Jetzt beginnt der Kampf um die Corona-Geschichtsdeutung

Während die Corona-Zahlen immer weiter sinken, beginnt der für die Regierungsparteien existenzielle Kampf um die Deutungshoheit der Ergebnisse ihrer Politik. Das dürfte das wichtigste Motiv sein, die Maßnahmen bis zur Wahl nur ganz allmählich zu beenden.

IMAGO / photothek

Während die Corona-Zahlen weiter sinken und die Leute sich auf den Sommer freuen, beginnt der für die Regierungsparteien existenzielle Kampf um die Deutungshoheit der Ergebnisse ihrer Corona-Politik. 

Es ist eine Chronik des Versagens. Trotz eines besonders harten „November-Lockdown“ sind die deutschen Corona-Zahlen im internationalen Vergleich relativ hoch, beim Impfen hat man geschlafen, genauso wie beim Testen. Die „Bundesnotbremse“ war dann der Höhepunkt einer Politik, deren eigentlicher Zweck das Kaschieren früherer Fehler zu sein scheint: sinnlos und planlos – aber das in drastischer Weise.

Dass es ganz anders hätte gehen können, zeigen nicht nur etliche US-Bundesstaaten und Schweden, sondern zuletzt auch etwa die Schweiz. Trotz deutlich weniger Beschränkungen, starben nicht viel mehr Menschen an oder mit Corona.

Die Bundesregierung hat nicht auf unabhängige Wissenschaftler gehört, sondern solche herbeizitiert, die ihre Linie rechtfertigten. Es ist längst wissenschaftlich belegt, dass Ansteckungen im Außenbereich keine Rolle spielen, dennoch verhängte man die Ausgangssperre. Ansteckungen im Einzelhandel und in Restaurants spielen fast keine Rolle, dennoch schließt man sie seit über einem halben Jahr und will den Eintritt jetzt nur mit Test oder Impfung wieder erlauben. Und schließlich ist seit langem bekannt, dass Schulen ebenfalls kein Treiber der Pandemie sind. Dennoch schränkte man den Unterricht monatelang stark ein.

Da wo man hingegen wirklich substanziell etwas hätte bewirken können, tat man lange Zeit kaum etwas: Die Altersheime begann man im Dezember letzten Jahres (!) effektiv mit Schnelltests zu schützen, obwohl längst erwiesen ist, dass je nach Bundesland bis zu 90 Prozent der Corona-Toten Heimbewohner sind. Schließlich ließ man auch die Krankenhäuser im Stich, verpasste Chancen zur Stärkung der Pflege – stattdessen schaute man zu, während sogar noch weiter Kapazitäten abgebaut wurden.

Es zeigt sich auch im Ergebnis einer statistischen Untersuchung der Universität München: Die deutschen Lockdowns konnten das Infektionsgeschehen nicht entscheidend verändern.

Die Entscheidung soll verschleppt werden 

Die Bundesregierung spielte das letzte Jahr über öffentlichkeitswirksam Maßnahmen-Bingo – stiegen ihre Zahlen und bekamen die Leute langsam Angst, traf man drakonische Maßnahmen, die zwar nicht wirkten, aber Entschlossenheit vermitteln sollten. Die Maßnahmen, die (unter relativ geringeren Kosten für die Allgemeinheit) wirklich gewirkt hätten, blieben aus.

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Jetzt scheint sich die Lage langsam zu beruhigen und das Land freut sich auf den Sommer. Aber nun steht das Urteil über das vergangene Jahr an. Die Insolvenzpflicht gilt wieder, ewig kann die Regierung nicht alle Lecks mit Staatsgeldern stopfen (wenn die überhaupt ankommen). In den nächsten Monaten wird sich das Bild unserer Regierung in der Pandemie verfestigen: Sind sie die kühnen Lenker, die Deutschland durch entschiedenes Handeln vor schlimmerem bewahrt haben, oder sind sie diejenigen, die das Land ohne Not vor die Wand gefahren haben?

Der Kampf um die Corona-Geschichte hat begonnen. In Berlin strickt man am Narrativ: Wir haben gemeinsam viele Tote verhindert.

So ganz glaubt das allerdings schon jetzt niemand mehr. In der CDU gehen die ersten auf Abstand, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff macht die Bundes-CDU für die schlechten Umfragewerte in Sachsen-Anhalt verantwortlich – insbesondere die „Bundesnotbremse“. Er weiß, dass die CDU zuletzt mit ihrem anhaltenden Knallhart-Kurs baden gegangen ist, und er will jetzt bei der Landtagswahl nicht mit untergehen.

