Der kurze Weg vom Biedermann zum Brandstifter

Die Ereignisse von Stuttgart und die Äußerungen der politischen und medialen Klasse zuvor lassen an den Dramatiker Max Frisch und sein Stück "Biedermann und die Brandstifter" denken.

Im Jahr 1958 schrieb Max Frisch (1911 – 1991) den Einakter „Biedermann und die Brandstifter“. Weil sich die politische und die mediale Klasse in Deutschland mittlerweile nicht nur wie Jakob Biedermann, sondern auch wie seine im Dachboden eingenisteten zwei Untermieter verhalten, hier ein kurzer literarischer Einstieg.

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Der Haarwasserfabrikant Biedermann hat zwei zwielichtige Gestalten zu sich in Untermiete genommen. Es sind dies Josef Schmitz (ein Ringer) und Eisenring (ein Kellner). Naiv vertraut ihnen der Hausherr. Die Gefahr der drohenden Brandstiftung will er selbst dann noch nicht wahrhaben, als Schmitz und Eisenring Benzinfässer und Zündschnüre in den Speicher schleppen und bereits Nachbarhäuser brennen. Biedermann bietet sogar Streichhölzer an. Er will die Realität nicht wahrhaben: „Blinder als blind ist der Ängstliche, / Zitternd vor Hoffnung, es sei nicht das Böse, / Freundlich empfängt er`s, / Wehrlos, ach, müde der Angst, / Hoffend das Beste . . . / Bis es zu spät ist.“

Biedermänner als Orwell’sche „Verifikatoren“

Was hat das mit „Stuttgart“ zu tun? Sehr viel, deshalb hier in aller Kürze ein paar Fakten: In der Nacht von Samstag, 20. Juni, auf Sonntag, 21. Juni, haben Hunderte an Schlägern die Stuttgarter Innenstadt verwüstet, 40 Geschäfte schwer beschädigt oder ausgeplündert, 12 Polizeifahrzeuge demoliert und Polizisten zum Teil schwer verletzt. Unter anderem verwendeten sie Pflastersteine als Wurfgeschosse und haben den Tod von Polizisten zumindest in Kauf genommen. Von Millionenschäden berichten die ohnehin durch Corona schwer geprüften Geschäftsleute.

5 vor 12
Die "Partyszene" von Stuttgart
Die lange einstudierten Phrasenreflexe der „hohen“ Politik von wegen „Fassungslosigkeit“ und „Empörung“ ob der Gewalt „junger Männer“ können nicht über das bürgerkriegsähnliche Ausmaß hinwegtäuschen. Ebenso wenig die Genesungswünsche an die verletzten Polizeibeamten. Denn schon kommen die „Verifikatoren“ (wörtlich: Wahrheitsmacher) ins Spiel. Verifikatoren sind in George Orwells Dystopie „1984“ Mitarbeiter des MiniWahr (des Ministeriums für Wahrheit).

Für den Stuttgarter Polizeipräsidenten Frantz Lutz spielten bei den 500 Randalierern politische Hintergründe keine Rolle: „Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen.“ Verantwortlich sei eine „Party- und Eventszene“. Sein Vize Thomas Berger ergänzt etwas weniger politisch korrekt: »Von 24 Festgenommenen seien 12 Deutsche, drei mit Migrationshintergrund. Die andere Hälfte stammte u. a. aus Bosnien, Portugal, Iran, Irak, Afghanistan. Sie seien aus der „Partyszene.“ Die Polizei legt Wert auf die Feststellung, dass von den 24 Festgenommen genau die Hälfte „Deutsche“ seien. (16 davon sind mittlerweile übrigens wieder auf freiem Fuß!) Gleichwohl: Alles halb sei schlimm, vernehmen wir aus der Mainstreampresse. „Kleingruppen“ und ein „bunter Mix rund um den Globus“ seien es gewesen sowie „Partygänger“, die sich spontan zusammengerottet hätten. Und dass „Allahu Akbar“ sowie „All Cops are Bastards“ (ACAB) gerufen worden sei, wie BILD berichtet, könnte laut STERN nichts anderes als ein technisch manipulierter Fake sein.

