Berlin zuletzt

Während im öffentlichen Deutschland immerzu hochtrabend von Moral und Ethik gesprochen wird, bleiben die Interessen der Menschen ebenso auf der Strecke wie die des ganzen Landes.

© Steffi Loos/Getty Images

Halten wir fest. Moskau war informiert und hat seine Soldaten auf dem syrischen Luftzwaffenstützpunkt rechtzeitig aus der Gefahrenzone gebracht. London und Paris wussten Bescheid, Peking sowieso, Xi Jinping war sozusagen nebenan, als Trump die U.S. Air Force losschickte. Israel war natürlich im Film wie immer. Ankara in diesem Fall auch. Berlin wusste nichts. Eher informiert Washington Warschau. Brüssel gibt es auf der geopolitischen Landkarte gar nicht.

In Deutschland und Frankreich wird in diesem Jahr gewählt. Zwischen die innenpolitischen Fronten schlägt der Luftschlag gegen Assad ein wie eine Bombe. Wer bisher Putins Freund war und zugleich Trump-Fan, muss sich neu sortieren. Warum Trump noch Gestern Putin-freundliche Töne verschicken ließ (Tarnung?) und nun so handelt, hat das Zeug zu einer unendlichen Geschichte. Ob der Abgang von Brannon aus dem Sicherheitsrat schon das erste Vorzeichen war, eignet sich prächtig für Spekulationen. Ob Trump bei seinen Republikanern Boden gut machen will, ebenfalls. Ob das U.S. „Establishment“ wieder die Kontrolle übernimmt? Noch besserer Stoff.

Luftangriff in Syrien
Wie sagte Joschka Fischer? „Excuse me, I am not convinced.“
Ich sehe das sehr einfach. Wer je dachte, Trump – oder sonst ein Präsident – könne sich gegen jenen Teil der Vereinigten Staaten durchsetzen, der aus gutem Grund militärisch-industrieller Komplex genannt wird, muss schon recht gläubig oder naiv sein, was ja oft auf dasselbe rausläuft. Aber damit werden sich ganze Gebirge von Experten auseinandersetzen und ein Mäuslein nach dem anderen gebären. So lange sie jemand dafür bezahlt, geht ihre Rechnung ja auf. Doch eines ist unzweifelhaft klar, mit und ohne Experten: Wenn Washington eine solche Militäraktion durchführt, ist der Giftgas-Skandal nur ein Anlass. Erzähle mir niemand, das sei die Antwort auf eine menschliche Schweinerei. Nein, die in Washington das Sagen haben, Präsident hin, Präsident her, hatten das vor. Warum? Auch dafür braucht es keine Experten. Washington schickte Moskau mit den Marschflugkörpern die unmissverständliche Botschaft: so weit und weiter nicht. Putin hat das mit Sicherheit verstanden. Was er darufhin tut oder nicht, wissen wir nicht, vielleicht er selbst (noch) nicht.

Die Spitzen der VRC und der U.S. beim gemeinsamen Abendessen mit Gemahlinnen, während 59 Marschflugkörper des Typs Tomahawk auf die Luftwaffenbasis Shayrat unterwegs sind, passt in einen nächsten Hollywood-Streifen. Was den ganzen Tag über von deutschen Politikern in den Nachrichten gesendet wird, kann ich nur auf den unhöflichen Nenner bringen: Wenn ihr nichts zu sagen habt in jedem Sinne des Wortes, warum schweigt ihr nicht einfach?

Macht eure Hausarbeiten oder Platz für andere, die sich nicht scheuen, die vielen Probleme daheim ernsthaft anzupacken: von A wie Arbeit über B wie Bildung, E wie Einwanderung, Energie und Euro, F wie Freiheit, G wie freie Gesellschaft, I wie Infrastruktur, M wie Militär, R wie Rechtsstaat, S wie Sicherheit, W wie Wahlrecht bis Z wie keine Zensur.

Ostern steht vor der Tür. Wenn da erwartungsgemäß die Erleuchtung nicht über politische Klasse und politische Elite kommt, müssen wir 50 Tage später auf Pfingsten hoffen. Bald nach dem 24. September wissen wir, in welchem Umfang so weiter gewurstelt wird wie bisher. Realistischer Weise müssen wir davon ausgehen, dass es in Weltpolitik weiter nicht um die vielzitierten „Werte“ geht, sondern Interessen, nackte Interessen. Während im öffentlichen Deutschland immerzu hochtrabend von Moral und Ethik gesprochen wird, bleiben die Interessen der Menschen hierzulande ebenso auf der Strecke wie die des ganzen Landes. Aber ewig machen die Leute das nicht mit. Nicht einmal im Land der Untertanen.

