NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk wechselt vom E-Auto zu einem klassischen Dieselfahrzeug. Die E-Auto-Enthusiasten im Regierungskabinett von Ministerpräsident Hendrik Wüst lassen sich mittlerweile an einer Hand abzählen. Und einmal mehr drängt sich der Eindruck auf: Die Klimaheuchelei in der deutschen Politik scheint grenzenlos zu sein.
picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON
Marcus Optendrenk ist Politiker der Christlich Demokratischen Union Deutschlands und Finanzminister des größten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
Und er ist, so darf man es zumindest interpretieren, ganz offensichtlich auch ein Anhänger des klassischen deutschen Fahrzeugbaus und der Diesel-Antriebstechnologie. Anders lässt sich seine Entscheidung kaum deuten, vom rein elektrischen Dienstfahrzeug – einem BMW i7 – auf einen Audi A8 L 50 TDI quattro umzusteigen, einen klassischen Dieselverbrenner.
Auf den Punkt gebracht, lautet seine Begründung: Dienst ist Dienst. Nach einiger Erfahrung im Alltagsbetrieb des politischen Düsseldorf, so Optendrenk, funktioniere das E-Auto zwar sehr gut. Doch bei langen Fahrten durch ein Flächenland wie Nordrhein-Westfalen stoße es doch an seine Grenzen. Der Leasingvertrag lief aus – und der CDU-Politiker sattelte wieder um.
Doch was gut für den Herrn Minister ist, sollte eigentlich erst recht gut genug sein für das Volk. Nicht zwingend der Audi A8 selbst – wohl aber die Möglichkeit, auf individuelle Mobilität zuzugreifen, wie man es sich leisten kann. Es handelt sich um ein Bürgerrecht auf Mobilität, ein Zeichen individueller Souveränität – Ausdruck der Unabhängigkeit von staatlicher, übergriffiger Bürokratie.
Optendrenk ist mit seinem Umstieg vom politisch propagierten E-Auto auf klassische, hochmoderne Verbrennertechnologie nicht allein. Ministerkollegen aus dem Düsseldorfer Kabinett waren ihm bereits zuvorgekommen. Ein kleiner Exodus aus dem E-Auto-Paradies zurück in die reale Welt, dorthin, wo Leistung und Zuverlässigkeit zählen, scheint auch in der deutschen Politik ein Fenster zur Wirklichkeit aufgestoßen zu haben.
Man kennt diese Form politischer Heuchelei nur zu gut: mit dem Fahrrad beim Pressetermin erscheinen, nachdem man einen Block weiter diskret vom Dienstwagen auf den Drahtesel umgestiegen ist. Entscheidend ist der Medieneffekt. Man will das Volk nicht vor den Kopf stoßen – angesichts der eigenen kognitiven Dissonanz und performativen Dreistigkeit, unsinnige und infantil anmutende Klimaziele mit der Realität nicht mehr in Einklang bringen zu können.
Diese offene Heuchelei oberster Regierungsrepräsentanten, die ihren politischen Erfolg und ihre Karriere nicht zuletzt auf einem aggressiv vorgetragenen Klimaaktivismus gegründet haben, ist unerträglich. Der Aufbau einer grünen Günstlingswirtschaft hat dazu beigetragen, eine politische Klasse zu stabilisieren, die sich in maximale Distanz zu jenen begeben hat, die diese neue Zweiklassengesellschaft mit ihren Abgaben finanzieren müssen.
Besonders unverschämt erscheint es, dass dem eigentlichen Souverän – dem Bürger mit schmalem Portemonnaie – der Zugang zu bestimmten urbanen Umweltzonen verwehrt wird, während die politische Führung ihre eigenen Spielräume bewahrt. Restriktionen werden so zur moralischen Pflicht des Bürgers erklärt, die gesellschaftliche Spaltung dadurch sichtbar verstärkt.
In der politischen Führungsklasse bemisst sich Status nicht durch Leistung, die sich im Wettbewerb am freien Markt bewähren muss. Statuserfolg entsteht vielmehr durch den Aufstieg in politische Ämter im Rahmen eines hermetisch geschlossenen Parteiensystems, durch einen modernen cursus honorum, dessen innere Logik außerhalb des Politikbetriebs nicht nachvollziehbar ist. Privilegien werden aus der politischen Maschine heraus gewährt und abgesichert, während in der bürgerlichen Ordnung Statussymbole traditionell durch individuelle Leistung und wirtschaftlichen Erfolg erworben werden.
