Die Union im Krieg der Sterne

Als letzte Hoffnung klammert sich die CDU an den Genderstern. Wie Ertrinkende ergreift man die letzte Chance, um nicht im Sturm der Umfragen umzukommen. Die gesamte Union hat ein „neues“ Thema entdeckt: Den Kulturkampf um die Gendersprache.

picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow

Nun also auch Haseloff. Und jetzt reicht es mir. Als letzte Hoffnung klammert sich die CDU an den Genderstern. Wie Ertrinkende ergreift man die letzte Chance, um nicht im Sturm der Umfragen umzukommen. Die gesamte Union hat ein „neues“ Thema entdeckt: Den Kulturkampf um die Gendersprache. Populismus pur! Niedrigstes Niveau. Nur noch peinlich. Dagegen sind AfD oder Grün*in/_en Waisenknab*in/_en. Das erst vor Tagen „entdeckte“ Unions-Motto ist die größte Mogelpackung dieses Wahlkampfs neben Baerbocks Bildungsweg und Giffeys Doktorgrad. Nebenbei: Frau Hoppenstedt hatte wenigstens ein Jodeldiplom.

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Beim Lesen der Titelgeschichte des einst wenigstens noch liberalen (und jetzt Querdenker-Existenz-zerstörenden) Berliner Tagesspiegels „Kann ein * die Wahl entscheiden?“ dachte ich: Auf den ersten Blick ist das doch klasse. Seit Jahren trommele ich in meinen letzten vier Büchern (Lübbe/Quadriga-Verlag) gegen den Gender-Wahn. Mit unzähligen Beispielen und Hintergrundinformationen. Alle Register habe ich gezogen. Und jetzt macht die Union einen flächendeckenden Wahlkampf mit meinem Lieblingsthema. Was für ein Erfolg! Dafür habe ich mich schließlich in die Kampagne des „Vereins Deutsche Sprache“ (VDS) eingereiht, viele Petitionen und Aufrufe unterschrieben und mich aus Überzeugung in die Gesellschaft von Dieter Nuhr bis Kardinal Brandmüller, von Monika Maron bis Didi Hallervorden eingereiht. Danke, CDU. Danke, CSU. Danke, dass unser Herzenswunsch nun bei euch den (derzeit noch) größtmöglichen politischen Partner gefunden hat.

Doch mit dem zweiten sieht man bekanntlich besser. Und dieser Blick zeigt mir: Wir erleben die größte Polit-Veräppelung seit Söders „Asyltourismus“. Wobei veräppeln, verkohlen oder auf den Arm nehmen noch die harmloseste Variante meiner Kraftausdrücke für diesen populistischen Wahlbetrug ist. Für wie blöd halten CDU und CSU eigentlich den Wähler?! Oder erkennen die (leider nicht unberechtigt), dass es ihnen gelungen ist, in den letzten 14 Monaten informationeller Gleichschaltung ihre Corona-Opfer mit der Panik-Droge einzulullen und zu willfährigen, Staatsgläubigkeits-besoffenen und Fake-abhängigen Vasallen gemacht zu haben?! Das Volk jubelt, wenn Friedrich Merz zum Beispiel im Hochsauerland kalauert: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Mutterland? Hähnch*innen-Filet oder Spielplätze für Kinder und Kinderinnen etc pp?“

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Sogar der unerschrockene, oft verlachte, verspottete und verfemte VDS-Vorsitzende Prof. Walter Krämer wird plötzlich ohne Genehmigung aufs Unions-Wahlplakat gesenkt: „Es wird wohl künftigen Historikern überlassen bleiben zu entschlüsseln, wie eine kleine Clique entschlossener Ideologen in Universitäten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine komplette Kulturnation zum Affen machen konnte.“ So etwas nennt man Mißbrauch! Mißbrauch eines Mannes und eines Vereins, denen man für solche (treffenden!) Analysen noch vor Wochen den Status von Idioten bescheinigt hat. Im lateinisch-griechischen Sinn: Nicht-Fachmann, Laie.

