„Ohne Reformen droht der Bundeshaushalt gegen die Wand zu fahren“

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hat sich den Bundeshaushalt angeschaut. Das Ergebnis ist wenig überraschend, aber dafür umso eindeutiger: Wenn die Regierung Klingbeil-Merz so weitermacht, fährt Deutschland gegen die Wand.

picture alliance / dts-Agentur | -

Lars Klingbeil sei ein Hütchenspieler, ist ein ebenso böser wie falscher Vorwurf. Zwar spielt der SPD-Vorsitzende und Finanzminister gerne: Wo sind die Schulden? Unter dem Sondervermögen? Im regulären Haushalt? In der Bereichsausnahme? In der globalen Minderausgabe? Das Problem Klingbeils ist nur: Die Schulden stecken bei ihm überall. Als Hütchenspieler würde er verhungern, also muss er SPD-Vorsitzender und Finanzminister bleiben.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat sich nun die Mühe gemacht, Klingbeil unter alle Hüte zu schauen. Den Auftrag dazu hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft gegeben. Das Ergebnis ist zwar wenig überraschend, aber dafür umso bestechender durch seine Eindeutigkeit: „Zwischen 2014 und 2024 sind die Ausgaben des Bundes real stark gestiegen, insbesondere in den Bereichen Soziales und Zinsen, während die Einnahmen nicht Schritt halten konnten“, wie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft mitteilt.

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Ebenso wenig überraschend: Mit der Schuldenorgie haben Klingbeil und der ihm unterstellte Kanzler Friedrich Merz (CDU) das Tor zur Hölle endgültig aufgestoßen. Die Folgen beschreibt die Vereinigung: „Die Nettokredite im Jahr 2025 in Höhe von 143 Milliarden Euro entsprechen gut einem Viertel der gesamten Ausgaben.“ Der Bundeshaushalt benötige dringend wieder ein nachhaltiges Fundament. „Unsere Zukunftsausgaben werden nahezu vollständig aus Krediten finanziert, und die Zinsen fressen wichtige künftige Handlungsspielräume auf.“ Ohne echte Reformen drohe der Bundeshaushalt „gegen die Wand“ zu fahren.

Klingbeil und sein Merz verfrühstücken den Wohlstand – nicht der kommenden Generationen – sondern schon der nächsten Jahre: „Insbesondere im konsumtiven Bereich zeigen sich teils eklatante Anstiege der Ausgaben.“ So steigen laut Studie die Personalausgaben zwischen 2014 und 2025 um nominal 56 Prozent. Der Blick auf den Haushalt 2029, dem Ende der Wahlperiode, zeige nichts Gutes: „Während die Investitionsausgaben bestenfalls stagnieren werden, steigen allein die Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung um 33 Prozent von 38 auf 154 Milliarden Euro. Ab 2027 wird zudem ein sprunghafter Anstieg der Zinsausgaben erwartet, von vier Milliarden Euro in 2021 auf 67 Milliarden Euro in 2029.“

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft verweist darauf, dass die Regierungen Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Klingbeil-Merz das Geld rausgehauen haben, als gäbe es kein Morgen mehr. Aber trotzdem hätten sie wichtige Investitionen in die Zukunft unterlassen. Als Beispiel nennt die Vereinigung die öffentliche Infrastruktur, also Straßen, Brücken, Schienen oder Netzempfang.

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Doch die Studie gibt noch mehr Beispiele her. Etwa die Bildung. Seit Jahrzehnten halten Christ- und Sozialdemokraten Sonntagsreden, in denen sie auf die fehlenden Rohstoffe hinweisen und schwadronieren, die Köpfe der Jugendlichen müssten der deutsche Rohstoff sein. Doch zwischen Montag und Samstag sieht die Realität christ- und sozialdemokratischer Politik laut Studie so aus:

Gerade mal 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung gibt Deutschland für die Bildung aus. In Österreich und der Schweiz seien es 5,3 Prozent. In Belgien, Luxemburg und der Niederlande sind es 5,5 Prozent – und die nordischen Länder geben 6,2 Prozent der Wirtschaftskraft für den Rohstoff Bildung aus. Obwohl Norwegen und Dänemark ironischerweise tatsächlich über massiv viele Rohstoffe verfügen.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft verweist darauf, was Klingbeil ist: ein leicht zu durchschauender Täuscher. Zu unbegabt fürs Hütchenspiel, ausreichend für den SPD-Vorsitz. Klingbeil habe Ausgaben für Investitionen aus dem regulären Haushalt rausgenommen, und in das kreditfinanzierte „Sondervermögen“ geschoben: „Das öffnet das Tor für konsumtive Ausgaben, die wir uns nicht mehr leisten können, und widerspricht nachhaltiger Haushaltspolitik. Es ist klar, dass kreditfinanzierte Mittel und soweit möglich auch Steuermittel konsequent für zusätzliche Investitionen und zukunftsgerechte Ausgaben eingesetzt werden müssen.“ Mit anderen Worten: Klingbeil sitzt am Steuer, Merz bedient die Hupe und alle zusammen fahren wir weiter gegen die Wand.

