Diagnose stehen!“ Des Weiteren attestiert sie den Grünen ein Borderline-Syndrom. Bernd Schade findet den Artikel „Geil geschrieben“ und ergänzt seinen kurzen Kommentar mit einem „Wacht auf“ und vier Ausrufezeichen.

Die Sachbuchautorin Dorothee von Brentano lässt kein gutes Haar an der Arbeit unseres Gastautors, wenn sie schreibt: „Was für ein dämlicher Artikel, angefangen mit dem reduntanten Ausdruck ‚psychopathologisch gestört‘. Es ist ganz einfach: Es gibt in allen Himmelsrichtungen (politische, soziale, religiöse oder idelogische Differenzen) Menschen, die diskussionsresistent sind.“

So harsch wie Frau von Bretano, so auch Pe Markus, der kommentiert: „Was ist denn das für eine sinnlose Wutschrift?“ Und nachfragt: „Wo ist die Definition dieses anscheinend sehr gefährlichen Gutmenschens? (…) Und zu empfehlen keine Diskussion mehr zu führen erinnert mich eher an ein trotziges Kleinkind.“

Wo hingegen Lenelore Mausz-Lenz unserem Gastautor zwar beipflichtet, die Problematik aber – nennen wir es mal diplomatisch: – basischer angeht: „Gutmenschen sind fremdgesteuert. Überwiegend. Sie haben auch ein schlechtes Gewissen – da und dort. Vergangenheiten – diese nicht verarbeiten können u.s.w. Versagen in kritischen Situationen, mangelnde Bildung – unschönes sussehen u.s.w.“

Alexander Niessen – es gibt einen Soziologen und einen Tierarzt bei google – meint, dass die Grünen gefühlig an die Sache herangehen, während der Christenmensch rationaler herangehen würde getreu dem Motto: „ bringt mich dies Aktion naehr hin zu Gott oder entfremdet sie mich ehr“ – nun ja. Bevor wir hier wieder den Schwenk zu den Atheisten vornehmen und hin zu ihrem Induzierten-Irrseins-Vorwurf, enden wir vielleicht mit dem möglicherweise versöhnlichsten Kommentar des Bloggers Rudolf Lauff:

„Je mehr Komunikation um so eher Einvernehmen. Komunikations- und Wirtschaftsembargos dienen vorwiegend der Erzeugung von Spannung und Krieg. Also: REDET miteinander und nehmt Euch soviel Zeit wie ihr könnt!“

Letztlich ist es wohl so: Hier wird – dafür bringen manche Leser mehr Verständnis auf, andere weniger  –  eine Methode der Gegenseite angewandt. Nämlich die Pathologisierung des politischen Gegners. Die grüne Klientel sei nur emotionsgesteuert usw. Nun wird eben das den konservativeren Mitbürgern ebenso nachgesagt, sie seien ängstlich, sie seien Wutbürger. Wutbürger als Pseudonym für Hass und Hate Speech, sogar für brennende Flüchtlingsheime usw.

Nun ist Wut allerdings seit Menschengedenken auch Motor für den Wunsch nach Veränderung. Wen die bestehenden Verhältnisse wütend genug machen, der bringt Kraft und Mut auf, sich entgegenzustellen. Die Wut eines Andreas Baader muss nicht geringer gewesen sein als die der Geschwister Scholl. So wie die Wut eines Horst Seehofers auf die Politik seiner politischen Partnerin Angela Merkel nicht geringer gewesen sein muss, als die unsere Lieblings-SPD-Politikers Ralf Stegner auf die ungeliebte Frauke Petry.

Nein, Rationalität ist nicht in jedem Falle der beste Ratgeber, wenn sich Dinge zum Besseren hin wenden sollen. Das gilt selbstverständlich für alle politischen Lager. Der Mensch bleibt ein emotionales Wesen. Und unserer überlebenswichtigen Veranlagungen sind nun mal Mitgefühl und Empathie.

