Merz’ Neujahrsansprache lässt für 2026 Böses ahnen

Politische Weihnachts- und Neujahrsansprachen sind seit jeher eine zähe und nicht selten unappetitliche Angelegenheit. Rhetorisch bleiben sie flach, gleiten zumeist in Sozialkitsch ab und versprühen den Charme klassischer Referentenspruchsammlungen.

picture alliance/dpa/dpa-Pool | Kay Nietfeld

Festliche Politikeransprachen sind zu reinen Parteipropaganda-Events verkommen. Im Grunde ist es nicht wert, seine Zeit für derartige Sprachspiele und deren medial glamouröse Präsentation zu opfern. Ihr Framing und die unangenehm deplatzierte Präsentation des Redners, mal vor nationalen Symbolen, mal vor dem Weihnachtsbaum, wirkt bizarr und unkompatibel mit den Werten der gegenwärtigen politischen Repräsentanz.

Im Falle der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers lohnt sich allerdings eine kurze Einordnung des Gesagten – oder besser: des Nicht-Gesagten. Denn immerhin bot Friedrich Merz’ Neujahrsansprache Einblicke in seine Geisteshaltung. Der Kanzler präsentiert sich als grüner Zentralplaner, der unter allen Umständen am Russland Konflikt festhalten will.

Rhetorik ohne Freiheitskern

Was sich im Falle der Rede von Friedrich Merz offenbarte, ist die Bestätigung eines Eindrucks, den in diesen Wochen immer mehr Menschen teilen. Über die Zeit hinweg hat sich eine in Teilen postdemokratisch agierende und intellektuell ideologisch hermetisch abgeschlossene Pseudo Aristokratie in der Politik gebildet.

Merz spricht zum deutschen Volk wie jemand, dem es lästig ist, den Boden der Realität auch nur zu berühren. Seine Neujahrsansprache, geprägt von bekannten propagandistischen Einzelelementen wie der Russland Panik und der immer wiederkehrenden Reformrhetorik angesichts der zerbröselten deutschen Wirtschaft sowie der hochdefizitären Sozial und Haushaltskassen, wirkt wie aus der Konserve – entnommen einem Regal des leergekauften Konsums.

Was bei Merz’ Neujahrsansprache so frappierend ist, ist die vollständige Absenz jedes Funkens freiheitlicher Gesinnung. Dass die Wiederbelebung der freien Marktwirtschaft der Ausweg aus der Krise wäre, käme einem Zentralplaner wie Friedrich Merz niemals in den Sinn.

Viel ist die Rede von Durchhalteparolen, von Appellen an die Verantwortung – insbesondere an die viel gescholtene Wirtschaft gerichtet –, die im Grunde nichts anderes implizieren, als den Scherbenhaufen aufzukehren, den die Politik der Klimaregulierung und der zunehmenden fiskalischen Drangsalierung hinterlassen hat.

Merz fordert die Deutschen auf, sich das Land nicht von Kritikern und Zweiflern schlechtreden zu lassen. Übersetzt in die politische Realität bedeutet das: Abweichende Meinungen gelten als störend, Widerspruch als verantwortungslos. Wer die vorgegebene Klima- und Migrationslinie infrage stellt, verlässt den erlaubten Meinungskorridor – und muss mit den bekannten Instrumenten politisch-medialer Sanktionierung rechnen.

Der ausgebliebene Herbst der Reformen

Merz spricht davon, dass 2026 das Jahr des Aufbruchs werden solle. Man fragt sich unwillkürlich: Was wurde eigentlich aus dem Herbst der Reformen 2025? Erstickt ist er in neuen Regulierungen, im Bekenntnis zu einem längst verlorenen Ukraine-Krieg, der sich zunehmend als Fass ohne Boden für deutsches Steuergeld und Transferzahlungen auf Pump erweist.

Dort, wo Merz Hoffnung machen will, erweist er sich als gnadenloser Zerstörer der Aspirationen von Individuen, Mittelstand und Leistungsträgern. Jeder weiß, dass 2026 für Deutschland ein Katastrophenjahr werden wird: mit steigenden Abgaben, höheren Sozialkosten und Sozialabgaben, einer weiteren tiefen Rezession sowie wachsenden Arbeitsplatzverlusten.

