Veggieday 2.0: Grüne Ernährung und Landwirtschaft

Die Grünen wollen ein staatlich verordnetes Ernährungsverhalten und eine analoge Landwirtschaft, die „globale sozial-ökologische Agrarwende“ wird angepeilt. Bauern dürfen sich ebenso freuen wie Verbraucher. Von Detlef Brendel

Vor einem Jahrzehnt sind die Grünen mit ihrer Vorstellung von einem Veggieday krachend gescheitert. Sie werden es wieder tun und haben sich dafür bestens in Position gebracht. Alle reden über die beherrschenden Themen Energie und Klima. Auf der Agenda steht auch die Umerziehung der Bevölkerung. Die kommt im Koalitionsvertrag recht leise daher. Die deutschen Verbraucher werden sie bis in den privaten Bereich hinein noch zu spüren bekommen. Nur rund eine Seite in dem 177 Seiten starken Papier beschäftigt sich mit den Themen Ernährung, Landwirtschaft, Lebensmittelmarkt und Verbraucherschutz. Die dafür passenden Ministerien haben sich die Grünen an Land gezogen.

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Kurz und knapp werden im Ampelvertrag der Beschluss einer Ernährungsstrategie, die Stärkung von Fleischersatzprodukten, Werbeverbote, die Reduktion von Zucker, Fett und Salz, also eine neue Definition von ideologisch orientiertem Geschmack, und der ökologische Landbau mit der gesamten Bio-Wertschöpfungskette genannt. Der Weg zur staatlich verordneten Ernährung ist zumindest mit wenigen Strichen schon einmal skizziert. Wir werden diese Suppe auszulöffeln haben.

Die Grünen haben die ideologische Vorstellung, die Welt und die Menschen retten zu wollen. Mit der heilsamen Wirksamkeit staatlicher Lenkung wollen sie eine andere Gesellschaft schaffen. Geplant ist ein „geändertes Ernährungssystem“ mit restriktivem Charakter für die Ernährungswirtschaft. Im Wahlprogramm der Partei wurde die Headline „Lebensmittel retten“ formuliert. Das hat mit der Leistungsfähigkeit der deutschen Ernährungswirtschaft wenig zu tun. Der hohe Standard von Nahrungsmitteln braucht keine Rettung und selbst Vegane können sich heute bereits aus einem reichhaltigen Angebot bestens bedienen. Unabhängig von der Realität ist man hier von Ideologie getrieben.

Gesunde und ökologisch wertvolle Lebensmittel sollen für die Menschen in Deutschland leicht zugänglich gemacht werden. In jedem Supermarkt sind die Regale voll damit. Eine solche Aussage hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Auch wenn es um die Reduktion von Inhaltsstoffen oder um das Thema Werbung geht, wird der Blick auf die Realität, also auf vorhandene Kontrolle und Selbstbeschränkungen, konsequent vermieden. Von den Grünen ist durchaus ein staatlich verordnetes Ernährungsverhalten intendiert. Analog ist die Politik der Grünen im Bereich der Landwirtschaft zu sehen. Hier ist die „globale sozial-ökologische Agrarwende“ intendiert. Die Bauern dürfen sich ebenso freuen wie die Verbraucher.

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Bei diesen Themen ist das Ampelpapier kein Koalitionsvertrag, sondern ein Freifahrtschein für die ideologische Strategie, nicht nur den Veggieday 2.0, sondern die nationale Veggieküche auf den Weg zu bringen. Positionen der FDP bei diesen Themen sind im Koalitionsvertrag nicht zu erkennen. In der Diskussion um die großen Themen Energie und Klima hat man bereits im ersten Anlauf wichtige politische Überzeugungen vergessen. Von einer modernen Familienpolitik, wie sie von der FDP propagiert wird, steht im Koalitionsvertrag kein Wort. Ein Kernanliegen der FDP ist der Schutz der Privatsphäre. So soll sich auch der Verbraucherschutz am Leitbild des mündigen Verbrauchers orientieren, um eine informierte sowie souveräne Entscheidung zu ermöglichen.

Die FDP lehnt eine bevormundende Verbraucherpolitik ab und vertraut stattdessen auf die Selbstbestimmung der Verbraucher. In der Politik soll es nicht um die Steuerung der Verbraucher gehen, sondern um die Förderung von Ernährungskompetenz, um eigenverantwortliche Entscheidungen treffen zu können. Hier hat die Partei noch großen Spielraum, um ihre politischen Überzeugungen in der konkreten Politik umzusetzen. Für die FDP ist das auch parteipolitisch ein relevantes Thema, weil der Koalitionsvertrag mit seinen aktuellen Formulierungen bei diesen Themen keine Handschrift der Partei erkennen lässt. Warten wir ab, wann der Finanzminister missmutig an einem Brokkoli knabbert.


Detlef Brendel ist Wirtschaftspublizist.

