Nach der Zerstörung von Kohle- und Kernkraftwerken garantiert der Staat steigende Strompreise

Mit überraschen Ehrlichkeit kommentiert ein Grüner die Energiestrategie: „Klar ist nur: Der Strompreis steigt.“ Neue Gaskraftwerke, EU-Segen, Milliarden-Subventionen – die Kosten sind unklar. Versorgungssicherheitsillusion per Planwirtschaft, bezahlt am Ende, wie immer, per Umlage vom Verbraucher.

picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Mit bemerkenswerten Ehrlichkeit bringt der Grünen-Politiker Michael Kellner die neue Kraftwerksstrategie der Bundesregierung präzise auf den Punkt: „Klar ist nur, der Strompreis steigt.“ Ehrlich und geradeheraus, so wie man Grüne eben kennt. Wirtschaftsministerin Reiche hat eine Einigung mit der demokratisch zweifelhaft legitimierten EU-Führung verkündet. Deren Zustimmung ist notwendig, da das Konzept der Bundesregierung hohe Subventionen erfordern wird. Alles in der Ankündigung bleibt nebulös, unklar, oder ist angeblich noch in Arbeit. Wenn es nicht gleich ganz in eine mythische, noch näher zu definierende Zukunft verschoben wird. Aber, auch wenn man sonst nichts weiß, sicher ist, dass Stromkunden alles bezahlen werden müssen.

Nach angeblich zähen Verhandlungen mit der EU-Kommission verkündet Reiche jetzt den „entscheidenden Schritt für die Versorgungssicherheit“. Gemeint ist der Bau neuer Gaskraftwerke mit einer Leistung von zusammen zwölf Gigawatt. Da die Gaskraftwerke nur laufen sollen, wenn Sonne und Wind nicht genügend Strom liefern, ist ein wirtschaftlicher Betrieb natürlich unmöglich. Deshalb wird nur gebaut werden, wenn der Betrieb vom Staat mit Steuergeld auf lange Zeit abgesichert ist. Das heißt nicht nur Wind- und Sonnenenergie wird hoch subventioniert werden, sondern auch die Aushilfsgaskraftwerke. Ein neuer Meisterstreich der öko-sozialistischen Planwirtschaftler. Bezahlen müssen die, die schon jetzt alles bezahlen. Und zwar per Umlage auf den Strompreis.

Wie hoch diese Umlage ausfallen wird? Wieder der Preis einer Kugel Eis? Das will niemand der Verantwortlichen genau wissen.

Kapazitätsmarkt: Die neue Planwirtschaft

Dass das Ministerium nicht einmal eine grobe Kostenschätzung vorlegen kann, ist kein Betriebsunfall, sondern systembedingt. Denn was hier entsteht, ist kein marktwirtschaftliches Instrument, sondern ein klassischer Kapazitätsmarkt. Kraftwerke werden nicht mehr dafür bezahlt, Strom zu liefern, sondern dafür, bereit zu stehen. Ob sie laufen oder nicht, ist zweitrangig. Entscheidend ist allein, dass sie einspringen können.

Das ist notwendig, sagt die Politik, da man ja, um die Welt zu retten, funktionierende Kraftwerke abschaltet. Braunkohle raus, Kernkraft raus, Gas rein. Das geht aber natürlich nur mit staatlicher Garantie auf Kosten der Steuerzahler. Denn wirtschaftlich rechnen sich diese Anlagen nicht. Sie sollen nur wenige Tage im Jahr laufen, nämlich dann, wenn Wind und Sonne ausfallen. Die sogenannte Dunkelflaute, die in der Energiewende lange als theoretisches Problem böser Verschwörungstheoretiker behandelt wurde, ist inzwischen selbst von Erergiewendern als reales Bedrohung erkannt worden.

Subventionierte Reservekraftwerke sollen das von der Politik mutwillig geschaffene Problem nun lösen. Bezahlt über eine Umlage auf den Strompreis. Elegant für den Finanzminister. Fatal für Verbraucher und Industrie. Woher das Gas für die neuen Reservekraftwerke kommen soll, ist vermutlich ebensowenig klar.

Aber der Preis wird steigen. Das ist sicher.

