Fernsehrat sieht bei „Doxxing“ keine Verstöße gegen ZDF-Regeln

Wegen einer Sendung von Jan Böhmermann, in der die Identität eines anonymen YouTubers offengelegt wurde und sein privates Umfeld ausgeforscht worden war, waren 183 Programmbeschwerden eingegangen, die nun alle einstimmig abgewiesen wurden. Der ZDF-Fernsehrat entschied: Die Redaktion habe „sorgfältig und verantwortlich“ gehandelt.

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Böhmermann schon wieder: Am 9. Mai 2025 hatte er unter dem Titel „Rechte Youtuber – Das Vorfeld der AfD“ die Identität eines anonymen Youtubers offengelegt. Schier geheimdienstliche Methoden brachten die ZDF-Schnüffler zum Einsatz, um die Identität des Youtubers herauszufinden: seinen Namen, seine Ausbildung, den Wohnort seiner Eltern, die schließlich von Reportern belagert wurden. Und um den Youtuber dem sozialen Tod auszusetzen. Immerhin warfen ihn die Kollegen seiner Musikgruppe hinaus.

„Doxxing“ heißt das: Aufbauend auf zusammengeflickten Fetzen aus dem Netz werden „Docs“ (Dokumente), auch sehr persönliche Daten zusammentragen, um die Anonymität des Opfers zu zerstören, es in ein schlechtes Licht zu rücken und in die Öffentlichkeit zu zerren. Das ist eigentlich ein Verstoß gegen Strafgesetzbuch (StGB) § 126 a – überschrieben mit: „Gefährdende Verbreitung personenbezogener Daten“. TE hat über den Doxxing-Skandal im Mai 2025 zweimal berichtet.

 

Nun musste/durfte sich aufgrund von 183 Programmbeschwerden der 60-köpfige ZDF-Fernsehrat mit diesem Böhmermannschen Doxxing befassen. Und siehe da und wie nicht anders zu erwarten: Der ZDF-Fernsehrat hat einstimmig (!) entschieden, dass Böhmermanns Redaktion „sorgfältig und verantwortlich“ gehandelt habe.

War etwas anderes zu erwarten? Von einem Gremium, das von der vormaligen CSU-Bundesministerin Gerda Hasselfeldt (75) geleitet wird und in dem überrepräsentiert Politiker, Ex-Politiker, Vertreter „woker“ Vereine und Verbände inklusive Kirchen sitzen? In dem aber kein Vertreter der ZDF-2,2-Milliarden-Euro-Zwangsgebührenzahler sitzt. Wie übrigens auch in keinem der zehn Rundfunkräte von ARD und DRadio, die mit insgesamt 434 Mitgliedern bestückt sind. Der ZDF-Fernsehrat will offenbar staatstragend eine Klarnamenpflicht präjudizieren, wie sie bezeichnenderweise gerade aus der Ecke von CDU/CSU auf Bundes- und EU-Ebene gefordert wird: von Manfred Weber (CSU/EVP), Daniel Günther (CDU), Felor Badenberg (CDU) und Co.

Zur Erinnerung: Auszüge aus der „Skandalakte Böhmermann“

ZDF-Mann Jan Böhmermann (*1981) gilt laut Wikipedia als Entertainer, Fernseh-, Radio- und Podcast-Moderator, Musiker, Autor, Filmproduzent, Journalist – ja gar als Satiriker, wo er doch kaum mehr als ein Satire-Simulator ist. Eine abgeschlossene Ausbildung hat er nicht. Das Studium an der Universität zu Köln in Geschichte, Soziologie sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften hat er abgebrochen. Das hindert das ZDF nicht daran, Böhmermann laut Presseberichten mit jährlich gut 700.000 Euro nicht nur fürstlich, sondern „royal“ aus dem 2,2-Milliarden-ZDF-Zwangsgebührentopf zu füttern. Gelder für seine Produktionsfirma Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH (UFE) mit rund 70 Mitarbeitern nicht mitgerechnet; das ZDF schweigt sich darüber aus.

Tatsächlich will das Kurzeit-SPD-Mitglied-Böhmermann (Mitglied für einige Wochen, aus – wie er sagt – „satirischen Gründen“ 2019) Politik machen: sendungsbewusst und selbstverliebt – in Personalunion als Fahnder, verdeckter Ermittler, Verfassungsschützer, Staatsanwalt, Richter, Exekutor, Antifa-Kämpfer, Genderprophet, Klimaschützer usw. Personen, Positionen, Meinungen, Überzeugungen, die nicht in Böhmermanns Sehschlitzblick passen, werden niedergemacht. Dass der Gesinnungskrawallo und Anschwärzscherge Böhmermann einmal Klimaapostel oder Genderisten auf Schippe nähme? Fehlanzeige! Solche stromlinienförmigen Opportunisten hätten damals bzw. gefallen heute so manchem Autokraten.

