Europa? Für US-Präsident Barack Obama ist das gestrig. Er will der erste pazifische Präsident sein, nicht der letzte Transatlantiker.

In der NSA-Affäre geht es um mehr als ein abgehörtes Kanzlerinnen-Handy. In seinen jüngsten Reden zeichnet Barack Obama eine neue globale Landkarte der Macht, und auf der liegt Europa nicht mehr in der Mitte der Welt und seines Interesses, sondern am Rand. Obama zeigt sich als knallharter Machtpolitiker, der auch angesichts der europäischen Betroffenheit in der NSA-Affäre keinen Millimeter zurückweicht. Das erschreckt viele europäische Politiker, insbesondere der Linken und Grünen, die häufig global-gutmenschelnden Fetischen nachlaufen – dem Weltklima, der Zivilgesellschaft oder einer belehrenden Entwicklungspolitik für die Zurückgebliebenen.

VON Roland Tichy | Sa, 25. Januar 2014

Ermannt sich der zauselige Präsident Hollande doch noch zu Reformen? In Frankreich entscheidet sich die Zukunft des Euro und der EU.

Carla Bruni, die singende Gattin des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy, hat einmal enthüllt, was einen kleinen Mann unwiderstehlich macht: die Atombombe. Das erklärt den Erfolg von Sarkozys Nachfolger François Hollande, wenn er sich zur finsteren Nacht auf dem Motorroller zur Geliebten schleicht: Es ist wohl der düstere Nimbus der absoluten Macht über Leben und Tod, der so erotisierend wirkt; die Atombombe fährt immer mit, auch auf der Vespa zur hübschen Julie Gayet.

VON Roland Tichy | Sa, 18. Januar 2014

„Mehr Europa“ – so lautet die Heilsformel in der Euro-Krise. Das Rezept gilt auch für den Arbeitsmarkt – mit allen Nebenwirkungen.

Wer nur A sagt, aber nicht B, kriegt die Euro-Krise: Wer leistungsstarke und -schwache Länder unter einem Einheits-Währungsdach zusammensperrt und Inflationsliebhaber mit Inflationsangsthasen in einem Raum, darf sich nicht wundern, wenn es mit der gemeinsamen Währung knirscht und eiert und alle verlieren. Ohne mehr Europa wird der Euro nicht gesund, so lautet das Mantra.

VON Roland Tichy | Sa, 11. Januar 2014

Vergessen Sie die Berliner GroKo-Tristesse und billige Kapitalismuskritik. Nehmen wir uns die Freiheit, Neues zu unternehmen.

Dieses Heft zum Jahresanfang widmen wir inspirierenden Ideen und modernen Helden. Etwa Elon Musk, reich geworden mit dem Internet-Bezahldienst PayPal, der das erste wirkliche Elektroauto Tesla finanziert hat und nun Touristen ins All und auf den Mars transportieren will. Oder Peter Hofbauer, der mit seiner Idee eines neuartigen Motors in die Rente geschickt wurde und jetzt in den USA und China vorwärtstreibt, was bei VW nicht machbar war.

VON Roland Tichy | Sa, 4. Januar 2014

Die Deutschen sind ja, wie die Geschichte und die in ihr gefangenen Menschen leider mehrfach erfahren mussten, ein störrisches, unbelehrbares und zum Übereifer und einem Perfektionsdrang bis zur Selbstzerstörung neigendes Volk.
Nüchternes Abwägen, pragmatisches Handeln, elastisches Zurückweichen, Aufgeben oder auch nur Beidrehen, solche Elemente gibt es auch. Aber sie sind so selten wie die Fähigkeit zur Selbstkritik. So jedenfalls werden die Deutschen gesehen. So das Vorurteil.

VON Roland Tichy | Fr, 20. Dezember 2013

Alle Räder stehen still, wenn sein starker Arm es will: Sigmar Gabriel hat für die SPD die gesamte Wirtschaftspolitik erobert.

