Der Wolf darf geschossen werden – ein bisschen

Das Parlament ändert aktuell auf Antrag der Bundesregierung das Jagdgesetz. Der Wolf darf bald geschossen werden - zumindest ein bisschen. Am Anfang stand eine grün-rote Schnapsidee, dazwischen das Pony von Ursula von der Leyen.

Unsplah/Milo Weiler

Es gibt gute Gründe, das „Unwort des Jahres“ nicht ernst zu nehmen. Doch die aktuelle Wahl von „Sondervermögen“ bietet wenigstens einen interessanten Aspekt. In den letzten Jahren hießen die Unwörter „Remigration“, „Klimaterroristen“ oder „Corona-Diktatur“. Die Kommission entschied sich also durchgehend für Begriffe, die es Kritikern erlaubte, die Auswüchse grün-linker Politik zusammenzufassen und so auf den Punkt zu bringen. Nun ist es ein Wort, mit dem grün-linke Politiker von Felix Banaszak bis Friedrich Merz versuchen, das Scheitern ihrer Politik zu beschönigen. Ihr Teppich beginnt zu fliegen – weil der Dreck darunter ihn steigen lässt.

Das grüne Deutschland ist kein Ponyhof
Wolf reißt von der Leyens Liebling und steht jetzt zur Diskussion
Wenn es ein Symbol für unsinnige grün-linke Politik gibt – vor allem von Christdemokratinnen in Brüssel betrieben – dann ist es die Ansiedlung des Wolfes in von Menschen und Nutztieren dicht besiedelten Gebieten Europas. Etwa in Deutschland. Entsprechend haben Politiker von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Linken den Wolf besser geschützt, als manchen Passanten auf Parkbänken oder Kinder auf Bahnsteigen. Von Schafen oder Kühen auf der Weide gar nicht zu reden.

Auf Initiative der schwarz-roten Regierung ändert der Bundestag nun das Bundesjagdgesetz. Aktuell befasst sich der Ausschuss für Landwirtschaft mit der Ansiedlung. Die sei ein „Erfolg der Artenschutzpolitik“ heißt es dazu im Antrag der Regierung. 4300 Nutztiere haben Wölfe im Jahr 2024 laut offizieller Statistik in Deutschland gerissen. Damit verursachten sie einen Schaden von alles in allem knapp 25 Millionen Euro.

Das war auch der Regierung Friedrich Merz (CDU) zu viel des Erfolgs. „Die Wolfsübergriffe führen zu erheblichen und potenziell existenzbedrohenden Belastungen für die Weidetierhalter“, heißt es in dem Antrag. Es sei an den Haltern gewesen, ihre toten Tiere zu beseitigen – oder schwerverletzten Tieren den Gnadentod zu gewähren. Das, so gibt die Regierung Merz zu, ist „psychisch sehr belastend“ für die Halter.

Einige Ponys haben mehr Rechte als andere
Das tote Pony von Ursula von der Leyen wird bitter gerächt
Niederlagen geben Grün-Linke – wenn überhaupt – nur in kleinen Dosen zu. Deswegen stuft der Bundestag den Wolf vorerst nur von „besonders geschützt“ auf „geschützt“ herunter. Wenn jetzt ein Tier immer wieder ihre Herden angreift, kommt der Staat den Haltern zu Hilfe – wenn zuvor der entsprechende Krieg gegen die Bürokratie gewonnen ist. Der Schutz des Staates gilt dann an der Stelle nicht mehr ausschließlich einem grün-linken Lieblingsprojekt – sondern ein bisschen auch den Bürgern. Der Teppich fliegt.

