„Cartooning for Peace“ protestiert gegen „Angriff auf die Meinungsfreiheit“ durch die Süddeutsche Zeitung

"Cartooning for Peace“ kritisiert insbesondere das Vorgehen der SZ-Chefredaktion, die einräumt, dass Hanitzsch keinesfalls ein Antisemit sei - trotzdem reagierte die SZ mit dem Rauswurf des seit 1959 für die SZ arbeitenden Künstlers.

Anlass für den Protest der 2006 vom früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan gegründeten Organisation ist der Rauswurf des SZ-Karikaturisten Dieter Hanitzsch: „Cartooning for Peace hält es für höchst bedauerlich und bedenklich, dass die Süddeutsche Zeitung aufgrund öffentlichen Drucks wegen dieser Karikatur ihren Zeichner entlässt. Ebenso bedauerlich ist es für Cartooning for Peace, dass sich die Zeitung nicht stärker zu ihrer  redaktionellen  Verantwortung bekennt, sondern stattdessen nach Entstehen einer Protestwelle sich von ihrem Zeichner distanziert, um dann eine Überprüfung und gegebenenfalls Änderung der redaktionellen Abläufe bei der Abnahme von Karikaturen anzukündigen. Das läuft auf eine Einschränkung der Meinungsfreiheit hinaus, gegen die sich Cartooning for Peace umso mehr wendet, als derartige Kontrollen ihre Nachahmer finden werden.“

Dieter Hanitzsch nimmt erstmals umfassend zu dem Vorgang öffentlich Stellung. „Dass Karikaturisten verzerren, ist ihr Beruf. Da kann man nicht sagen, es sind Stereotypen und Klischees. Man verzerrt jeweils den Kopf des Politikers, den man karikieren möchte. Und Klischees sind beispielsweise auch der deutsche Michel, Uncle Sam, der gallische Hahn, der russische Bär, die Lederhose, der Trachtenhut mit Gamsbart. Letzteres wird zum Beispiel von US-Cartoonisten als Klischee für die Deutschen verwendet,“ sagt er in einem Interview, das Wolfgang Herles mit Dieter Hanitzsch für das Politik-Magazin „Tichys Einblick“ (Ausgabe 7/2018) führte.

„Eine Karikatur ist an sich nicht politisch korrekt. Sonst ist es keine Karikatur.“ Er habe bereits früher den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in ähnlicher Weise dargestellt.

„Cartooning for Peace“ kritisiert insbesondere das Vorgehen der SZ-Chefredaktion, die einräumt, dass Hanitzsch keinesfalls ein Antisemit sei – trotzdem reagierte die SZ mit dem Rauswurf des seit 1959 für die SZ arbeitenden Künstlers.

„Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, räumt in einer Stellungnahme zu dieser Kündigung ohne Umschweife ein, dass der Zeichner in seinen Augen weder ein Rassist noch ein Antisemit sei. Auch die Zeichnung hält er nicht für antisemitisch, schließt sich aber den zahlreichen Kritiken und Angriffen an, die in ihr eine Reihe von antisemitischen Stereotypen und Klischees erkennen,“analysiert die Organisation in einer mehrsprachig erschienenen Pressemitteilung.

So werde ein Zeichner, den eigentlich niemand als Antisemiten betrachtet, gleichwohl in ehrenrühriger Art und Weise entlassen.

Die Organisation „Cartooning for Peace“, die seit ihrer Entstehung gegen Antisemitismus, Islamophobie und jede Form von Rassismus eintritt, „verurteilt diesen Angriff auf die Meinungsfreiheit und die ungerechtfertigte Entlassung des Zeichners nach jahrzehntelanger Mitarbeit bei der Süddeutschen Zeitung.“

Das vollständige Interview mit Dieter Hanitzsch >> finden Sie hier <<

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Kommentare ( 11 )

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Ein anderer Versuch – mögliches Scheitern immer miteinbegriffen, was aber auch vielleicht an den Beispielen liegt, die mir zur Verfügung stehen. Einige kennen sicher von Kleist „Die Marquise von O“. Es gibt dort eine Vergewaltigung, die aus dem Versuch zu helfen entsteht, es gibt einen Täter und ein Ergebnis des Vorfalls, ein Baby, von dem die Marquise sich nicht erinnern kann, es empfangen zu haben. Kurz, es endet wie im Märchen mit einer großen Familie. Kleist hat manchmal dieses Märchenhafte. Auf der anderen Seite haben wir eine beabsichtigte scharfe Kritik, die keine Sekunde lang die guten Sitten verlässt und dennoch… Mehr
Ich halte das auch für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, halte es aber auch für das derzeitige Klima in Deutschland. Wer „gegrillt wird“ ist nicht im Voraus auszumachen und es trifft manchmal ohne böse Absicht auf beiden Seiten. Das könnte in diesem Fall vorliegen. Weder glaube ich, dass Herr Hanitzsch Antisemitismus verbreiten wollte, noch dass Prof. Wolffsohn die Meinungsfreiheit einschränken möchte. Was könnte geschehen sein? Ich beziehe mich auf Karrikaturen, die Obama verzerrt darstellen sollten und ich fragte mich nicht selten, ob die Zeichnungen nicht doch leicht den Stereotypen ähnelten, mit denen Affen in Karrikaturen dargestellt werden. Das war ein schwacher… Mehr

Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, die Agenda von „Cartooning for Peace“ zu beleuchten. Wie oft, verbirgt sich auch hier nämlich hinter güldenem Namen eine nicht ganz so güldene politische Agenda.

„Cartooning for Peace“ ist tief dem humanitaristischen, antinationalen, antiamerikanischen, antiisraelischen, postkolonialistischen Milieu verbunden. Es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um die Freiheit zur richtigen Meinung. Also zur Meinung des entsprechenden linken juste milieus. Röschen Luxemburg lässt grüßen.

So aber kommt die „Dokumentation“ etwas schief rüber, suggeriert sie doch „Cartooning for Peace“ als unparteiliche Referenz.

Es werden in vielen Firmen Menschen entlassen auf unfaire Art und Weise. Die wenigsten schaffen es in die Medien. Der Cartoonist war nun mal eh schon in den Medien. Aber mal ganz ehrlich, ist es wirklich so schlimm wenn man nach fast 60 Jahren Arbeit aufhört?

Ja, wenn jemand noch arbeiten will. Ich kenne Hantitzschs Arbeiten seit 35 Jahren, fand ihn nie den Lach- Brüller, manches witzig, manches Mau, manches eher schlecht. Ihn durch die Blume auf die Altersdebilitätsschiene zu setzen, ist das Perfideste, was man tun kann.
Eher noch würde ich eine amtsärztliche Debilitätsuntersuchung bei Merkel anordnen lassen.

Das paßt zu Prantl. Die SZ ist – ebenso wie die ZEIT – zu einer BLÖD für Akademiker mutiert, früher mal war das Alleinstellungs-Merkmal des Spiegel. Schade, bis vor ca. 15 Jahren konnte man SZ und ZEIT durchaus mal lesen.

Aber, da ich ab und zu den Sonntags-Stammtisch vom BR sehe, hält sich mein Mitleid für Hanitzsch in Grenzen. Hanitzsch spielt dort die rote Socke.

Ich schaue den Sonntagsstammtisch eher selten.
Hanitzsch ist einer der Gründe.
Auch warum am Sonntagvormittag fernsehen.
Oder generell überhaupt noch den Fernseher einschalten.

Alpen-Prawda trifft es genau. Die SZ ist in missionarisch-glorioser Selbstüberschätzung versunken und die Auflage sinkt mit.

Bin nicht wirklich durchgängig ein Fanboy Hanitzschs und ausgerechnet bzgl. dieser Karikatur vermeide ich aus Höflichkeit Einlassungen. Gab Besseres, Bissigeres, Witzigeres zu anderen Themen von ihm, aber egal. Aber keinesfalls hätte ich eine derartige Reaktion der SZ als angemessen betrachtet jenseits jeglicher Altersehrfurcht. Das Ding fand ich mau, aber nicht erregenswürdig, muß ich damit genauso fertig werden so wie er. Aber wir sind mittlerweile anscheinend schwer im Griff einer gesteuerten Empörungsmafia, die mal so im (in wessen) Fingerschnippen Leute kalt machen können, zumindest mund- oder strichtod. Eigentlich sehen wir es doch alle, die hinsehen: Hanitzsch, Pirincci, Ulfkotte, Tellkamp usw. während… Mehr
Auf diesen Kronzeugen hätte man gerne verzichten können: ++Die Organisation „Cartooning for Peace“, die seit ihrer Entstehung gegen Antisemitismus, ISLAMOPHOBIE und jede Form von Rassismus eintritt …++ „Islamophobia – a word created by fascists, and used by cowards, to manipulate morons.“ Andrew Cummins Ein Totschlagbegriff, eingeführt von den iranischen Mullahs! Sogar die linke TAZ schreibt: „Aber ist dieser Begriff brauchbar, um im Sinne der Vorurteilsforschung ein spezifisches Ressentiment gegen Muslime zu fassen? Schließlich gibt es einen klaren Unterschied zwischen fremdenfeindlich motivierter Hetze und einer – oft menschenrechtlich begründeten – Kritik am Islam und den Muslimen. Wenn man sich die Entstehungsgeschichte… Mehr

Das hätte den Krakelisten ja schon früher auffallen können, am Kommentarbereich der SZ zB..