Nach Ludwig Erhard wurde das Bundeswirtschaftsministerium zum Rede-Amt: Mit der Kraft des marktwirtschaftlichen Arguments sollte es ein Gegengewicht zu den Umverteilungsministerien schaffen, ohne wirklich harte Kompetenzen für die wirtschaftliche Vernunft fechten.

VON Roland Tichy | Fr, 20. Dezember 2013

Nun regiert mal schön weiter. Angela Merkel ist es ja gleichgültig, wer unter ihr Minister ist und welches Programm gerade aufgeführt wird.

Nach der hübschen Inszenierung von Koalitionsvertragsverhandlungen und Mitgliederabstimmung kann jetzt wieder regiert werden – so wie Angela Merkel das seit acht Jahren vorführt: nüchtern, pragmatisch sowie weitgehend werte- und ideologiefrei. Bei diesem Politikstil ist alles möglich und auch immer das Gegenteil, wie sie mit dem Atomein-/-ausstieg bewiesen hat: Aus der Laufzeitverlängerung wurde über Nacht der Hoppla!-Ausstieg. Das hat Vorteile: Wenn die Deutschen nach Finanz- und Euro-Krise lieber dem Staatsadler unters Gefieder kriechen wollen, um sich aneinander als Einig-Sozialvolk zu wärmen – na bitte.

VON Roland Tichy | Sa, 14. Dezember 2013

Wohl dem, der eine Autofabrik hat – sie ist der Wohlstandsmotor: das Städteranking der WirtschaftsWoche mit verblüffenden Befunden.

Dass die Automobilindustrie für den Wohlstand in Deutschland wichtig, vielleicht sogar schon übermächtig ist, zeigen volkswirtschaftliche Daten, aber mehr noch das Alltagsleben in den Autostädten: Ein halbes Dutzend Museen, Arbeitskräftemangel und üppige Sozialleistungen in Ingolstadt (Audi), moderne Spitzenarchitektur anstelle der Notbauten in Wolfsburg (VW), Immobilienboom in Regensburg (BMW) und eine Aufholjagd mit neuen Arbeitsplätzen und messbar mit allen Wohlstandsindikatoren in Leipzig (Porsche und BMW) – die dynamischsten Städte Deutschlands sind die Autostandorte mit ihrem dichten Geflecht der Zulieferindustrie.

VON Roland Tichy | Sa, 7. Dezember 2013

Mutlos, perspektivlos: Der Koalitionsvertrag ist ein Dokument vorweggenommenen Scheiterns auf dem Weg in eine Wünsch-Wirtschaft.

Es weihnachtet früh in Berlin. Die Politiker der großen Koalition wünschen sich viel. Seitenlang listen sie in ihrem Koalitionsvertrag auf, wie die Unqualifizierten, Unvermittelbaren und Unwilligen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen – um ein paar Seiten weiter den Arbeitsmarkt wieder so zu blockieren, dass genau diese Problemgruppen garantiert keinen Arbeitsplatz mehr erhalten können.

VON Roland Tichy | Sa, 30. November 2013

Die Deutschen schauen hilflos zu, wie sie mit Niedrigzinsen verarmen – und andere mit deutschen Aktien reich werden. Dumm gelaufen.

Nach dem Sparbuch, der Riester-Rente und den Lebensversicherungen sind jetzt die Betriebsrenten dran: Auch diese Form der Altersversorgung wird notleidend; die Betriebsrenten werden um ein Drittel dahinschmelzen. Die Deutschen scheinen ein tragisches Volk zu sein: Sie arbeiten hart, nehmen Gehaltseinbußen hin, um Arbeitsplatz und Export zu sichern, verdienen gut, sparen viel – und werden doch immer ärmer.

VON Roland Tichy | Sa, 23. November 2013

Über das Schicksal ganzer Wirtschaftszweige entscheiden zufällige Koalitions-Kungelrunden. Das schadet dem Standort.

