Südkorea mischt den Rüstungsmarkt auf – deutsche Rüstungsindustrie hat das Nachsehen

Das südkoreanische Rüstungsunternehmen Hanwha Defense hat bei einem milliardenschweren Einkauf aus Australien den deutschen Konzern Rheinmetall aus dem Feld geschlagen. Auch Nato-Länder kaufen immer häufiger in Südkorea ein.

IMAGO / AAP
Hanwha Defence Australia™s Redback fighting vehicle on display at Australian Defence Force headquarters in Canberra, Friday, March 12, 2021.

Es geht um einen neuen Schützenpanzer (Mannschaftstransportwagen), den Australien im Zuge seines ADF-Programms „Land 400 Phase 3“ (ADF = Australian Defence Force) haben möchte. Das australische Verteidigungsministerium hat aktuell mitgeteilt, dass man den südkoreanischen „AS21 Redback“ anschaffen wird. Allerdings nicht wie ursprünglich geplant mit 450 Stück, sondern nur 129 davon. Es geht um ein Volumen von fünf bis sieben Milliarden Australische Dollar (3,1 bis 4,3 Milliarden Euro). Der AS21-Schützenpanzer soll den M113AS3/4 ersetzen, von dem Australien noch rund 400 Stück hat. Die lokale Tochtergesellschaft Hanwha Defense Australia wird den AS21 in einem neuen Werk in Geelong bauen – rund 50 Kilometer entfernt im Südwesten von Melbourne. Die ersten AS21-Redback sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden.

Der AS21 Redback ist eine Weiterentwicklung des Schützenpanzers K21, der bereits in der südkoreanischen Armee im Einsatz ist. Er verfügt über einen EOS T-2000-Turm, der mit einer 30-mm-Kanone Bushmaster MK44S, einem 7,62-mm-Koaxial-Maschinengewehr MAG 58, 76-mm-mehrfach Nebelgranatenwerfern und zwei Spike LR2-Raketenwerfern bewaffnet ist. Das Fahrzeug ist durch das aktive Schutzsystem Iron Fist von Elbit Systems geschützt und wird von einem MTU-Achtzylinder-Dieselmotor mit einer Leistung von 735 kW (1000 PS) angetrieben.

AS21 Redback; Foto: Hanwha Defense

Rheinmetall war Anfang 2021 wie Hanwha Defense mit drei Testfahrzeugen, hier mit dem Schützenpanzer KF-41 Lynx, ins Rennen gegangen. Es muss wohl auch eine knappe Entscheidung gegen Rheinmetall gewesen sein. Denn es heißt: Der AS21 Redback habe geringfügig besser abgeschnitten hat als sein deutscher Konkurrent KF-41 Lynx. Beide Modelle seien für die Anforderungen des Verteidigungsministeriums als geeignet angesehen wurden. Insider hatten ursprünglich gemeint, dass der KF-41 Lynx der Favorit sei, da die Australier bereits den 8×8-AFV Boxer von Rheinmetall als Ersatz für ihre leichten gepanzerten Radfahrzeuge (ASLAV) ausgewählt hatte. Ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass die Südkoreaner etwas früher als die Deutschen liefern können. Die Eigenwerbung von Rheinmetall verfing also nicht, auch wenn es dort selbstbewusst heißt: „Rheinmetall’s Lynx ist der derzeit modernste Schützenpanzer auf dem globalen Verteidigungsmarkt.“

Der KF-41 Lynx (KF = Kettenfahrzeug): Bild: Rheinmetall

Überhaupt sind die Deutschen zu langsam. Ungarn etwa hat im Jahr 2018 44 Leopard-Panzer bestellt, von denen bisher noch keiner geliefert wurde. Das könnte auch bei den Rüstungseinkäufen Polens in Südkorea eine Rolle gespielt haben. Im Jahr 2022 hat Polen für rund 13 Milliarden-Euro Rüstungsverträge mit Südkorea abgeschlossen. Alle Waffen sollen übrigens mit den Nato-Systemen kompatibel sein. Der polnische Einkauf betrifft Raketenwerfer, Haubitzen, Kampfjets und 980 Panzer. Am 5. Dezember 2022 sind im polnischen Gdynia (Gdingen) sogar schon die ersten Exemplare per Schiff angelandet: der Kampfpanzer K2 und die Panzerhaubitze K9. Die kompletten Lieferungen sollen bis 2026 erfolgen. Es ist sogar von einer Art Südkorea-Polen-Konsortium die Rede.

