Das Scheitern der Energiewende: Kohlekraftwerk Mehrum ist wieder am Netz

Deutlicher kann ein Scheitern der »Energiewende« nicht sichtbar werden: Das erste Steinkohlekraftwerk liefert seit heute wieder Strom. Im Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine wurde der Kessel wieder angefeuert.

IMAGO / Rust
Das Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover hat am 01.08.2022 wieder mit der Stromproduktion angefangen

Versteckt wird das Scheitern der sogenannten Energiewende hinter einem absurden Wortgeklingel: Das Kraftwerk Mehrum hatte im Frühjahr 2022 den »Zuschlag« bekommen, nein, nicht für einen Lottogewinn, sondern dafür, das Kraftwerk beim sogenannten »Kohleausstieg« stilllegen zu dürfen. Derartige »Zuschläge« verteilt die dubiose Mammutbehörde Bundesnetzagentur, die eigentlich dafür sorgen soll, dass immer genügend Energie vorhanden ist.

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Diese »Agentur« hat dem Kraftwerk Mehrum die Stilllegung unter der Auflage genehmigt, bis zum Sommer 2022 noch still zu halten und nicht sofort Kessel und Rohre auseinanderzuschweißen und den teuren Kesselstahl zu verscherbeln. Wirtschaftsminister Habeck hatte bekanntlich die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Seit Mitte Juli dürfen laut einer eigenen Verordnung Steinkohlekraftwerke wieder in Betrieb gehen, die von der Bundesnetzagentur nicht komplett stillgelegt, sondern in die sogenannten »Netzreserve« geschickt wurden.

Jetzt also soll Mehrum wieder Kohle verfeuern und Strom produzieren. Das soll Gas sparen, mit dem die Gasspeicher wieder gefüllt werden können. Soweit die hektischen Planspiele aus den oberen Etagen des Wirtschaftsministeriums, aus denen das Zähneklappern spürbar hervordringt.

Gas galt bisher als die Lösung, um die unmittelbaren Folgen der Zerstörung einer sicheren Energieversorgung Deutschlands im Zeichen der sogenannten »Energiewende« abzumildern.

Das kam bisher recht preiswert aus Russland und sollte Gasturbinen mit angekoppelten Generatoren antreiben, die Strom produzieren sollten. Doch diese Lösung galt früher als zu teuer und unwirtschaftlich und war deshalb nur für den Mittellast- und Spitzenbereich vorgesehen. Jetzt also auch für Grundlastbetrieb, Kosten spielen sowieso keine Rolle mehr, es ist nicht ihr Geld, das die Grünen verpulvern.

Nur: Es gab keine Turbinen mehr, um die Kraftwerke zu bauen – und jetzt gibt es kein Gas mehr. Denn die »bösen« Kohlekraftwerke wurden samt den noch böseren Kernkraftwerken in einem regelrechten Abschaltrausch stillgelegt, ohne dass eine Alternative überhaupt sichtbar ist. Ein ziemlich sandspielkastenhaftes Unterfangen, die Energieversorgung eines Industrielandes von einer einzigen Quelle – Erdgas – abhängig zu machen.

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Plötzlich tat der Präsident Russlands etwas, das er noch nie zuvor getan hatte: Er spielte am Gashahn und drehte die Leitung zu. Dass er damit seinen zuvor erworbenen Ruf als zuverlässigen Energielieferanten unwiederbringlich zerstörte – geschenkt. Der Spaß, die deutschen Energiewender am Fliegenfänger zappeln zu sehen, muss es ihm wert gewesen sein.
Jetzt sieht es in Deutschlands Energiewüste aus wie in der Sahara, in der Sozialisten eingefallen sind: Lange passiert nichts, dann ist der Sand weg.

