Malkurs: Meine Vagina gehört mir (und dem Kirchentag)

EKD-Chef Bedford-Strohm möchte keine AfD-Politiker dabei haben, wenn auf dem Kirchentag weibliche Geschlechtsteile gemalt werden.

imago images / Cord

Sie müssen jetzt tapfer sein: EKD-Chef Bedford-Strohm möchte keine AfD-Politiker dabei haben, wenn auf dem Kirchentag weibliche Geschlechtsteile gemalt werden. So zumindest muss man es lesen, wenn es der Bischof von Berlin-Brandenburg unterstützt, das AfD-Politiker auf keine der über 2.000 Kirchentagsveranstaltungen eingeladen werden sollen.

Vaginen? Vulven? Tatsächlich ging die Meldung dieser Tage viral, dass der Kirchentag u.a. einen Workshop anbot, wo weibliche Geschlechtsteile gemalt werden sollen. Am lebenden Objekt oder aus dem Gedächtnis? Naturalistisch oder abstrakt? Mit dem Pinsel oder mit Fingerfarben?

Auch wäre die Frage interessant, ob der ebenfalls angebotene Workshop mit dem Titel „Frauen: Schöner kommen“ nur AfD-Bundestagsabgeordneten weiblichen Geschlechts vorenthalten werden soll, weil Männer hier sowieso nicht zugelassen sind? Und wie sieht es mit dem dritten Geschlecht aus? Oder mit Personen, die zwar einen männliches Geschlechtsteil das ihre nennen dürfen, die aber eigentlich immer schon eine Frau sein wollten – dürfen die auf dem Kirchentag auch Vaginen malen oder doch nicht? Gibt es überhaupt Transgenderpersonen in der AfD-Bundestagsfraktion?

Die Erklärungsversuche des Kirchentages sind dürftig, wenn es zunächst heißt, der Workshop sei ja nur „eine von mehr als 2.000 Veranstaltungen“. Präziser ist das Vulva malen wohl Teil eines Veranstaltungsblocks mit dem Namen ‚Zentrum Geschlechterwelten‘, welcher von einer jungen, angehenden Theologin geführt würde. Ziel sei es dort, „sich kreativ mit der eigenen Körperlichkeit auseinanderzusetzen“ und in „ungezwungener Atmosphäre in Austausch über das weibliche, äußere Genital, die Vulva, zu treten“. Erstaunlich, dass ausgerechnet der Kirchentag der richtige Rahmen sein soll, um ungezwungen zu werden.

Nun sind diese Sitzkreisrunden mit Handspiegel keine neue Erfindung. Parallel gab es im ausgehenden vergangenen Jahrhundert auch etwas Epidemisches für Männer, das sich gemeinsames Hodenbaden nannte und wohl eine neue Verhütungsmethode sein sollte, die allerdings öfter darin mündete, es wegen einer unangenehmen Überhitzung – oder auch Unterkühlung? – gleich ganz sein zu lassen mit dem Sex.

Nun sind Verhütungsmethoden aller Art sicherlich auf Kirchentagen keine schlechte Idee, wo früher nur Enthaltsamkeit und Sünde gepredigt wurde. Ganz Afrika könnte geholfen werden, wenn fleißig Hoden gebadet würden anstelle von möglicherweise anregenden Vagina-Malkursen.

Laut Kirchentag wurden letztere „den negativen Folgen jahrhundertelanger Tabuisierung weiblicher Geschlechtlichkeit entgegengewirken“. Nun ist diese jahrhundertelange Tabuisierung sicher auch hausgemacht. Aber aus schlechtem Gewissen über nachts in Bettlaken eingenähte Jugendliche deshalb heute Vulva-Malkurse anzubieten, ist das nicht doch übertrieben?

Für den Kirchentag, so berichtet Welt.de, stehe dieser Malkurs „im
direktem Zusammenhang mit der lebensbejahenden Botschaft des Schöpfungsberichtes im Buch Genesis …“ Da wollen wir also einmal hineinschauen, wo die Anregung für dieses neumoderne Malen von bunten Vaginas herkommen könnte: „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie [euch] untertan; (…)“ Bibel, Kapitel 1, 1,29

Erstaunlicherweise schert es die Kirche wenig, wenn einer anderen Buchreligion zuliebe selbst noch eine von üppigem Haarwuchs geschütze Vulva besser abgehängt wird, um die Gläubigen des Mitbewerbers nicht allzu sehr zu erschüttern, wenn sie zum ersten Mal im öffentlichen Raum auf den Busch schauen.

Zurück zum Kirchentag: Wer glaubt, die Menschheit vermehre sich zünftig durch das Malen von weiblichen Geschlechtsteilen, der ist sehr optimistisch, was den Auftrag des Herrn nach der Genesis betrifft. Vielleicht doch lieber in der im August erscheinende Vulva-Bibel blättern, um zu schauen, was wirklich Sache ist da unten bei der Frau?

Übrigens: Für die selteneren Obsessionen soll es auf dem Kirchentag auch den Workshop geben: „Handyreparatur praktisch“. Sicherlich kann auch das für entsprechend veranlagte Menschen total sexy sein. Und die das dann rechtfertigende Bibelstelle ist auch schnell gefunden:

„Denn wir verfehlen uns alle mannigfaltig. Wer sich aber im Wort nicht verfehlt, der ist ein vollkommener Mensch und kann auch den ganzen Leib im Zaum halten.“ Jakobus 3:2

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Kommentare ( 160 )

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Wer ist der Mann mit den Hängebäckchen auf dem Foto? Leyendecker und Bedford erkenne ich wieder – doch wer ist die junge Dame, die so sehnsüchtig in die Ferne schaut, auf das Morgenland mit der Seele hoffend? Bei diesen Männern doch verständlich, oder? Um dem Notstand ab zu helfen, werde ich grundsätzlich die jungen Männer aus dem Osten, dem Süden an diese jungen Damen verweisen – stets in der Hoffnung, dass auch einmal ein paar junge Araberinnen kommen mögen, für mich, will auch nicht leben wie ein Hund. Was für interessante Zeiten!