Zunächst war die Solarindustrie die grüne Wunderwaffe für Jobs und Wachstum. Aber nach einer geringfügigen Absenkung der Solarvergütung ist nun die Pleite Normalfall. Nur ein winziges Ruckeln an der Windförderung in den Koalitionsgesprächen, und schon stürzen die Windrad-Aktien in den Keller. Nur zwei Beispiele, die die alte Börsianer-Regel belegen: Politische Börsen haben kurze Beine, denn gegen elementare wirtschaftliche Zwänge kann sich die Politik nicht stemmen.

VON Roland Tichy | Sa, 16. November 2013

Unglaublich, aber wahr: Die neue Koalition hat schon abgewirtschaftet, noch ehe sie richtig angetreten ist.

Avanti Dilettanti, vorwärts ihr Stümper, so lautet das Programm eines Berliner Kabaretts. Die Wirklichkeit überholt die Spötter: Die große Koalition ist noch nicht im Amt und schon eine Lachnummer. Das Kabarett muss die Rolle der Opposition spielen, weil die links-grüne, ideologisch neosozialistische Opposition zur ebenfalls linkspopulistischen Regierung keine Alternative ist und bürgerliche Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten.

VON Roland Tichy | Sa, 9. November 2013

Wut, Zorn, Frust: Die Abhöraffäre ist ein hoch emotionales Thema. Hilfreicher wäre es, sich um unsere Selbstbehauptung zu kümmern.

Irgendwie sind die Europäer, die Deutschen allen voran, wegen des Abhörens der USA ein- bis übergeschnappt. Aber immer wenn Emotionen überkochen, werden sie durch verdrängte Erkenntnis eigener Schwächen erst so richtig heiß: Und die Europäer spüren, dass sie sich zu wenig um Selbstbehauptung gekümmert und zu naiv an eine gute, allzeit friedvolle Welt geglaubt haben. Jetzt platzt die Illusion. Die Europäer haben sich gemäß dem Sprachbild des US-Politologen Robert Kagan gut eingerichtet. So glauben die Amerikaner an den Gott des Krieges, während die Europäer an die Göttin der Liebe, an Institutionen, Recht und Sozialpolitik ihr Herz hängen.

VON Roland Tichy | Sa, 2. November 2013

300 Politiker verhandeln den Koalitionsvertrag: eine verfassungsrechtlich bedenkliche Riesenshow für einen Vertrag zulasten Dritter.

Koalitionsverträge sind Theaterdonner, viele Buchstaben ohne bindende Wirkung. Denn weder die Finanzkrise noch die Euro- Krise haben sich daran gehalten. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, so sie ihr Amt ernst nähmen, sind nicht dem Vertrag der Parteien verpflichtet, sondern dem ganzen deutschen Volk und ihrem Gewissen. Die politischen Sitten verfallen: Um die mühsamen Verhandlungen zu schmieren, bekamen CDU und SPD je einen weiteren Bundestags-Vizepräsidenten. Allerdings nicht wegen der Arbeitsbelastung der ohnehin schon mit fünf Stellvertretern überbesetzten Riege: Die SPD soll auf „Augenhöhe“ mit der CDU repräsentiert sein.

VON Roland Tichy | Sa, 26. Oktober 2013

Wer seinen Wohlstand bewahren will, muss mehr über die Geldfluten der Notenbanken und deren Wander-Blasen Bescheid wissen.

Wirtschaftliche Blasen sind höchst angenehm, solange sie sich aufpumpen: Alles läuft, Einkommen steigen, Steuern sprudeln. Blöd nur, wenn Blasen platzen. Peng! Das Ende der Dotcom-Blase hat Aktienmillionäre zu Altpapierbesitzern geschrumpft. Der Knall der US-Immobilienblase drohte erst die Welt und jetzt die Sparer zu ruinieren. Pfffffffft! Und seit dem Ende der Schuldenmacherei schrumpeln die Wirtschaften der Südländer wie ein Kaschmirpulli, der in die Kochwäsche geraten ist: Das teure Stück ist nicht mehr zu gebrauchen.

