Renten: Das Mantra der Zukunftsfähigkeit

Die Renten werden durch Zuwanderung nicht sicherer.

Zurück in die Zukunftsfähigkeit

Blicken wir nun auf jenes Mantra der Zukunftsfähigkeit, welche vorgeblich nur durch Zuwanderung gesichert werden kann. Angenommen, die eine Million Zuwanderer, von denen heute für dieses Jahr 2015 ausgegangen wird, würden sämtlichst sofort und ohne Weiterbildung in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse einsteigen. Weiter angenommen, ihre Verdienste wären so gut, dass sie im Sinne der Ausgabendeckung vollumfänglich ihren Ausgabendeckungsbeitrag leisten könnten. Dann hätten wir es folglich ab sofort nicht mit 42,74, sondern mit 43,74 Millionen zahlenden Arbeitnehmern zu tun. Dadurch würde der notwendige monatliche Rentenabzug pro Arbeitnehmer um sage und schreibe 24,70 € auf 1.057 € sinken. Für gewöhnlich nennt man so etwas einen Tropfen auf den heißen Stein – und das hier am Beispiel der Rentenversicherung dargelegte gilt ähnlich für die anderen Sozialausgaben, zu deren Deckung der Staat notgedrungen den Steuerzahler oder die Schuldenaufnahme heranzieht.

Tatsächlich aber – diese Erkenntnis treibt selbst die sonst so optimistisch in ihre sozialistische Welt trällernde Bundesarbeitsministerin um – wird das Gros der Zuwanderer nicht in solche Arbeitsverhältnisse zu bringen sein: und wenn überhaupt, dann erst nach erheblichen Investitionen in deren Bildung und Ausbildung.

Was also soll das Mantra der Zukunftsunfähigkeit? Wie viele Menschen gedenkt unsere Regierung denn zu importieren, um zur Deckung der Sozialausgaben zu kommen? Und warum öffnet man dann mit großem Herzen die Tore nicht nur für Flüchtlinge, die normalerweise nach der Wiederherstellung der Ordnung in ihrer Heimat wieder die Rückreise antreten – was aber offenkundig für die Syrer ohnehin nicht vorgesehen ist?

Warum nicht Qualität statt Quantität? Warum beginnt man als vorgeblich hochzivilisierte Industrienation nicht endlich einmal damit, über das nachzudenken, was in demographischen Situationen wie der deutschen tatsächlich anzudenken wäre – nämlich auf Qualität statt auf Quantität zu setzen?

Längst ist unsere Industrie so weit, dass sie die Billigarbeitsplätze dorthin verlagert hat, wo die Menschen für einen Hungerlohn bereit sind, sich zu Tode zu schuften. Diese Arbeitsplätze aber wird man auch nicht zurückholen, indem man nun Billiglohnarbeitskräfte in Masse ins Land holt. Denn die tatsächlich Unqualifizierten liegen schon heute als Dauerempfänger auf den Sozialkassen vornehmlich der damit völlig überforderten Kommunen.

Ein Lumpenproletariat der Unvermittelbaren schafft Druck

Aber die beständige Organisation eines Lumpenproletariats der Unvermittelbaren produziert Druck. Einen Druck, der den Arbeitgebern offenbar sehr gelegen ist, um auch die breite Schicht der qualifizierteren Mitarbeiter im Zaume zu halten – und die so erwirtschafteten Gewinne schnell über Abführungsverträge oder andere Tricks wie fadenscheinige Lizenzvergaben auf Mutterkonzerne zu verlagern, die ihren Sitz in Steueroasen außerhalb der Republik haben.

Der Weg, einen beständigen Überschuss an vorgeblich nicht vermittelbaren Arbeitnehmern zu haben, ist an sich nicht neu. Es ist noch kein Jahrhundert her, da reichte das Einkommen eines einzigen Erwerbstätigen, um seine Familie zu ernähren. Das hätte auch so bleiben können, wenn der technologische Fortschritt dazu geführt hätte, die Löhne an der Einsparung von manpower angemessen partizipieren zu lassen. Stattdessen aber organisierte man den Aufstand der Frauen, indem man die Erziehungsarbeit als unwürdig abqualifizierte und den Frauen erklärte, dass nur die fulltime-berufstätige Mutter Selbsterfüllung finden könne.