Bei dem Foto wurden offenschtlich letzte Korrekturen am Gemälde vorgenommen, bei der jungen Dame könnte es sich um das Modell handeln, die jetzt auf die Expertise wartet.

Jetzt kann ich unsere neuen Mitbürger sehr gut verstehen,
wenn sie dieses Treiben sehen und uns Ungläubige oder Kuffar nennen.

Zum Glück bin ich ausgetreten! In der evangelischen Kirche Deutschlands müsste man kräftig aufräumen. Funktionärspersönlichkeiten wie die jetzigen sind ein Schande für das, was die Kirche wirklich sein sollte: Hort der deutschen und europäischen Kultur – unerbittlich gegenüber dem Islam, der unsere Kultur zerstören will. Stattdessen alberne Kirchentage, die mit Religion und religiöser Kultur nur am Rande was zu tun haben. Wenn Kirche wieder ordnungs- und richtungsweisend sein soll, dann müssen die Linken raus. Die AFD sollte das gelassen nehmen. Historisch betrachtet ist es ein Ehrenabzeichen, von dieser kommunistisch und islamisch unterwanderten Organisation ausgeladen zu werden.

In dem Zusammenhang fällt mir dieser alte Witz ein… darf ich den loswerden?
Setzt sich der Frauenarzt nach Feierabend an den Stammtisch und stöhnt erleichtert:“Endlich mal wieder Gesichter …“

Es läßt einen ja nicht los, daher: ist das Vulvamalen nicht nur die laienhafte Wiederaufnahme der Bildnisse der alte Meister, die „Maria im Rosenkranz“ darstellten, ikonografisch läßt sich da leicht ein beiden Darstellungen zu Grunde liegendes Motiv erkennen.

Einfach nur noch peinlich die Kirche.

Was ist da los? Das ist verstörend. Und außerdem keine wirkliche Herausforderung für die Maler*Innen und Kirchen-Führer. Spannender wäre das Thema Gehirn gewesen. Wie soll man etwas malen, was man nur von Hörensagen kennt.

Das passiert, wenn Neurosen und Ideologie zusammentreffen, wobei mir die Motive der älteren weißen Kirchenfürsten nicht klar sind. Da schlummert vielleicht etwas im Unbewussten und sucht sich phantasievolle theoretische Auswege. Für die MalerInnen dürfte es sich um eine therapeutische Sitzung handeln, besonders für die noch nicht voll emanzipierten ‚Innen, die Probleme mit der Akzeptanz bestimmter Teile ihres Körpers haben. Und die malenden Herren sollen sicher auch ihre Ängste vor dem Unbekannten und „ allzu Fordernden“ abbauen. Gut, dass sich die Kirche ganz im Sinne ihrer Gründer nun eher solchen Fragen zuwendet und die lästige Spiritualität abstreift. Gut, dass wir heute… Mehr

+++ Eilmeldung dpa/ar +++

Wie ein Sprecher des Vatikan soeben offiziell bestätigte, werden mit sofortiger Wirkung alle noch im Verkehr befindlichen Mitra-Modelle zurückgerufen und durch ein Update ersetzt. Die Expertengruppe des Heiligen Stuhls entschied sich einstimmig für folgendes klimaneutrale Nachfolgemodell:

comment image

+++ Eilmeldung +++

Mal abgesehen davon, dass man sich fragt, warum nicht auch männliche Geschlechtsteile gemalt werden sollen/dürfen/müssen und Männer nicht schöner kommen dürfen (das ist eine gewisse Ungleichbehandlung, fast schon gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) und die Bielefelder Soziologin B. Kuchler laut „Welt“ „Frauen Mitschuld für ‚Grapschereien‘ gibt“ („Frauen in enger Kleidung müssten sich über sexuelle Übergriffe nicht wundern“): Ab welchem Zeitpunkt und warum hat sich die Kirche so wahrhaft detailliert um Geschlechter-Fragen bemüht und damit auch (partei-)politisiert? Als Versuch, jungen Leuten Modernität zu beweisen, mag das Ganze ja glücken, manch (nach Jahren und Zugehörigkeit) älteres Kirchenmitglied, auch migrantisches, dürfte aber eher erschrecken. Die Kirchenvertreter/innen… Mehr

Die Aussage dieser sog. Soziologin aus der Uni von „Bielefeld – gibt´s das wirklich, handelt es sich nicht eher um die Unsichtbare Universität von Ankh-Morpork?- passt irgenwie zu den angeblich geäußerten tröstenden Worte des Bedford-S. zum Tode einer jungen Frau aus Amberg, die sich wahrscheinlich wie eine „sexuell Herausfordernde“ kleidete(?), entführt, vegewaltigt, ermordet, verbrannt und verscharrt wurde. Sie war wohl auch nicht mißtrauisch (genug) -wie viele andere auch- und das hat ihr aber wohl ein fragwürdiges Leben im Mißtrauen erspart, und müsste/könnte heute nicht Geschlechtsteile malen auf dem Kirchentag, so iS der „Geistlichkeit“? Hosianna