Böhmermann gibt auch gerne den Aktivisten bzw. den Förderer von Aktivisten, zum Beispiel von privaten Seenotrettern. Als Mitinitiator des „Kabuler Appells“ für die Einreise von zweitausend weiteren Afghanen, die in Afghanistan bis 2021 angeblich für Deutschland gearbeitet hätten, deswegen von den Taliban bedroht würden. Als Verfasser eines abartigen unterirdischen Schmähgedichts gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Als Corona-Hardliner – etwa mit „Reimen“ wie diesen. „Meine Oma weiß, es gibt gar kein Corona, Corona, Corona …Meine Oma liegt seit vorgestern im Koma, im Koma, im Koma. Mit nem Plastikschlauch in ihren Tracheostama. Pandemie vorbei und meine Oma auch.“ Mit der Beleidigung von Lebensschützern als „Föten-Fanatiker“. Mit der Darstellung Jesu, der – quasi gescheitert am Physikum – zum ersten Heilpraktiker der Geschichte wurde.

Nicht zuletzt als strammer Antifakämpfer gegen AfD und FPÖ. Da fällt dann schon auch einmal sein Satz: „Nicht immer die Nazikeule rausholen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen.“ Zur Erinnerung: „Keulen“ ist ein Begriff, der für die massenhafte Tötung von erkrankten Tierherden steht. Böhmermann auch als einer, der den damaligen Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm mit der erfundenen Unterstellung von Kontakten zu russischen Diensten an SPD-Innenministerin Nancy Faesers Messer lieferte. Und dafür eine Klatsche beim Landgericht München einfing. Auch darüber hat TE über mehr als zwei Jahre hinweg wohl mehr als zehnmal berichtet.

Für solche Heldentaten, für die oft genug auf Kosten des ZDF (pardon: des Zwangsgebührenzahlers) Gerichte bemüht werden mussten, wird Böhmermann seit 2009 mit Auszeichnungen und Nominierungen überhäuft: 10-mal mit dem Grimme-Preis, 6-mal mit dem Deutschen Fernsehpreis usw. Solche Preisverleihungen muten freilich längst an wie die Praxis in der vormaligen Sowjetunion und in der DDR, wo sich die Funktionäre gegenseitig die Brust mit Orden tapezierten.

„Sudel-Ede“ 2.0

Im Februar 2024 kam ein Preis dazu – als einzig berechtigter, weil Böhmermann ein großes Vorbild zu haben scheint: den „Zersetzer“ (Stasi-Sprache) und „Sudel-Ede“ (DDR-Volksmund) Karl-Eduard von Schnitzler (1918 – 2002). Dieser war von 1960 bis 1989 Kommentator des „Schwarzen Kanals“. „Sudel-Ede“ war der Schimpfname für den meistgehassten medialen Hetzer der DDR.

Böhmermann bekam denn auch vollkommen zu Recht den „Karl-Eduard-von-Schnitzler“ als (Negativ-)Preis der Stiftung „Meinung und Freiheit“ für „Propaganda-Journalismus“, Desinformation und Meinungsmanipulation. „Zu Recht“, denn Böhmermann steht für die offenkundigen Fehlentwicklungen der ÖRR, im besonderen des ZDF. Insofern können die vielen, die den ÖRR reformieren oder gar abschaffen wollen, Böhmermann dankbar sein. „Sudel-Ede“ war übrigens 29 Jahre zersetzend tätig. Böhmermann, der seit nunmehr 14 Jahren für das ZDF „arbeitet“, sollte nach nunmehr der Hälfte dieser „Sudel-Ede“-Zeit aus der Arena genommen werden.

Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung wurde Jan Böhmermann als SPD-Mitglied bezeichnet. Das ist er nicht mehr. Wir bedauern diese Darstellung


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Kommentare ( 52 )

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schwarzwaldmaedel
1 Monat her

Sonst wird der Datenschutz doch immer so hoch gehalten.
Ivch bekomme als Familienmitglied keine Auskunft, wenn ein Angehöriger in der Klinik behandelt wird. Antwort: Datenschutz. Nur mit einer Patientenverfügung. Bei Herrn Böhmermann spielt das keine Rolle. Ätzend.

Lotus
1 Monat her

Daniel Günther würde zusätzlich noch seinen Qualitätsstempel draufhämmern.
Merke: Linksgrüne Medien = gut, sorgfältig und verantwortlich; alternative („neurechte“) Medien = Hass, Hetze, Fake News und Zersetzung. Das sagen Unseredemokraten, also muss es stimmen.

