ProSiebenSat.1: Ende der Wokeness?

Weniger Zeitgeist, mehr Profit. ProSiebenSat.1 schafft Manager-Ebenen ab und zentralisiert die Unternehmensführung. Selbst bisherige woken Stars scheinen nicht mehr unangreifbar zu sein.

IMAGO / Marco Canoniero
Pier Silvio Berlusconi, Chef des italienischen Medienkonzerns MFE (MediaForEurope)

Seit der Übernahme durch den italienischen Medienkonzern MFE (MediaForEurope) wird der Konzern konsequent umgebaut. Hinter MFE stehen Pier Silvio und Marina Berlusconi. Bereits im Herbst 2025 wurde die komplette Führungsspitze ausgetauscht. Mit Marco Giordani übernahm ein langjähriger Finanzmanager aus dem Berlusconi-Umfeld die Führung des Unternehmens.

Bei ProSiebenSat.1 verlieren in der Folge die früheren Chefs Marc Rasmus und Hannes Hiller ihre Positionen. Sie bleiben zwar im Unternehmen, doch ihre bisherigen Funktionen werden abgeschafft. Künftig sollen sie Programme für den gesamten Konzern entwickeln. Die operative Steuerung wird zentralisiert.

Die organisatorische Anpassung ist tatsächlich ein tiefgreifender Wandel. Die eigenständigen Sender verlieren weiter an Bedeutung. Wo früher ProSieben und Sat.1 mit eigenen Profilen, eigenen Verantwortlichkeiten und eigenen Führungspersönlichkeiten agierten, soll künftig eine zentrale Struktur die Richtung vorgeben. Auf seiner Webseite erklärt das Unternehmen:

„Das Geschäftsjahr 2025 war für ProSiebenSat.1 wie erwartet erneut von einem insgesamt schwachen Werbemarkt geprägt, mit entsprechenden Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis im Entertainment-Segment. In diesem Umfeld setzt das Unternehmen klare strategische Prioritäten und richtet seine Aktivitäten entlang von fünf Fokusbereichen aus. Im Mittelpunkt steht die Stärkung lokaler und Live-Inhalte, die das Profil des Entertainment-Portfolios schärfen. Gleichzeitig verfolgt das Unternehmen einen erweiterten Multi-Plattform-Ansatz, um Inhalte über die eigenen Sender, Joyn und Partnerplattformen bestmöglich auszuspielen und zusätzliche Reichweitenpotenziale zu erschließen.“

Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Auch die Abschaffung der Senderchef-Ebene fügt sich nahtlos in diese Entwicklung ein. Sie steht für Vereinheitlichung, Zentralisierung und Effizienzsteigerung. Was dabei von den einzelnen Marken übrig bleibt, wird die Zukunft zeigen.

Besonders bemerkenswert ist das Schicksal von Marc Rasmus. Er zählt zu den prägenden Fernsehmachern der vergangenen Jahrzehnte. Der frühere Kabel-eins-Chef kehrte vor rund zwei Jahren als Sat.1-Chef zurück und war an Formaten wie „Big Brother“, „Frauentausch“ und „The Biggest Loser“ beteiligt. Nun verschwindet die Position, die er innehatte. Auch Hannes Hiller, der erst im November 2023 ProSieben-Chef wurde, erlebt das Ende des Modells der eigenständigen Senderchefs nach nicht einmal drei Jahren.

Parallel dazu läuft ein umfangreiches Sparprogramm. ProSiebenSat.1 streicht rund 430 Vollzeitstellen. Der Konzern begründet dies mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, der Notwendigkeit höherer Wettbewerbsfähigkeit und dem tiefgreifenden Strukturwandel der Medienbranche. Der Stellenabbau soll über ein Freiwilligenprogramm sozialverträglich erfolgen.

Die Zahlen zeigen die Größenordnung des Umbaus. Bereits 2023 wurden rund 400 Vollzeitstellen gestrichen. Für 2025 kündigte das Unternehmen Kostensenkungen von rund 80 Millionen Euro an. Ab 2026 sollen die jährlichen Einsparungen mehr als 100 Millionen Euro betragen. Die geringeren Personal- und Sachkosten sollen zunächst einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr bringen, später einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Damit wird deutlich, worum es im Kern geht: ProSiebenSat.1 befindet sich nicht in einer Phase der Expansion, sondern der Konsolidierung. Weniger Zeitgeist, mehr Unterhaltung ohne woken Zeigefinger. Die neue Führung setzt auf zentrale Steuerung, geringere Kosten und schlankere Strukturen. Die Abschaffung der Senderchefs ist deshalb ein Symbol für den Umbau eines Konzerns, dessen traditionelle Senderarchitektur zunehmend einer zentralisierten Medienorganisation weicht.

Unklar ist auch, ob moralisch hoch aufgeladene Formate von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf im Sender eine Zukunft haben werden. Die beiden prägen seit Jahren das Gesicht von ProSieben. Mit Formaten wie „Joko & Klaas gegen ProSieben“ und diversen gesellschaftskritischen Aktionen in ihrer Sendezeit setzten sie regelmäßig neue Maßstäbe im deutschen Fernsehen. In ihren berühmt-berüchtigten „15 Minuten live“ griffen sie immer wieder Zeitgeist-Themen auf, die sie für brisant hielten. Also Frauenrechte, Seenotrettung und – das darf bei Menschen mit korrekter Haltung natürlich nie fehlen – der Kampf gegen Rechtsextremismus. Mit Kampagnen wie #wirsindmehr und emotionalen Ansprachen positionieren sich die Moderatoren immer wieder lautstark gegen Rassismus und Krieg.