Im Kampf um die Brandmauer und im Ringen gegen die einzige Oppositionspartei, die Alternative für Deutschland, verausgabt sich dieser Kanzler in der Hoffnung, das Erbe seiner Vorvorgängerin Angela Merkel möglichst unbeschadet über eine virtuelle Ziellinie zu tragen – ohne zu bemerken, dass das Projekt des Umbaus von Wirtschaft und Gesellschaft in einen klimasozialistischen Kontrollstaat bereits gescheitert ist.

Was wir derzeit erleben, sind Abwehrkämpfe, in den Reden von Merz und Steinmeier verpackt in eine Pseudo-Rhetorik des Aufbruchs.

Machtinstinkt statt Wertekompass

Führen wir die Rhetorik des Bundeskanzlers mit dem tatsächlichen Regierungshandeln der ersten acht Monate seiner Koalition mit den Sozialdemokraten zusammen, so muss man zynischerweise eines feststellen: Friedrich Merz ist in der Tat ein Konservativer. Sein erhaltender Instinkt richtet sich dabei vor allem auf sein persönliches Amt, und der Stabilität dieser Koalition ordnet er die letzten verbliebenen Prinzipien der Union unter.

Sein fortwährender Kotau vor Finanzminister Lars Klingbeil, der eine brandgefährliche Schuldensuppe angerührt hat, ebenso wie vor Arbeitsministerin Bärbel Bas im Hinblick auf die Peinlichkeit des Bürgergeldes, sollte jedem CDU-Wähler Kopfschmerzen bereiten. Merz lässt sich von den Sozialdemokraten regelmäßig am Nasenring durch eine Manege führen, auf deren Rängen sich die versammelte Linke jubelnd über seine Demutsposen auslässt.

Konservativ ist Merz auch bei der Verteidigung der Ideologie des Klimasozialismus. Die medienwirksam zelebrierte „Volte“, die keine war, beim vermeintlichen Aus des Verbrennermotors, stellte einen weiteren Versuch dar, die Öffentlichkeit über seine wahren Intentionen hinwegzutäuschen. Im Zusammenspiel mit Ursula von der Leyen werden Kurskorrekturen und Reformen vorgetäuscht – die Schlagrichtung jedoch bleibt unverändert.

Diese Politik zielt auf die Zerstörung der Kernsektoren der deutschen Wirtschaft. Allen voran das wichtigste Geschäftsmodell der Deutschen, der Verbrennermotor, soll mit aller Macht beseitigt werden – ganz so, wie wir es zuvor bei der Zerstörung der Kernkraft erlebt haben. Als Zerstörer offenbart der Sauerländer seine progressiven Energien – gnadenlos, merkelianisch und zielsicher.

Konservativ bleibt auch sein Vorhaben, einen deutschen und europäischen Kriegssektor auf der Grundlage gigantischer Schulden aufzubauen. Die Politik arbeitet an der Idee, freigewordene Industriekapazitäten mit Kriegsgerät wieder aufzufüllen. Eine naive Vorstellung von Ökonomie: Man produziere einfach irgendetwas, halte den Arbeitsmarkt so halbwegs stabil, und niemand werde bemerken, dass längst in ein Vakuum hineinsubventioniert wird – in Produkte, die der Verbraucher nie nachgefragt hat.

Die neue deutsche Kunstökonomie, grün und militärisch ausgerichtet, steht auf zwei wackeligen Beinen, die beim ersten Windhauch einen Knochenbruch erleiden werden.

Ein Jahr der ökonomischen Ernüchterung

Was können wir also von dieser Politik für das kommende Jahr erwarten, nachdem wir nun acht Monate Erfahrung mit der neuen Bundesregierung sammeln durften? Reichlich ausgestattet mit dem neuen Schuldenetat des Finanzministers, wird sie exakt an jener Strategie festhalten, die wir bereits 2025 und ebenso bei den Vorgängerregierungen erlebt haben.

Die Realität am Boden der deutschen Industrie sieht derweil äußerst trübe aus. Nach einem Rückgang der realwirtschaftlichen Aktivität im vergangenen Jahr von etwa 3,8 Prozent – legt man die tatsächlichen Wachstumszahlen und die Neuverschuldung zugrunde – wird 2026 voraussichtlich einen beschleunigten Produktionsrückgang erleben.

Die geopolitischen Risiken im Geschäft mit China, die Zollpolitik der Amerikaner und die anhaltende europäische Wachstumsschwäche werden zusätzlich auf den Exportsektor der deutschen Wirtschaft drücken. Gleichzeitig ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Investitionsgeschehen erholt.

