Verzögerungen am Flughafen München aufgrund der Wetterbedingungen führten zu einer skandalösen Behandlung von 500 Passagieren. Der Fall wirft grundlegende Fragen zum Krisenmanagement von Lufthansa und des Airports auf.
picture alliance/dpa | Boris Roessler
Reisende auf mehreren internationalen und innereuropäischen Flügen mussten stundenlang in bereits startbereiten Maschinen ausharren – ohne Möglichkeit, in das Airport-Gebäude zurückzukehren. Erst am frühen Morgen konnten sie die Flugzeuge verlassen.
Betroffen waren Verbindungen von München nach Singapur, Kopenhagen, Danzig, Graz und Venedig. Nach Angaben der Airline waren die Flüge ursprünglich für Donnerstagabend geplant. Aufgrund starker Schneefälle kam es jedoch im Tagesverlauf zu zahlreichen Verspätungen und 100 Flugstreichungen. Obwohl einige Maschinen bereits abgefertigt waren und Sondergenehmigungen für Starts nach dem regulären Nachtflugverbot erhalten hatten, wurden die Starts letztlich kurzfristig untersagt. Die Wetterlage ließ offenbar keinen sicheren Betrieb mehr zu.
Kritik setzt es jedoch weniger an der wetterbedingten Entscheidung selbst, sondern am dann folgenden Umgang mit den Passagieren: Zu diesem Zeitpunkt saßen die Reisenden bereits angeschnallt in den Flugzeugen auf dem Vorfeld. Eine Rückkehr zum Terminal scheiterte laut Flughafen an fehlenden Parkpositionen und nicht verfügbaren Bussen. Die Folge: Hunderte Menschen – darunter Familien mit Kindern und ältere Reisende – verbrachten die gesamte Nacht in den Maschinen.
Lufthansa verwies auf die Zuständigkeit des Flughafens für die Bereitstellung der Busse. Man bedaure die „Unannehmlichkeiten“, erklärte ein Sprecher. Warum jedoch Passagiere überhaupt an Bord gelassen wurden, obwohl sich die Wetterlage bereits den ganzen Tag zugespitzt hatte, blieb unbeantwortet. Airlines hätten bei absehbaren Verzögerungen die Möglichkeit, das Boarding auszusetzen oder zu verschieben, um genau solche Situationen zu vermeiden.
Auch die Koordination zwischen Airline und Flughafen gerät in den Fokus: In einem hochmodernen internationalen Drehkreuz sollte es nach Ansicht von Luftfahrtexperten Notfallpläne für genau solche Szenarien geben – etwa alternative Abstellpositionen oder flexible Transportkapazitäten. Dass weder zusätzliche Busse organisiert noch andere Lösungen gefunden wurden, deutet auf strukturelle Schwächen im Krisenmanagement hin.
Fluggastrechte massiv verletzt?
Hinzu kommt die Frage nach der Fürsorgepflicht gegenüber den Fluggästen: Nach europäischen Fluggastrechten haben Passagiere bei Annullierungen Anspruch auf eine korrekte Betreuung, darunter Verpflegung und gegebenenfalls Hotelunterbringung. Ob und in welchem Umfang diese Ansprüche erfüllt wurden, ist bislang nicht transparent kommuniziert worden.
Der Flughafen war für weitergehende Stellungnahmen zunächst nicht erreichbar. Die knappe Mitteilung, man bedauere die entstandenen Unannehmlichkeiten, dürfte viele Betroffene kaum zufriedenstellen.


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Und die 500 Passagiere lassen sich so etwas einfach bieten? Sitzen brav im Flugzeug und warten, bis die Nacht vorüber ist? Wie Lämmer, die Angst vor dem bösen Wolf haben!
Für alle Betroffenen wird dies ein einmaliges Erlebnis sein, an das sie sich ihr Leben lang erinnern werden. – Take it easy
Darf ich in so einem Fall, also in einer Notwehrsituation, die Flugzeugtür öffnen, die Maschine über die Notrutsche verlassen und zum Terminal laufen, oder mache ich mich dann strafbar?
Ich würde es nicht probieren! Vielleicht startet gerade eine Maschine mit einer VIP (Merz, König Charles, …). Die hält nicht an, weil Sie da gerade Richtung Terminal laufen.
Woher komnt diese Unterwürfigkeit?
Polizeinotruf, Feuerwehr, Rettung und für nicht Deutsche deren Consulat sind Anlaufstellen für diese Freiheitsberaubung.
Wenn das aber niemand als solche empfunden hat, ist ja alles OK.
Wer seine Freilassung in jener Nacht nicht explizit verlangt hat, wird nachher auch vor Gericht wenig erreichen können.
Warum werden die Fluggäste exkulpiert? Mindestens 80, eher 90 Prozent von ihnen sind Wähler der CSU, Grünen. SPD, Linke. Es ist deren Gesellschaft, die sie stets goutieren. Brav und demütig haben die Fluggäste das mit sich machen lassen. Warum hat keiner einfach die Tür geöffnet, die Notrutsche aktiviert und dann raus aufs Flugfeld und zu Fuß zum Gebäude? Sie haben es mit sich machen lassen. Es standen nicht vier palästinenische Terroristen mit Pistolen und Handgranaten vor ihnen, wie weiland in Mogadischu, sondern nur zwei Stewardessen. Warum fanden sich nicht zwei Männer, die die Damen mit etwas nötigem Nachdruck zur Evakuierung… Mehr
Hätten die Verantwortlichen das auch mit einer Fracht Fußballfans von Man United auf dem Weg zu einem Fußballspiel gegen wen auch immer gemacht? Ich frage für einen britischen Freund.
Tuit mir Leid, aber die Menschen werden immer mehr zu Flachpfeiffen. Das hätte einer miot mir probieren sollen.
Es ist doch unfassbar ! Es hat also keinen „ Pusher „ gegeben der das Flugzeug an den Hacken nimmt und zurück schleppt . Am Flugzeug selbst durften die Piloten wohl unter Androhung von Haftstrafe nicht die Triebwerke starten um die „ Karre „ zum Gate zurück zu bringen . Es ist nur ein sehr spezieller Zwischenfall ,allerdings gibt er einen sehr ,sehr tiefen Einblick in das derzeitige System in diesem Land . Corona — die Leute im Lockdown down eingesperrt – Gegenwehr ziemlich selten Nord Stream – gesprengt , die Verursacher haben es angekündigt ,der Kanzler Scholz feixte — Gegenwehr praktisch keine… Mehr
Ist das keine Freiheitsberaubung?
Das ist eine Schande für einen „Weltflughafen“ wie München. Aber so ist das „neue“ Deutschland. Nichts, gar nichts klappt mehr.
Was wäre z.B. geschehen, wenn ein Passagier plötzlich einen Herzinfarkt erlitten hätte?
Wahrscheinlich hätten alle zusehen müssen, wie dieser Mensch stirbt, weil der Flughafen einfach geschlossen wurde.
Sie haben Recht, Frankfurt war viel besser, dort wurde nur ein Flugzeug in der Nacht ohne Essen und Heizung auf dem Feld zurückgelassen, weil der Flughafen die Busfahrer bereits nach Hause geschickt hatte.