So entsteht eine postmoderne Pseudoaristokratie, deren zentrale Leistung darin besteht, durch anhaltenden Moralismus Signale an das Volk zu senden – etwa im permanenten Verweis auf den Kampf gegen den Klimawandel – und auf diese Weise den eigenen Rang zu legitimieren. Und man wird das Gefühl nicht los, dass eine zunehmend repressive Politik, exerziert unter der Flagge des Klimaschutzes, vor allem dem Zweck dient, die eigene Unangreifbarkeit zu demonstrieren und Macht zu konsolidieren.
Der Umstieg auf Dienstwagen mit Verbrennungsmotor erzeugt exakt denselben psychologischen Effekt wie die mit dem Privatflugzeug einschwebenden Klimakämpfer in Davos: die individuelle Ohnmacht des Wählers.
Besonders bedenklich erscheint in diesem Zusammenhang, dass diese Machtgeste keinen erkennbaren Wandel in den Medien erzwingt. Dort hat man sich an der Klimastory festgebissen, die in immer skurrileren Varianten den Medienäther in einer Dauerschleife bespielt. Eliten-Kritik? Wo kämen wir denn da hin?
Sonderrechte für eine politische Führungsschicht sind jedoch stets Ausdruck einer erheblichen Machtverschiebung. Und wo sich politisches Diktat und Wirklichkeit systematisch voneinander lösen, wächst nicht nur das Misstrauen – dort gerät auch das Fundament demokratischer Legitimation ins Wanken.
Mit ihrer faktischen Rückkehr zu klassischen Verbrennungsmotoren steht die Politik allerdings nicht allein. In der Wirtschaft hat sich angesichts der dramatischen Krise und des sichtbaren Verfalls längst die Erkenntnis breitgemacht, dass es womöglich besser gewesen wäre, nicht dem Sirenengesang der Politik zu folgen – nicht den Versprechungen von Subventionen, E-Auto-Prämien und anderen fragwürdigen Lenkungsinstrumenten auf den Leim zu gehen.
Ob Stellantis, Opel oder Volkswagen: In ihrem Kampf gegen den offen zutage tretenden wirtschaftlichen Niedergang verschieben die großen Autobauer ihre Investitionen zunehmend auf profitablere Standorte – dorthin, wo Energiekosten günstiger sind und regulatorische Rahmenbedingungen wettbewerbsfähige Produktion erlauben. Gleichzeitig werden Produktportfolios bereinigt, Modellstrategien neu justiert und die Investitionen in reine E-Autos deutlich zurückgefahren.
Die positive Nachricht für all jene, die noch auf ein Comeback des deutschen Wirtschaftsstandortes hoffen, besteht darin, dass Politik und Konzernwirtschaft ganz offensichtlich – wenn auch unausgesprochen – begonnen haben, Teile der Klimaagenda 2030 zu Grabe zu tragen.
Nun, so ließe sich zuspitzen, liegt es am Wähler, den Sargdeckel über dieser ideologischen Verirrung endgültig zu schließen – oder ihr weiterhin politische Legitimation zu verleihen.





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Die 7-7,6 Liter Diesel dürften bei diesen Fahrzeug, noch dazu bei Leuten die ganz wichtig sind und es immer eilig haben, wohl nur im Verkaufsprospekt stehen.
„Die Klimaheuchelei in der deutschen Politik scheint grenzenlos zu sein.“
es geht doch gar nicht um Weltklimarettung, es geht um Abzocke und Subventionen.
Oh, die BRD Politniks heucheln und vertuschen. Ei der Daus, wer hätte das nur von ihnen gedacht. Die Dämlichkeit der BRD Bevölkerung ist inzwischen unfaßbar. Es muss das Bunte sein was dies verursacht hat.
Herr Kolbe, der erfundene sogenannte „Klimawandel“ (https://science.apa.at/power-search/15201337634974839324) verfolgt lediglich ein Ziel: Vorsätzliche Zerstörung des Wohlstandes des Deutschen Volkes (https://www.youtube.com/watch?v=8SNsfVYNels — https://www.youtube.com/watch?v=fZHiwH-yJuo ab Minute 36:00)!
Klimawandel ist nicht erfunden, sondern es gab ihn ja schon immer. Bleiben Sie mal auf dem Teppich, sonst glaubt Ihnen bald kaum einer mehr etwas.