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Kommentare ( 35 )

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Manfred_Hbg
7 Monate her

Als hamburger Wessi der zu den sogenannten Ostblock-Zeiten auch viel in der DDR unterwegs war, weiß ich, dass die DDR’ler selbst auch oftmals ihren Arbeitsplatz verlassen hatten wenn es dann mal in ein Geschäft Bananen gab um sich in die lange Warteschlange einzureihen. UND zukünftig im besten Deutschland welches wir jemals hatten, werden wir uns dann wohl wieder vor Geschäfte in lange Warteschlangen einreihen „dürfen“, weil es dann mal Fleisch und vernünftige Wurst-Produkte gibt. WOBEI es mich mit Blick in die nahe grüne Zukunft auch nicht wundern und überraschen würde, wenn es für die -vor allem politische- „Elite“ im Land… Mehr

KorneliaJuliaKoehler
7 Monate her

Die Welt ist voller Zufälle. Der Genfer Agrarhändler Louis Dreyfus investierte im März 2019, laut Handelszeitung, in ein Lebensmittel Startup. Mit dabei: Jeff Bezos, Jack Ma und Bill Gates. „Sie alle wollen dabei sein, wenn in den Bio-Reaktoren von Motif neue Lebensmittel und neue Lebensmittel- Zusätze entstehen. Wenn neue Proteine die Ernährung auf neue biologische Basis stellen. Wenn gen-veränderte Bakterien neue Geschmäcker herstellen. Auf Twitter träumt Gates bereits von einer Viehwirtschaft, die ohne Methan-Ausstoß auskommt – und von einer Landwirtschaft, die ohne Abholzung von Wäldern“……………bla, bla. Ja, der gute Bill, weiß, was die Menschheit sich schon immer gewünscht hat. Eine… Mehr

Andreas aus E.
7 Monate her

Lustig die Absätze zur Rolle der FDP:
Positionen der FDP bei diesen Themen sind im Koalitionsvertrag nicht zu erkennen.“
Doch, die FDP hat ihr ganzes Profil im Koaltionsvertrag unterbekommen.
Es ist die Umfaller-, Wendehals- und Klientelpartei, wer die wählt bekommt nun genau, was er wollte.
„Besserverdienende“ werden unter Politik der „Grünen“ nicht zu leiden haben. Ganz im Gegenteil! Staufreie Straßen, keine nervig lange Schlangen an der Fleischtheken, touristenfreie Strände und Sternenfreunde unter denen werden sich über beste Sicht auf das Firmament freuen können, wenn Städte weitgehend im Dunklem liegen. Hauspersonal wird dank Zuwanderung dann auch billiger werden.

Andreas Stueve
7 Monate her

Warum zitiert der Autor ausgerechnet mehrfach die Partei, die in Deutschland am anfälligsten für die Auswirkungen der Schwerkraft ist? Die FDP wird die Anbiederung an Rot-Grün politisch nicht überleben. Und das ist gut so, Genossen.
Ein ehemaliger FDP – Wähler.
PS: Inhaltlich stimme ich allerdings voll zu.

Iso
7 Monate her

Wenn das alles so toll ist, was die Grünen so verzapfen, dann sollten sie mir nicht so dumm und weltfremd vorkommen. Vegetarische Nahrung hat auch nichts mit ausgewogener Ernährung zu tun, und was da alles in Fleischersatzstoffen drin ist, möchte ich lieber nicht wissen. Da kann man sich auch gleich jeden Monat bosstern lassen.

Andreas aus E.
7 Monate her

Freunde carnivorer Ernährung brauchen sich wegen der „Grünen“ keine Sorgen machen, es wird kein „Veggie“ geben, ganz im Gegenteil, nämlich lecker mit Algensud abgeschmeckte Scheibletten als Grundversorgung.
Und woraus diese Köstlichkeiten aus Fabrikation der Soylent-Werke bestehen, werden Filmfreunde wissen…
Guten Appetit! 😉

KorneliaJuliaKoehler
7 Monate her
Antworten an  Andreas aus E.

Genau! An diesen Film muss ich bei diesem Thema auch immer denken! Der Slogan „zurück zur Natur“ bekommt da einen makabren Beigeschmack. Dieser Film hat mich derart beeindruckt, dass ich seit vielen Jahrzehnten keine industriell hergestellte Produkte mehr esse, die man nicht eindeutig identifizieren kann. Bei mir kommen nur Rohprodukte auf den Teller, die ich mir selber zubereite! Allein die Zusatzstoffe, die in den ach so guten industriellen Veggigerichten enthalten sind, können unmöglich gesund sein.

Julius Schulze-Heggenbrecht
7 Monate her

Die rückgratlose FDP wird sich den grünen Weltklimarettern nicht entgegenstellen, wenn diese uns mit Ernährungsvorschriften zu beglücken beginnen.
FDP? Kann weg.

H. Priess
7 Monate her

Wer wissen will wie unsere Zukunft aussehen wird lese das Buch 2054-Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit von Wulf Bennert. Das einen Fehler hat, der Titel müßte 2035…. lauten. Die Umerziehung eines ganzen Volkes ist im vollen Gange, eines ganzen Volkes? Nein, es wird Gruppen geben die sich dem Irrsinn entziehen in dem sie Parallelgesellschaften bilden wie sie jetzt schon existieren. Die Grenzen sind offen und da das Credo der Linksrotgrünen offene Grenzen sind werden die auch offen bleiben. Ich glaube nicht, daß unsere Nachbarvölker genauso bekloppt sind wie wir und solchen Zirkus mitmachen also kann man ausreisen und zwar… Mehr

Rabida
7 Monate her

Im weitesten Sinne erinnert mich das an den Film Soylent green

Wolfgang Schuckmann
7 Monate her

All die Beiträge zu diesem Thema erübrigen sich spätestens ab dem Tag, an dem wieder Lebensmittelkarten ausgegeben werden müssen. Und der ist, so leid es mir tut, gar nicht mehr so fern, wenn das Höfesterben , ausgelöst von was auch immer, in diesem Tempo weitergeht. Der Bioanbau kann nicht mal den Mindestbedarf decken. Das sollte den grünen Eiferern etwas stärker bewusst sein.
Thesenpapier schmeckt fade.