Weder sinkt die Abgabenbelastung, noch zeigt sich die Regierung bereit, die wuchernde Bürokratie zurückzubauen. Ganz im Gegenteil: Abgaben wie die unsinnige CO₂-Steuer sowie die Bemessungsgrundlagen der Sozialversicherungen werden weiter anziehen.

Das Leben in Deutschland wird damit für die privaten Haushalte teurer, und für die mittelständische Wirtschaft wird es insgesamt schwieriger, in diesem Umfeld noch tragfähige Wachstumsimpulse zu setzen.

Ein Symptom der Zeit

Friedrich Merz ist auch insofern ein Konservativer, als er die Brüsseler Zensurpolitik stillschweigend goutiert. Sie dient auch seinem Machterhalt, das nennt sich dann wohl zynischer Konservatismus. Dass europäische Traditionen, der geistesgeschichtliche Wertekanon des alten Kontinents, in den Wellenschlägen von Migrationskrise und Islamisierung zu versinken drohen, ist dem Bundeskanzler kein einziges Wort wert. Merz bleibt in seiner Ansprache seicht und oberflächlich – allein darauf bedacht, dem Machtapparat Brüssels nicht im Wege zu stehen. Knechtisch und angepasst sind ihm deutsche Interessen herzlich gleichgültig.

Merz’ Hinweis, Deutschland sei ein sicheres Land, wirkt im Kontext der Migrationskrise und der polizeibewachten, mit Betonblöcken beinahe mittelalterlich befestigten Weihnachtsmärkte wie ein Fiebertraum eines Politikers, der unter maximaler Brechung der Realität die Worte starr vom Teleprompter abliest, um sie verzweifelt in klare Sprache zu verwandeln.

Friedrich Merz ist ein Symptom unserer Zeit: ein Kämpfer für den starken Staat. Mit seiner Äußerung, Demokratie sei vielfach ein zäher Prozess, lässt er indirekt durchscheinen, wie wenig ihm plebiszitäre Elemente und die Mehrheitsmeinung bedeuten – eine Mehrheitsmeinung, die sich längst gegen die zerstörerische Klimapolitik, die Massenmigration und die fortschreitende Islamisierung des Landes sowie gegen die zunehmende Verdrängung des privaten Sektors aus der Wirtschaft gewendet hat.

2026 wird uns eine Fortsetzung des vergangenen Jahres bringen: den deutschen Absturz auf einer zunehmend geneigten schiefen Ebene.

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Kommentare ( 15 )

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15 Comments
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Tom Engel
41 Minuten her

Meine Meinung: DEN ignoriere ich TOTAL. Dem glaube ich KEIN WORT..Das gleiche gilt für den kleinen Lars….

Buck Fiden
42 Minuten her

Warum hätte ich mir die Rede, eine „Konserve“, antun sollen? Der Kerl lügt doch wie gedruckt. Meine Meinung. Der hat ja jedes Versprechen gebrochen – bis auf das, dass er (als alter Blackrocker) die Ukraine „whatever it costs“ (richtig zitiert? Ich hoffe) unterstützen will, dieser elende Kriegstreiber. Je kaputter die Ukraine, desto mehr Gewinn für Blackrock, nicht wahr? Bevölkerung? Wähler? Zukunft des Landes? Offenbar scheissegal, Hauptsache Kanzler. Mein Eindruck. Wenn der Kerl da über Demokratie oder Freiheit fabuliert, dann bekomme ich noch nicht mal mehr einen Lachkrampf. Zu bitter ist jedesmal die Erkenntnis, dass er für Insolvenzen, Kriminalität, sinkenden Wohlstand… Mehr

A.G.
45 Minuten her

Der Wähler bekommt nun das was er gewählt hat…..JEDER hätte sich über Merz und Konsorten im Vorfeld informieren können….aber warnende Leute waren ja „Verschwörungstheoretiker“ oder „rechte Nazis“….also muss der Laden weiter bergab gehen bis es die Leute spüren. Gutes Beispiel ist der Überfall Sparkasse Gelsenkirchen und die sich dann wütend versammelnden Kunden: Sie (nennen wir es „das Volk“) bekommen den Hintern hoch, aber nur, wenn sie direkt, konkret und ganz klar sichtbar persönlich beklaut werden. Es gibt die These, dass man den Menschen bereits etwas in den Tee oder ins Wasser getan hat, weil sie sich nicht bewegen und sich… Mehr

