Immer mehr Bürger rechnen mit vorzeitigem Aus der Koalition

Die Bundesregierung verliert offenbar nicht nur an Zustimmung, sondern auch an Vertrauen in ihre politische Überlebensfähigkeit. Nur noch 23 Prozent der Deutschen glauben, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit der SPD bis 2029 gemeinsam regieren werden.

Lars Klingbeil (SPD) mit Kanzler Friedrich Merz (CDU). picture alliance/dpa | Michael Brandt
Lars Klingbeil (SPD) mit Kanzler Friedrich Merz (CDU).

Eine deutliche Mehrheit der Befragten rechnet mit einem vorzeitigen Ende des Regierungsbündnisses. Dabei besonders alarmierend für Merz: Selbst unter den Anhängern von CDU, CSU und SPD überwiegt inzwischen die Überzeugung, dass die Koalition nicht bis zum Ende der Legislaturperiode durchhalten wird.

Für die repräsentative Befragung im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur interviewte YouGov insgesamt 2202 Wahlberechtigte. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark die Zweifel an der Stabilität der Bundesregierung mittlerweile sind.

Die Daten der Demoskopen müssten die Regierungsparteien alarmieren: Insgesamt 57 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die Koalition vor der nächsten regulären Bundestagswahl im Jahr 2029 auseinanderbricht. Dabei unterscheiden die Befragten deutlich zwischen einem unmittelbar bevorstehenden Regierungsende und einem späteren Scheitern.

13 Prozent erwarten bereits für die verbleibenden Monate des Jahres 2026 einen Koalitionsbruch. Weitere 44 Prozent gehen davon aus, dass das Bündnis in den Jahren 2027 oder 2028 zerbrechen wird. Lediglich 23 Prozent trauen der Bundesregierung zu, bis 2029 im Amt zu bleiben. Weitere 20 Prozent machten keine Angaben oder konnten sich nicht festlegen. Damit stehen jedem Befragten, der an ein reguläres Ende der Legislaturperiode glaubt, rechnerisch fast zweieinhalb Personen gegenüber, die mit einem vorzeitigen Scheitern rechnen.

Sogar Unions-Wähler zweifeln an Merz

Unter den Anhängern von CDU und CSU rechnen 53 Prozent mit einem vorzeitigen Ende der Koalition. Nur 32 Prozent glauben, dass Merz und die SPD bis 2029 zusammenbleiben. Damit überwiegt selbst unter den Unions-Wählern die Skepsis um 21 Prozentpunkte. Für den Bundeskanzler müsste das ein Alarmsignal sein: Denn die Zweifel kommen nicht ausschließlich von politischen Gegnern, sondern auch von Menschen, die grundsätzlich seiner Partei nahestehen.

"Schwesterparteien":
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Bei den SPD-Anhängern fällt das Ergebnis etwas weniger deutlich aus, doch auch dort überwiegen die Pessimisten. 46 Prozent erwarten einen vorzeitigen Bruch des Regierungsbündnisses. Nur 34 Prozent rechnen damit, dass die Koalition die gesamte Legislaturperiode übersteht. Der Abstand beträgt hier zwölf Prozentpunkte.

Die Befragung zeigt somit ein grundlegendes Vertrauensproblem beider Regierungsparteien: Weder die Union noch die SPD kann ihre eigene Anhängerschaft mehrheitlich davon überzeugen, dass das gemeinsame Regierungsprojekt langfristig Bestand haben wird.

Wie stark sich die Stimmung verschlechtert hat, zeigt ein Vergleich mit früheren Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Im August 2025 gingen noch 52 Prozent der Deutschen davon aus, dass die schwarz-rote Bundesregierung bis zum regulären Ende der Legislaturperiode bestehen bleiben werde. Im Mai 2026 war dieser Anteil bereits auf 43 Prozent gesunken. Gleichzeitig rechneten damals 53 Prozent mit einem vorzeitigen Koalitionsbruch.

Die neue YouGov-Befragung zeichnet nun ein noch pessimistischeres Bild: Nur 23 Prozent glauben an einen Fortbestand bis 2029. Gegenüber dem Forsa-Ergebnis vom August 2025 ist das ein Rückgang um 29 Prozentpunkte.

Vertrauenskrise bei bisherigen Wählern

Interessant ist dabei auch die Entwicklung unter den Anhängern der Regierungsparteien: Im Mai 2026 hatten laut Forsa noch 66 Prozent der Unions-Wähler und 68 Prozent der SPD-Anhänger an den Fortbestand der Koalition geglaubt. In der aktuellen YouGov-Erhebung sind es nur noch 32 beziehungsweise 34 Prozent.

Und in der am 20. Oktober von YouGov veröffentlichten Sonntagsfrage erreicht die AfD 28 Prozent. CDU und CSU kommen gemeinsam nur noch auf 18 Prozent, die SPD auf 14 Prozent. Damit liegen die beiden Regierungsparteien zusammen bei 32 Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hatten Union und SPD gemeinsam noch 44,9 Prozent erreicht. Die AfD konnte ihren Stimmenanteil gegenüber dem damaligen Wahlergebnis von 20,8 Prozent dagegen deutlich steigern. Eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition hätte nach dieser Umfrage keine parlamentarische Mehrheit mehr.

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