Messerverbotszone, Zugangsbeschränkungen zu Bahngleisen, weniger Ausweiskontrollen: Um der zunehmenden Gewaltbereitschaft in öffentlichen Verkehrsmitteln entgegenzutreten, wird alles getan. Bloß nichts Sinnvolles. Einschränken soll sich die Mehrheitsbevölkerung; Rücksichtnahme auf die Täter hat Vorrang.
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Wenn in Deutschland ein Terrorist mit einem Auto in eine Menschenmenge fährt, wird nicht darüber diskutiert, wie man verhindern kann, dass Terroristen einreisen, sondern darüber, wie man die Menschenmenge von Autos abschirmt.
Wenn Migranten Mädchen vom Bahnsteig und vor einfahrende Züge werfen, wird nicht darüber gesprochen, wie man besser kontrollieren kann, wer ins Land gelassen wird, sondern über Schutzvorrichtungen und Zugangsbeschränkungen an Bahngleisen.
Und wenn ein Bahnschaffner von einem weiteren Migranten bei der Ticketkontrolle totgeschlagen wird, dann ist logischerweise wiederum nicht die Frage, wie man Gewalttäter stoppt, sondern, natürlich, warum man nicht mit diesen vermaledeiten Ticketkontrollen aufhört.
Der Elefant im Raum
In Deutschland hat sich eingebürgert, dass, wenn ein Problem nur gelöst werden kann, indem man über Migration spricht, nicht darüber diskutiert werden darf. Dann erfindet man andere Probleme, für die sich Lösungen anbieten. Betonpoller, Waffenverbotszonen, Absperrungen an Bahnsteigen und Verzicht auf Ausweis- und Ticketkontrollen, zum Beispiel.
Die Lösung heißt immer: Die Mehrheitsgesellschaft muss sich einschränken. Denn die wehrt sich ja nicht. Sie lässt sich Maßnahme um Maßnahme aufdrängen, die sicherstellen soll, dass Störenfriede machen können, was sie wollen. Lediglich der Schaden soll minimiert werden. Nicht durch Sanktionierung der Täter, sondern der Opfer.
Das ist ungefähr so, als würde man einer Frau, die von ihrem Ehemann geschlagen wird, raten, sie solle sich doch einfach mal hübscher anziehen, dann würde sich der Gewalttäter sicher weniger provoziert fühlen.
Rücksicht gegenüber Tätern
Die Rücksichtnahme ist grenzenlos: Unionsfraktionsvize Stephan Stracke von der CSU ist nun davon überzeugt, dass man den Zugang zu Bahngleisen nur mit gültigem Ticket erlauben solle. Die Liebste mit einem Blumenstrauß überraschen, wenn sie mit nur neunundzwanzig Minuten Verspätung aus dem ICE steigt? Das geht leider nicht mehr, hier stehen Menschenleben auf dem Spiel. Aber Bahnsteigkarten gab es doch schließlich auch früher schon, erinnert doch ein bisschen an die gute alte Zeit, oder nicht?
Deutschlandtickets mit Fotos zu versehen, hält Stracke für eine Maßnahme mit „Deeskalationspotenzial“, weil dann niemand zusätzlich den Ausweis vorzeigen müsse.
Die Ausweiskontrolle beim Bahnfahren – da hat man den Verantwortlichen gefunden für die eskalierende Aggression in deutschen Verkehrsmitteln. Es sind nicht etwa gewaltbereite Individuen, es sind die Ausweiskontrollen. Die lassen ansonsten unbescholtene, gelassene Menschen auch mal zuschlagen. Wer kennt es nicht?
Die Ausweiskontrolle ist schuld
Man könne „die Gewalt um etwa 18 Prozent senken“, wenn man auf Ausweiskontrollen im Zuge der Fahrscheinkontrolle verzichte, behauptet Verkehrsminister Schnieder gegenüber dem Handelsblatt.
Bahnchefin Palla zufolge sollen Ausweiskontrollen im Regionalverkehr ab März nicht mehr verpflichtend sein. Es solle im Ermessen des Zugpersonals liegen, ob Ausweise kontrolliert werden. Damit könnten Situationen mit „hohem Eskalationspotenzial“ vermieden werden.
Aber so ganz reicht das wohl doch nicht aus – Bahnmitarbeiter sollen verstärkt mit Bodycams ausgerüstet werden, mehr Sicherheitspersonal soll eingesetzt werden.
All das bedeutet, dass die Normalisierung eines bis dato unbekannten Gewalt- und Aggressionspegels im öffentlichen Alltag widerstandslos hingenommen wird. Und damit auch der Zerfall einer Gesellschaft, die auf Vertrauen und respektvollem Miteinander basiert.



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Bahnsteigkarte, Lenin, woke Gesellschaft=eine gerade Linie
“ Einschränken soll sich die Mehrheitsbevölkerung; Rücksichtnahme auf die Täter hat Vorrang“
Staatlich genehmigter Anarchismus, der öffentliche Raum als no go Area.
Früher oder später wird dann aber der private Raum auch davon betroffen sein.