Doch wo sitzen die wahren Idioten, die Anti-Gender-Leugner und Sternchen-Fans, diese ganzen Gesäßviolinisten, die unsere Sprache mutwillig, populistisch und anbiedernd kaputt machten? Ja, wo sitzen sie denn?! In den Unions-geführten Rathäusern, Rundfunkräten, Regierungen, wo sie nicht nur diesen Gender-Wahn geduldet, sondern unterstützt haben. Wer hat unsere Sprache verraten? Auch Christdemokraten! Im Klartext kurz und knapp: Überall, wo CDU und CSU regieren, hätten sie bereits vor zehn Jahren diesen Irrsinn stoppen und im Keim ersticken können. Man hätte geschlossen dem VDS beitreten können.

Wo ist denn der Aufschrei der Union gewesen, als Moderatorinnen das öffentlich-rechtliche System für ihre Privat-Ideologie erstürmten? Wo war das Verdikt der Union gegen die von ihr installierten Intendanten? Wo war das klare Verbot der Unions-Kultus-und Wissenschaftsminister, als Universitäten und Schulen vom Gender-Gaga überrollt wurden? Ich habe nichts vernommen. Ja, wo waren denn die Genderstern-freien Zonen auf der deutschen Landkarte? Oder hatte die Union etwa nirgendwo das Sagen für das Schreiben?

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Im Gegenteil, sie haben sich fröhlich dem Wahnsinn ergeben und kamen sich dabei wahnsinnig fortschrittlich vor. Diversität auch in der Sprache wurde zum neuen Steckenpferd der „modernen Großstadt-Union“. Wer dagegen aufmuckte, wurde zum chauvinistischen, erzreaktionären und deutschtümelnden Gender-Leugner erklärt, so wie man es mit den Corona-Leugnern und der neuen Variante namens Klima-Leugner hält: ausgrenzen, lächerlich machen, in die ultrarechte Ecke stellen.

Doch jetzt herrscht Goldgräber-Stimmung bei der Union. Nachdem man alles versemmelt hat, von Energie- über „Flüchtlings”- bis Corona-Politik, sollen jetzt die 65 Prozent der Bevölkerung den politischen Untergang verhindern, die strikt gegen das „Gendern“ sind. Übrigens: sogar 48 Prozent der Grün*in/_en-Wähler*in/_en sind gegen diesen Spuk. War alles bekannt! War immer wieder das Argument des VDS. Damit kämpfte man jedoch gegen (Unions-) Windmühlen, die in Orkanstärke das Gendern sogar in die arme Bundeswehr stürmen ließen. Alles CDU/CSU! Alles vergessen?

Man konnte sich gar nicht mehr retten vor all den Fibeln, Leitfäden und Empfehlungen, mit denen Verwaltung und Unternehmen gegängelt wurden. Einher mit diesem Irrsinn geht ja der Cancel-Culture-Zirkus. Es war zuletzt die CSU, die dem „Antiziganismus“ den Kampf erklärte und den Zigeunerbach in Augsburg umbenannte. Nebenbei: Ideologie mit Dummheit gepaart ist das Schlimmste, denn das Gerede von Anti-Ziganismus bestätigt ja, dass es Zigeuner gibt. Wahnsinn!
Wäre der Wähler wach, er stünde nun auf den Barrikaden. Doch wie man jetzt „dankbar ist für die zurückgegebenen Corona-Freiheiten“, so wird man dankbar sein, dass sich doch wenigstens unsere liebe CDU gegen die verhasste Verquasung unserer schönen Sprache stellt. Eine richtige Kümmerer-Partei, unsere gute Christenunion, die die Todesrate auf null senken will, indem sie die Verblödungs- und Verhaltungsstörungs-Rate auf 100 steigerte. Wie im Wahn wird man am Sonntag in Sachsen-Anhalt und später im Bund zur Urne schreiten und die Retter der deutschen Sprache aus der Asche der Umfragen erheben.