Ab 2027 soll die Umlage gesetzlich verankert werden und ab 2031 dann kassiert werden. Wie hoch? „Kann noch nicht abgeschätzt werden“, heißt es offiziell. Inoffiziell weiß jeder, der rechnen kann, dass das nicht billig werden wird. Milliardeninvestitionen, garantierte Vergütungen, jahrzehntelange Laufzeiten, all das landet am Ende, zusammen mit den ganzen jetzt schon erhobenen Extrasteuern und Abgaben, auf der Stromrechnung.

Damit setzt die deutsche Energiepolitik ihren jahrzehntelangen Irrweg fort. Ideologisch motivierte politische Entscheidungen, flankiert von zweifelhaften moralischen Erzählungen. Versorgungssicherheit gilt als reaktionär, Kosten sind zweitrangig und physikalische Fakten gelten grün-woken Weltenrettern von CDU/ CSU, SPD, Grünen als nachrangig und deshalb verzichtbar.

Dass selbst ein grüner Kritiker wie Kellner sagt, der Strompreis werde steigen, ist ein Tabubruch. Denn bislang galt, das teurer Strom entweder die Schuld Putins, Trumps, der Märkte oder eines vorübergehenden, nicht näher zu beschreibenden Phänomens sei. Jetzt wird die Preissteigerung staatlich organisiert werden.

Technologieoffen? Nur auf dem Papier

Zwar betont das Ministerium, der Kapazitätsmarkt sei „technologieoffen“. Theoretisch könnten auch Speicher, Biomasse oder andere Lösungen in Frage kommen. Praktisch aber sind für die ersten zehn Gigawatt die Spielregeln so gestrickt, dass Gaskraftwerke klar bevorzugt werden. Kohle ist ausgeschlossen, Kernenergie tabu, Importe aus französischen Kernkraftwerken zwar unverzichtbar, aber eben politisch unerwünscht.

Das Ergebnis ist ein künstlich verengter Markt, der nur mit massiven Subventionen funktioniert. Von Wettbewerb kann keine Rede mehr sein, von Innovation noch weniger. Wer investiert, tut das nicht wegen guter Ideen und konkurrenzfähiger technischer Lösungen, sondern ausschließlich wegen staatlicher Garantien.

Industrie und Verbraucher zahlen doppelt

Besonders bitter ist das für die Industrie. Sie leidet bereits unter hohen Strompreisen, Netzentgelten, Abgaben und Steuern. Nun kommt eine weitere Umlage für ein System hinzu, das nur deshalb nötig ist, weil man funktionierende Strukturen vorsätzlich zerstört hat.

Die Politik spricht von Versorgungssicherheit. Ob man diese Sicherheit durch steigende Preise, wachsende Abhängigkeiten und immer neue staatliche Eingriffe erreichen wird ist allerdings mehr als fraglich. Mechanismen, Ausschreibungen, Umlagen und Brüsseler Genehmigungen ersetzen keinen funktionierenden Markt.

Das eigentliche Versagen

Nicht der Bau von Gaskraftwerken ist das Problem. Das Problem ist, dass sie nur noch als Notnagel dienen, statt Teil eines regulären und funktionierenden marktwirtschaftlichen Energiesystems zu sein. Kosten werden bewusst in die Zukunft verschoben und verschleiert. Es ist eine Energiepolitik, die erst Problem schafft und diese dann teuer auf Kosten Dritter absichern will.

Wann die neuen Gaskraftwerke tatsächlich Strom erzeugen werden, steht allerdings, wie so vieles, dass zentral geplant wird, noch nicht fest. Gasturbinen, ein elementares Bauteil eines Gaskraftwerkes, haben momentan Lieferzeiten von bis zu zehn Jahren.

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Kommentare ( 54 )

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Cubus
13 Tage her

Du kannst sie wegsperren, abspritzen, ihnen das Wort verbieten, sie wie Vieh behandeln, dennoch will ihre Sklavenseele gehorchen, schweigsam, duldsam, apathisch. Das ist des Deutschen Kern.

karlotto
13 Tage her
Antworten an  Cubus

Die Deutschen sind eins der revolutionästen Völker , nur das haben sie uns aberzogen.
Fremdgesteuerte NGO und Ihre Kollaborateure haben hier die Macht.
Das Volk als Souverän , gibt es nicht.
Wir leben im Absolutismus , eine Handvoll Oligarchen bestimmen alles.

bernstedter
12 Tage her
Antworten an  Cubus

Meine Fresse immer dieser liberale dämliche Gelaber, Deutschland war der Nabel der Welt mit gehorchen, duldsam, schweigsam sein!
Dieser von dir genannte deutsche Kern, daran HAT DIE WELT GENESEN!

