Deutschland sehnt sich nach dem Weltuntergang

Die Ampel möchte eine "Zukunftskoalition" sein. Denn sogar SPD und Grüne haben erkannt, dass dieses Land dringend Optimismus braucht. Nur widerspricht eben der ihrer Natur. Sie setzen lieber auf Panikmache.

IMAGO / Political-Moments

Familienchroniken über das 20. Jahrhundert starten oft zwischen 1910 und 1913. Hans Fallada lässt seinen Mann, der nach oben will, dort starten – Cora Stephan ihr Familienporträt „Über alle Gräben hinweg“. Das macht Sinn. Denn es waren in der Erinnerung vieler die letzten Tage der „guten alten Zeit“, die zumindest sie als unbeschwert erlebt haben. Familienchroniken über das 21. Jahrhundert werden spätestens 2019 starten müssen – dem letzten Jahr, bevor der Corona-Wahnsinn losging und die Angst zur wichtigsten bis einzigen Triebfeder unseres Handelns.

Doch schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es eine Sehnsucht nach Weltuntergang, das „Fin de Siècle“. Auch vor Corona sehnten sich die Deutschen bereits nach dem Leben im Ausnahmezustand. Sie beschlossen es sogar: Rund 60 deutsche Städte sind seitdem im „Klimanotstand“. Ununterbrochener Ausnahmezustand seit vier Jahren. In einem Interview mit dem Lokalportal BYC darauf angesprochen, sagte der damalige Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling seinerzeit, das sei ein schönes Zeichen. Die praktischen Abläufe würde es ja nur wenig genug stören. Ebling ist Sozialdemokrat.

Planlos in die Pläne
„Ja, mach nur einen Plan“ – immer nur zum Schlechteren
Die Sozialdemokraten stellen den neunten Kanzler der Bundesrepublik, Olaf Scholz. Er definiert die Ampel als „Zukunftskoalition“. Das soll Optimismus ausdrücken. Zuversicht spenden. Dinge „möglich machen“ und das am besten im „Deutschlandtempo“ sind beliebte Vokabeln, um dieses Gefühl zu stärken. Nur will das nicht recht gelingen, sich kein Optimismus einstellen – in einem Land, das seit vier Jahren im selbst gewählten Ausnahmezustand ist. Selbst wenn das nicht mehr als nur ein schönes Zeichen der Haltung sein soll.

Allein dieses Wochenende brachte drei Wellen des anstehenden Weltuntergangs mit sich: Die Sorge, dass die russischen Atomwaffen in die Hände von unberechenbaren Söldnern fallen. Dass wir alle den vorzeitigen Hitzetod sterben. Und dass Sonneberg in Thüringen nun in die Hände der Nazis fallen wird.

Ein Ereignis eint die Welt: Was da am Samstag zwischen Don und Wolga passierte, hatte tatsächlich das Zeug dazu, in eine größere Katastrophe zu münden. Doch auch so schwächt der Krieg Russlands gegen die Ukraine schon die Wirtschaft weltweit. Allerdings mit Ausnahme von Russland nirgendwo so stark wie in Deutschland, das im Wachstum der Industriestaaten fast ganz nach hinten gerutscht ist. Ohnehin ist die Panikmache die Spezialität der Erfinder der „German Angst“, ein fester Begriff in den Wörterbüchern vieler fremder Sprachen.

Von Sonneberg erwarten die deutschen Linken – ganz besonders die Anhänger der Zukunftskoalition – nicht weniger als die Machtübernahme der Rechten. Würde stimmen, was sich die Woken seit Sonntag um die Ohren twittern, dann zieht Landrat Robert Sesselmann (AfD) an diesem Montag mit Fackeln und Anhängern durchs Brandenburger Tor, tritt am Dienstag aus dem Völkerbund aus und marschiert am Mittwoch in Polen ein. Oder wenigstens in Schmalkalden.