Die Expansion der südkoreanischen Rüstungsindustrie hat nicht allein mit Australien und Polen zu tun. Auch Nato-Länder kaufen immer häufiger in Südkorea ein. Oh Kyeahwan, Direktor Hanwha Aerospace, sagte: „Die Tschechische Republik, Rumänien, die Slowakei, Finnland, Estland, Lettland, Litauen kauften früher Rüstungsgüter nur in Europa. Aber inzwischen ist bekannter, dass man sie auch von südkoreanischen Unternehmen zu einem niedrigen Preis kaufen – und schnell liefern lassen kann.“ www.spiegel.de/ausland/die-waffenlieferanten-aus-suedkorea-polen-deal-als-tueroeffner-fuer-nato-exporte-a-94a82e31-6146-4ee9-96a3-fb5b0bf8d942

Der aktuelle Deal zeigt zweierlei. Erstens mischt Südkorea als Fahrzeugbauer (Hyundai, Kia, Ssang Yong und Daewoo) nun auch den Rüstungsmarkt auf. Im Jahr 2022 exportierte Südkorea 2,3 Millionen PKWs im Wert von 34 Milliarden Euro. Zweitens: Südkorea, das wegen seiner Frontlage zu Nordkorea hochgerüstet ist, schickt sich an, in die Spitzengruppe der fünf Länder zu gelangen, die weltweit die meisten Rüstungsexporte verzeichnen. Südkorea liegt hier derzeit auf Platz 8, Deutschland auf Platz 5 (hinter den USA, Russland, Frankreich und China). Es ist zu vermuten, dass Südkorea Deutschland hier bald hinter sich lassen könnte. Topaktuelle Zahlen bekommt man derzeit zwar nicht aus dem schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI. Hier mal nur zum Vergleich: Deutsche Firmen exportierten im Jahr 2022 Waffen und Militärguter im Wert von 8 Milliarden Euro. Von Südkorea heißt es, es verfüge derzeit über ein Auftragsvolumen von 22 Milliarden. Damit dürfte freilich nicht nur ein einzelnes Jahr gemeint sein.

Dass die deutsche Rüstungsindustrie oft ins Hintertreffen gerät, hat aus der Vergangenheit politische und gesellschaftlich Gründe. Bis zum Überfall Russlands auf die Ukraine galt Rüstungsindustrie in Deutschland als igittigitt. Nun, wo deutsche Rüstungsindustrie wieder wichtig wäre, ist es nicht leicht, Kapazitäten aufzustocken, um anspruchsvoll und flott liefern zu können. Rheinmetall beispielsweise hatte im Jahr 2000 30.600 Mitarbeiter, 2022 sind es 25.500.


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Kommentare ( 46 )

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Anglesachse
10 Monate her

Südkoreanische Panzer?
Ich habe selbst ein südkor.Motoradl und es ist Honda-Lizenz in bester Qualität! …24 Jahre „jung“…
S-Korea ist eben ein „Tigerstaat“ mit guter Innovation.

Gerd07
10 Monate her

Überhaupt sind die Deutschen zu langsam. … Das könnte auch bei den Rüstungseinkäufen Polens in Südkorea eine Rolle gespielt haben.