Der Schriftsteller und Psychoanalytiker Arno Gruen hat eben nicht recht, wenn er behauptet: „In unserer Kultur sind die am erfolgreichsten, die am meisten von ihren Gefühlen und der Fähigkeit zum Mitgefühl abgeschnitten sind.“

Das wäre, zumindest bezogen auf die Analyse von Gastautor Jürgen Fritz, fatal. Denn eine Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner besteht nun mal aus beidem: aus der intellektuellen Grundfähigkeit zur dialektischen Auseinandersetzung ebenso wie aus einer gehörigen Portion Wut, die sich zwingend auseinandersetzen, keine, die nur zerstören und pathologisieren will.

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Kommentare

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  • Cornelius Angermann

    Jedem, der den Versuch nicht aufgeben will, mit grünlinksideologischen Gutmenschen zu diskutieren oder der dem nicht ausweichen will oder kann, empfehle ich, sich vorher durch die Lektüre des Buches „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ oder „Anleitung zum subversiven Denken“, erschienen im Verlag H.C. Beck, Becksche Reihe, 4. Auflage 2004, Autor Hubert Schleichert) methodisch zu bewaffnen. Man kann nämlich solche Diskussionen durchaus gewinnen!

    Grob verkürzt gesagt, man geht wie bei einem Computer vor: sobald man diesen in mehrere logische Widersprüche verwickelt hat, die alle wahr sein sollen, gibt es den Systemabsturz. Bei besagten Gutmenschen wäre das z.B. Eintreten für Schwule und Lesben und gleichzeitig für den Import von Schwulen- und Lesbenfeinden, Abschalten aller sicherer Energiequellen und gleichzeitig Schaffung von riesigem Mehrbedarf an Strom durch E-Autos etc. pp.

    Nun viel Spaß beim Lesen und insbesondere beim Anwenden des Gelernten! Redet diese Leute lull und lall!
    Never give up the ship!

  • André Olejko

    Ich muss mich hier erstmals kritisch äußern: Pathologisierung von Kontrahenten geht wirklich nicht. Im Stillen denke ich natürlich auch desöfteren, dass der eine oder andere „voll einen an der Waffel hat“. Aber wenn man mit denjenigen im Gespräch bleiben will – und ein anderes Mittel haben wir nicht – dann muss man sich das Aussprechen verkneifen. Das mag ein wenig nach Heuchelei klingen, aber wenn man es sich selbst zum Prinzip macht, dass auch jemand mit einer völlig befremdlichen Meinung irgendeinen Grund für seine Meinung haben muss, dann ist die eigene Gesprächsbereitschaft redlich und nicht scheinheilig.

    In etlichen Diskussionen zwischen Gläubigen und Atheisten habe ich immer wieder ein Muster erlebt: wir Atheisten halten Gläubige für Geisterseher und diese wiederum meinten, uns fehle bloß die Antenne dafür. Unterm Strich haben wir uns also gegenseitig pathologisiert. Das hat aber überhaupt nichts gebracht, sodass das, wenn es explizit so ausgesprochen wurde, von den Moderatoren gelöscht bzw. gerügt wurde, was den Diskussionen „atmosphärisch“ aber oft auch inhaltlich zugute kam.

    Aus meiner Erfahrung kann ich also nur von Pathologisierungen und anderen Ferndiagnosen nur abraten, sie bringen nicht nur nichts, sie beenden eine Diskussion (die man ja eigentlich wollte) auch ziemlich sicher.

  • michaelcollins

    Der Schriftsteller und Psychoanalytiker Arno Gruen hat eben nicht recht, wenn er behauptet: „In unserer Kultur sind die am erfolgreichsten, die am meisten von ihren Gefühlen und der Fähigkeit zum Mitgefühl abgeschnitten sind.“
    ————————-
    Meiner Meinung nach doch.
    Für mich das beste Beispiel dafür Eure Kanzlerin oder möglicherweise Clinton. Diese beiden halte ich für absolut gefühlskalt bis gefühlsarm.

  • Alabama_Rocket_Man

    Das Thema und die „Meinungsrolle rückwärts“ offenbart doch nur eines – die verkorkste und dringend verbesserungswürdige Diskussionskultur in Deutschland.

    Zu eurem „Rückzieher“:
    Wenn die deutschen Grenzen genauso undurchlässig (~1 Promille) wären die der TE Artikelfilter, dann hätten wir einen großen Batzen weniger an Problemen.