VON Roland Tichy | Sa, 19. Oktober 2013

Egal, ob Schwarz mit Rot oder Grün: Eine Regierung des Missvergnügens kommt über uns. Bestenfalls wird aus Deutschland Österreich.

Warum gibt es in Österreich keine Arbeitslosigkeit? Weil jeder Job dreifach besetzt ist – mit einem Schwarzen, einem Roten und einem Dummen, der die Arbeit macht. Das ist Wiener Schmäh, gekeltert aus der lähmenden Nachkriegserfahrung mit großen Koalitionen. Die Deutschen wünschen sich zwar eine große Koalition. Das klingt nach Tatkraft jenseits des Parteiengezänks. Und vielleicht kann eine große Koalition tatsächlich Wichtiges leisten – etwa die Korrektur der Energiewende. Aber dagegen steht, dass der Streit um die bessere Lösung zur Demokratie gehört, auch wenn es manchmal dauert.

VON Roland Tichy | Sa, 12. Oktober 2013

Steuern, Mindestlöhne, Krankenversicherung, Mieten: Dem neuen Bundestag fehlt der wirtschaftliche Kompass. Der Liberalismus ist politisch mundtot. Die WirtschaftsWoche bietet der Freiheit ein neues Forum.

Glaubt ernsthaft jemand, die Mieten würden sinken, wenn eine Mietpreisdeckelung kommt – wie sie alle Parteien fordern? Es wird dann halt nicht mehr gebaut. Auch Mindestlöhne werden nicht mehr gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen, sondern schlecht bezahlte vernichten; und gerechter wird’s auch nicht: Selbst mit 8,50 Euro in der Stunde lässt sich in München, Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin keine vierköpfige Familie durchbringen – die Aufstockerei niedriger Löhne auf ein Mindesteinkommen wird also weitergehen.

VON Roland Tichy | Sa, 5. Oktober 2013

Deutschland hat rechts gewählt und wird nun links regiert. Das will unser Wahlrecht und zeigt, dass in der Politik Irrsinn Methode hat.

Der Stimmanteil von SPD, Grüne und Linke ist auf 43 Prozent gesunken; die der bürgerlich-liberalen Parteien auf 51 Prozent gestiegen. Trotzdem liegen im Deutschen Bundestag die (noch nicht ganz) vereinten Linken mit acht Sitzen vorne. Obwohl die Deutschen also Steuererhöher abgewählt haben, werden sie zur Kasse gebeten. Deutschland rückt nach links: Um gewählt zu werden, mutierte die CDU zu einer schwarz lackierten SPD und hat Mindestlöhne zu lieben gelernt. Weil sie einen Partner von links zum Regieren braucht, wird sie schnell weitere Reste ihres marktwirtschaftlichen Erbes verscherbeln.

VON Roland Tichy | Sa, 28. September 2013

Nach dem Wahltheater geht der Vorhang auf für das, was wirklich zu tun ist. Egal, wer mit wem – was die neue Regierung anpacken muss.

Energie: Merkels Energiewende ist längst Gefahr für Wohlstand und Arbeitsplätze. Dabei geht es nicht um pro oder contra Atomstrom. Aber wer teuren, wetterabhängigen Wackelstrom auf Teufel komm raus fördert und ihm die Vorfahrt gegenüber billigem und nachhaltigem Strom einräumt – der bewirkt, dass Kraftwerke stillgelegt werden und Strompreise steigen. Noch mehr Windräder und noch größere Sonnenpaneele verschärfen nur die Problemlage.

VON Roland Tichy | Sa, 21. September 2013

Wahlkampf ist wie Schlittenfahren: Rasant wird’s auf den letzten Metern. Und der kommende Sonntag könnte überraschend enden.

Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Laut Umfragen wünscht sich das eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Deutschen. Aber wird sie es auch? Die Zweifel wachsen, und der bisher so langweilige Wahlkampf wird zur spannenden Schussfahrt.

VON Roland Tichy | Sa, 14. September 2013