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Vergessen die eigentlichen Themen, die für CDU und CSU jetzt im Wahlkampf top sein müssten: die Aufklärung der Corona-Sünden der eigenen Minister durch Untersuchungsausschüsse, Entschuldigung und Entschädigung für zerstörte Kinderseelen und Jugend-Zukunft, für Angehörige der sinnlos ohne Trost und Nähe Verstorbenen, für die mutwillig durch Unionspolitik zerstörten Existenzen. Ach, Themen gibts doch genug, liebe Union! Zum Beispiel die Frage, warum namhafte warnende Experten, die inzwischen sämtlich recht behalten haben, mundtot gemacht wurden. Wie der von Söder aus dem Ethikrat geschasste Ökonom Prof. Lütge. Doch kritische Stimmen waren im ideologischen Herrscher-Weltbild von Merkel, Söder, Haseloff und Co. „wenig hilfreich.“ Oder die beispiellose Korruption und Lüge in Sachen Intensiv-Betten, Masken, Impfstoff und jetzt der Teststationen, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Oh, da hätte die Union schon zu tun. Doch der Gender-Stern soll das jetzt alles in den Schatten leuchten. Statt aufräumen aufpolieren. Toll!

Aber glaubt etwa jemand, dass am Tag nach der Wahl auch nur ein einziges Sternchen verschwindet? Schon gar nicht in der Koalition, die Herrn Haseloff vorschwebt. Kein Unterstrich, kein Doppelpunkt, keine Gender-Pause, oder wie der Irrsinn sich noch nennt, wird verschwinden, wenn die Union Kanzler oder Ministerpräsidenten stellt. Im Gegenteil. Es wird noch draufgesattelt, damit das Pferd des Fortschritts im Gender-Galopp die Ziellinie noch vor den Grünen erreicht. In Sachen Klima machen Söder und Co. uns das ja bereits eindrucksvoll vor. Brandstifter werden zu Biedermännern, die das eigene Feuer löschen. Der Wähler staunt und stimmt …. wie schon so oft zugunsten der Populisten, die nun längst nicht mehr (nur) bei AfD und Grünen sitzen. Ich hoffe, dass ich mich irre und der Krieg der Sternchen zu einem Rohrkrepierer für die grünlackierten Schwarzen wird.


 

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Kommentare ( 108 )

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joeiho
23 Tage her

Vielen Dank, Peter Hahne!! Wie immer klar auf den Punkt gebracht. Ich sehe und höre im Geiste aber jetzt schon die, die bisher alles, was die „Mutti-Partei“ für gut befunden hat, ob es die tolle Energie-, Migrations-, oder Corona-Politik ist, daherkommen und sagen: Na, so schlecht ist die Union doch nun auch nicht… Sie werden auch dies glauben und die heldenhafte Standhaftigkeit der Union mit zwei Stimmen auf dem Wahlzettel honorieren! Der VDS wird dann wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden wie all die Viren in den Gehirnen der Ängstlichen… Weiter so Tichy & Hahne und Co!!! Danke!

Steffchen
24 Tage her

Herr Hahne, Sie schreiben mit den richtigen Worten genau das was ich auch denke. Vielen Dank. Ich traue den regierenden Parteien in Bund und Länder ohnehin nicht mehr. Gemeinsam mit dem ÖRR verkaufen die uns eine Welt, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Ich selbst bin im Staatsdienst und sehe damit auch intern welcher Unfung im Namen dieser Parteien getrieben wird. Gut, dass Otto Normalverbraucher nicht mitbekommt, was da so alles – vor allen Dingen in den Ministerien – abgeht. Ich glaube ein großer Teil der Bevölkerung wäre ziemlich verunsichert. Es kann nur noch schlechter werden. Ich glaube Deutschland… Mehr

josefine
24 Tage her

Diese Gender* sind genauso dämlich und überflüssig wie die 1996 beschlossene Rechtschreibreform.
Im Jahre 2006 wurden bereits Änderungen vorgenommen, um den „Rechtschreibfrieden“ (Expertenrat der Kultufministerkonferenz) wieder herzustellen.
Verehrter Herr Hahne, vielleicht können wir noch Hoffnung haben!