    Schließlich ist ein Steuermann der bei Bedarf den Kurs ändert für Schiff und Besatzung „gesünder“, als einer der ohne Rücksicht auf Verluste den Kurs beibehält.

    • Martin Lederer

      Zur „Diskussionskultur“: Solange die Altparteien bei den Wahlen super abschneiden, ist denen jede „Diskussionskultur“ sowas von scheißegal. Sie haben ja die Meinungshoheit in den Medien. Und das Internet bekommen sie zum Großteil auch noch unter Kontrolle.

      Von „Diskussionskultur“ reden die Altfuzzis nur, wenn sie mal einen Shitstorm abbekommen oder wenn sie Angst um die Wahlergebnisse bekommen.

      Am liebsten wäre jedem von denen von Gauck abwärts: Eine Oligarchie der „Eliten mit der richtigen Meinung“. Kontrollierte Scheinwahlen. Das Volk hat das Maul zu halten. Und 24 Stunden Dauerberieselung mit der „richtigen Meinung“.

  • Pardon: Ich habe neulich erst wieder gespendet und ärgere mich gerade!

    Da redet Herr Wallasch über einen Artikel, der nun gelöscht wurde (durch ihn oder per Insistierung?) und zitiert ellenlang Leserkommentare. Letztendlich zeigt dass doch auf, was von solch einem ‚Pluralismus‘ zu halten ist.

    Alle Leserkommentare hat man stehen lassen, in dem Artikel von Herrn Fritz. Aber das, worauf diese Inhalte sich beziehen – dass findet man nun nicht mehr. Das ist letztendlich enttäuschend. Nicht für den Ursprungsartikel, sondern für eine Redaktion, die scheinbar meint, dass so eine Diskussion aussieht?

    Denn immerhin hatte TE den Beitrag zur Diskussion gestellt und diesen später gelöscht. Warum denn – sieht so ein Diskurs aus, Herr Wallasch?

    Ich denke, dass man sich mit solchen Aktionen konterkariert und meine, dass es allen Grund gibt, mal darüber nachzudenken, was sie da, aus welchem Grund auch immer, getan haben.

    Es geht mir nicht darum, den gelöschten Artikel gutzuheißen, sondern darum, die journaliste Fairness aufrecht zu erhalten. Und genau das ist nicht passiert in diesem Fall.

    Aber hier liegt die Verweigerung eines argumentativen Austauschs definitiv bei der Redaktion, nicht beim Autor, der lediglich seine abstrahierte Meinung zu vertreten schien: Dass es sich nicht lohnt, sich mit Betonköpfen auseinanderzusetzen.

    Schade!

    • Fritz Goergen

      Fehler muss man korrigieren können und dürfen.

      • E.Puhlst

        Welchen Fehler? Erbitte nähere Erklärung. Kaufe regelmäßig Tichys Einblick. Soll doch wohl kein Fehler gewesen sein.