Vergleich die fremdgesteuerte BRD nicht mit Deutschland!

Don Didi
9 Tage her

Ja, aber auch „Der Gedanke geht der Tat voraus wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bei diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft tot niederfallen, und die Löwen in den fernsten Wüsten Afrikas werden sich in ihre königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution… Mehr

bernstedter
12 Tage her

Die CDU ist DER FEIND Deutschlands schlechthin

Dellson
12 Tage her

Mit ihren Steuern zahlen die Steuerzahler eigentlich zuerst für den Unterhalt ihres eigenen Staates. So die Theorie. In einer demokratisch gewachsenen ausgeglichen Ausgewogenheit zwischen den Bürgern und ihren politischen Repräsentanten! Und die Realität dazu? Beim Klimawandel zahlen Europäer für die „Rettung“ der Welt, während sich alle anderen Kontinente einen schlanken Fuß machen. Wobei dabei D mit seiner Regierung den Klassenprimus spielt, als Streber mit Hornbrille in der ersten Bank, unbeliebt und absolut unbelehrbar. Bei einer gerne betonten Wind und Solar Quote von 50% Anteil an der Energieerzeugung, wie viel billiger ist der Strom den geworden? Solange der Bürger das gescheiterte… Mehr

Innere Unruhe
12 Tage her

Ein Herr Trittin hat versprochen, dass die Energiewende nicht mehr als eine Kugel Eis kosten würde.
Damals hat das Eis ca 75 Cent für eine Kugel gekostet.
Wäre es OK, alles darüber an den Herrn Trittin zur Zahlung weiterzureichen?

Don Didi
9 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

Tja, das ist das Problem des Kommunismus, der erst dann zufrieden ist, wenn alle gleich verarmt sind (außer die führenden Kommunisten selbst natürlich).

Peterson82
12 Tage her

die KI-Rechenzentren sind nicht standort-gebunden und werden sich immer den Platz mit der günstigsten Energie suchen. Da WAR Deutschland auch schon vor 10-15 Jahren nicht konkurrenzfähig.
Würde Europa solche RZ bauen wollen würden sie vermutlich in Skandinavien mit billigster Wasserkraft und kaltem Klima stehen wo auch die Kühlung insgesamt einfacher ist oder vielleicht in Island.
Selbst das angeblich so gut aufgestellte Frankreich mit seinen AKW hätte nicht genug Energie um damit im Winter Strom, Heizung UND Ki-RZ zu betreiben.

Ben Clirsek
12 Tage her

Wenn die Erneuerbaren soooooo billig sind, warum werden sie durch das EEG und vor allem durch den Einspeisevorrang auch nach 25 Jahren noch subventioniert und bevorzugt?

Peterson82
12 Tage her
Antworten an  Ben Clirsek

wenn konventionelle Kraftwerke so günstig sind, warum gibt es dann seit Jahrzehnten den Industriestrompreis? Und warum wird Diesel weiterhin steuerlich subventioniert?

Contra Merkl
12 Tage her
Antworten an  Peterson82

Diesel ist nicht steuerlich subventioniert, der ist nur nicht so hoch besteuert wie Benzin.

AlexR
12 Tage her

Ganz vorne und nahezu als erstes wurde durch den Maoisten, dem Mitglied des KBW und grünem Minnischdrbräsidend Kretschmann aus reiner Ideologie illegal und vorsätzlich Volksvermögen durch Sprengung der Kühltürme des KKW Philippsburg vernichtet. Wer hat ihn dazu legitimiert? Er selbst wahrscheinlich.

Der Ingenieur
13 Tage her

„Kraftwerke werden nicht mehr dafür bezahlt, Strom zu liefern, sondern dafür, bereit zu stehen.“

Das ist doch aber nichts Neues:

Windkraftanlagen sind auch nur Kraftwerke. Sie werden werden jetzt schon dafür bezahlt, dass sie bereit stehen, falls mal der Wind ausreichend weht.

Denn wenn der Wind nicht weht, bekommen die Betreiber den Ausfall aus der EEG-Umlage bezahlt.

Für dieses Jahr sind mehr als 13 Milliarden Euro aus Steuern dafür eingeplant.

