Aus einem unbewiesenen Promi-Fall wurde in Windeseile eine politische Kampagne gezimmert: mit NGO-Vorfeld, fragwürdigen Studien, Gesetzesvorhaben, bedrohten Fördertöpfen und immer neuen Ungereimtheiten. Das Konstrukt fällt bereits wegen seiner vielen inneren Widersprüche in sich zusammen. Jetzt gerät Bundesjustizministerin Hubig in Verdacht, mitgemischt zu haben.
IMAGO - Collage: TE
Was hier als große moralische Erschütterung verkauft werden sollte, wirkt mit jedem neuen Detail weniger wie Aufklärung und entlarvt sich immer mehr als das, was es ist: ein politisch aufgeladener Kampagnenkomplex, der unter dem Gewicht seiner eigenen Ungereimtheiten in sich zusammenkracht.
Medien-Wucht – und dann Rückzug
Erst der Schock. Dann die maximale Medienwucht. Dann die passende Gesetzesforderung. Dann die NGO-Verstärkung. Eine sofort anberaumte Demo vor dem Brandenburger Tor, wo wohl nur deshalb nicht die erhofften 40.000 rotgrünen NGO-Alimentierten zusammenkamen, weil es für den Sonntag terminiert war und ab Freitag 12 Uhr in diesen Kreisen eh kaum noch was geht.
Und erst ganz am Ende die banale Frage, ob der konkrete Fall überhaupt das hergibt, was man ihm öffentlich aufgeladen hat. Genau diese Reihenfolge macht die ganze Angelegenheit so spektakulär. Sie erinnert nicht an saubere Aufklärung, sondern an ein vorgefertigtes Drehbuch, dessen Glaubwürdigkeit nun schneller zerfällt, als es seinen Betreibern lieb sein kann.
Denn die neue Brisanz liegt längst nicht mehr nur in den offenen Fragen des Falls selbst. Sie liegt in der Vorgeschichte. HateAid und Collien Fernandes trommelten bereits im Oktober 2023 gemeinsam gegen sogenannte Face-Swap-Apps. Auf der HateAid-Seite zur Aktion heißt es ausdrücklich, man fordere „endlich effektiven Schutz vor dem Missbrauch von Face Swap Apps“; am 17. Oktober 2023 seien 76.937 Unterschriften an das Digitalministerium übergeben worden. Auf derselben Seite finden sich Bilder von HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg gemeinsam mit Collien Ulmen-Fernandes. Das ist keine lose spätere Berührung. Das ist dokumentierte gemeinsame Kampagnenarbeit lange vor dem jetzigen Medienorkan.
Keine Staatsknete für HateAid, auch Industrie steigt aus
Hinzu kommt nun noch ein weiteres Motiv, das die zeitliche Zuspitzung dieser Kampagne in einem besonders grellen Licht erscheinen lässt. Ausgerechnet jetzt steht HateAid selbst politisch unter Druck, weil Bundesfamilienministerin Karin Prien das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ grundlegend umbauen und zahlreiche bisher geförderte Projekte zum Jahresende beenden will; zu den genannten betroffenen Trägern gehört ausdrücklich auch HateAid.
Selbst HateAid bestätigte gegenüber Medien, vom Ministerium über eine „grundlegende Überarbeitung der Förderrichtlinie“ informiert worden zu sein. Und, fast noch wichtiger: Nachdem die USA HateAid als terrorähnliche Organisation eingestuft haben, versiegten auch Gelder mehrerer deutscher Industrie-Stiftungen. Denn die Manager der Unternehmen müssen fürchten, bei der Einreise in die USA wegen der Nähe zu HateAid robust befragt zu werden.