Ja und nein! Der Lieferzeitraum war Ungarn bekannt, aber 2018 hatte die schnelle Lieferung großer Stückzahlen auch keine Priorität. Dass deutsche Rüstungshersteller in Polen kein Bein auf den Boden bekommen hat andere Gründe.
Groko und Ampel haben die Angriffe aus Brüssel stets unterstützt und mehr davon gefordert. Deswegen kauft Polen nichts mehr von uns!

Manfred_Hbg
10 Monate her

Zitat: „Dass die deutsche Rüstungsindustrie oft ins Hintertreffen gerät, hat aus der Vergangenheit politische und gesellschaftlich Gründe.“ > Und wenn man mal von der Ukraine und unseren Waffenlieferungen dorthin absieht, dann hat sich hier auch nicht viel geändert. Und was die Polen und deren Waffenkäufe betrifft, hier haben die Polen in den letzten Jahren gerade auch beim Kauf von Kettenfahrzeuge stark zugeschlagen und werden vermutlich bald EUropas größte Panzerarmee haben. Warum die Polen nicht auch beim Leo 2A6 oder 2A8 geblieben sind(die Tschechen haben z.Bsp eine größere Zahl des Leo 2A8 geordert) kann ich mir eigentlich nur vor allem wegen… Mehr

Aqvamare
10 Monate her
Antworten an  Manfred_Hbg

Damit hat das wenig zu tun.

Polen bekommt beim koreanischen K9 die fabrik zur Produktion in Polen mitgeliefert, und ist somit beim wichtigsten von Panzern, die Ersatzteilversorgung nach Einsatz unabhängig.

Die Vertrauen eben nicht nur in ihrer Rehtorik Deutschland null (Repressionszahlungen), sondern schaffen eben auch Tatsachen, dass man im Zweifel eben auch Gegenmaßnahmen aus Deutschland nicht ausgeliefert ist.

Thorsten
10 Monate her
Antworten an  Manfred_Hbg

Die Südkoreaner trainieren praktisch ständig mit US-Truppen, die Technik wird also NATO-Standards genügen.
Mit Ersatzteilen haben auch Nutzer deutscher Waffen so ihre Probleme. Ich würde ja eigentlich russische oder chinesische Waffen empfehlen. Ist aber nicht der richtige Moment. 😉

Guenther Adens
10 Monate her

Vor ca. sechzig Jahren, ich war noch kleiner Junge in meiner Heimatstadt Emden, ging Oberbürgermeister Schierig stolz ( Zeitungsphoto) mit exotischen Südkoreanern durch das voll ausgelastete Werftenviertel im Emder Hafen, und zeigte den staunenden Entwicklungsländlern, wie gut wir Schiffe bauen konnten. Ein paar Entwicklungsländler blieben darauf lange Zeit in Emden.
Zeitsprung:
Heute gähnende Leere im Emder Hafen, dafür volle Auftragsbücher in südkoreanischen Hafenstädten.
Übrigens:
Im Jahre 2020 hat die großkotzige BRD-Regierung, selber Raumfahrtentwicklungsland den mondlandenden Chinesen gönnerhaft eine Entwicklungshilfe von 475 Millionen Euro gewährt…..

losstakt
7 Monate her
Antworten an  Guenther Adens

Aja. Gerade auch der Schiffsbau war eine massive Subventionslandschaft mit Verkaufspreisen unter Produktionskosten. Das ist zwar einerseits recht gut für Endkunden und teilweise Verbraucher, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht unmöglich. Aber Sie werden ja sicherlich detaillierte Fachkenntnisse als Lokaler in Emden haben. Da bleiben für andere nur noch Nischen oder sensiblere Bereiche wie fürs Militär.   „Im Jahre 2020 hat die großkotzige BRD-Regierung, selber Raumfahrtentwicklungsland den mondlandenden Chinesen gönnerhaft eine Entwicklungshilfe von 475 Millionen Euro gewährt“ Ist es doch immer wieder erstaunlich, wie die oftmals selbst ernannten „Nachdenker“ oder „Logiker“, sich nichtmal die Zeit nehmen um einfache Dinge einfach selbst nachzulesen.… Mehr

