Der fränkische Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat am Dienstag ein weiteres Sparprogramm angekündigt: Der Konzern will in Europa 3.460 Stellen abbauen, davon 2.660 in Deutschland, und vier deutsche Standorte schließen.
IMAGO / Ardan Fuessmann
Konkret betroffen sind unter anderem das Werk in Dortmund mit derzeit 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden. Beide gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und produzieren Komponenten für Verbrennungsmotoren.
Auch der Berliner Standort (270 Beschäftigte) soll aufgelassen werden und ebenso der Standort Schwalbach aufgegeben werden. Ein Großteil der dort Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln. Insgesamt 190 Stellen sind dort vom Abbau betroffen.
Weitere Anpassungen betreffen den Werkzeugbau in Höchstadt, den Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sowie Kapazitäts- und Strukturanpassungen an Standorten wie Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg. Insgesamt sind 16 Standorte in Europa betroffen. Etwa die Hälfte der Stellenstreichungen entfällt auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung und 20 Prozent auf andere Bereiche.
Schaeffler begründet die Einschnitte mit der anhaltenden Krise der europäischen Automobilindustrie, der schwachen Nachfrage nach Teilen für Verbrennungsmotoren, der langsamer als erwartet voranschreitenden Elektrifizierung sowie überdurchschnittlich hohen Personalkosten und einer zu komplexen Organisationsstruktur in Deutschland.
Bereits 2024 und 2025 hatte der Konzern mehrere Tausend Stellen gestrichen; das neue Programm folgt, nachdem die damaligen Maßnahmen und 1.800 Altersteilzeitverträge weitgehend abgeschlossen wurden.
Bosch hat in seiner Mobility-Sparte umfangreiche Abbauprogramme angekündigt, die in Deutschland mehrere Tausend Stellen betreffen. ZF Friedrichshafen plant den Abbau von 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028, Continental und seine Nachfolgebereiche haben ebenfalls Tausende Jobs gestrichen. Auch Mercedes-Benz setzt sein Sparprogramm fort und hat weitere Abfindungsangebote aufgelegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts und Branchenverbänden hat die deutsche Automobilindustrie allein im vergangenen Jahr mehrere Zehntausend Arbeitsplätze verloren – der Rückgang war stärker als in anderen großen Industriezweigen.
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten die neuerliche Sparwelle scharf. „Bei Schaeffler folge inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind“, sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. „Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“ Der Konzern betonte hingegen, die Maßnahmen möglichst sozialverträglich und im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen umsetzen zu wollen. Ob das gelingt und welche Folgen die Schließungen für die betroffenen Regionen haben, wird sich in den kommenden Verhandlungen zeigen. Für die deutsche Automobilindustrie insgesamt ist der Schaeffler-Schritt ein weiteres Signal dafür, dass die Strukturkrise noch längst nicht überwunden ist.



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