      • Taschenkrebs

        Ich fand den Artikel nicht die Krone der Schöpfung, aber in der Grundaussage hilfreich. Überzeichnung ist ein Stilmittel, und außerdem habe auch ich schon erlebt, dass Argumente bei bestimmten Leuten einfach aufgesogen werden, versacken, verpuffen… und das sind Leute einer bestimmten psychologischen Beschaffenheit, man erlebt das ja nicht oft, aber doch manchmal und dann durchaus nicht ausschl. bei Politikthemen. Das mal beschrieben zu lesen tut dann einfach mal gut 🙂 und der Rat, sich dann nicht ausgerechnet an den Exemplaren die Zähne auszubeißen finde ich pragmatisch gerade bei einem wichtigen Projekt wie dem Hinarbeiten auf eine gute Veränderung zur BTW. Dazu kommt, dass eine solche Überzeichnung auch den weniger schwer ‚Erkrankten‘ einen heilsamen Zerrspiegel vorhält, manchmal erkennt man sich und denkt „so möchte ich ja gar nicht sein“. Für all das war der Artikel eine gute Grundlage, und er löste ja auch eine lesenswerte Auseinandersetzung der Kommentatoren aus, von der ich immer profitiere. Ehrlich gesagt glaube ich, dass das Problem durch den m.E. problematisierenden Nachfass-Artikel von Herrn Wallasch zumindest vergrößert wurde. Ich lese Herrn Wallasch sehr gern, nur finde ich persönlich, dass Herrn Fritz‘ Artikel am besten solitär gestanden hätte. Die Nerven hätte man viell. behalten sollen angesichts des Kontexts: Nach Hensel mit Kein Geld für rechts; und dem Expiraten Lauer, jetzt Spd, mit seinem Versuch, die Äußerung Berufstätiger zugunsten der ‚rechten‘ Partei zum Existenzrisiko zu machen durch Kontaktieren und offenbar Überrumpeln des Arbeitgebers….; jetzt also der Versuch, Herrn Tichy bei XING mit Finanzeinbußen zu erpressen? Ich hoffe, dass es nicht das falsche Signal war, hier einzulenken. So etwas wird ja als Erfolg verbucht. Als TE und Achse des Guten von der Henselkampagne bedroht waren, habe ich sofort Achgut mit Patenschaft unterstützt; TE habe ich häufig mit Überweisungen honoriert und gerade erst hatte ich das Abo abgeschlossen…. mit diesem Zurückrudern hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht gerechnet…. Ich fände es gut, eine ‚Kritische Ausgabe‘ des Artikels wieder online zu stellen verbunden mit einer gründlichen Diskussion dieses regelmäßigen Erpressumgsmechanismus. Inkl. der Erarbeitung einer Empfehlung, wie damit künftig umgegangen werden sollte auf allen Seiten. ein Beitrag zur von der Regierung gewünschten Fairness im Umgang, an die sich dann alle halten können. Das ist ein ernstgemeinter Vorschlag und ich traue TE und seinen Lesern die Durchführung eines solchen ‚Projekts‘ zu. Es würde zu Herrn Wegners Projekt des Bullshit-Wörterbuchs passen. TE würde eine aktive Rolle in der Überwindung der ‚Spaltung‘ der Lager einnehmen, wozu m.E. wie eingangs erwähnt auch der Artikel schon einen Beitrag geleistet hat. Danke, wenn Sie das in Erwägung ziehen können. Ansonsten Kompliment für diesen absolut notwendigen Blog und danke an alle, die darein ihre Zeit und Gedanken investieren.

      • Martin Lederer

        Nichts für ungut, aber das war kein „Fehler“. Man hat einfach dem wirtschaftlichen Druck nachgegeben. Das finde ich verständlich. Man sollte es aber auch so sagen.

  • Ralf Jörg

    Liebe Hanna Jüngling
    Ihr Konservativen konntet nicht wissen, daß Frau Merkel so reagiert.
    Dem SPD Wähler ging es unter Schröder so.
    Was mich aber ärgert.
    Damals haben SPD Wähler geschrieben: Gott war ich Blöd, diese Leute zu wählen. Es wurde eine eher Konservative Politik gemacht, aber ich konnte nicht lesen, das über Konservative geschimpft wurde denn uns alle war klar wir sind an der Agenda2010 mitschuld.

    Die Wähler der Konservativen geben für Ihre Wahl die sie getroffen haben, den anderen die Schuld. Linke sind Schuld weil Angelika Merkel im Alleingang diese Entscheidung getroffen hat.
    Lesen Sie TheAllrounder
    Er scheint sogar Mitglied dieser Partei gewesen zu sein, und ist sich keiner Schuld bewusst.
    Wenn er mich gefragt hätte ob ich glaube das Linke anders gehandelt hätten, hätte ich ihm geantwortet:
    Vermutlich hätten sie das gleiche gemacht, aber nicht im Alleingang wie es Merkel gemacht hat.
    Das hätte sich kein Politiker getraut nicht einmal bei der SPD.
    Und unter Europäischer Führung wäre etwas besseres herausgekommen.

    Viele ihrer Konservativen Wähler fehlt leider die politische Reife.
    1940 waren nur die da oben Schuld.
    Heute sinds mal wieder die Linke.
    Der Konservative hat immer seinen Sündenbock.