Last edited 44 Minuten her by A.G.
Evelyn Beatrice Hall
51 Minuten her

Mir ist schon bewußt, daß der Autor den Begriff „konservativ“ mit voller Absicht fehlinterpretiert. Dennoch will ich festhalten: An Bundeskanzler Merz ist gar nichts konservativ. Denn dazu brauchte es zuerst eines konservativen Wertefundaments. Und ein solches hat Friedrich Merz nicht. Er hat überhaupt kein Wertefundament, nicht einmal ein falsches. Eine absolute Nullnummer. Ich weiß, daß Herr Tichy seit den Ludwig-Erhard-Stiftung-Tagen eine private Fehde mit Friedrich Merz führt. Und in der Vergangenheit dachte ich manchmal, ob Herr Tichy nicht zu befangen ist, um sich ausgewogen zu Friedrich Merz zu äußern. Heute muß ich mich bei Herrn Tichys entschuldigen, denn er hatte… Mehr

Last edited 42 Minuten her by Evelyn Beatrice Hall
Kassandra
56 Minuten her

Hier als Transkript – zum Nachlesen: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/992798/2401360/5549c827dc540649a3136c31fdb4f29d/2025-12-31-neujahrsansprache-bk-pdf-data.pdf?download=1
Erst seit Merkel, vielleicht vordem, „Parallelwelten“ schaffen und die Nation nicht nur diplomatisch sondern auch wirtschaftlich-politisch in Sackgassen führen – um die dann in „Ansprachen“ nach Gusto zu interpretieren.
.
Merz ist nur wenig kürzer in politischer Verantwortung als Trump – dessen Arbeit sich aber für die Amerikaner lange in Dollar und Dime auszahlt!
Welche tatsächlichen Erfolge für den Bürger sind durch Merz als Kanzler inzwischen zu vermelden? Was wurde besser?
Tatsächlich nichts, nada, niente?

roffmann
56 Minuten her

Im Sauerland soll es mal Fanatiker gegeben haben, die ließen sich eher kastrieren, als mit einem evangelischen Mädel zu tanzen .

Haba Orwell
1 Stunde her

> Der Kanzler präsentiert sich als grüner Zentralplaner, der unter allen Umständen am Russland Konflikt festhalten will. Medwedew schreibt zum Thema interessanter als Mattz redet: > „… Ich würde mir gern etwas anderes wünschen – im Dienste der Wissenschaft. Sehr wichtig wäre, dass der in Spiritus eingelegte Körper des grünen Homunkulus nach seinem baldigen Ableben in der Sankt Petersburger Kunstkammer ausgestellt wird – dort, wo die russischen Zaren alle möglichen entstellten Freaks sammelten, der Nachwelt zur Belustigung. … Und dass der Körper genauestens untersucht wird – denn es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass wir in seiner Person einen weiteren Infiltrator… Mehr

humerd
1 Stunde her

Leistungskürzungen und höhere Beiträge für die Beitragszahler zu den gesetzlichen Sozialkassen = das verstehen Wirtschaftsweisinnen, sogenannten „Top“ Ökonomen und selbsternannte Experten mit Professur plus (junge) Abgeordnete alle ausgestattet mit dem großzügigen Gesundheitssystem und üppiger Altersversorgung von Beamten unter Reformen.
.Bestehen bleiben müssen die Subventionen, als Förderungen / Unterstützung betitelt, unter dem Deckmantel Klimarettung, Ukraine Rettung, Demokratierettung und sonstige „Rettungen“.

Deutsche
1 Stunde her

Merz und seine gleichgeschalteten Abnicker pfeifen auf unser Land und sehen es nur noch als Geldlieferanten (unverschämt welchen Level die Auspresserei bereits erreicht hat).
Immerhin hat er in „der Ansprache“ darauf verzichtet zu erwähnen wie weinerlich und faul die Deutschen seien oder „welche Bereicherung“ der Islam doch für uns sei.
Widerlich wie die Polit Kaste sich unser Land zur Beute gemacht haben. Und scheinbar ist „die wehrhafte Demokratie“ absolut wehrlos dagegen.

Heptamer
1 Stunde her

Diese Ansprache ist genau so abstrus wie die des BP zu Weihnachten. Abgedroschen und sich selbst so zahllos replizierend wie seit Jahren. Ähnelt irgendwie dem TV-Programm des ÖRR an diesen Tagen: Geistige Sedierung.