Wenn der Staat bei Kindern Kasse macht

Berlin hält jetzt bei den Sportvereinen die Hand auf: Wer Feriencamps für Kinder organisiert und dafür landeseigene Sportanlagen nutzt, muss künftig zehn Prozent der Einnahmen abführen. Geht’s noch?

IMAGO / Funke Foto Services

Trotz Steuereinnahmen in Rekordhöhe sucht der Staat bekanntlich immer und überall nach frischem Geld. In Berlin sollen jetzt ausgerechnet Amateur-Sportvereine Haushaltslücken füllen.

Wer ein Feriencamp ausrichtet, muss dafür ab sofort zehn Prozent der Einnahmen an den Stadtbezirk abgeben.

Sportvereine, wenn sie nicht gerade Bayern München heißen, sind chronisch klamm. Aber sie sind unglaublich wichtig für das soziale Gefüge. Sie verhindern, dass Kinder und Jugendliche herumlungern, die Straßen unsicher machen und aus Langeweile klauen oder schlimmere Straftaten begehen.

Das Engagement der meist ehrenamtlichen Trainer und Betreuer lässt sich fast immer nur als Selbstausbeutung beschreiben. Und Feriencamps sind ganz sicher nichts, woran sich die Vereine eine goldene Nase verdienen. Nicht ansatzweise. Schließlich müssen externe Helfer und Verpflegung bezahlt werden.

Jeder Euro, den die Vereine selbst als Einnahme generieren, senkt den Bedarf an staatlicher Förderung. Eigentlich müssten unsere Politiker froh sein, wenn Sportvereine Kindern und Jugendlichen während der Ferien einen sinnvollen Zeitvertreib anbieten. Das entlastet ja auch die staatlichen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen.

Doch die Verwaltung denkt nur darüber nach, wie und wo sie mitkassieren kann.

Der Senat – so nennt sich die Landesregierung in Berlin – erweckt den Eindruck, als würden sich die Vereine an Feriencamps bereichern. Und weil die Bürokratie nirgendwo so kreativ und gründlich ist wie beim Handaufhalten, wird der moderne Zehnte nicht etwa an einem (ohnehin nur selten anfallenden) Gewinn berechnet, sondern am Umsatz.

Das wird die Camps absehbar enorm verteuern. Vor allem für berufstätige Eltern aus den ärmeren Schichten ist das ein großes Problem. Sie können meist keine langen Urlaube machen und sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder in den Ferien sinnvoll betreut werden.

„Während Millionen für die Olympiabewerbung diskutiert werden, sollen gemeinnützige Vereine nun Abgaben zahlen, wenn sie Ferienangebote für Kinder organisieren“, schimpft Kamyar Niroumand. Der Vorsitzende des traditionsreichen Berliner Clubs Hertha 03 Zehlendorf sagt dann noch einen Satz, dem sich sicher sehr viele spontan anschließen dürften:

„Diese Prioritätensetzung ist schwer verständlich.“

Die Senatssportverwaltung schaltet auf stur. Wenn jemand auf landeseigenen Sportflächen Gewinn mache, sei „das Land Berlin – bei dem die gesamten Lasten für die Verwaltung und Unterhaltung liegen – hieran in angemessenem Umfang zu beteiligen“.

Diese amtliche Argumentation hat allerdings ein logisches Loch. Denn alle Vereinsmitglieder in Berlin zahlen die Verwaltung und die Unterhaltung der städtischen Sportanlagen ja schon: mit ihren Steuern nämlich. Und dass die neue Abgabe – wie beschrieben – nicht vom Gewinn, sondern vom Umsatz abgeleitet wird, selbst wenn es gar keinen Gewinn gibt: Das unterschlagen die Bürokraten.

Auch der Berliner AfD-Landtagsabgeordnete Frank Scheermesser lässt seinem Ärger über den neuen dreisten Griff in unsere Taschen freien Lauf. Er schreibt:

„Dass der Staat den Bürgern ans Geld geht, wo er nur kann, ist nicht neu. Die Dreistigkeit, mit der der Senat jetzt bei den Sportvereinen abkassieren will, ist allerdings atemberaubend.“

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Kommentare ( 3 )

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Klaus D
52 Minuten her

Wenn der Staat bei Kindern Kasse macht….es gibt halt dinge die wichtiger als kinder sind zb bäume*. (ironie off) Man könnte ironisch sagen das der umweltschutz seine kinder frisst. Am ende sollte man also nicht sagen „der letzte macht das licht aus“ sondern „der letzte sollte noch schnell mal die bäume gießen“. Dass der Staat den Bürgern ans Geld geht, wo er nur kann, ist nicht neu….wo geht denn das ganze geld hin bzw wer profitiert massiv von der ausbeutung der bürger? Und es sind ja nicht alle bürger betroffen so zahlen sehr reiche immer weniger steuern. *Berliner Senat einigt… Mehr

Dietrich
1 Stunde her

Tja, alles wird unerschwinglich. Ich prognostiziere für den 1. Januar 2027 eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21%. Märzel hatte ja bei Miosga schon zugegeben: Es wird teuer werden. Irgendjemand muss die Billion Schulden ja zurückzahlen. Märzel und seine Regierungsgenossen werden es kaum sein. Mit lieben Grüßen von Selenskij an die deutschen Steuerzahler, wie uns Jule aus Kiew mitteilt. Ist das Zynismus oder schon Einfalt.

Last edited 57 Minuten her by Dietrich
yeager
1 Stunde her

Man könnte fast meinen, Deutschland wäre gar kein so reiches Land wie immer wieder behauptet wird.