    Man wählt keine Partei nur weil der Pfarrer es von der Kanzel ruft oder weil es die Medien so suggerieren.
    Gandhi hat gesagt:
    Man muss die Konsequenzen seiner Handlungen immer gut überdenken.
    Darin hat der Konservative glaube ich Schwierigkeiten.

    • Danke für die Antwort – vielleicht ist es gar nicht die „Linke“, gegen die viele hier anscheiben, denn in der Partei „Die Linke“ sind einige sehr respektable und in sich konsequente Personen (das stelle ich fest, auch wenn ich die marxistische Grundhaltung nicht teile). Sie sind tatsächlich nicht diejenigen, die man für das Politdesaster haftbar machen kann, sondern diese sogenannte „linksgrüne“ Ideologie, die aber weder links noch überhaupt wirklich politisch ist. Viele meinen einfach: Merkel hat sich das zu eigen gemacht und punktet damit, um oben schwimmen zu bleiben, und das um den Preis des konservativen politischen Profils der CDU. Ich sehe allerdings bei der CDU schon lange kein echtes solches Profil mehr… Merkel hat sich geschickt auf einen Erosionsprozess gesetzt und ihn dadurch beschleunigt.

    • TheAllrounder

      Hier gebe ich ihnen sogar ausdrücklich recht. Keine SPD geführte Regierung hätte sich so verhalten können. Dafür gibt es zwei Gründe:
      1) Bei den Amerikanern gibt es den Spruch „Nur Nixon konnte nach China gehen“, womit gemeint ist dass Nixon antikommunistisch genug war um ohne in Verdacht zu geraten mit den Chinesen diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Genau so verhält es sich bei Merkels Alternativloser Politik (die meisten die CDU wählen glauben immer noch eine konservative Partei zu wählen) und ich glaube auch nur deshalb konnte Schröder die Politik machen (die ich, sie verzeihen, nach wie vor für richtig und unausweichlich halte, dennoch verstehe ich, dass viele Leute dafür Opfer bringen mussten und zurecht verärgert sind) die er gemacht hat. Oh schau, ein linker Kanzler macht das – dann muss es wirklich nötig sein…
      2) Nachdem die Union diesen Irrsinn umsetzt, kommen wir zum wesentlichen Merkmal dieser Legislaturperiode: es gibt keine nennenswerte Opposition. Die die es ausserparlamentarisch gibt wird noch dazu kriminalisiert und stigmatisiert. Es gibt also niemanden der laut genug nein sagen könnte. Interessanterweise hat ausgerechnet Frau Wagenknecht – die ich in diesem speziellen Fall ausdrücklich loben muss – als einzige versucht hier etwas zu bewegen. Ansonsten gibt es niemanden im sogenannten Parlament der sich dem Wahnsinn entgegen stellen würde, der sich überhaupt traut nachzufragen…
      Insofern haben auch Sie nicht unrecht, die SPD hätte diese Politik nie betreiben können und wahrscheinlich nicht einmal versucht. Aber es ist trotzdem diese linke Ideologie, die sich hier Bahn bricht. Die Brandmauer die die Union + FDP früher einmal dagegen gehalten haben existiert nicht mehr. Die Konsequenzen die daraus erwachsen sind irreversibel.

  • Axel Gerold

    1) Schweigespirale (s. u.) PLUS
    2) Einseitige Berufssoziologie der etablierten Medien (s. u.) PLUS
    3) Emotionale Überwältigung einer Kanzlerin, die fatalerweise der Einladung einer Organisation folgt, die diese Kommunikationstechnik beherrscht. Wobei sie an der Stelle eines „Lindeblatts“ getroffen wird: ihrer eigenen Erziehung in einem Sozialprojekt zu strengstem, einseitigem Altruismus und dem Verleugnen emotionaler Ansprüche an die eigenen Eltern, insbesondere den Vater. (vgl. Reuth/Lachmann: Das erste Leben der Angela M.)
    Folge: Christlicher Pazifismus/Altruismus gelangen in die große Politik, und die anarchistische Linke (moral-psychologisches Entwicklungsniveaus des Kindes) scheitert nicht mehr an der Mehrheitsgesellschaft (moral-psychologisches Entwicklungsniveau des Erwachsenen). Vielmehr tritt in der Demokratie bis zur nächsten Wahl die Situation ein, dass eine Minderheit über die Mehrheit herrscht. Dies ist immer verkehrte Welt. Diese Verkehrtsein muss rationalisiert werden. Aus Sicht der Minderheit gelingt dies. Aus Sicht der Mehrheit ist es meschugge.
    In einer Demokratie ist nach der nächsten Wahl dann wieder alles in „Ordnung“ ODER die Unordnung ist von einer Mehrheit (quasi einer Kinder-Gesellschaft) gewollt. Dann wird es für die Erwachsenen schwierig. Das Taxon könnte seinem biologischen Telos anheimfallen: zu existieren bis es ausstirbt.