Woher diese Generosität? In einem Märchen wäre es ein böser König, der sich totalitär über die Interessen seiner Bürger hinwegsetzt, ihre Einwände abtut und Wölfe ansiedelt. Bis der ignorante König eines Besseren belehrt wird, weil ein Wolf sein liebstes Pony reißt. Im EU-Raum ist das alles anders. Da gibt es keinen totalitären König, sondern Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU). Ihr Pony hat ein Wolf gerissen. Seitdem ist es Landesregierungen wieder möglich, den Erfolg der Wolfsansiedlung ein wenig zu mindern. Wobei in dieser Verwendung „Erfolg“ der Kandidat für das nächste Unwort des Jahres ist.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 76 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

76 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
gmccar
1 Monat her

Wolfsgruben und Wolfsangeln waren adäquate Mittel um ohne Schusswaffe gegen Wölfe vorzugehen. Nicht die feine Art aber hochwirksam.

Will Hunting
1 Monat her

Der letzte Satz irritiert.

Last edited 1 Monat her by Will Hunting
P.Schoeffel
1 Monat her

Auch im Südosten Deutschlands kann ich auf den Wolf gut und gerne verzichten.

Berlindiesel
1 Monat her

Ich erlaube mir hier, eine Gegenposition einzunehmen. Der Wolf gehört zur Fauna Deutschlands. Anders als Waschbären oder asiatische Raubhornissen (die aktuell unsere freilebenden Bienen auszurotten drohen) ist er keine eingeschleppte Fremdart. Als oberster Predator der europäischen Tierwelt ist er als Regulator, vor allem für Dammwild, unerlässlich. Er ist so „deutsch“ wie die berühmte Eiche. Oder, besser gesagt, er war es. Insoweit messe ich ihm ein grundsätzliches Lebensrecht in unserer freien Wildbahn zu (wo es überhaupt noch eine gibt) Die Konkurrenzsitution zwischen Nuttztierhaltern und dem Wolf leugne ich keineswegs. Auch Wölfe sind, wie alle Lebenwesen, tendenziell faul (also geborene Energiesparer) und… Mehr

Will Hunting
1 Monat her
Antworten an  Berlindiesel

Vielen Dank für diesen tollen Kommentar!

Hegauhenne
1 Monat her
Antworten an  Berlindiesel

Iss in Berlin der Diesel ausgegangen oder wie??? Gibt es da nicht auch eine Wildschweinplage, weil die Leute irgenwie zu blöd sind, 1.) Ihre Siedlungen müllfrei zu halten, und 2.) manche Städter auch noch Fressen an Sammelstellen auslegen, um die liebe Tierchen dann vom sicheren Auto aus zu bobachten???🐺 🐗 Eine alte Schulfreundin aus Spandau sagt, sie muß schon aufpassen, wenn sie im Dunkeln ums Haus läuft, oder tagsüber duch den Wald radelt.🐺 🐗 In dicht besiedelten Gebieten braucht man keine Wölfe, da laufen ja auch keine Rehe oder Hirsche durch die Gegend, die man klein halten müßte, und wenn,… Mehr

Egge940
1 Monat her

Der Wolf gehört zu unserem Wald. Außerdem reguliert er die Wildbestände, die Jahr für Jahr einen brutalen Verbissdruck auf den Wald erzeugen.

Der Person
1 Monat her
Antworten an  Egge940

Richtig! Zudem wird er später unsere Rente zahlen und aufgrund des demographischen Wandels sind wir zwingend auf den Wolf angewiesen. Ohne den Wolf würde hier gar nichts laufen!

verblichene Rose
1 Monat her
Antworten an  Der Person

Das ist so unsachlich, wie die gleiche Aussage über die angeblich notwendige „Facharbeiter“-Zuwanderung.

gmccar
1 Monat her
Antworten an  Egge940

Rotwild macht Schälschäden, weil es sich nur in genau definierten Gebeiten vom Menschen definierten Gebieten aufhalten darf, Es kann nicht mehr ziehen und Genaustausch ist auch extrem vermindert. In Ungarn, Österreich, Frankreich usw. gibt es Wildbrücken über Straßen und Autobahnen, damit das Wild ziehen kann. Versäumnisse der sogenannten Naturschützer, die dann gleichzeitig Geldmassen in den Wolf stecken. In den genannten Ländern ist fast kein Verbiss festzustellen. Im Elsass und in Ungarn gibt es starke Rotwildbestände.
Herden von Hirschkühen mit 50 -200 Stück hinterlassen keine sichtbaren Schäden. Wobei sich bei großen Herden der Verdacht auf Wolfsnähe bestätigt.