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Kommentare ( 148 )

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ist doch, dass diese Deutschland regierende Kamarilla in Berlin keiner mehr aussenpolitisch auf der Rechnung hat. Man erinnere sich an Helmut Schmidt oder an Helmut Kohl, die auf Augenhöhe mit den USA und anderen Verbündeten kommunizierten. Von der Leyen, Gabriel und Merkel sind nur peinliche Gestalten, die keine geostrategische Macht mehr für voll nimmt. Warum auch sollte man auch Lautsprecher und Leisetreter ohne eigene Gestaltungsfähigkeiten ernst nehmen? Muss die USA nicht sogar befürchten, dass angesichts der vielfach geäußerten Abneigung gegenüber Trump solche Informationen durchgestochen werden könnten.

Dazu passt Heinrich Mann’s „DerUntertan“.

Was mich immer wieder fasziniert , bzw. fassungslos macht , bzw. zutiefst deprimiert , ist , wie sich immer mehr das intellektuelle Prekariat bei “ unseren “ Politikern und “ unserer “ Journallie breitmacht ….. Nicht aller , nicht bei Herrn Goergen , aber mancher , allzu vieler ….. Und die Mehrheit der Bevölkerung ? Sie ist keinen Deut besser ! Hoffnungslos verblödet ! Der alte Spruch : “ panem et circenses “ charakterisiert inhaltlich in vollem Umfang den Zustand “ unseres “ Staates . Auch ein sehr gutes Zitat ( Brecht ) : “ Zuerst kommt das Fressen ,… Mehr

Stimmt. Nur werden Sie die Bodenschätze aus Afrika holen. China hat dort schon viel Land aufgekauft. Und ich bin mal böse und hässlich: Die Menschen sind von Afrika zwischenzeitlich nach Europa gewandert und die zufälligerweise noch dort sind, braucht man für mindere Arbeiten.

Wir haben bloß vom Terror des Islam nicht immer erfahren und er war nicht in dem Maß Europa angekommen. In Indien, Thailand, Indonesien und anderen Staaten z.B. in Afrika ist der Terror der Muslime schon immer gang und gäbe. In Afrika wurden in einigen Staaten Christenverfolgungen im großen Stil betrieben, so dass sich Staaten teilten. Nigeria ist z.B. so ein Beispiel. Der Terror schwappt mal mehr mal weniger hoch. Auf Zeiten des Nichtterrors folgten immer Zeiten des Terrors. Wir dürfen auch nicht den Terror der Highjacker vergessen. Und bitte missverstehen Sie meine Worte nicht absichtlich. Es steht so im Koran,… Mehr

Interessante Sichtweise. Danke.

Absolut meine Zustimmung. Die alten Silberrücken, die sehr kleine Gruppe von Politpromis, klammert sich an ihre Pfründe, kann und will nicht loslassen und den Stab an die nächste Generation weitergeben. Ungeregelte Erbfolgen zeichnen alle Parteien aus, dem Nachwuchs wird nirgendwo eine Chance gegeben, weder bei der CDU als krassesten Fall, noch der SPD, die in totaler Verzweifelung, den hochproblematischen Schulz zur „neuen“, LOL, Wundernudel aufbauen und promoten ließ. Die Grünen haben auch nur ihre betagte Loosertruppe von Schulabbrechern im Promiangebot und bei den Linken ist es richtig zappenduster in Dunkeldeutschland. Frau Wagenknecht als Solitär, Gysi und LaFontaine in Rente und… Mehr

Zum Rücktritt gehören Einsicht und Charkter…

´89 hätte auch niemand vorhergesehen, aber irgendwann läuft das Fass über.
Noch kann man in Schland wählen oder auf die Strasse gehen oder in die Behörden unangemeldet… Hätte jemand Lust auf Wetten, was zuerst passiert?

Na, ich habe mir Ihre Kritik zu Herzen genommen und meinen ursprünglichen Kommenar etwas überarbeitet. No hate!

Danke für die Antwort Herr Rieke,

Ach so, da die alte Version nicht daneben steht, hab ichs nicht gemerkt. Dann passt meiner deswegen nicht mehr so recht.

Aus „Two and a half man.“
Sie: „Du kannst Alles haben was du willst.“
Er: „Dann sag noch einmal, ich hatte recht.“

In diesem Sinne Schönes Wochenende und natürlich: no hate.