Kein staatlicher Umweltbonus für E-Autos mehr – Hersteller übernehmen

Am Samstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium überraschend verkündet, dass nur noch am Sonntag Anträge für den sogenannten Umweltbonus für Elektroautos gestellt werden können. Grund: kein Geld. Jetzt übernehmen VW, Mercedes und andere Hersteller den Bonus, um den Verlust für Autokäufer auszugleichen.

IMAGO

Am vergangenen Samstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium unter Habeck überraschend verkündet, dass nur noch am Sonntag Anträge für den sogenannten Umweltbonus für Elektroautos gestellt werden können. Der Grund: keine Kohle mehr.

Rund 60.000 Elektroautos sollen von dem plötzlichen Stopp der Förderung betroffen sein. Das hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.
Hochgerechnet ergeben die Zahlen, dass in diesem Jahr rund 30.000 E-Fahrzeuge verkauft sind und bis zum Jahresende zur Auslieferung anstehen. Für weitere rund 30.000 E-Fahrzeuge sind ebenfalls schon Kaufverträge abgeschlossen, eine Zulassung ist aber erst im Jahr 2024 zu erwarten.

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Habeck ohne Kohle – jetzt übernehmen VW, Mercedes und andere Hersteller und gleichen den Verlust für Autokäufer aus. »Wir sehen ja ganz aktuell, dass fast alle Hersteller und Importeure in die Bresche springen und den Kundinnen und Kunden jetzt auch den staatlichen Anteil des Umweltbonus zumindest für Zulassungen bis zum 31. Dezember 2023 gewähren wollen“, sagt ZDK-Präsident Arne Joswig. „Dafür sind wir sehr dankbar. Es kann aber nicht sein, dass wir – sprich Hersteller und Handel – durch den Überfall-Förderstopp der Regierung unter Druck gesetzt werden und uns im Sinne der Kundinnen und Kunden gezwungen sehen, es zu korrigieren.«

Nach dem Wegfall der staatlichen Förderung beim Kauf eines E-Autos springen Hersteller wie VW und Stellantis ein und übernehmen die Prämie komplett, um die Verkäufe zu retten. VW übernimmt laut Pressemitteilung für alle Privatkunden in Deutschland, die bereits vor dem 15. Dezember 2023 ein neues E-Auto bestellt, es aber noch nicht übernommen und zugelassen haben, die volle Umweltprämie. Für Autos, die noch in diesem Jahr zugelassen werden, beträgt die maximale Prämie 6750 Euro, danach (bei Zulassung bis 31. März) 4500 Euro.

Nicht mitgeteilt haben die Autohersteller, ob sie die Elektroautos im kommenden Jahr 5000 bis 6000 Euro billiger verkaufen. Denn für sie entscheidend ist jener »CO2-Flottenwert«, also die durchschnittlichen CO2-Emissionswerte aller neu zugelassenen Autos eines Herstellers. Sie müssen Elektroautos nahezu um jeden Preis an Käufer bringen, wollen sie nicht hohe Strafen an die EU zahlen. Und jene Super-Schwindel-Rechnerei kann für Hersteller richtig teuer werden.

In diesen Ablassnepp fließen die durchschnittlichen Emissionswerte und das Gewicht der Fahrzeuge ein. 2015 eingeführt, durften 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen werden. Jetzt dürfen 120 Gramm CO2 pro Kilometer als durchschnittlicher CO2-Ausstoß von Neuwagen nicht überschritten werden. 2035 soll gelten: Es darf gar kein CO2 mehr ausgestoßen werden. Dieses Verbrennerverbot hat auch der deutsche Verkehrsminister Wissing unterschrieben.

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Bei einer Überschreitung müssen derzeit 475 Euro pro Gramm und verkauftem Auto abgedrückt werden. Massenhersteller wie VW kann das schnell Millionen kosten. Ein Elektroauto hat keinen Auspuff, also werden sie mit CO2 gleich null angerechnet. Dass der Auspuff woanders steht, beim Kohlekraftwerk, interessierte diejenigen, die dieses gigantische Lügengebäude errichtet haben, nicht weiter.