Britsch
1 Monat her

Das Ganze „wir brauchen den Wolf, der Wolf ist nützlich“, ist doch totaler Blödsinn.wir haben eine gezielte regulierende Bejagung. Wölfe wurden in der Vergangenheit als gefährich und schädlich eingestuftund stark bejagt. Das war richtig so und daran hat sich nichts geändert. Jahrelang gab es keine Wölfe bei uns und das war gut so. Und nun- Städter wollen daß es in der Natur wieder Wölfe gibt für Ihre Naturromantikvorstellungen. Wenn das Natürliche wieder eitrifft und wölfe fallen Menschen an hoffentlich dann Städter und es wird sich was ändern

Will Hunting
1 Monat her
Antworten an  Britsch

Ich finde den Wolf natürlicher als Ukrainer und den Rest der Bagage.
Der Wolf hat tausendmal mehr Würde!

Hegauhenne
1 Monat her
Antworten an  Britsch

Ich empfehle das Buch von Franz Hohler: Die Rückeroberung, sehr unterhaltsam
ISBN 3423132809 (ISBN-13: 9783423132800)
 Eines Tages, als ich an meinem Schreibtisch saß und zum Fenster hinausschaute, sah ich, daß sich auf der Fernsehantenne des gegenüberliegenden Hauses ein Adler niedergelassen hatte. Ich muß dazu sagen, daß ich in Zürich wohne.« Wenig später finden Passanten auf einem belebten Platz ein mächtiges Hirschgeweih. Tage darauf trabt schon ein ganzes Rudel Hirsche durch die Stadt, und jemand ist sich ganz sicher, einen Wolf gesehen zu haben…………..“
🐅 🦛 🦌

Kaesebroetchen
1 Monat her

Wieder einmal ein deutscher Sonderweg. In vielen europäischen Ländern mit Wolfspopulation wird dieses Raubtier nicht erst seit Ursulas Pony sondern seit vielen Jahren über Bestandsziele und entsprechende Abschußquoten nachhaltig gemanagt. Wie bei anderen, großen Wildtieren auch. Beispiele sind Österreich, die Schweiz, Frankreich, Italien oder Spanien. Überall funktioniert das gut, nur Deutschland will wieder eine grenzenlose Vermehrung und alternativ, eine grenzenlose Bürokratie. Natürlich mit einem entsprechend teuren NGO-Unterbau.

MalNachgefragt
1 Monat her

Warum suggeriert der Autor, der Wolf sei angesiedelt worden? Der Wolf ist aus dem Osten eingewandert, ein ganz natürliches Verhalten. Man kann darüber streiten, ob man ihn unter besonderen Schutz hat stellen müssen. Dieser Schutz gilt allerdings für alle Arten, die hierzulande (fast) ausgestorben sind. Auch geht von dem Wolf keine Gefahr für den Mensch aus. Ein Jäger und Förster lachte darüber nur und meinte: Wenn man im Wald Angst vor einem Wildtier haben sollte, dann vor Wildschweinrotten. Eine Gefahr geht wenn überhaupt für Weidetiere aus und hier meist nur durch einzelne Wölfe. Es ist bezeichnend, dass die Diskussion erst… Mehr

Boudicca
1 Monat her

Mein Gott, was wäre passiert wenn das Pony den Wolf gerissen hätte?

MT
1 Monat her

Wer Freiheit will muss auch Wölfe tolerieren und VDL’s Pony war dem Namen nach ein geklontes Schaf. Vermutlich geopfert auf dem Altar eine Jagdlobby.