Es ist nicht, was ist, sondern wie es heißt
Newspeak nach Stuttgarter Krawallen
In einer innerhalb von 24 Stunden 30.000mal aufgerufenen Audiobotschaft eines beteiligten Polizisten schildert er, was dort passiert ist. Unter anderem sagt er: „Hier in Stuttgart ist Krieg, wenn Du eine Uniform trägst, dann bist Du nur Opfer, ein Wunder, dass keiner erschossen worden ist. Da kommt noch was auf uns zu!“

Andere Verifikatoren geben sich als Alles-Versteher und Alles-Erklärer. Sie biegen die Stuttgarter Auswüchse so hin, dass sie schier entschuldbar sind. Christian Pfeifer, „Kriminologe“ und vormaliger niedersächsischer SPD-Justizminister, ist ein solcher. Er sieht ebenfalls keine politischen Motive, sondern als Hauptursache für die Randale den Corona-Lockdown: „Da ist viel aufgestauter Ärger vorhanden … Menschen, die eingesperrt waren, sind aggressiver … Wir haben viele Verlierer durch Corona.“ Nun, Pfeiffer ist ja bekannt dafür, dass er für jede Form von Gewalt Erklärungen hat, die nie etwas mit Eigenverantwortung der Täter zu tun haben. Er ist auch bekannt dafür, dass er jede Kriminalstatistik, die er sich nicht selbst zusammengereimt hat, für übertrieben falsch hält.

Da ist sie also wieder: die Ideologie vom traumatisierten „Schutzsuchenden“ und die Ideologie von (500!) Einzelfällen. Aber eine „kultursensible“ Betrachtung hat hier keinen Platz. Es spielen hier natürlich kulturelle Prägungen eine Rolle. Immerhin deutet das auch der grüne (aber in seiner Partei schlecht gelittene) Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer an, wenn er von „südländischen“ und „dunkelhäutigen“ Tätern spricht. Klartext spricht der aus einer arabisch-israelischen Familie stammende Ahmad Mansour, mutiger Psychologe und Islamkritiker; er hat sich seinen klaren Blick bewahrt: Bei den Gewalttätern gehe es nicht um Corona, sondern um Ideologie und um pure Lust an Gewalt.

Brandstifter und Brandbeschleuniger

Den biederen Verifikatoren gingen die Brandstifter und Brandbeschleuniger voraus: die Tageszeitung (Taz) nicht zuletzt mit einer „Satire“  – geschrieben am 15. Juni von der „Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik“ namens Hengameh Yaghoobifarah. Der Artikel ist überschrieben mit „All cops are berufsunfähig“ – eine Anspielung auf den Schlachtruf „All Cops are Bastards“ (ACAB). Die „Autorin“, Tochter iranischer Eltern, die sich sexuell als „nichtbinär“ outet, war schon 2017 aufgefallen, als sie die deutsche Kultur als „Dreckskultur“ bezeichnet hatte, rief nun zu einer Entsorgung der Polizisten auf der Müllkippe auf. Ob Bundesinnenminister Seehofer nun tatsächlich gegen die Taz eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung loslässt oder ob er sich hier von Merkel hat zurückpfeifen lassen, sei dahingestellt. Gut beraten war er mit dieser Androhung nicht. Nicht weil er damit einen Angriff auf die Pressefreiheit gestartet hätte, sondern weil diese Klage wohl keinen Erfolg gehabt hätte in einem Land, in dem man seit 1995 – hochrichterlich abgesegnet – Soldaten als „Mörder“ bezeichnen darf, solange man nicht namentlich bestimmte Soldaten meint.