Für Tesla hat der »CO2-Zertifikatehandel« schon immer den praktischen Nebeneffekt, dass durch den Verkauf von Zertifikaten die Kasse so aufgebessert werden konnte, dass der Verkauf von Autos nicht unbedingt die dominierende Rolle spielen musste. So nahm Tesla 2022 gut 1,78 Milliarden Dollar ein, nur dadurch, dass die Hersteller von sogenannten »bösen« Benzin- und Diesel-Fahrzeugen CO2-Ablassgelder bezahlen müssen – beziehungsweise letztlich deren Kunden.

Kein Zweifel: Der Schwindel muss weg. Sonst sieht es noch düsterer für die deutsche Autoindustrie aus als sowieso schon. Jetzt sehen wir gespannt auf das nächste Abenteuer aus dem zwielichtigen Wirtschaftsministerium: die Förderung von Wärmepumpen. Habecks Wort heißt: versprochen – gebrochen.

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Kommentare ( 71 )

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Irdifu
2 Monate her

Achnee , plötzlich und unerwartet , die Hersteller übernehmen ? Begonnen mit der Abwrackprämie vor mehr als 10 Jahren , solange greifen die Hersteller in den Steuertopf kassierten Milliarden vom Steuerzahler und stellen sich jetzt als barmherzig Samariter dar , damit sie ihren Elektroschrott an die Betrogenen verkaufen zu können . Mein hochmodernenr Diesel eines ausländischen Herstellers , den ich mir zulegte , nachdem ich von VW/Audi mit dem Dieselskandal betrogen und vor Gericht kein RECHT bekam , fährt weiter bis der Fahrersitz durch die Bodengruppe bricht . VERSPROCHEN

Cosel
2 Monate her

Wenn morgen Miss-Wahlen wären, wäre Habeck meine Miss Wirtschaft 🙂

amendewirdallesgut
2 Monate her

Ich persönlich halte den Umweltbonus sowieso für einen subtile perfiden Schwindel , der eine direkte Subvention der Automobilbranche verschleiern soll , E Prämie war von vorneherein eingepreist , nun ist halt Schluß mit Deckmantelsubvention durch die Hintertüre , wer wissen will wo der Hammer hängt , kann ja mal den Preis für einen ID4 in China anfragen , der Rest ist Jack Sparrow : „Nimm soviel Du kriegen kannst und gib nichts mehr zurück .“

Teide
2 Monate her

2035 soll gelten: Es darf gar kein CO2 mehr ausgestoßen werden.“
Kleine Tip. Merkt euch das Kürzel „CO2e“. Das e steht für equivalent.
Kurz zusammengefasst: Es wird teuer.

BeVo
2 Monate her
Antworten an  Teide

Ergo ist gemäß der Lügner, die sagen, die Umwelt sei kaputt, 2035 für den Menschen Schluss.

Irdifu
2 Monate her
Antworten an  Teide

2035 wird es weder eine korrupte Altparteienregierung , noch eine noch korruptere EU in ihrer jetzigen Form mit 60 000 Bürokraten geben .
Deshalb , abwarten und Tee trinken , irgendwann sind alle aufgewacht und machen diesen Globalistendeppen den Garaus , hoffe ich zumindest. Tichy’s Einblick , Reitschuster und viele andere ( die auch immer mehr werden ) helfen uns dabei .
Vielen Dank dafür und all diesen Menschen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein gutes und gesundes NEUES JAHR

Dr.KoVo
2 Monate her

Was würde denn passieren, wenn die Autohersteller alle Vorgaben von Brüssel, einschließlich Strafzahlungen, ignorieren? Würde Flintenuschi eine Armee ausheben und die Werke zerstören? Oder Pistorius seine Panzer von der Ukraine abziehen müssen, um gegen Mercedes vorzugehen? Eigentlich hätten doch die Großkonzerne die Macht. Oder?