Doch in Berlin macht man unbeirrt weiter. Man will die 7-Tage-Inzidenz am besten unter 35 und dann noch weiter „drücken“ – das Kalkül ist klar: Das Unentschieden bloß bis zur Bundestagswahl retten. Nichts scheint man mehr zu fürchten, als dass die Bevölkerung die Gewissheit bekommt, dass auch ohne Lockdown kein Inferno geschehen wäre. Dann ist der Kampf um die Corona-Geschichte verloren – für die Regierungsparteien wäre das existenzgefährdend. Also bloß weiter und weiter, solange es irgendwie geht.

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Kommentare ( 89 )

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Sonny
20 Tage her

Wir hier befinden uns ebenfalls in einer Blase. Und fragen uns, wie man nicht sehen kann, was doch so offensichtlich scheint. Mein Freundenskreis hat sich arg verkleinert, dass habe ich aus Selbstschutz getan. Und ich habe es auch satt, immer meinen Mund zu halten und alles in mich hineinzufressen, wenn ich offensichtlichen Unsinn vom Gegenüber höre. Das ist wohl unser Schicksal der „Nicht-Mitläufer“. Nach vielen Gesprächen mit Bekannten bin ich eher schockiert, w i e unwissend und staatsgläubig der größte Teil ist. Die wiederholen mit ihrem Geplapper genau das, was diese Politik vorgibt und stellen nichts infrage. Jegliche Versuche, politische… Mehr

Peter Mueller
20 Tage her
Antworten an  Sonny

Der Anteil der Menschen, die das Denken dem Fernseher überlassen, ist erschreckend hoch. Als ob es die Aufklärung vor 250 Jahren nie gegeben hätte.

Manuela
20 Tage her

„So ganz glaubt das allerdings schon jetzt niemand mehr.“

Da muss ich Sie leider enttäuschen. Die große Mehrzahl der Menschen, die ich treffe, glaubt alles und versteht nix, was ihr von oben vorgesetzt wird.

Auf meine Anmerkung hin, dass die Grippe ja interessanterweise ausgestorben sei, kam die Antwort: „Da sieht man ja, dass die Maßnahmen gewirkt haben.“🙄

leser80
20 Tage her

Wo bleiben die Kläger? Direkt ist in meiner Verwandschaft niemand an SARS-CoV-2 gestorben, unter meinen Bekannten sehr wohl, fünf in einem Heim. Von Anfang an habe ich das Geschehen wie heute von der WHO beurteilt betrachtet. Es sind Verbrechen geschehen. Wegen der Toten in den Heimen wurde Prozesse angestrengt und soweit mir bekannt mangels Nachweis der Todesart eingestellt. Ich habe mich an verschiedene „Querdenker“ gewandt und um Hilfe zur Aufnahme von Gerichtsprozessen gebeten; ohne Antwort oder unerwünscht. Die Regierenden werden schwer zu verurteilen sein, jedenfalls nicht in Bälde, aber gegen die Landräte sollte man vorgehen: 1) UnterlasseneHilfeleistung durch Verweigerung korrekter… Mehr

Kassandra
20 Tage her

Auf t-online berichten sie von dem Arzt Dr. med. Jens Bengen aus Trendelburg, der sich umgebracht haben soll. Es werden weitere Fälle beschrieben, in denen Ärzte wegen ihres Verhaltens hinsichtlich des Umgangs mit Corona in die Enge getrieben werden.Was läuft hier eigentlich wirklich?

Peter Mueller
20 Tage her
Antworten an  Kassandra

Diese Nachricht macht mich betroffen. Jens Bengen war ein Mann mit Rückgrat. Einer der sich wohltuend von der Masse der allgegenwärtigen Feiglinge abhob. Ich kenne ihn zwar nur flüchtig aus seinen Videos, aber er hat mir sehr viel Mut gemacht, mich dem demütigenden und medizinisch nutzlosen Maulkorb zu verweigern. Besonders geholfen hat mir sein Bericht Anfang Mai 2020 über seinen „Feldversuch“ bei dem er über 20 Geschäfte ohne Maske abgeklappert hat und dies jeweils damit begründet hat, daß sein Arzt ihm von der Maske abgeraten habe. Er berichtete, daß dies bei fast allen Geschaften funktioniert habe und beendete sein Video… Mehr

humerd
20 Tage her

Weil es grad so gut passt:“ Corona-Masken: „Die vom Bund waren besonders beschissen“
Viele der Schutzmasken, die Jens Spahns Ministerium verteilt hat, sind von zweifelhafter Qualität – die Folgen sind gravierend.
Katharina Okun hat in ihrem Leben wirklich viel gesehen, als Notfallsanitäterin und Feuerwehrfrau zum Beispiel. Aber in Rage gerät sie erst, wenn sie über das Bundesgesundheitsministerium spricht. „Was da passiert, ist unfassbar“, sagt sie. Sie ist einem Skandal auf die Spur gekommen, der sie nicht nur verärgert, sondern der Menschen in Gefahr gebracht hat. Es geht um mangelhafte Schutzmasken für Pflegekräfte, ausgeliefert vom Gesundheitsministerium.“
https://www.zeit.de/2021/23/corona-masken-bmg-jens-spahn-schutzmasken-pflegekraefte-mangelhaft