Doch dieses Potential war irgendwann ausgeschöpft – und so mussten neue Billiglöhner her, die dem Lohnabhängigen als drohender Zeigefinger vorgehalten werden konnten, falls seine Lohnforderungen tatsächlich dem Produktivitätsstandard angepasst werden sollten. Erst nannte man sie Gastarbeiter – und nachdem diese durch eigene Qualifizierung ebenfalls dem Lumpenproletariat entwuchsen, müssen nun vermeintliche Flüchtlinge importiert werden.

Der Druck, dem sich letztlich auch die Mittelständler nicht entziehen können, kommt von ganz oben. Es sind die multinationalen Konzerne, die auf der einen Seite die Arbeitskraft des Tagelöhners in Bangla Desh und anderswo für einen Spottpreis erhalten, und die andererseits die Qualifikation des gut ausgebildeten Industriearbeiters in den Industrienationen so billig wie möglich haben möchten. Denn sie bestimmen so die Weltmarktpreise – und damit die Höhe der Gewinne ihrer Shareholder.

Globale Shareholder und die Sozialindustrie

Jedoch – es wäre weit verfehlt, allein auf die Gewinninteressen der global agierenden Multis zu schauen. Denn unter deren breiten Schultern hat sich nicht nur bei uns im Lande eine Sozialindustrie entwickelt, die von der Quantität statt von der Qualität gut und ausschließlich lebt.

Die sogenannten Wohlfahrtsverbände nebst allem, was sich in deren Peripherie angesiedelt hat, übernehmen im Schwerpunkt die Aufgabe, mit Steuermitteln die arbeitsmarktpolitisch unverzichtbare Basisarmut zu betreuen, statt die dort gefangenen Mitbürger effektiv in die Selbstversorgungsmöglichkeit zurück zu führen. Naheliegend – denn täten sie dieses, so würden sie sich selbst arbeitslos machen und das Schicksal derer teilen, an denen sie zuvor so gut verdient haben. So wie beispielsweise auch eine Rückbesinnung auf die private Kinderbetreuung zahlreiche Niedriglöhner im Kita-Bereich nebst Logistik hätte freisetzen müssen – weshalb nicht nur die realsozialistischer Sozialisation entsprungene Bundesfamilienministerin alles daran setzte, das bürgerliche Ansinnen der Christsozialen, zumindest die Möglichkeit der familiären Erziehung zu erhalten, zu unterlaufen.

Der Bedarf an Prekariat (so heißt es in der Fachsprache) ist also vielseitig – und er reicht von den vorgeblich sozial denkenden und davon lebenden Linken bis zu deren vorgeblichen Gegnern in den Vorständen globaler Konzerne. Das Interesse, ein soziales Proletariat beständig aufzuforsten um sich nicht der Frage zu stellen, wie man Wirtschaft und Erwerb mit etwas weniger Gewinn für die ganz Reichen und weniger Sozialausgaben für die breite Masse der Bürger auf zukunftsfähige, im Sinne eines selbstverantworteten Handelns des Einzelnen gerechtere Beine stellen könnte, eint Linke wie moderne Kapitalisten.

Und deshalb werden wir uns das Mantra von der vorgeblichen Zukunftsunfähigkeit einer nicht quantitativ wachsenden Gesellschaft weiterhin anhören müssen, wohl wissend, dass es eigentlich nur darum geht, das, was an qualitativem Wohlstand erwächst, nicht mit der breiten Mitte des Volkes teilen zu müssen – und dabei gleichzeitig durch sachgerechte Förderung die Unterschicht aus ihrer prekären Situation zu befreien.

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