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Kommentare ( 14 )

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14 Comments
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Bernd Simonis
16 Minuten her

Und jetzt passiert folgendes: Man wird die arbeitende Mittelschicht mit Steuern und Abgaben belasten, gnadenlos. Häme ist hier also nicht angebracht. Wir haben uns selber ins Knie geschossen. Die Fehlerursachen liegen Jahre zurück.

Klaus D
22 Minuten her

Das Institut der Deutschen Wirtschaft…..trägt doch als lobbyist der wirtschaft eine mitverantwortung für das wie es ist. So lese ich auf Tichy des öfteren was uns die massenzuwanderung kostet und uns wirtschaftlich auch schadet. Dann schaut man sich mal auf der seite des IW um und findet so was*. Ich bin der meinung das uns gerade die lobbyisten aus der wirtschaft und finanzwelt dahin gebracht haben wo wir sind. Die denken nicht an das land sondern nur an das geld. Ausnahmen wie immer ausgenommen. Ich weiß nicht genau wann es passiert ist das die lobbyisten das land übernommen haben aber… Mehr

OJ
28 Minuten her

Wir werden noch drei Jahre mit dieser Regierung, Merz und Klingbeil, leben müssen. Wer hofft, dass diese Regierung zerbricht, ist völligst NAIV. Beide hängen extrem an der MACHT. Macht ist oft mit der starken Emotion Gier (oder dem Verlangen nach Kontrolle) vergleichbar, da beide ähnliche hirnphysiologische Reaktionen wie Sucht auslösen❗

AlNamrood
30 Minuten her

Der Zustand ist gewollt, damit die Blockparteien hinterher wenn die AfD in die Verantwortung kommt so tun können als wäre das deren Schuld. Und das Wahlvieh wirds vermutlich schlucken.

Autour
33 Minuten her

Deutschland ist bereits gegen die Wand geknallt mehrmals würde ich sagen, oder wie erklärt man sich den Geisteszustand der regierenden Politiker?!

MariaundJosef
47 Minuten her

Mäh..Mäh..Mäh.. Ich liebe Schafe…eigentlich..aber nicht die, welche nur zwei Beine haben. Unerträglich, wie s…blöd in meinem Bekanntenkreis argumentiert wird. Da ist nichts mehr zu retten, ..keine Kritik.. kein Einsehen..keine Logik. Ich gebe auf.. Da „ brennt kein Licht“ !

Bonzo der Grosse
51 Minuten her

Und ich dachte immer Klingbeil sei Finanzmathematiker mit Abschluss in VWL. Jetzt muss feststellen, dass er Politologie, Soziologie und Geschichte studiert hat und das wohl auch nicht mit nachhaltigem Erkenntnisgewinn. Es ist eine Schande, dass jeder Hansel Minister für alles werden kann, selbst wenn nicht einmal rudimentäre Kenntnisse der Marterie vorhanden sind. Andererseits schimpft sich Lauterbach auch Arzt und Gesundheitsökonom zu sein und hat das Gesundheitswesen noch weiter an die Wand gefahren. Die unzähligen Staatssekretäre und Ministerialbeamten helfen da auch nur wenig, insbesondere dann, wenn sie, wie bei Habeck, durch die eigenen ideologischen Kumpels darstellen. Was könnte man nur tun….… Mehr

rainer erich
54 Minuten her

Eine kleine semantische Korrektur : Er wird ! gegen die Wand fahren. Und das “ Sondervermögen“ wird weiter steigen. Der ÖD wird weiter zunehmen, wie die Migration. Was aber noch nicht die spannende Frage beantwortet, was das Regime in diesem Fall anstellt, denn dieses Szenario bedeutet ja nicht das Ende Schlands. Zu vermuten ist, dass dem Regime sehr interessante Mittel und Methoden einfallen, die allerdings auch nicht zu seiner (sofortigen )Ablösung führen. Das Drama geht also weiter, gut kommentiert begleitet. Ich hätte eine Idee zur Lösung bzw Verhinderung des Finales, speziell für den 3. Stand, werde diese aber natürlich für… Mehr

Deutscher
54 Minuten her

Die einzige Reform ist Blau.

Rob Roy
55 Minuten her

Wir sind doch schon längst gegen die Wand gefahren. Nur in unserem Reptiliengehirn ist der Schmerz noch nicht angekommen.