humerd
20 Tage her

Wie eine Monstranz des Gutmenschentums trugen nahezu alle das Narrativ „Risikogruppen schützen“ vor sich her. Die Schutzbedürftigen in Pflegeheimen UND Krankenhäusern wurden aber dem Virus ausgeliefert. Die Senioren in den Heimen wurden kurzerhand in Isolationshaft gesteckt, sie wurden gar nicht gefragt. Die hohe Sterberate der 1. und 2. Welle kam daher, dass die Mehrheit der Senioren Patientenverfügungen hatten und die brutale Beatmungstherapie ablehnten. Zynisch gesagt, sie verweigerten den letzten Dienst an der Gesellschaft: zur Amortisation der teuer angeschafften Beatmungsgeräte beizutragen. Das Narrativ wird jetzt bei jeder Gelegenheit ausgepackt, um Forderungen zu stellen. Aktuell sollen die „Alten“ die Impfstoffe von AZ… Mehr

Andreas
20 Tage her

In der Sendung „Links, Rechts, Mitte“ in Servus TV beschrieb Robin Alexander, wie Merkel wegen der Pandemie auf einen anderen größeren Dienstwagen, ein Van, umstieg, um möglichst weit weg von ihrem Fahrer zu sitzen, der übrigens täglich getestet wurde. Was soll man von einer Person halten, die dermaßen überängstlich ist und wohl nicht realisiert, dass täglich Hunderttausende mit S- und U-Bahn, Zügen und Bussen unterwegs sind und trotzdem es nicht das angekündigte Todeschaos gibt? Im Supermarkt hat das Personal tagaus, tagein weiter gearbeitet, auch hier keine Katastrophen zu sehen. Wie beschreibt man so eine Frau in puncto Rationalität ihres Regierungshandelns?

elly
20 Tage her

Sollte es tatsächlich zu einer ehrlichen Aufarbeitung kommen, dann dürfen die „Wissenschaftler“ wie z.B. Prof Drosten, Prof Brinkmann Anhängerin der ZeroCovid Ideologie, der Tierarzt Wieler, der Oberpaniker Lauterbach, Merkels Sternchen am „Wissenschaftlerhimmel“ die Physikerin Viola Priesemann ebenfalls Anhängerin der ZeroCovid Ideologie nicht verschont bleiben. Sie entpuppten sich als willfährige Sprachrohre der Kanzlerin. Den Professoren sollte der Lehrstuhl genommen werden. Prof. Droste kommentierte hin & wieder ausländische Studien, von Frau Prof. Brinkmann kam zum Virus gar nichts, sie erfüllte nur Merkels Befehl : in Talkshows auftreten, bis die Bundesnotbremse Zustimmung findet. Aber auch die Oberärzte, die in Talkshows und allen Medien… Mehr

Kassandra
20 Tage her

Vielleicht kann man RA Fuellmich bei TE Raum geben, den Stand des Desasters national wie global näher zu bringen? https://uncutnews.ch/reiner-fuellmich-erklaert-in-2-minuten-wie-big-pharma-uns-mit-corona-getaeuscht-hat/

Simon Timotheus
20 Tage her

Nehmen wir den Stand 01.01.2020 – 08.05.2021. Todesfälle (Coronatote) mit positivem SARS-CoV-2 PCR-Test, Deutschland, 01.01.2020 – 08.05.2021, Quellenvermerk für RKI Rohdaten: Robert Koch-Institut (RKI), dl-de/by-2-0, Stand: 08.05.2021 https://www.arcgis.com/home/item.html?id=f10774f1c63e40168479a1feb6c7ca74 Insgesamt sind in diesem Zeitraum 39.537 Todesfälle mit einem positiven PCR Test und Erkrankung verzeichnet. 45.111 Todesfälle sind verzeichnet mit einem positiven PCR, die keine Erkrankung aufwiesen, noch nicht einmal den so dramatischen „Geschmacksverlust“. Mithin 53,29 % sind ohne Erkrankung mit einem positiven PCR – Test gestorben. An der Erkrankung Covid-19 sind diese ersichtlich nicht verstorben, denn sonst wären die Verstorbenen als „Mit Erkrankung“ verstorben gemeldet worden.  Selbst die durch den verehrten Bundespräsidenten… Mehr