In der Tagesschau klingt das profan: Allein auf Gas zu verzichten würde zu einer Stromkrise und zu Blackouts führen, gab ein Sprecher von Bundesenergieminister Robert Habeck (Grüne) von sich. »Es gibt systemrelevante Gaskraftwerke, die mit Gas versorgt werden müssen«, sagte der tatsächlich laut Tagesschau, die das auch brav und unkritisch weitergab. »Bekommen sie kein Gas, kommt es zu schweren Störungen. Das ist leider die Realität des Stromsystems, die man kennen muss, um die Versorgungssicherheit herzustellen.« Früher wäre ein solchen Unsinn Sagender sofort gefeuert worden und säße nicht hochdotiert in einem Ministerium und spielte an der Energieversorgung herum. Jetzt heißt es also wieder: die noch verbliebenen Kohlekraftwerke anwerfen.

Das Kraftwerk Mehrum am Mittellandkanal hat mit 690 MW ungefähr die Nettoleistung eines halben Kernkraftwerkes und kann eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgen – im Gegensatz zu Windrädern und Photovoltaikanlagen tatsächlich rund um die Uhr nach Bedarf und nicht nach dem Angebot, wie viel Sonne scheint und wie viel Wind weht tatsächlich. Das Kraftwerk ist mit allem ausgerüstet, was die Technik hergibt, um es umweltfreundlich zu machen: Entstickung, Entstaubung und Entschwefelung.

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Eine Entstickungsanlage befreit das Rauchgas von Stickoxiden – wie bei Dieselmotoren. Elektrostatische Filter ziehen Staubpartikel aus den Abgasen und halten Flugasche fast zu 100 Prozent zurück; eine dritte Entschwefelungsstufe reinigt das Rauchgas von gasförmigem Schwefeldioxid. Dabei entsteht viel Gips einer hohen Qualität, das in der Baustoffindustrie für Gipskartonplatten verwendet wird.

Kommt also nur noch das CO2 aus dem Schornstein. Das war der letzte Grund, der bisher zur Stilllegung sämtlicher Kohlekraftwerke herhalten musste und wohl unter dem Druck der Fakten wohl nicht mehr so bedrohlich ist. Darüber können sich jetzt Pflanzen, Bäume und Gräser freuen. Der erste deutsche Pflanzenphysiologe Wilhelm Pfeffer sagte: »Wir sollten Industrie dankbar sein, dass sie mit Kohlendioxid Emissionen dafür sorgt, dass das Spurengas CO2 in der Atmosphäre erhöht wird.« Das war um 1910.

Doch unter dem wild gewordenen grünen »Hin und Her« haben die Strukturen gelitten: Unter anderem sind die Transportkapazitäten für Kohle dezimiert worden, die Flüsse führen Niedrigwasser, die Schiffe können nicht voll beladen werden und ein Teil der Binnenschiffe, die früher Kohle transportierten, wurde abgewrackt.

Eine vollkommen irrsinnig gewordene, zerstörerische Energiepolitik gebiert irrsinnige Begriffe. »Marktrückkehrer« wird das Kraftwerk genannt, das dem tschechischen Energiekonzern EPH gehört und dessen Betrieb bis Ende April kommenden Jahres genehmigt wurde. Vorerst.

Für die Stromverbraucher hat diese für ein Industrieland äußerst gefährliche Energiepolitik vor allem eine Konsequenz: Der Strom wird immer teurer. Deutschland hat bereits die höchsten Strompreise in Europa. Für das Zerstörungswerk Energiewende wurden bisher mindestens 400 Milliarden Euro verpulvert.


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Kommentare ( 87 )

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Teide
12 Tage her
Last edited 12 Tage her by Teide
H. Priess
12 Tage her

Wir werden Russland soweit ruinieren, daß es nie wieder einen Angriffskrieg führen kann! Dieses Zitat vom Bearböckchen möchte ich vorausstellen. Putin dreht am Gashahn um uns zu schaden, eine gewagte These der viele verschiedene Argumente entgegenstehen. Die Siemens Energy ist für die Wartung der Verdichterstationen zuständig, nur leider werden die Turbinen in Kanada gewartet, weil das spezielle Techniken erfordert die sonst auf der Welt kaum aufzutreiben sind. Nun kommt die Turbine nicht, es sollen noch zwei dort zur Überholung liegen, Vertragsgemäß in Russland an. Wegen den Sanktionen. Gaslieferung verringert sich, weil eben die Turbine nicht eingebaut werden kann. Nebenbei sind… Mehr