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Ist aber auch egal, weil wir alle den Hitzetod eh nicht überleben werden. Seit der Karajan, Toscanini und Furtwängler des Panikorchesters, Karl Lauterbach, sein Katastrophenkonzept zur absoluten Killervariante Sonne vorgestellt hat, berichten Medien darüber in der gleichen Manie, in der sie bis Februar vor den Corona-Särgen warnten: Kein Spaghetti-Eis kann mehr schmelzen, ohne dass ein ARD- oder Taz-Reporter danebensteht und es auf die Verlustliste der Sonne aufnimmt. Wie umfangreich, panisch und zeitgleich die Berichterstattung eingesetzt ist, zeigt, wie sehr doch in Berlin dieselbe Flasche salzfreien Rotweins durch die immergleichen Hände geht. Ach so, Panikgott Lauterbach ist selbstredend Sozialdemokrat. Also Mitglied jener Partei, die nicht versteht, warum es ihrer Zukunftskoalition nicht gelingt, Optimismus zu verbreiten.

Da wäre dann noch Greta Thunberg. Die schwedische Prophetin des Untergangs, die nirgendwo auf so gläubige und zahlungsbereite Jünger trifft wie in Deutschland. Sie verkündete schon 2018, dass die Menschheit in fünf Jahren untergehen wird. Wer zur Minderheit gehört, die rechnen kann, weiß: Das müsste dann jetzt sein. Aber der Weltuntergang ist ein Meister aus Deutschland; das heißt er wird mit DHL oder Bahn geliefert und kommt folglich unpünktlich.

Das wird ein spannendes Rennen: Sterben wir alle den Hitzetod? Hat das Klima vorher ein Einsehen und macht uns das Leben noch dieses Jahr unmöglich, wie es Prophetin Greta versprochen hat? Oder kommt es noch schlimmer und wir müssen vorher erst eine weitere Staffel von Deutschland sucht den Superstar überstehen? Sicher ist nur: Der Weltuntergang kommt und er wird hässlich.

Deutschland glaubt nicht mehr an sich. Es hat verlernt, an sich zu glauben. Grüne und Sozialdemokraten gingen dabei vorneweg, es dem Land auszutreiben. Das Manager Magazin hat einen bemerkenswerten Beitrag zum deutschen Pessimismus veröffentlicht. Das Magazin erinnert zurecht daran, dass es eine solche Stimmung schon um den Jahrtausendwechsel gab und wie die Kampagne „Du bist Deutschland“ half, einen Umschwung herbeizuführen. Der dann endgültig 2006 mit dem „deutschen Sommermärchen“ kam, der „WM im eigenen Land“.

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Aus Pessimisten wurden mit einem Schlag Optimisten und selbst Herbert Grönemeyer sang: „Zeit, dass sich was dreht“. Dieses Sommermärchen ging mit einem Fahnenmeer aus Schwarz-Rot-Gold einher. Die Deutschen wollten das haben, was für alle anderen auch selbstverständlich ist: Zu den eigenen Farben stehen, zu sich selbst stehen, an sich glauben – fröhlich, friedlich, im Einklang mit den anderen Nationen dieser Welt.

17 Jahre ist das her. Acht weitere Turniere nutzten seitdem vor allem rote und grüne Jungpolitiker, um diesen kulturellen Durchbruch wieder rückgängig zu machen. Um den Menschen klar zu machen, dass wer Schwarz-Rot-Gold flaggt, auch AfD wählt und in Polen einmarschiert – oder wenigstens in Schmalkalden. Eine Linie, die sich in den vielen Bemühungen wiederfindet, den Erfolg der AfD zu erklären – ohne das eigene Versagen dabei ansprechen zu wollen.

Wobei Rote und Grüne ja nichts gegen Fahnen haben. Nicht grundsätzlich. Es müssen halt nur die richtigen sein. Ihre. Die Regenbogenfahne, die One-Love-Binde oder kurzum jedes Emblem, das sagt: Wir wollen, dass die Gesellschaft zusammenhält. Nur ist das halt – wie so oft bei Roten und Grünen – eine zielgerichtete Umdeutung von Wörtern. Sie nennen es Zusammenhalt, meinen aber Unterwerfung unter ihre Obhut.