  • Martin Lederer

    Sehr gute Analyse. Sehe ich genau so. Dieses grünlinke Milieu gibt einem ein Zugehörigkeitsgefühl („Ich gehöre zu den Guten“.). Fast so etwas wie eine Familie. Der Ausstieg aus diesem Milieu ist fast wie der Ausstieg aus einer Sekte. Deshalb schaffen viele diesen Ausstieg nicht, obwohl sie im Grunde das alles ablehnen. Aber selbst das reden sie sich zurecht.

    • Ickebln

      Ja. Und richtig irre wird es, wenn die Kinder in eingeschult werden sollen. Die Parallelgesellschaft, an der man jahrelang vorbei gelebt und für die man bei Wahlen gestimmt hat, steht plötzlich auf der Matte und winkt. Dann bricht regelrechte Panik aus, denn das eigenen Kind auf Multikulti-Altar zu opfern geht zu weit. Das überlässt man den „Assis“. Der Grünwähler tut alles, um sein Kind im Prenzlauerberg einzuschulen. Und was wird weiterhin gewählt? Richtig.. Es ist schon zynisch.

      • Oskar

        Das nennt man eigentlich gespaltene Persönlichkeit. Oder Schizophrenie. Zynisch ist vor allem eine Haltung, Denk- und Handlungsweise, die durch beißenden Spott geprägt ist und dabei oft bewusst die Gefühle anderer Personen oder gesellschaftliche Konventionen missachtet.

    • michaelcollins

      Sehr gut. Sie bestärken mich in meiner Meinung, dass es sektenähnliche Gruppen sind.
      Ist es nicht interessant, das Christentum wird vehement bekämpft und der Glaube schleicht durch die Hintertür.
      Wenn man Neurologen glauben darf, gibt es im Gehirn ein Areal, das für Glauben zuständig ist.
      Nur deren Art Glauben ist viel menschenverachtender, er kennt keine Erlösung.

  • Kritischdenker

    Die Grundrichtung stimmt. Man kann mit denjenigen nicht mehr diskutieren, die sich systematisch weigern, Sachargumente zur Kenntnis zu nehmen. Da werden Auflistungen von Kriminalität, Hochrechnungen zur Demographie, ein Kontern gegen das geschichtslose Multikulti und gegen die von einer kleinen Minderheit betriebenen Frauenquoten bzw. Homosexuellenbevorzugung kurzerhand zu „Rechtspopulismus“ verzerrt.

    Ein Problem stellte das nicht dar, wenn diese kleine ideologische Minderheit eben bloß eine Minderheit wäre. Ihre Ansichten werden jedoch von der Regierung und den Medien gedeckt, das macht es so gefährlich. Die einzigen Fragen sind: Wann werden die Ansichten der Mehrheit nicht nur nicht mehr abgeblockt, sondern – im Gegenteil – in die politische Entscheidungsfindung eingebaut, und, zentral: weswegen geschieht dies seit Jahren nicht, sondern wird genau das Gegenteil betrieben? Dahinter steht tatsächlich Kalkül, aber die Blase wird platzen, wie „eigentümlich frei“ schreibt. Das wird sie nicht unbedingt bei den Wahlen, sondern „auf der Straße“ tun. Wir gehen sehr bewegten Zeiten entgegen.

    http://ef-magazin.de/2017/01/01/10347-2017-die-vertreibung-aus-dem-paradies

    • cleverfranky

      Ich habe gerade Ihren Link studiert. Ein toller, knallharter Beitrag.
      Vielen Dank dafür !!