Mob ist Mob
Stuttgart ist ein Ergebnis der grünen Politik
Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken ist aus ähnlichem ideologischem Holz geschnitzt. Am 7. Juni 2020 diagnostizierte sie bei deutschen Sicherheitskräften einen latenten Rassismus. Der Tod von George Floyd in den USA sei kein Einzelfall, meinte sie. Sie eiferte damit ihrer SPD-Genossin Eva Högl nach, die – kaum im Amt als neue Wehrbeauftragte – bei der Bundeswehr und speziell beim Kommando Spezialkräfte (KSK) einen strukturellen Rassismus meinte entdeckt zu haben.

„Kein Öl ins Feuer gießen!“ – Das ist eine der Lieblingsfloskeln der Biedermänner und „Verifikatoren“. Öl ins Feuer gießen – Genau das tun sie aber selbst. Sie legitimieren die Gewalttaten des Mobs von der Straße, indem sie sie psychologisieren. Und sie motivieren sie geradezu, ebenso weiterzumachen, bis der Rechtsstaat samt Gewaltmonopol am Rande seiner Insolvenz steht. Und der sogenannten Zivilgesellschaft sei noch einmal Max Frisch ins Stammbuch geschrieben: „Blinder als blind ist der Ängstliche, / Zitternd vor Hoffnung, es sei nicht das Böse, / Freundlich empfängt er`s, / Wehrlos, ach, müde der Angst, / Hoffend das Beste . . . / Bis es zu spät ist.“

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Kommentare ( 54 )

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54 Kommentare auf "Der kurze Weg vom Biedermann zum Brandstifter"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Zitat: “ Nun, Pfeiffer ist ja bekannt dafür, dass er für jede Form von Gewalt Erklärungen hat, die nie etwas mit Eigenverantwortung der Täter zu tun haben“

> Stimmt, aber nur wenn die Gewalt von Linke oder muslim. und afrikan. „Fachkräfte“ verursacht wurde.

Sobald ich Pfeiffer die Pfeife reden höre oder höre das er im Reg.-Funk angekündigt wird um seine „oberfachliche“ „Expertise“ zu verkünden, ist es für mich an der Zeit umzuschalten.

Abgesehen von der zerstörerischen Politik der offenen Grenzen gilt ein unausgesprochenes Gesetz: Geben und nehmen müssen ausgeglichen sein. Ansonsten reagiert der Nehmende zusehends agressiver eben alles andere als dankbar.

Sämtliche Berichte und Kommentare zu den bürgerkriegsmässigen Auseinandersetzungen in Hamburg, Berlin, Göttingen oder Stuttgart sind eigentlich vollkommen überflüssig.

Wir alle kennen die dementsprechenden videos.
Das reicht.

Entweder man ist für Bürgerkrieg in Deutschland oder dagegen.

Wenn man dagegen ist, darf man die Blockparteien nicht mehr wählen und sich diesen bei jeder sich bietenden Gelegenheit entgegenstellen.

Fortsetzung folgt.

Aus dem nahen Osten und Afrika ist noch kein Biedermann zu uns gekommen.
Brandstifter hingegen viele.

Das Video Ein Polizist spricht Klartext ist von YouTube wegen Hate Speech entfernt worden …

Wie bei Max Frisch, sitzen die Brandstifter ganz oben!

Guter Kommentar! 👍🏻

„bis der Rechtsstaat samt Gewaltmonopol am Rande seiner Insolvenz steht.“ ??? Welcher Staat? Hat irgendjemand schon einmal in der Ära Merkel einen Politiker vom „Hambacher Fest“ vom 27. Mai bis zum 30. Mai 1832, oder „Hambacher Schloss“ reden gehört? Gibt es einen öffentlichen Feiertag als Gedenktag an das Hambacher Fest? Wieviele Deutsche waren schon auf dem Hambacher Schloss? Das Hambacher Fest war die Geburtsstunde des heutigen neuen Deutschland, das wo die Schwarz/Rot/Gold als Farben der Landesflagge entstanden sind. Das Einladung-Manifest des Philipp Jakob Siebenpfeiffer, mit seinen Forderungen der Festteilnehmer nach nationaler Einheit, Freiheit und Volkssouveränitä würde von der heutigen politischen… Mehr