Wie schon bei anderen Medien scheinen hochmoralische Zeigefingeraktionen aber die Nachfrage nach einem Medienprodukt nicht zu erhöhen.

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Kommentare ( 17 )

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Simplex
28 Tage her

Vielleicht entsteht dort genau der Sender, der gegen den woken Sendebrei des Volkserziehungs-ÖRR ein Gegengewicht setzt und dabei besser als Fox News ist. Das wäre mal ein Fortschritt, um nicht im DDR-Wokistan zu verkommen.

Juergen Kempf
28 Tage her

ProSiebenSat.1 streicht rund 430 Vollzeitstellen.
Mein Lächeln wird immer größer.
Unklar ist auch, ob moralisch hoch aufgeladene Formate von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf im Sender eine Zukunft haben werden.
Das wird ja immer besser,bitte absetzen,braucht niemand.

Sonny
27 Tage her
Antworten an  Juergen Kempf

Ja. Da bin ich ganz bei Ihnen.
Niemand braucht hier noch Ober-Moralapostel. Die hängen den meisten von uns zum Hals raus.
Und tschüß.

Haba Orwell
28 Tage her

Auf Sat1 in der Prime Time den ganzen Abend – „Spiegel TV“. Fragen Sie Röper, ob „Spiegel“ nicht Wokeness pur ist.

Schauen wir mal – man muss nicht lange suchen: >>>Wenn der Spiegel über Kriegstote in der Ukraine berichtet – Anti-Spiegel<<< Eine Zwischenüberschrift dort:

> „Kein Spiegel-Artikel ohne Desinformation!“

Last edited 28 Tage her by Haba Orwell
Michaelis
28 Tage her

Mit einer italienischen Spitze kann die bunzeldeutsche Medienlandschaft nur besser werden! Vorausgesetzt, dass der politische Propaganda-Dreck nicht NUR durch billige Unterhaltung und nervige Werbung ersetzt wird.

Last edited 28 Tage her by Michaelis
Koepenicker
28 Tage her

Die Italisierung der privaten deutschen Sender hat damit wohl begonnen. Dann gibt’s anstelle von „Joko & Klaas“ ,einfach andere Volksverblödung mit barbusigen „Damen“. Ob das hier genauso funktioniert wie in Italien?

Last edited 28 Tage her by Koepenicker
Simplex
28 Tage her
Antworten an  Koepenicker

Keine Bange, Reschke-Fernsehen bleibt uns ebenso erhalten wie „Böhmi und Boesetti“, Welke und „Die Anstalt“….und das ist auch gut so. Denn ohne dialektische Spannung und auch Streit wirds langweilig.

Autour
28 Tage her

Na ob sich die Italiener damit einen Gefallen getan haben… Fernsehen ist tot... und jedes Jahr sterben weitere „Fernseher“ zwangsläufig weg…
Ich sehe nicht wie sich Sender hier halten wollen… Klar kann man billigste Produktionen in einer Endlosschleife senden und klar wird es immer irgendwelche Hoffenden Werbepartner geben die selbst in solchem Programm ihre Produkte beworben sehen wollen … aber wäre dann nicht „Teleshopping“ einfacher?

Wilhelm Roepke
28 Tage her

Gott sei Dank: ein Haltungsmedium weniger. Die Berlusconis können rechnen und sind konservativ, aber nicht rechtsextrem. Das ist genau das, was diesen woken Helden im linearen Fernsehen durchgängig fehlt, am schlimmsten natürlich noch im ÖRR. Aber es ist schon mal gut, wenn bei diesen reichweitenstarken Sendern die Ideologie durch die Gewinnmaximierung ersetzt wird und gesendet wird, was gerne gesehen wird.

Ein Mensch
28 Tage her

Ist schon blöd wenn man nur WokoHaram sendet, aber die Zielgruppe das nicht sehen will. Tut mir nicht leid um die wegfallenden Arbeitsplätze, selber Schuld.

Antaam
29 Tage her

Am Programm wird doch schon jetzt massiv gespart. Immer wenn ich durchzappe nach sehenswerten Sendungen stoße ich immer mehr massiv auf solch Unterschichtenprogramme, wie eben Big Brother und Co. und weiter solch ein Müll. Wirklich Programm haben die nicht, nur Brot und Spiele und billiges Zeugs, wo Z-Promis und andere Leutchen vorgeführt werden, die unbedingt mal ins Fernsehen kommen wollen. Da steht aber die SAT1-Gruppe nicht allein. Alle Programme, ob nun ÖR oder Privat, sind nur noch unterirdisch. Ob nun in der SAT1-Gruppe die Wokeness aufhört? Wir werden sehen. Ich glaube nicht, dass es dort neben täglichen Wiederholungen in dieser… Mehr

Sanijo
29 Tage her

Mit Kampagnen wie #wirsindmehr und emotionalen Ansprachen positionieren sich die Moderatoren immer wieder lautstark gegen Rassismus und Krieg.

Ihr wart noch nie mehr, ihr wart und seid nur gut Bezahlte Minderheiten, eine Handvoll Lügner!