Genau in diesem Moment explodiert dann ein maximal emotionalisierter Promi-Fall, der das gesamte Themenfeld von „digitaler Gewalt“ und damit auch die eigene politische und finanzielle Daseinsberechtigung von HateAid mit voller Wucht zurück auf die Bühne heben sollte. Das muss nicht der einzige Beweggrund sein. Aber wer diese Koinzidenz für völlig bedeutungslos erklärt, stellt sich blind. Denn wenn Gesetzesagenda, NGO-Vorfeld, mediale Empörungswelle und plötzlich bedrohte Förderstrukturen punktgenau zusammenfallen, dann wirkt das nicht mehr wie Zufall, sondern wie ein Milieu, das im Moment der drohenden Austrocknung noch einmal seine gesamte Kampagnenmacht in eigener Sache mobilisiert.
Die Welt ist voller Zufälle – oder auch nicht
Damit bekommt das gesamte jetzige Schauspiel eine andere Kontur. Denn es geht eben nicht bloß um eine Prominente, die plötzlich mit einem schockierenden Fall an die Öffentlichkeit tritt. Es geht auch um eine seit Jahren laufende politische und kommunikative Vorfeldlinie, in der Fernandes und HateAid bereits gemeinsam für genau jenes Themenfeld mobilisierten, das nun als nationaler Schockfall und gesetzgeberischer Hebel auf den Markt geworfen wird.
Wenn derselbe Personen- und Organisationskreis erst gegen Face-Swap-Apps kampagniert, dann den politischen Spin „digitale Gewalt ist reale Gewalt“ über Jahre setzt und anschließend ein hochaufgeladener Fall punktgenau in die Gesetzesdebatte hinein explodiert, dann darf man die Frage stellen, ob hier wirklich nur Zufälle zusammenfallen.
Noch bezeichnender wird es durch die Aussagen von Anna-Lena von Hodenberg selbst. Im RTL-Nachtjournal berichtet sie freimütig, sie habe von den Schilderungen von Fernandes „schon vor einigen Monaten“ erfahren. Also hatten die zentralen Akteure in diesem Kampagnenmilieu eben nicht erst seit der Veröffentlichung Kenntnis, sondern bereits seit Monaten Zeit, das Thema kommunikativ vorzubereiten und die volle Reichweite einer professionell vernetzten NGO-Maschinerie in Stellung zu bringen. Genau an diesem Punkt kippt der Eindruck einer spontanen moralischen Reaktion in den Verdacht einer länger vorbereiteten Kampagnenarchitektur.
Bundesregierung spielt mit im „Pippi-Langstrumpf-Theater“
Justizministerin Stefanie Hubig traf sich am 14. Oktober 2025 mit Vertreterinnen von HateAid, unter anderem zum Thema „digitale Gewalt und bildbasierte sexualisierte Gewalt“. Dies berichtet NIUS nach Recherchen. Das Ministerium erklärte zwar, die konkreten Vorwürfe seien der Ministerin vorab nicht bekannt gewesen und nicht Gegenstand des Gesprächs gewesen. Fernandes erklärte gegenüber NIUS ebenfalls, es habe keine Absprachen zwischen ihren Anwälten und dem Ministerium oder HateAid gegeben. Doch selbst wenn man diese Dementis vollständig stehen lässt, bleibt der Befund politisch verheerend: Die personellen, thematischen und zeitlichen Linien liegen ganz offen zutage – und sie laufen alle in dieselbe Richtung.
Noch fataler wird dieses Bild, wenn man sich ansieht, auf welcher angeblich wissenschaftlichen Munition dieses Milieu seine politische Forderungsmaschine aufbaut. Der renommierte Plagiatsjäger Stefan Weber wirft HateAid in einer heute veröffentlichten Analyse vor, mit einem schamlos erweiterten Begriff von „digitaler Gewalt“, nicht veröffentlichten Fragebögen, nicht offengelegten Rohdaten und einem Kategorienfehler zwischen bloßen Angaben über Erlebnisse und realen Vorkommnissen zu operieren. Weber nennt das eine „Pippi-Langstrumpf-Welt aus übertriebenen und nicht aussagekräftigen Zahlen“, aus der am Ende „falsche Politik“ gemacht werde.