RMPetersen
2 Monate her
Antworten an  Dr.KoVo

Es geht in Wahrheit nicht um die Produktion, sondern um die Zulassung von Neufahrzeugen.
Was Mercedes hier produziert und dann in Timbuktu verkauft, ist den Behörden egal.

Dr.KoVo
2 Monate her
Antworten an  RMPetersen

Was ist dann mit den asiatischen Herstellern? Müssen die auch einen Flottenverbrauch nachweisen, wenn sie hier Autos verkaufen wollen? Wissen Sie das?

Teide
2 Monate her

Die Hersteller werden Ein,- Zweitausend auf jeden Verbrenner aufschlagen um die Elektroautos zu subventionieren. Wenn das nicht reicht einfach Zehntausend. Schutzzoll in gleicher Höhe auf importierte Autos, fertig ist die Laube.
Es ist immer die gleiche Lösung. Alles unbezahlbar teuer machen.

Lucius de Geer
2 Monate her

Daher werden gute Gebrauchte immer teurer. Vermutlich könnte ich meinen Duster Allrad mit 150 PS-Benziner nach knapp 25.000 km noch mit Gewinn verkaufen. Will ich aber nicht.

Ali Mente
2 Monate her

Die Automobilindustrie möchte nun als Retter ihrer Kunden aufzutreten und so tun als würde sie selbstlos die hohen Preisnachlässe anbieten nur um die Kunden nicht zu enttäuschen. Das Ganze ist natürlich ein fauler Trick. E-Autos verkaufen sich ohne entsprechende Anreize nahezu gar nicht, einen Gebrauchtmarkt gibt es nicht. Die Automobilhersteller wollen jetzt nur so schnell wie möglich viele der Karren an den Käufer bringen, auch mit geringem Gewinn, denn bald werden sie die vermutlich gar nicht mehr los. Daher noch schnell das kassieren was möglich ist. Die Plätze der Händler stehen voll mit E-Autos und kaum eins wird noch verkauft.… Mehr

Lesterkwelle
2 Monate her

Soso, die Hersteller wollen einspringen. Nennt sich uebrigens Marktwirtschaft. Wer sich ein e-Auto zulegen will, bitte schoen. Aber nicht mit Hilfe der Millionen Steuerzahler, die das nicht koennen. Waermepumpen? Bitte schoen! Hier gilt das gleiche. Diese verfluchte Subventionsmasche muss verschwinden. Kein Nudging, sondern Freiheit, selbst zu entscheiden. Wer der Klimawandel- Chimaere verfallen ist, darf sich gerne auf eigene Kosten an deren Bekaempfung beteiligen. Doch diese einfachen Ueberlegungen in die Koepfe der Fortschrittskoalitionaere zu bekommen…warten wir’s ab.

Peterson82
2 Monate her
Antworten an  Lesterkwelle

haben sie auch kommentiert als es damals die Abwrackprämie für Verbrenner gab? Die haben viele dankend mitgenommen.

Werner Geiselhart
2 Monate her

Das hat die Ampel wieder genial durchgerechnet mit dem Stopp der Förderung von 4500€.
Wenn man einen Durchschnittskaufpreis von 50000€ pro Auto rechnet, gehen dem Staat für jedes dadurch nicht verkaufte Auto ca. 10000€ an Umsatzsteuer flöten, ein Benziner als Ersatz kostet oftmals nur die Hälfte.
Durch den Rabatt der Hersteller gibt’s nochmal weniger Steuereinnahmen.
Durch Entlassungen und Kurzarbeit fällt weniger Einkommenssteuer an, durch weniger Unternehmensgewinne sinkt das Gewerbesteuereinkommen der Gemeinden.
Grundlagen der Betriebswirtschaft sind für die Ampel Fremdwörter.
Grausam.