Waldorf
12 Tage her

Anspruchslose Wähler kriegen mittelmäßige bis krass unfähige Politiker. Merkel war schon krass unfähig, aber immerhin konnte sie die positiven Folgen Schröders Hartz 4 Reformen auf dem Arbeitsmarkt vereinnahmen und ab ca 2010 einen globalen Wirtschaftsboom abfrühstücken, der kein bisschen auf ihrem Mist gewachsen war. Die irrational lockere Geldpolitik in EU und Deutschland während eines Booms ist auch eine „Merkel-Leistung“, wie das Verprassen der Mehreinnahmen für Schischi. Gleiches gilt für ihre „Energiepolitik“ deren Erfolg wir gerade genießen können und ihre „Migrationspolitik“ deren Erfolg noch ein paar Jahrhunderte auf sich warten lassen wird. Und unsere „Grünen“ sind die unangefochtenen Deutschen Meister in… Mehr

Wolfgang Schuckmann
12 Tage her

Sehr geehrter Herr Douglass, Mit Interesse habe ich ihren Artikel gelesen und glaube das Sie sich im Wesentlichen auf den richtigen Pfaden bewegen. Nun, eine Tatsachenbehauptung Ihrerseits, hat mich verstört. War ich doch bisher davon überzeugt, nach den Aussagen unserer Dame im Auswärtigen Amt, das man mit dem Ziel, daß Russland keine Angriffskriege mehr führen könne, kein Gas mehr von dort importiert werden solle, und zwar bis zum Sanktnimmerleinstag.soweit,so gut. Nun aber lese ich bei Ihnen, dass es sich ganz anders verhält. Und das hat mich stutzig gemacht mit meinem eingeschränkten Gesichtskreis. Da kommt doch tatsächlich zutage, das die westlichen… Mehr

Emmanuel Precht
13 Tage her

Ich darf hier einen CDU Politiker zitieren, der im letzten Jahrhundert diese sagte: „Bei der Energiewende ist es so wie bei einem Fuhrwerk, das in die Sackgasse fährt: Es muss dort wieder herauskommen, wo es hineingefahren ist. Man braucht also nicht hinterherzulaufen. Von Unterhaltungswert ist allein das Wendemanöver. Die Grünen wären allerdings nicht die Grünen, wenn sie sich nicht sogar in einer so eindeutigen Situation noch standhaft gegen die Gesetze von Logik und Vernunft stemmten“. Spanien kauft so viel Erdgas aus Russland wie noch nie (RND: 12.07.22) Frankreich importiert mehr russisches Gas (Welt: 01.07.22) Ungarn will mehr Gas von Russland… Mehr

Last edited 13 Tage her by Emmanuel Precht
Mausi
12 Tage her
Antworten an  Emmanuel Precht

Es ist ein Wendemanöver in einem kleinen Wendehammer mit einer sechsspännigen Kutsche, untrainierten Pferden und einem Anfängerkutscher.

rudibus
12 Tage her
Antworten an  Emmanuel Precht

Man kann das Bild des Fuhrwerks, dass in eine Sackgasse fährt noch weiter spinnen:
Und zwar reagieren die Grünen auf Kritik und Widerspruch dermaßen, daß sie

  • ein besonders sperriges Fuhrwerk verwenden was möglichst unfähig ist wenden zu können,
  • alle Möglichkeiten und Hilfsmittel ggf. wenden zu können, zerstören.

Das ganze dient ihnen dann als „Beweis“ dafür, daß es sich um keine Sackgasse handeln kann. Auf der Titanic hätte sie alle Beiboote versenkt, um „zu beweisen“, daß das Schiff nicht sinkt.

