Nur 35 Prozent der Jüngeren wollen für Deutschland zur Waffe greifen

Die Deutschen wollen eine stärkere Bundeswehr – aber nur eine Minderheit wäre im Ernstfall selbst bereit, das Land mit der Waffe zu verteidigen. Das ist das zentrale und politisch brisante Ergebnis der Bevölkerungsbefragung 2026 des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.

IMAGO / Sven Simon

Im Falle eines militärischen Angriffs auf Deutschland würden nur 35 Prozent der Befragten das Land mit der Waffe verteidigen. Bei den unter 50-jährigen Befragten – in der öffentlichen Debatte oft als die „junge Generation“ im wehrfähigen Alter bezeichnet – liegt der Wert ebenfalls bei 35 Prozent. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Eine Mehrheit der Bürger würde im Angriffsfall also nicht selbst kämpfen wollen, meinen die von der Bundeswehr beauftragten Demoskopen von Ipsos in ihrer aktuellen Studie. Zwischen dem 20. April und dem 24. Mai 2026 befragte das Institut 2232 zufällig ausgewählte deutschsprachige Einwohner ab 16 Jahren. Autor der umfangreichen Arbeit ist der Militärsoziologe Dr. Timo Graf.

Bei den Daten sticht besonders heraus: Der Geschlechterunterschied ist enorm. 53 Prozent der Männer erklären sich grundsätzlich bereit, Deutschland mit der Waffe zu verteidigen, bei den Frauen sind es nur 15 Prozent. Unter den Männern unter 50 Jahren liegt der Wert bei 53 Prozent, bei den Frauen derselben Altersgruppe bei 15 Prozent. Bei den 16- bis 29-jährigen Männern sind es 47 Prozent, bei den jungen Frauen 16 Prozent. In der besonders relevanten Gruppe der 20- bis 40-Jährigen meinen 50 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen bereit für einen bewaffneten Kampf zu sein. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung entspräche das fünf Millionen wehrbereiten Männern und knapp zwei Millionen Frauen – zusammen etwa sieben Millionen Menschen.

Sieben Millionen Deutsche wären für einen Kampfeinsatz bereit

Den Anfang 2026 eingeführten Wehrdienst halten 59 Prozent der Bevölkerung für notwendig – das ist ein Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber 2025, auch bei den Jüngeren. Unter den 16- bis 29-jährigen Befragten ohne militärische Vorerfahrung bestätigen 34 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen ein mittleres bis sehr starkes Interesse am freiwilligen neuen Wehrdienst. Aber nur 20 Prozent der jungen Männer und nur 5 Prozent der jungen Frauen können sich eine berufliche Tätigkeit als Soldat oder Soldatin vorstellen. Absolut gerechnet wären das laut Studie mehr als eine Million junge Männer, die sich den Soldatenberuf vorstellen können, sowie etwa zwei Millionen junge Männer und eine Million junge Frauen mit Interesse am neuen Wehrdienst.

Trotz der immer wieder thematisierten begrenzten persönlichen Kampfbereitschaft bleibt der gesellschaftliche Rückhalt für die Bundeswehr hoch: 84 Prozent haben eine positive Einstellung zu ihr, 87 Prozent vertrauen ihr. 58 Prozent sprechen sich für höhere Verteidigungsausgaben aus, 64 Prozent für einen weiteren personellen Aufbau. Zwei Drittel der Befragten sehen übrigens Russland als militärische Bedrohung für Deutschland – mit der klaren Ausnahme der AfD-Wählerschaft. 55 Prozent befürworten auch den Einsatz militärischer Gewalt, falls Russland ein östliches NATO-Land angreifen würde.

Nur noch 43 Prozent für militärische Unterstützung der Ukraine

Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage: die militärische Unterstützung der Ukraine. Nur noch 43 Prozent sind grundsätzlich dafür, die Ukraine militärisch zu unterstützen. Der Wert ist gegenüber 2025 um vier Prozentpunkte gesunken. Deutlich höher fällt die Zustimmung zur Ausbildung ukrainischer Soldaten durch die Bundeswehr in Deutschland aus: 60 Prozent befürworten sie (minus zwei Punkte), nur 18 Prozent lehnen das ab.

Und lediglich 21 Prozent der Befragten meinen, deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine könnten zu einem schnelleren Ende des Krieges beitragen. 41 Prozent befürchten dagegen eine Ausweitung des Krieges, 52 Prozent bewerten die Lieferungen insgesamt eher negativ. Die Skepsis ist in Ostdeutschland und unter AfD-Wählern besonders ausgeprägt. Gleichzeitig gilt: Wer Russland als Bedrohung wahrnimmt, unterstützt die militärische Hilfe für Kiew deutlich stärker. Die Studie hält fest, dass die militärische Unterstützung der Ukraine befürwortet werde, Waffenlieferungen aber in weiten Teilen der Bevölkerung auf Bedenken stießen.

Studienautor Timo Graf zieht aus den Daten den Schluss, niemand solle die Wehrbereitschaft der Deutschen unterschätzen – weder Russland noch die Verbündeten noch die Deutschen selbst. Die Bedrohung durch Russland werde erkannt, die Verteidigungspolitik mehrheitlich mitgetragen. Selbst wenn in einem Ernstfall tatsächlich sieben Millionen Deutsche zu den Waffen greifen würden, ist ein positives Ende eines Konflikts nicht garantiert – dazu eine Vergleichszahl aus der Geschichte: In den Jahren 1939 bis 1945 dienten 18,2 Millionen Deutsche in der Wehrmacht.

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Kommentare ( 1 )

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Hieronymus Bosch
1 Stunde her

Ja, vor allem die Zugewanderten, die nichts mit unserem Land verbindet, sind voll verteidigungsbereit!