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Wenn uns wider Erwarten weder der Hitzetod noch der Klimawandel umhauen, der Weltuntergang also ausbleibt – dann wird es auch nicht besser. Zumindest nicht in Deutschland: Wirtschaftlich rutschen wir ab. Nicht temporär, sondern dauerhaft. Wir werden älter, weniger und unsere Auswahl von Fachkräften als Ersatz dafür ist – in den USA würde man sagen – interessant. Unsere Straßen, Brücken und Schienen bröckeln vor sich hin. Und unser Netzempfang ist ein Witz. Nur unsere Verwaltung ist spitze. Allerdings ist sie spitze darin, jeden unternehmerischen Elan mit Anträgen zu ersticken – um dann in deren Bearbeitung zu erlahmen.

Die Zukunftskoalition will da ran. An alles. Im Deutschlandtempo. Etwa ans Schienennetz. Die Züge sollen schon bald im Deutschlandtakt fahren. Wobei bald in rund 50 Jahren meint. Oder die Einwanderung. Da kommen künftig nur noch Fachkräfte. Allerdings nur dank der Umdeutung von Wörtern. Wir nennen Ungelernte künftig einfach Fachkräfte. Oder die Verwaltung. Die soll nicht mehr so genau hinschauen. Aber nur bei staatlichen Bauprojekten. Denn Optimismus mag die Vision der Ampel sein – ihr Alltag heißt aber mehr Einzelfallprüfungen, mehr Dokumentationspflichten und folglich mehr Bürokratie. Im Land der „Zukunftskoalition“ müssen Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter neuerdings schriftlich einreichen – ausgedruckt oder per Hand geschrieben.

Ja. Deutschland braucht mehr Optimismus. Aber der ist nicht in Sicht. Weder durch optimistisches Handeln. Noch bei der EM im eigenen Land, nächstes Jahr. Eine gemeinsame Party im Farbenrausch der Regenbogenfahne oder gar der One-Love-Binde wird es nicht geben. Auch wenn sich Grüne, Rote und deutsche Kulturschaffende nichts sehnlicher wünschen. Bleibt dem Land also eine trostlose Zukunft, in der nicht einmal mehr der Weltuntergang als Schreckgespenst taugt. Vielleicht kommt er wenigstens vor der nächsten Staffel Deutschland sucht den Superstar.

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Kommentare ( 70 )

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Helfen.heilen.80
11 Monate her

Die gesellschaftliche Verfasstheit ist eine Frucht langanhaltenden Wohlstands. 1968 ff. sozialisierten sich ideologisch t.w. extreme Milieus. Angekommen in gesetzten Positionen, tat man das als Jugendsünden ab, jedoch erzog man die nächste Generation ganz im Geiste der Neuen Linken. Die Ausbreitung des Privatfernsehens ermöglichte v.a. ab den 90iger Jahren ein intensiveres Gedenken, Mahnen und Warnen vor der NS-Zeit, als es lange Zeit davor praktiziert worden war. Ob die Auseinandersetzung mit diesem Thema maßhaltig war und ist, müssen Klügere beurteilen. Bekanntlich wurde dieser Geschichtsabschnitt unverzichtbarer Teil der medialen Unterhaltungsindustrie (angefangen bei Indiana Jones). Leider hat man es heute mit Generationen zu tun… Mehr

wolleausmallo
11 Monate her

Man das alles nur noch mit Sarkasmus oder und Alkohol ertragen. Hoffentlich gibt es ein kurzes Ende mit Schrecken. Danke für den Beitrag.

Regina Lange
11 Monate her

Ein wunderschönes Bild von den drei Dreisten Was Lindner und Habeck da wohl wieder aushecken mögen! Ich kriege Angst wenn die die Köpfe zusammenstecken, da ist noch nie was Gescheites dabei rausgekommen!

