Der Mensch wird immer teurer

Die Gesellschaft stößt an ihre Grenzen. Das Anspruchsniveau ist zu hoch angesichts der volkswirtschaftlichen Leistungsentwicklung. Die Reibungsverluste einer ungekonnten Integrationspolitik sind gigantisch. Die Politik muss sich etwas einfallen lassen, wenn sie Anspruch und Realität in einer weiterhin lebenswerten Gesellschaft in Einklang will.

Es beginnt mit der Geburt. Was sich früher in einem Stall in der Wärme der Tiere auf Heu und auf Stroh und mit wenigen Helferinnen vollzog, findet heute in immer kostspieligeren High-Tech-Stationen statt, die sich um die Geburt, um Kind und Mutter kümmern. So ist der erste Tag im Leben eines Menschen ein teurer Tag, und regelmäßig beginnen die Kosten rund um das Baby schon viel früher. Teure Schwangerschaftsverhütungen und dann unter Umständen teure künstliche Befruchtungen und neun Monate immer massiver werdende Schwangerschaftsbegleitungen der Medizin.

Auch der letzte Tag im Leben eines Menschen wird bekanntlich immer teurer, aber konzentrieren wir uns auf die Zeit zwischen Geburt und dem von der Geburt immer entfernter liegenden Todestag. Immer teurere Kindergartenplätze, immer aufwändigere frühkindliche Erziehung, immer aufwändigeres Spielzeug, und dann die Beschulung der Kinder, die immer aufwändiger und komplexer wird. All dies verschlingt ein immer größeres Vermögen. Die Tigermamas und Papas scheuen keinen Aufwand, um die Kinder neben der Schule mit Ausbildung und Bildung vollzustopfen. Die Universitäten werden immer unbezahlbarer, entsprechend hoch ist der Aufwand, den eine Gesellschaft pro Student und Studienjahr erübrigen muss.

Bis zum Berufsstart eines jungen Menschen ist ein Mensch, außer, dass wir ihn alle lieben und uns an ihm erfreuen, ein wahres Groschengab gewesen. Teure, gelegentliche Fehlentwicklungen inklusive. Mal merkt einer, dass er das Falsche studiert hat und ein ganz anderes Studium nachschieben will, mal rafft jemand seine bis dahin erworbenen Erfahrungen zusammen, um erst einmal mit der Selbstfindung in fernen Ländern zu beginnen. Der Netto-Output eines Jahrganges, der mit sagen wir 25 Jahren stramm ins Erwerbsleben eintritt, soweit der akademische Bereich betroffen ist und von da an bis zur Rente mit 63, also 38 Jahre stramm durcharbeitet, ist weit von 100% entfernt. Und ab dem Renteneintritt, der de facto wahrscheinlich im Mittel bei unter 63 Jahren liegt, wird ein Mensch nicht nur zum Spitzenverbraucher, nein, er wird auch zum Spitzenkostenfaktor und von Jahr zu Jahr bis zu seinem Tod immer teurer. Die ersten Altersopfer des Hochlohnlandes Deutschland wandern zum Sterben in Billiglohnländer aus und verbringen ihre letzten Jahre in einer fremden Welt, deren Sprache sie nicht einmal sprechen. Ein hartes Ende.

Die Netto-Lebensarbeitszeit sinkt

Der Mensch arbeitet weniger als die Hälfte seines Lebens produktiv. Zwischen Berufsende und Tod liegen bei der sich laufend erhöhenden Lebenserwartung drei Jahrzehnte und bald mehr und die medizinische Versorgung und die Pflege werden gegen Ende des Lebens teurer als es die Ausbildung zu Beginn des Lebens war. Je nach Ausbildungsgang, Studium oder Berufsausbildung, der Mensch arbeitet zunehmend weniger als die Hälfte seines Lebens produktiv. Und leider gibt es während der produktiven Jahre viele freiwillige und viele unfreiwillige Auszeiten und die Menschen haben mit Krankheiten, Unfällen und vielerlei Unbill zu kämpfen. Auch das Kinderkriegen und das Kinderbetreuen gehen oft zu Lasten der Arbeitszeit. Und wenn er denn mit beiden Beinen dem eigenen Broterwerb nachgeht, dann muss er nicht nur seinen eigenen gehobenen Verbrauch während dieser Zeit verdienen, sondern er ist es auch, der den gesamten Staat, die Gesellschaft in toto mit all ihrem Fortschritt und all ihren kostspieligen Fehlentwicklungen bezahlen und wirtschaftlich am Leben halten muss und dies in dem objektiv kaum gerechtfertigten Vertrauen darauf, dass ihm selber später von den nachfolgenden Generationen ähnlich freundliche Jahrzehnte des Ruhestandes gegönnt werden, wie er sie derzeit für seine eigenen Altvorderen finanziert.

Früher lernten die Menschen im heiratsfähigen Alter andere Menschen kennen und weil sie heirats- oder bindungswillig waren, lernten sie einen für länger oder dauerhaft lieben und das alles war kostenlos. Heute jetten die Singles notfalls für ein Date um den Globus und dann fällt das Date unglücklicherweise auch noch ins Wasser oder geht sonst in die Hose und sie beschäftigen teure Partnervermittlungsindustrien, deren Dienste sie meistens nur recht flüchtig, am Ende wieder als Singles dastehend, ausnutzen können: Volkswirtschaftliche Reibungsverluste. Auch die aufgeblähten Scheidungsapparate sind bei aller Notwendigkeit Kostenbringer, die allenfalls mittelbar der Steigerung des Bruttosozialproduktes dienen: eben Reibungsverluste.

Eine solche Luxusvolkswirtschaft wie die der Bundesrepublik mit ihren täglich teurer werdenden Bürgern kommt dank des technischen Fortschritts, der seit der 68er-und grünen Denke zu allem Überfluss auch noch verteufelt wird, noch gerade so über die Runden. Tendenz abnehmend. Jeder schlecht getimte Feiertag, womöglich in der Mitte der Woche, belastet die Volkswirtschaft doppelt. Der Verbrauch bleibt, der Jahresgesamtumsatz sinkt um ein halbes Prozent. Arbeitszeitverkürzungen, Herabsetzung des Rentenalters sind auf mittlere Sicht unbezahlbare Kostenfaktoren und zu allem Überfluss liegen viel zu viele Ressourcen arbeitsfähiger und arbeitswilliger älterer Pensionäre und älterer Menschen überhaupt brach. Und dies vornehmlich weil es einen Jugendwahn bei vielen Arbeitgebern gibt, die lieber einen 25.oder 30.jährigen einstellen, der ihnen schon nach kürzester Zeit abhandenkommt, weil er zur Konkurrenz wechselt, anstatt einen älteren Arbeitnehmer vollwertig einzustellen, und nicht nur nach dem Motto, bringt Lebenserfahrung o.Ä.

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Kommentare ( 21 )

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