Genau das ist der Kern: Erst werden mit fragwürdigen Studien Schreckenszahlen produziert, dann liefern NGO-Aktivisten daraus den politischen Handlungsdruck, dann greift ein SPD-geführtes Ministerium danach und gießt die Agenda in Gesetzesform. So entsteht kein Rechtsstaat mit Augenmaß, sondern ein ideologischer Durchmarsch, der sich seine Wirklichkeit erst zurechtbiegt und sie dann dem Bürger als Notstand verkauft.
Damit fällt auch die Erzählung zusammen, wonach hier nur ein einzelner schrecklicher Fall die Politik zum Handeln gezwungen habe. Nein. Es sieht längst eher so aus, als habe es ein Vorfeld gegeben, eine gemeinsame Kampagnengeschichte, einen lange aufgebauten Deutungsrahmen und dann einen Moment, in dem alles zusammengeführt wurde. Erst Fernandes und HateAid 2023 auf gemeinsamer Bühne gegen Face-Swap-Apps. Monatelange Vorkenntnis im NGO-Umfeld. Kontakte zwischen HateAid und SPD-Justizministerium zu digitaler Gewalt. Dann die mediale Explosion samt Forderung nach neuen Eingriffsbefugnissen. Wer das für eine reine Kette glücklicher Zufälle hält, glaubt vermutlich auch, dass politische Narrative sich ganz von selbst schreiben.
… und wieder wird demonstriert
Und jetzt kommt die nächste, brandneue Ungereimtheit hinzu. Fernandes sagte ihren für heute, Donnerstag, den 26. März 2026, geplanten Auftritt bei der Hamburger Demo auf dem Rathausmarkt kurzfristig ab und begründete das auf Instagram mit „ernsthaften Sicherheitsbedenken“ aufgrund von „Morddrohungen“. Dass sie diese Absage öffentlich so begründete, wird inzwischen von mehreren Medien berichtet.
Brisant ist nun aber ein weiterer Punkt: Das Portal „Aktuell Informiert“ berichtet heute, eine Nachfrage bei der Polizei Hamburg habe ergeben, dass dort zum Stand 11:28 Uhr weder bei Polizei noch LKA entsprechende Strafanzeigen bekannt gewesen seien; auch der Staatsanwaltschaft Hamburg sei nichts bekannt gewesen. Zudem habe die Polizei erklärt, es lägen keine Hinweise auf Störungen oder Straftaten im Zusammenhang mit der heutigen Versammlung vor.
Diese Darstellung konnten wir bislang nicht über eine zweite unabhängige Primärquelle verifizieren; belastbar belegt ist derzeit nur, dass Fernandes die Absage mit angeblichen Morddrohungen begründet hat. Gerade deshalb ist der Vorgang politisch heikel: Entweder gab es diese Bedrohungslage und sie ist bislang nicht bei den zuständigen Hamburger Behörden angekommen, oder die öffentliche Dramatisierung lief der amtlichen Erkenntnislage erneut voraus. Beides verschärft den Eindruck eines immer unordentlicher werdenden Konstrukts.
Genau darin liegt inzwischen der eigentliche Kern des Problems. Die Glaubwürdigkeitskrise dieses Komplexes entsteht nicht aus einem einzelnen Gegenargument, sondern aus der Summe all ihrer Widersprüche.
Eine lange NGO-Vorgeschichte
Darum geht es: eine behauptete monatelange Vorkenntnis zentraler Aktivisten. Eine politische Gesetzesagenda, die davon profitiert. Eine mediale Aufladung, die größer wirkt als der Sachstand. Und nun auch noch eine kurzfristig abgesagte Demo-Teilnahme unter Verweis auf Morddrohungen, zu denen jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt keine erkennbare amtliche Spur vorliegt. So zerfällt Glaubwürdigkeit: nicht an einer Front, sondern an allen Kanten zugleich.