Rob Roy
11 Monate her

Deutschland ist wie das Unglücksschiff Titanic. Nur schlimmer: Der Kapitän (Scholz) sieht den Eisberg vor sich und befiehlt volle Kraft voraus. Eisberge haben sich seiner Weltanschauung anzupassen und nicht umgekehrt (Transformationsagenda). Danach lässt der 1. Offizier (Habeck) die Schiffsmaschinen abstellen, damit man den Kurs nicht mehr ändern kann (Heizungsgesetz, Abschaffung der Wirtschaft) und durch CO2-Vermeidung das Abtauen der Eisberge verhindert (Klima-Narrativ). Man verbietet dem Teil der Mannschaft, die ihre Arbeit machen wollen, das Leck zu stopfen (ungenügend ausgestattete Polizei, Streitkräfte, Behörden). Der größte Teil der Besatzung jedoch glaubt, dass die Schiffsführung immer recht hat und beschwert sich darüber, dass das… Mehr

Giovanni
11 Monate her

Die Lust an der Selbstzerstörung ist das Merkmal einer Dekadenz. Und Deutschland befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Axel Fachtan
11 Monate her

Wenn es die AfD nicht gäbe, dann hätte Deutschland eine großartige Zukunft. Garantiert. Diese Wildsäue suchen aber auch immer nur die verfaulten Trüffel. Statt endlich mal anzuerkennen, was wir in den letzten Jahrzehnten geleistet haben. Dazu mal folgende Fundsache für hartnäckige Union-Anhänger – Es gibt viele Gründe die CDU zu wählen, hier ein paar : https://static.xx.fbcdn.net/images/emoji.php/v9/t83/1/16/1f60e.png 1. Wir haben schon immer CDU gewählt. 2. Abschaltung der besten und sichersten Kernkraftwerke der Welt 3. Fluten von Deutschland mit Millionen von kulturfremden Menschen 4. Ausplünderung unseres Rentensystems, 5. Durchschnittsrente auf Armutsniveau 6. Höchstes Renteneintrittsalter in Europa 7. Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus 8.… Mehr

Axel Fachtan
11 Monate her

I: Lockdown für Deutschland :I
I: Absturz für alle :I
I: Das schafft die Ampel :I
I: Ganz optimistisch :I

Bad Sponzer
11 Monate her

Mich erinnert diese sog. „Regierung“ an das Dschungelcamp des Qualitätssenders RTL „Ich bin ein STAR, holt mich hier raus“. Da weiß auch der dümmste Zuschauer, dass das KEINE Stars sind. Genauso bei diesen Regierungsdarstellern. Da weiß eigentlich auch jeder, dass das KEINE Staatsmänner und -Frauen sind, sondern lediglich Politclowns. Wollen wir hoffen, dass diese Show bald vorbei ist. Diese Darstellung ist ihr Eintrittsgeld(Steuergeld)nicht wert. Unterschichten-TV und Unterschichten-Politik. Einfach nur noch Ekelhaft!

the ministry of silly walks
11 Monate her

Vor 33 Jahren wusste noch jeder Depp wie man sich bei Hitze verhält. Und ja, Hitze ist seit immer ein fester Bestandteil des Sommers in Mitteleuropa. Vor 33 Jahren wurde im Fußball weniger Haltung gezeigt, dafür mehr guter Fußball gespielt. Mir ist auch lieber, dass der Automechaniker die Bremsen richtig einstellt, weniger dass er Haltung zeigt.
BTW: die U21 Fußballnationalmannschaft macht es den Großen nach und fliegt bei der EM in der Vorrunde raus – und schuld ist natürlich der Rassismusskandal. Mannmannmann…

Phil
11 Monate her

Der Ausnahmezustand ist mitnichten selbst gewählt, lediglich jene welche den Ausnahmezustand als Form des regierens etablieren sind selbst gewählt, was einem zuweilen schon ein wenig zu Denken geben kann…… Böse Zungen könnten ja behaupten, dass der Ausnahmezustand bewusst herbeigeführt wird, oder im Falle von Bankenrettungen und Corona die Gelegenheit die Diebe machte, bzw. um Carl Schmitt zu zittieren: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Der nächste „Ausnahmezustand“ und orchestrierte Angriff auf das Eigentum der Bürger, sowie die Einschränkung seiner Grundrechte und Abwehrrechte gegen die politische Kleptokratie, ist der „Klimanotstand“, welcher jede Sauerei gerechtfertigt erscheinen lässt und welcher eher den… Mehr