RMPetersen
10 Monate her

Na, immerhin mit einem MTU-Dieselmotor.
Dieselmotoren können die Deutschen unbestritten am besten. Deshalb ist der Dieselmotor ja von den Umwelt-Fakern wie „Deutsche Umwelthilfe“ schon seit den 90ern am stärksten bekämpft worden.
(Finanziert von US-Firmen-Stiftungen und auch dem Umweltbundesamt.)
Solche Zusammenhänge wären sehr viel früher mal von kritischen Zeitungen und TV („Report aus München“) aufgedeckt worden, aber die gibt es ja nicht mehr.

Last edited 10 Monate her by RMPetersen
Beat.Buenzli
10 Monate her

Wenn sich ein Land zum Waffenkauf entscheidet, dann ist Zeit meist ein wichtiger Faktor. Würde mir ein Rüstungshersteller sagen, die Waffen sind in 8 Jahren lieferbar, wäre mein Interesse vergangen. Es kann doch nicht sein, dass ausschließlich auf Bestellung produziert wird und keine Standart-Versionen ab Lager verfügbar sind. In 8 Jahren ist der Krieg rum, da brauch man die Waffen nicht mehr.

DeppvomDienst
10 Monate her

So ein Liefervertrag läuft oft über Jahrzehnte. Wer glaubt schon noch, das Deutschland und seine Industrie dem auf Dauer noch nachkommen könnten. Und bei der Aufrüstung die Polen betreibt, wird man bei den nächsten Forderungen nach Reparationen vielleicht eine stärkere Position gegenüber Berlin haben, und sich den Schutz nach Osten auch bezahlen lassen.

WokinesIn
10 Monate her

Ich weiß nicht welche kurzsichtigen Trottel da entscheiden… Verteidigung beginnt mit Autarkie, wie man gerade erst an der Gepard-Munition sehen konnte. Blöd, wenn der Nachschub durch „Neutralitätsgesetze“ ausbleibt oder 7 Wochen braucht, bis er das Erdenrund umschifft hat. So eine Reise kann mitunter auch gefährlich sein, besonders in Kriegszeiten. Si vis pacem para bellum bedeutet in unserem Falle auch nicht heute 15 Haubizen und 40 Leo’s zu bestellen und auf die Auslieferung in 2029 zu warten. Da ist ja im Zweifel alles zu spät. Aufrüstung bedeutet, die Kapazitäten aufzubauen, die einen in die Lage versetzt 20 Leo’s in einer Woche… Mehr

bkkopp
10 Monate her

Exportaufträge für ein Drittland am anderen Ende der Welt sind eine Sache. Die Anschaffung von Rüstungsgütern der europäischen Nato-Mitglieder ist eine andere. Rüstungsinvestitionen sind keine wirtschaftlich rentablen Investitionen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die technologische Entwicklung, die Planung und die industrielle Produktion – die gesamte Wertschöpfungskette – innerhalb derer bleibt die die Rüstungsgüter bezahlen. Jedenfalls so viel wie nur irgendwie möglich. Eine gewaltige Organisationsaufgabe. Wenn man vor ca. 30 Jahren sehr systematisch damit begonnen hätte, dann wäre man weiter.

Boris G
10 Monate her

Die Südkoreaner zeigen, wozu ein rohstoffarmes von grausamer Kolonialherrschaft und zwei fürchterlichen Krisen gebeuteltes Land fähig ist: Aufstieg wie Phönix aus der Asche! Der Grund: Durchschnitts-IQ 106 Punkte plus herausragender Fleiß und Gewissenhaftigkeit. Auf freien Märkten gegen die Nordostasiaten gewinnen ist für Deutschland sehr, sehr schwer geworden.

Boris G
10 Monate her
Antworten an  Boris G

Dann erklären sie mal den Aufstieg von Samsung.