Ich für mich habe keine Zweifel mehr, wo die wahren Hetzer, Spalter und Staatszersetzer zu finden sind. Diese Leute glauben ernsthaft, sie seien dem Fußvolk moralisch und intellektuell überlegen, deshalb verspritzen sie ihre Ideologie, ihre Hetze und ihren Hass vom hohen Ross herab*. Als Normalbürger bleibt mir nur wieder die Erkenntnis, dass ich dem Treiben der „anständigen“ Deutschen machtlos ausgeliefert bin. So bleibt nur einen Wut, die immer größer wird…

* Vielleicht sind die Anzeigen gegen Hengameh Yaghoobifarah falsch. Aber wenn sie/er von ihrem/seinen hohen Gaul runterfiele, wäre ich nicht allzu traurig.

Randbemerkung:
Es handelt sich um ein total geschlechtsloses Wesen, ein sogenanntes Nichtbinär. Es wurde im Vakuum gekalbt, Mutter, Vater kennt es nicht. Wie es auf die Erde gelangte, ist unbekannt. Aber es konnte sich rasch adaptieren. Sein Auftrag besteht darin, daß Gute und Wahre in seiner reinsten Form unter die Menschen zu bringen. Woher es seinen Auftrag bekam, ist ebenfalls unbekannt. Es wächst, vor allem in eine Richtung. Dies kann jedoch unmöglich über Zellteilung geschehen, denn in jeder Zelle steckt das Erbgut von Mutter und Vater. So muß auch sein Metabolismus Teil von Spekulationen bleiben.

„Öl ins Feuer gießen – Genau das tun sie aber selbst.“ Richtig !!! Schamlos, impertinent, zynisch, dumm und aggressiv, diejenigen die anderen Aggressivität vorwerfen. aber sie selber ausüben. Allerdings wer Wind sät, …. „Blinder als blind ist der Ängstliche, / Zitternd vor Hoffnung, es sei nicht das Böse, / Freundlich empfängt er`s, / Wehrlos, ach, müde der Angst, / Hoffend das Beste . . . / Bis es zu spät ist.“ Das wohlwissend, genau darauf setz die aktuell regierende Kaste in Deutschland und in der EU und damit das so bleibt, wird Angst erzeugt und verbreitet, mit illusionären Bedrohung, Klima-Weltuntergang,… Mehr

Lieber Herr Kraus,

bei aller Kritik, so geht politisch korrekte Polizeiarbeit. 24 Personen wurden vorläufig festgenommen, 12 (50%) mit deutschem Pass und 9 (30%) davon ohne Migrationshintergrund!

Es war bestimmt keine leichte Aufgabe, die Deutschen mit Migrationshintergrund + deutschem Pass zu identifizieren und herauszufiltern, die Autochtonen konnte man sicher einfacher identifizieren, nur finden musste man sie erst einmal. Boris Palmer ist es auf den Bildern schon schwer gefallen.

Fazit: Eigentlich kein Aufstand der Geflüchteten und Migranten, sondern ein hausgemachtes, deutsches Problem… wahrscheinlich ausgelöst durch gezielte Unterwanderung der friedlichen Partyszene durch rechtspopulistische Provokateure!

Ohne Migrationshintergrund ist man, wenn beide Elternteile die deutsche Staatsbürgerschaft haben. So kann man also Erhan, Igor, Ali oder Fatma heißen und trotzdem keinen Migrationshintergrund haben, auch wenn’s daheim noch durch und durch orientalisch zugeht.

„..rechtspopulistische Provokateure!“
Ja ,genau nur das kann es sein ! Ich tippe allerdings eher auf Antifa.Staatlich gesteuert.

@caesar4441 Zitat: „Ich tippe allerdings eher auf Antifa.Staatlich gesteuert.“

> Was meiner Meinung nach @Wittgenstein in seinen -sarkastischen- Kommentar auch so sieht.