Wilhelm Roepke
24 Tage her

Ruhig bleiben, bitte. Die Union wird die Wahl in Sachsen-Anhalt höchstwahrscheinlich knapp gewinnen und danach sinkt der allgemeine Blutdruck der CDU wieder. Die richtigen Probleme, die die Union wie die SPD von der Bildfläche fegen werden, kommen erst noch. Wenn die Bürger beim wöchentlichen Lebensmitteleinkauf die Gelddruckorgie zu spüren bekommen werden, werden noch ganz andere Wahlergebnisse aufgerufen werden als nächsten Sonntag in Sachsen-Anhalt. Jetzt ist der Bürger noch nicht so weit. Die CDU hat nur Angst vor dem zeitlich unangenehmen Prestigeverlust, erstmals hinter der AFD zu landen. Und der Wetterbericht könnte eine hohe Wahlbeteiligung ermöglichen. Ein 1. Platz für die… Mehr

Ursula Schneider
24 Tage her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Es ist unglaublich, wie viele in der politmedialen Szene von den angeblich „demokratischen“ Parteien sprechen und die AfD dabei ausschließen, ohne einen einzigen Beleg dafür zu liefern!

Nihil Nemo
24 Tage her

Der „Erfolg“ von M. Söder, der gerne zwischen fränkischem Raufbold und sensiblem Bienenschützer changiert, lässt nichts Gutes über die bayrischen Wähler ahnen.

drnikon
24 Tage her

Auch junge „Studierende“ ergeben sich dem Genderwahn, Deren Klausuren werden drastisch abgewertet, wenn nicht korrekt gegendert wird. Keine Einzelfälle mehr.

Joe
24 Tage her

Spätestens nach der Wahl wird Kanzler:In Arn:Im Lasch:In die Gendersprache verpflichtend einführen.So wahr Allah helfe!

HPM
24 Tage her

Gendersprache und Jodeldiplom: Da weiß man, was man hat !
Besser wäre es für die CDU allerdings, ein Wahlprogramm anzubieten, daß tatsächlich „was Eigenes“ enthält (frei nach Fr. Hoppenstett).

PM99
24 Tage her

Haseloff spricht sich in der Wams gegen das Gendern aus, weil er sich davon Wählerstimmen verspricht. Und einige Dummerchen werden ihm und seiner CDU deshalb vielleicht doch noch ihre Stimme geben, obwohl sie es nicht wollten. Wenn Herr Haseloff dann erst wieder regiert, ist alles vergessen. Jede Wette, in den kommenden Jahren wird auch die Landesregierung von Sachsen-Anhalt amtlich gendern und Herr Haseloff ist dabei ganz vorn dabei.

EndemitdemWahnsinn
24 Tage her
Antworten an  PM99

Ich denke mal, die meisten potentiellen bzw. Stammwähler der CDU wissen garnicht was „Gendern“ überhaupt bedeutet, so dass das für die Wahlentscheidung unerheblich ist. Da versucht man sich wohl an den letzten ganz dünnen Strohhalm zu klammern. Das ist alles nur peinlich und v.a. lächerlich.

Leserin
24 Tage her

Ein Beispiel für die Verlogenheit der CDU-Kampgne: Im Februar hat die AfD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft einen Antrag auf Verbot der Gendersprache in den Hamburger Behörden eingebracht. Er wurde -auch von der CDU- abgelehnt. Das hat aber Christoph Ploß, Chef der Hamburger CDU, nicht davon abgehalten, jetzt einen Antrag mit derselben Forderung einzubringen.
Nun ja, inzwischen weiß man, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen das Gendern ist. Und da kann man schon mal mutig sein!