Contra Merkl
13 Tage her

Da Deutschland ja ein Drittel des Gases weiterverkauft, würde mich interessieren zu welchen Konditionen das geschieht ? Da gibt es doch bestimmt auch langfristige Lieferverträge zu festgelegten Preisen und da Deutschland ohne Not mit Sanktionen seinen zuverlässigen Gasversorger ruinieren will, wie Baerbock sagte, muss jetzt teures Gas woanders beschafft werden. Hier werden ja die Preise durch ausrufen des Gasnotstandes an den Endverbraucher weitergegeben. Woher kommt also die Schieflage des Gasgroßhändler Uniper das der Staat, also der Steuerzahler dort mit Milliarden einspringen muss ? Wozu dient diese von Habeck geplante Gasumlage, die ja noch on Top auf die hohen Preise draufkommt… Mehr

Homer J. Simpson
13 Tage her

Die Chinesen wie die Amerikaner als auch der Rest Europas hat es erkannt: Nur die Kernenergie hat das Potenzial, genug Energie für den immer weiter wachsenden Energiehunger zu erzeugen. Allein die Chinesen bauen 44 neue Meiler, die mindestens die Leistung von unserem Isar-2 haben, was mit seiner Nennleistung unter den Top 3 weltweit rangiert. Wahrscheinlich haben die anderen Nationen die Rechnung aufgemacht, die besagt, dass für ein AKW mit 1,2 GW min. 200 der in den Offshore-Windparks verbauten Windräder nötig wären – sowie an 365 Tagen und 24 h täglich eine kräftig wehende Brise. Irrsinn! Das Gleiche gilt für Photovoltaik.… Mehr

humerd
13 Tage her

„Doch unter dem wild gewordenen grünen »Hin und Her«“, die Grünen bedienten sich der NGOs und die wiederum bedienten sich der Kinder und Jugendlichen , die Freitags Schule schwänzten und sich aktuell auf Straßen kleben. Kinder sind an der Macht und das ist das Ergebnis. Auch die Staatsverschuldung ist das Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche die politischen Geschicke bestimmen.

Vox critica
13 Tage her

Grüne Politik und Rationalität passen einfach nicht zusammen. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass diese unfähige Heuchlertruppe demoskopisch immer noch bei über 20% steht.

Last edited 13 Tage her by Vox critica
Vox critica
13 Tage her

Vielleicht kam die von der dt. (und europ.) Politik provozierte Gaskrise ja noch gerade rechtzeitig, um auch den energietechnisch unbedarften Wählern zu zeigen, dass esoterische Energiepolitik nicht funktioniert und niemals funktionieren kann. Wie konnten wir soweit an die Klippe gelangen? Wahrscheinlich, weil es an Debattenkultur gefehlt hat. Wo waren die kritischen Fachjournalisten, die den Schwachsinn der Energiewende offenlegten? Wo waren die kritischen Wirtschaftsführer, die den Regierenden die Leviten lasen und auf die Konsequenzen hinwiesen? Früher teilte bspw. ein Arbeitgeberpräsident Hundt gegen industrieschädliche Politik heftig aus. Den aktuellen Arbeitgeberpräsidenten kennt man nicht einmal. Alle versuchten nur, sich bei der dümmlichen Politik… Mehr

Last edited 13 Tage her by Vox critica
Monika
13 Tage her
Antworten an  Vox critica

Es gab und gibt ja jede Menge kritische Stimmen zur „Energiewende“. Die wurden aber ignoriert bzw. lächerlich gemacht. Insbesondere die Backup-Strategie mit dem Gas wurde immer wieder als riskant kritisiert. Das muß man sich mal vorstellen, man stellt einer Energiequelle eine zweite, gleich große, an die Seite, falls die „Hauptquelle“ nicht genug liefert. Geht es noch blödsinniger und v.a. teurer?! Aber trotzdem steht das auch im Koalitionsvertrag der Ampel noch drin. Die Verfechter der „Energiewende“ werden auch jetzt nicht einfach so aufgeben. Erstmal wird Putin in den Medien als Sündenbock so lange ausgeschlachtet, bis auch der dümmste Bürger anfängt, den… Mehr