Die Schneewalze kommt: Winterwetter als Ausrede für Untätigkeit

Killerwinter, Bombenzyklon, Schneewalze. Kaum fällt Schnee, kollabiert die Republik und entlarvt den Klimawahn. Winter war angeblich abgeschafft, jetzt ist er plötzlich tödlich. Das Problem ist nicht das Wetter, sondern ein Staat ohne Reserve, Vernunft und Realitätssinn.

picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt

Vorsicht! Jetzt wird es gefährlich: Die Schneewalze kommt, einen Bomben-Zyklon drohen die Wetteransager an, der Boulevard berichtet von einem Killer-Winter. Früher auch gern als „Russenwalze“ bezeichnet.

Der Winter kehrt zurück. Ist das jetzt ein Erfolg der Klimapolitik? Haben wir es geschafft, die Klimakatastrophe abzuwenden? Wir verglühen nicht mehr; statt Hitzeschutzplätzen in den Innenstädten Glühweinstände?

Jetzt kommt jedenfalls die tödliche Winterkatastrophe, so die Wetterapostel. Welcher sogenannte „Klimaforscher“ rief nochmal aus: „In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an: Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben!“

Dieser Ausspruch stammt aus einem Interview von Mojib Latif mit dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL, das am 1. April 2000 veröffentlicht wurde. Der Artikel trug den Titel „Winter adé: In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an“.

Schulfrei gibt es in Niedersachsen – zu gefährlich sind die angekündigten 20 cm Neuschnee. In Hamburg ist Salzstreuen verboten. Doch jetzt wieder erlaubt. Es landen zu viele im Krankenhaus.

Mit Gurkenwasser die Wege zu streuen, wird in Bayern empfohlen. Gab’s in der DDR auch schon. Da ist viel Salz drin, dann Essigsäure und Zucker. Aber Kinder sollen den ja nicht mehr bekommen. Was nun? Himmel, man kann ziemlich durcheinander kommen.

Warum fährt jetzt kaum jemand auf den teuren Radwegen in den Innenstädten, die Autos haben extra Platz gemacht und stauen sich stattdessen auf einer Fahrspur, während die breiten Radwege gähnende Leere aufweisen.

Und was ist eigentlich mit den Radschnellwegen? Sind die ordentlich vom Schnee befreit worden? Wie viele Radfahrer liegen nach Stürzen eigentlich jetzt mit gebrochenen Handgelenken in Krankenhäusern? Das Zweirad ist auf Eis und Schnee keine besonders gute Idee.

„Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“, so hieß es, als die Bahn noch fuhr. Der Slogan war eine Bundesbahn-Kampagne von 1966 und spielte auf einen realen Vorteil an: Schiene ist in vielen Wetterlagen robuster als Straße und Luft. Es gibt, oder besser: Es gab auf der Schiene keine Staus und keine Start-/Landeverbote.

Aber stimmt es denn, dass „früher die Bahn trotz Schnee meist pünktlich fuhr“?

Gefühlt: oft ja. Als harte Regel: nein. Früher gab es ebenfalls Winterstörungen – teils sogar massive. Was aber anders war: mehr Reserve im System, mehr Fahrzeuge und vor allem einen größeren Fahrplanpuffer. Und: mehr Personal. So standen deutlich mehr Trupps zur Verfügung, um Weichen von Schnee und Eis freizuschaufeln. Heute hat die Bahn zwar 49.000 ihrer 70.000 Weichen mit Heizungen ausgestattet, um die beweglichen Teile warm zu halten und ein Festfrieren zu verhindern. Doch wenn von Zügen dicke Eisbrocken herunterfallen und blockieren, geht es nur noch mit menschlicher Hilfe vorwärts.

Die Zugfolgen waren weniger dicht getaktet, Umläufe weniger „auf Kante genäht“. Darum wirkte die Bahn im Alltag wetterfester. Nicht das Wetter war früher harmloser – das Bahnsystem war widerstandsfähiger, wenn auch nicht grenzenlos.

An der Jahreswende 1978/79 und erneut im Februar 1979 kam es zu Schneestürmen, Verwehungen und außergewöhnlicher Kälte – mit schweren Behinderungen auch im Bahnverkehr. Selbst die Bundesbahn registrierte schon früh das Ausmaß, Züge liefen stundenlang verspätet, vielerorts ging ohne Räumtechnik gar nichts mehr.

Der Winter 1962/63 gilt in Deutschland als strengster Winter des 20. Jahrhunderts mit langer Frostdauer. Flüsse und sogar der Bodensee froren zu. Solche Lagen bedeuten für Bahnen klassisch Probleme: Vereiste Weichen, die Weichenheizungen waren am Limit. Die Bremsen der Züge waren teilweise festgefroren, dicke Eiszapfen an Oberleitungen sorgten dort für heftige Störungen. Schnee und vor allem feste Eisbrocken sorgten für Behinderungen in Gleisanlagen. „Wir nicht“ war in solchen Extremphasen auch früher eher Anspruch als Realität.

Doch von solchen Extremen ist der herbeigeschriebene Horrorwinter 2025/26 weit entfernt – es scheint vielmehr, dass die Verantwortlichen jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um Verantwortung von sich zu weisen. Logistische Herausforderungen werden nicht mehr als Probleme aufgefasst, die es zu beheben gilt, sondern als Schicksalsmacht, der man ohnmächtig gegenübersteht. Das Wetter ist da lediglich eine bequeme Ausrede, um Untätigkeit zu rechtfertigen.

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