Na ja, Recht hat er aber trotzdem …das Klima wandelt sich seit mio Jahren ! Auch ohne Zutun des dummen Affen der sich Mensch nennt ….
Das E-Auto eignet sich als Zweitwagen für Eigenheimbesitzer (mit eigener Garage). Die eigene Garage ist notwendig um zuverlässigen Zugang zum Ladestrom zu haben, ein richtiges Auto mit zuverlässigem Antrieb ist notwendig um auch dann ein zuverlässiges Verkehrsmittel zu haben, wenn das E-Auto wegen Kälte ausfällt, oder wenn doch mal eine längere Strecke ansteht.
Natürlich ist so ein Zweitauto unterm Strich eine Umweltbelastung, die Kilometerzahl die dessen Produktion rechtfertigt wird das nicht erreichen.
Für den typischen Stadtbewohner ohne Zugang zu einer persönlichen, vandalismussicheren Ladestation ist ein E-Auto eh Unsinn.
Sie haben es erkannt. Das subventionierte e-Auto, wird geladen mit dem subventionierten Strom aus der subventionierten PV/Solaranlage vom Dach der Eigenheimbesitzer. Wie auch die subventionierte Wärmepumpe vorm Haus betrieben wird mit dem subventionierten Strom aus der subventionierten PV/Solaranlage vom Dach.
Das sind förder-prämien und keine soziale-leistung des staates!
Sie werden an der Realität scheitern und zwar auf allen Gebieten!
Wirkllich? Ich meine, wir mit unserem Land, Staat, unseren Werten und unserer Kultur werden scheitern, aber die Politiker werden ihre Meinung ändern und im Sattel bleiben. Dafür wird der Michel schon sorgen, solange die Beine ihn zur Arbeit tragen.
Ganz klar ! Ein MInister sollte wichtigeres zu tun haben , als dauernd darüber nachzudenken , wann und wo kann und muss ich nachladen !
Als abhängig Beschäftigter und ehrenamtlicher Leiter eines kleinen erfolgreichen Familienunternehmens hat man definitiv was wichtigeres zu tun.
Inzwischen wurden die unfähigen linksgrünen Kartellparteien in sechs (6!) Bundestagswahlen mit jeweils über 80% bestätigt und die Bevölkerung wundert sich über das was in der Politik passiert. DAS(!) nenne ich kognitive Dissonanz/Beeinträchtigung oder einfach Dummheit. Jedes Volk hat die Politiker/Regierung die es verdient.
Welch wahres Wort. Und schon allein ein Blick auf jede beliebige Stadtstrasse in Dummland zeigt woran das liegt. Oder Töchter?
Der Herr reist wohl gerne zügig..
Es gibt mittlerweile genügend Testfahrten welche die Reichweite der batterieautos bei Hochgeschwindigkeiten auf ein lächerliches Mindestmass herunterschrauben, wir reden bei 150 bis 180 Autobahngeschwindigkeit über eine Reduzierung auf komplett lächerliche und praxisuntaugliche 100 km.
Das reicht dann nicht für die einfache Strecke Düsseldorf nach Münster oder Duisburg nach Paderborn
„Doch bei langen Fahrten durch ein Flächenland wie Nordrhein-Westfalen“
Schluchz ….
Muss der täglich kreuz und quer das Land bereisen, dass die Fläche Bedeutung hat? Ansonsten ist er doch nach 250 km an der Landesgrenze, die Rückfahrt dürfte die E-Karre doch auch noch schaffen, zumal er ja nachladen lassen kann.
Aber vermutlich mussten Herr Minister mal an der Ladesäule warten …..da weiß man ja gar nicht, warum man gesalbt wurde!
> Die E-Auto-Enthusiasten im Regierungskabinett von Ministerpräsident Hendrik Wüst lassen sich mittlerweile an einer Hand abzählen.
Aha. Wie faszinierend es auch sein mag, es gibt faszinierendere und deutlich wichtigere Fragen, zum Beispiel: Wann genau wird Erdgas ausgehen? Welche Betriebe werden in NRW abgeschaltet?
„Bundesnetzagentur – Aktuelle Lage Gasversorgung„: 15.02 – 23,54% bundesweit, beim Verbrauch am Tag -0,41%. Die „magische“ Grenze von 20% wird sehr bald erreicht.