Kassandra
1 Monat her

Die Berliner Zeitung schreibt am 22.12.2025, dass das „politische“ Kontrollgremium gar nicht geeignet ist, für „Ordnung“ zu sorgen:
In den Aufsichtsgremien des ÖRR sind teilweise so viele Politiker, dass sich das Bundesverfassungsgericht vor elf Jahren in einem Urteil zu einer Klarstellung veranlasst sah: Die Staatsferne werde bei dieser Dichte der politischen Kaste kaum gewährleistet, sie sollte auf ein Drittel der Mitglieder begrenzt werden. Seitdem hat sich kaum etwas verändert. Beim Fernsehrat des ZDF liegt die Politikerdichte bei über 50 Prozent.“ https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/tv-medien/wie-man-dreifach-abkassiert-li.10011053
.

doktorcharlyspechtgesicht
1 Monat her

Lasst doch die Vergleiche des Böhmermann mit Karl-Eduard von Schnitzler endlich sein. Weder hatte K.-E. eine Produktionsfirma mit 70 Mitarbeitern, noch erhielt er jährlich 1.400.000 DM Valuta. Auch stellte er keine „abtrünnigen“ Genossen namentlich bloß; seine Hauptaufgabe war die Außenpolitik – der Kampf gegen das westliche System. Daran hat er sich abgearbeitet. Mit wenigen Mitarbeitern. Seine Texte schrieb er ausnahmlos selbst. B. hingegen hetzt gegen die eigene Bevölkerung und hat weitaus mehr Ressourcen als K.-E. zu seinen besten Zeiten. Böhmermann hat nicht einen Bruchteil der intelektuellen Kapazität v. Schnitzlers – der zwar unsympathisch und Systemling, aber doch redebegabt und hochgebildet… Mehr

verblichene Rose
1 Monat her

Im Falle v. Schnitzlers muß ich Ihnen sogar recht geben. Und mich würde brennend interessieren, wie er heute über die wiedervereinigte BRD sprechen würde.

eifelerjong
1 Monat her

Was ich nicht verstehe ist, daß bislang noch keinem der Opfer Böhmermanns der Kragen geplatzt ist und er diesem Hänfling nicht den dürren Hals umgedreht hat.

Last edited 1 Monat her by eifelerjong
verblichene Rose
1 Monat her

Böhmermann ist eben immer an die „Falschen“ geraten.
Mit mir hätte er es nämlich gleich zweimal „gemacht“.
Das erste und das letzte Mal.

MartinKienzle
1 Monat her

Herr Kraus, da unter anderem das ZDF Lizenzmedium der sogenannten „Alliierten“ ist (https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-re-education-alliierte-zweiter-weltkrieg-100.html), nimmt seine Verteidigung Böhmermanns, der, da ungelernt, den dealen Propagandisten der alliierten, volksfeindlichen BRD mimt (https://www.youtube.com/watch?v=QNyLvPPVszQ ab Minute 2:20) mitnichten wunder, das uns Deutschen allerdings keineswegs betrüben sollte, da die Tage der alliierten BRD definitiv gezählt sind!

Last edited 1 Monat her by MartinKienzle
Delegro
1 Monat her

Wer hat anderes erwartet. Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Wer sich die Zusammensetzung des Fernsehrates anschaut weiß, warum man dort erst gar keine Beschwerden einlegen sollte. Verlorene Liebesmüh. Linke Zecken werden nie gegen linke Zecken agitieren. Man ist sich einig im Kampf gegen alles was nicht richtig links ist. Also gegen die Mittel und den rechten Rand der Wähler.

Orlando M.
1 Monat her

Sich beim ZDF-Fernsehrat über B. zu beschweren, ist genau so zielführend, wie bei der SED über die Stasi zu klagen.

Nibelung
1 Monat her
Antworten an  Orlando M.

So ist es und gestern Hundesteuerbescheid mit einer Erhöhung von 100% ohne jegliche Erläuterung und wenn man die ganzen dunklen Gestalten im Ort sehen kann wundert es nicht, denn das sind die Opfer, die wir zu erbringen haben und wer sich das noch leisten will, soll die Sozialisten wählen und hat die beste Gewähr dafür, daß er bald nur noch wenig besitzt, denn deren Absicht ist zu teilen, damit es anderen besser geht und wo das noch hinführen soll wird sich zeigen und ist nur ein kleines Beispiel unserer politischen Abenteuerer, die gerne der Teufel holen kann.

Sancho
1 Monat her

Offensichtlich ist das der moralische Standard der
Mitglieder des „Fernsehrates“.
Was interessiert die das Strafgesetzbuch….