Last edited 13 Tage her by Der Ingenieur
Peterson82
12 Tage her
Antworten an  Der Ingenieur

und das unterscheidet sich jetzt genau wie von den Gas-Kraftwerksbetreibern die für ihre „Hot-Standby“ Kraftwerke ebenfalls Geld bekommen obwohl die Kraftwerke nicht laufen?

bernstedter
12 Tage her
Antworten an  Peterson82

das unterscheidet sich nicht und beide Problemfälle sind den Altparteien und ihr nicht durchdachtes EEG zuzuschreiben

Hartwig Sendner
13 Tage her

Alle dummen, und für unser Land schlechten Dinge beruhen auf nur einer einzigen Behauptung: CO2 ist ein Treibhausgas. Beim Verbrennen von Kohle, Öl, Gas kommt dieses in die Atmosphäre und der Planet erwärmt sich deswegen viel zu stark. Man glaubt das. Zumindest die führenden Politiker. Was passiert eigentlich wenn diese Theorie falsch ist. Wenn unser Planet sich einfach so erwärmt, ohne unser Zutun? Man sollte schon 110% sicher sein, dass die Treibhausgas-Theorie wirklich stimmt. Kann eigentlich einer der „Wissenschaftler“ oder Politiker wirklich garantieren dass das stimmt? Wenn sich später herausstellt; „Das war eben eine Fehlannahme“. Was tun wir dann? Wer… Mehr

Fralarovi
12 Tage her
Antworten an  Hartwig Sendner

Die CO2-Theorie, die der Klimapolitik zugrunde liegt, ist falsch. Sie ist ein gigantiasches Geschäftsmodell, das Billionen umverteilt. Das sollte allen bekannt sein, die lesen können und wollen und nicht an dem Billionen-Deal mitverdienen. Sie würden dann definitiv bei den Wahlen anders abstimmen. Ein klitzekleiner Ausschnitt der Fakten: Neue wissenschaftliche Bestätigung: menschengemachtes CO2 unbedeutend für Klimawandel „Die irre Klimapolitik führt Deutschland ins Unglück“ – EIKE-Chef rechnet mit „Energiewende“ ab – Deutschland-Kurier Tausende Wissenschaftler schließen sich zusammen zur Beendigung der KLIMANOTSTANDS-Hysterie | EIKE – Europäisches Institut für Klima & Energie Temperaturzunahme seit 2000 durch mehr Sonne wegen weniger Wolken aber nicht durch… Mehr

Hartwig Sendner
12 Tage her
Antworten an  Fralarovi

In meinem Buch „Bekenntnis eines Klimaleugners“ beschreibe ich meinen Werdegang vom Wissenschaftsgläubigen über einen Wissenschaftsskeptiker hin zum „Verachters der heutigen „Wissenschaftler“, die immer noch diese Lüge unterstützen. Haben diese Menschen mal begriffen dass sie in unserem Land ohne eigene Kosten zu den besten Schulen gehen konnten, ohne Kosten studieren konnten und damit einen optimalen Start ins Leben geniesen konnten. Das alles haben andere ihnen mit ihren Steuern möglich gemacht. Sollten sie sich nicht schämen heute diese Menschen zu belügen nur um des eigenen Vorteils willen. Wenn man (wie in meinem Buch geschehen) die IPCC-Reports liest, dann jeder wissenschaftliche ausgebildete Mensch… Mehr

Don Didi
9 Tage her
Antworten an  Hartwig Sendner

Ja, nur daß es sich dabei weder um Wissenschafler, noch um Wissenschaft handelt. Diese wären völlig in Ordnung. Wissenschaftler stellen eine These auf, machen Versuche, suchen und finden (im optimalen Fall) Beweise, belegen die Reproduzierbarkeit und lassen das Ergebnis von anderen Wissenschaftlern prüfen. Gibt es ein einziges Gegenbeispiel, ist die These hinfällig und es geht von vorne los.
Unter diesen (eigentlich selbstverständlichen) Bedingungen ist Wissenschaft absolut zuverlässig.
Dein Problem sind nicht die echten Wissenschaftler oder die Wissenschaft, sondern die Lüge, die dem Menschen als Wissenschaft verkauft wird von Menschen, die sich Wissenschaftler nennen, aber keine sind.

Johny
13 Tage her

Zuletzt muss noch die Bevölkerung subventioniert werden, weil sie so viele Subventionen zu tragen hat.