Und damit liegt der eigentliche Skandal offen zu Tage. Nicht nur die Vorwürfe selbst stehen im Raum, sondern die Art, wie aus ihnen ein moralischer Rammbock gebaut wurde. Eine gut vernetzte NGO, die seit Jahren an genau diesem Deutungsrahmen arbeitet. Eine prominente Betroffene, die schon 2023 mit dieser NGO gegen das einschlägige Thema kampagnisiert. Eine führende Funktionärin, die einräumt, seit Monaten Bescheid gewusst zu haben. Ein Ministerium, das am selben Themenkomplex arbeitet. Und eine mediale Inszenierung, die dann in maximaler Wucht exakt den politischen Ertrag liefert, den dieses Milieu seit Jahren anstrebt. Man muss dafür gar keine Geheimoperation behaupten. Es reicht inzwischen, die offen sichtbaren Bausteine nebeneinander zu legen. Das Bild wird dadurch nicht harmloser, sondern verheerender.
Je mehr dieser Bausteine ans Licht kommen, desto schneller stürzt die Glaubwürdigkeit der ganzen Psyop-Nummer in sich zusammen. Denn die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr nur, was im Verhältnis zwischen Fernandes und Ulmen tatsächlich geschehen ist. Die zweite, mindestens ebenso wichtige Frage lautet: Wer hat wann was gewusst, wer hat woran seit wann gearbeitet und wer hat aus dieser Geschichte warum und zu welchem Nutzen politisches Kapital zu schlagen versucht? Genau dort beginnt die eigentliche Sprengkraft. Und genau deshalb sieht dieses Konstrukt immer mehr aus wie ein schlecht getarntes Kampagnenprodukt, das seine eigenen Spuren nicht mehr sauber verwischen kann.

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Also doch wie vermutet, ein orchestriertes Schmierentheater. Quod erat demonstrandum.
Schlampiges Drehbuch, die Regie duckt sich weg.
Frau Taxidis, ihr unglaublich eloquenter Artikel stimmt mit jedem Wort. Aber geht es hier nur um Frauen ? Ich möchte ihr Interesse mal auf folgendes lenken. Früher mußte man nur um die Tochter Angst haben, wenn sie in die Disko ging und von dort abends heim. Heute muß man sich, zumindest in Westeuropa, um den Sohn noch mehr Sorgen machen als um die Tochter, denn der verliert noch schneller sein Leben als die Tochter. Sicher sind diese neuartigen Möglichkeiten des KI ein Problem, aber sicher ganz und gar nicht das dringendste, sieht man die tatsächlichen Gewalttaten. DAs KI-Problem ist auch… Mehr
Das muss man schon verstehen … wenn man heutzutage von Hodenberg heißt, ist eine heftige einschlägige Traumatisierung zumindest in Kindheit und Jugend als sicher anzunehmen. Da kann die Hasshelferin zwar gar nichts dafür, trotzdem wirkt es nach.
Das Schlimme ist ja eigentlich, dass allen Beteiligtinnen das Ausschlachten möglicherweise vorgefallener Widerwärtigkeiten zu Kampagnenzwecken bzw. deren politisch Instrumentalisierung zweifellos zuzutrauen ist, incl. eigener Agit-Prop Widerwärtigkeiten (a la „alle Männer sind das Problem“).
der „reiche Hamburger-Mädels NGO-Komplex“ hat sich eben seit Jahren professionalisiert….
ging es erst mit angeblich spontanen Schülerdemos los,danach angeblich spontanen Demos nach NGO-Veröffentlichungen,die mittlerweile als reine Erfindungen Gerichtsfest abgeurteilt wurden, wird jetzt die Internet-Zensur mit gefakten Sachverhalten gepushed.
und IMMER geht es um das rot/grüne „Regierungsmodell durch Unrechtssprechung und Grundrechtseinschränkung“
Dazu passt, was der Plagiats“jäger“ Herr Weber zu der von HateAid benutzten Studie zu sagen hat:
https://plagiatsgutachten.com/blog/hateaid-fragwuerdige-studien/