Sozialbeiträge steigen bis 2035 auf mehr als 49 Prozent – trotz Reformen

Die Regierung plant Reformen, doch die Beitragslast wächst: Bis 2035 könnten die Sozialbeiträge auf 49,3 Prozent steigen. Arbeit wird teurer, netto bleibt weniger. Es droht ein Teufelskreis aus Jobverlusten, steigenden Sozialausgaben und noch höheren Beiträgen.

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Arbeit wird teurer, vom Lohn bleibt weniger: Trotz angekündigter Reformen bei Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung droht Arbeitnehmern und Arbeitgebern eine erhebliche Mehrbelastung. Der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung könnte bis 2035 von derzeit 42,8 auf 49,3 Prozent steigen. Das berichtet die Bild unter Berufung auf eine Studie des IGES Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Bereits für 2028 berechnen die Forscher im mittleren Basisszenario einen Gesamtbeitragssatz von 45,4 Prozent. Bis 2035 würde er auf 48,8 Prozent steigen. Bei einem Monatsbrutto von 3.000 Euro entspräche das gegenüber heute zusätzlichen Sozialbeiträgen von 180 Euro im Monat oder 2.160 Euro im Jahr. Diese Beträge umfassen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile zusammen.

Auch die angekündigten Reformen würden den Anstieg nicht stoppen. Ohne Kapitalrente errechnet das Institut für 2035 einen Gesamtbeitragssatz von 47,5 Prozent. Mit Kapitalrente wären es 49,3 Prozent. Bei 3.000 Euro Monatsbrutto müssten Beschäftigte und Arbeitgeber damit zusammen monatlich 141 bis 195 Euro mehr aufbringen als heute.

Kapitalrente: Zusätzliche Beiträge ab 2028, Entlastung erst nach 2035

Die Kapitalrente würde die Beitragszahler zunächst zusätzlich belasten. Dafür sollen ab 2028 schrittweise zwei weitere Beitragspunkte in einen Kapitaltopf fließen, der als Reserve für künftige Renten dienen soll. Entlastungen daraus erwartet die Studie allerdings erst nach 2035.

Das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge ist im Basisszenario bereits berücksichtigt. Wie hoch die Gesamtbelastung tatsächlich ausfällt, hängt auch von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Je nach Wirtschaftslage könnten die Sozialbeiträge 2035 zwischen 46,6 und 51,6 Prozent liegen. Im ungünstigen Szenario würde die Summe der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge damit sogar die Hälfte des Bruttolohns übersteigen.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben bezeichnete die Prognose gegenüber Bild als „Alarmsignal“. Arbeit würde sich „unzumutbar verteuern“, Deutschland als Investitionsstandort abschreckend wirken. Für Beschäftigte bleibe netto weniger übrig.

Höhere Renten- und Krankenkassenbeiträge

Den größten Anstieg in Prozentpunkten erwarten die Forscher bei der Rentenversicherung: Der Beitragssatz soll von derzeit 18,6 auf 20,9 Prozent im Jahr 2035 steigen. Als Gründe nennt der Bericht die wachsende Zahl der Rentner und weitgehend aufgezehrte Rücklagen der Rentenkasse.

Bei der Krankenversicherung könnte der Beitragssatz von derzeit 17,7 auf 18,8 Prozent steigen. Die Reformen sollen zunächst zwar Milliarden einsparen. Ab 2031 rechnen die Forscher jedoch wieder mit stärker steigenden Ausgaben. Die Aussicht auf Entlastung wäre damit nur von begrenzter Dauer.

Auch in der Pflegeversicherung wächst der Finanzierungsdruck. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte laut Studie von 5,9 Millionen im Jahr 2025 auf 8,3 Millionen im Jahr 2035 steigen. Das wären 2,4 Millionen Menschen mehr. Die geplante Pflegereform könnte die Kostensteigerungen zwar bremsen, die Finanzlücke aber nicht vollständig schließen.

Beitragszahler sollen Schulden der Bundesagentur abbauen

Den stärksten prozentualen Anstieg prognostiziert die Studie für die Arbeitslosenversicherung. Hier könnte der Beitragssatz von heute 2,6 auf 4,4 Prozent steigen.

Dahinter stehen schwache Beschäftigungsaussichten und die Schulden der Bundesagentur für Arbeit. Rund zehn Milliarden Euro müssen in der Modellrechnung über höhere Beiträge abgebaut werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen somit auch für den Schuldenabbau tiefer in die Tasche greifen.

Die angekündigten Reformen reichen nach diesen Berechnungen nicht aus, um den weiteren Beitragsanstieg aufzuhalten. Ohne zusätzliche Strukturreformen wächst die Belastung weiter. Die Rechnung tragen Beschäftigte und Unternehmen: durch weniger Nettolohn und höhere Arbeitskosten.

Höhere Arbeitskosten setzen Unternehmen zusätzlich unter Druck und erhöhen das Risiko von Insolvenzen und Entlassungen. Mit jedem verlorenen Arbeitsplatz schrumpft die Zahl der Beitragszahler, während mehr Menschen auf Leistungen angewiesen sind. Immer weniger müssen immer mehr finanzieren.

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