Martin Münch und die Rhein-Neckar-Zeitung

Matthias Roth aus dem Feuilleton der Rhein-Neckar-Zeitung (rnz) verließ sein Aufgabengebiet lokale Musikereignisse und schoss gegen einen herausragenden Pianisten. Unterstützer Münchs bezeichnen dies als "ideologisch motivierte Schmutzkampagne".

Screenprint: Youtube/Martin Münch

Martin Münch ist einer der profiliertesten zeitgenössischen Pianisten; er studierte Komposition bei dem bedeutenden deutschen Komponisten und Musikwissenschaftler Wolfgang Rihm. Eines seiner Vorbilder ist der große russische Pianist und Komponist Alexander Skrjabin. Er ist das, was man einen kosmopolitischen Künstler bezeichnen kann, der in 30 Ländern erfolgreich aufgetreten ist und flüssig sechs Sprachen spricht. Er rief unter anderem das renommierte internationale Neckar-Musikfestival in der Rhein-Neckar-Region ins Leben.

Jetzt kommt Martin Münch mal wieder nach Deutschland und will Konzerte geben. Er lebt derzeit in Südamerika. Auf Youtube sind von ihm unter anderem eine Reihe wundervoller Tango Pianostücke. Er liefert meistens auch sehr lebendige, aufhellende Informationen rund um die Musik.

In Südamerika lebt er jetzt notgedrungen. Er wollte das eigentlich nicht, er wollte weiter hier in Deutschland als Pianist arbeiten, komponieren, bedeutende Konzerte geben und als Dozent für Klavier arbeiten. Bis, ja, bis ein Vorstadt-Feuilletonist über ihn herfiel und ihn zerbombte. Der glaubte, gegen Ende seiner Laufbahn noch einmal den Blockwart-Knüppel herausholen zu müssen und kann doch letztlich nur als Beispiel für fürchterlichen Journalismus dienen.

Matthias Roth aus dem Feuilleton der Rhein-Neckar-Zeitung (rnz) verließ sein Aufgabengebiet, über lokale Musikereignisse zu berichten und schoss gegen einen herausragenden Pianisten. Nicht, weil der schlecht spielt. Dessen Fehler in den Augen des Provinzmannes: Der hat es gewagt, die »Gemeinsame Erklärung« von Vera Lengsfeld, Uwe Tellkamp, Thilo Sarrazin und anderen zu unterschreiben.

Außerdem äußert er sich nicht so hochlobend über die Migrantenwelle, wie es sich der Mann aus der badischen Provinz als Zeichen großer Weltläufigkeit erträumte.
Münch unterhält sich sogar mit Leuten wie Imad Karim, die massiv vor der Islamierung warnen.

Dazu muss man wissen, dass Konzerte und Veranstaltungen selbst so aussagekräftiger und wichtiger Künstler wie Münch in der Regel auf öffentliche Förderung angewiesen sind – genauso wie kein Stadttheater Deutschlands ohne öffentliche Mittel spielen können würde. Es sind verhältnismäßig geringe Beträge aus Fördertöpfen, niedrige vierstellige Summen, über die ein anständiger Abmahnverein wie die »Deutsche Umwelthilfe e.V.« nur leicht lächeln würde.

Der Fehler von Münch aus Sicht des rnz-Hasspredigers: Münch ließ sich mit den »falschen« Leuten ein und veröffentlichte Kritik unter anderem am Migrationskurs sowie an der Erosion des Rechtsstaates. Schreiber Roth hätte gern, das klingt hervor, ein Auftrittsverbot für Münch. Sein Hebel: Er versucht, die öffentlichen Stellen zur Mittelstreichung für Münch-Konzerte zu bewegen, weil er die »falsche« Gesinnung hat, wie das auch der Vorstand von »piano international e.V.«, der Gesellschaft für internationale Verständigung durch Klaviermusik, klar ausdrückt.

Der Aktivist aus dem Provinzfeuilleton, der mal Kaufmann gelernt hatte, klapperte alle öffentlichen Stellen ab, die bisher die Konzertveranstaltungen von Martin Münch finanziell unterstützt haben, und fragte sie, ob die wüssten, wen sie sich da ins Haus holten. Das klassische Vorgehen: Anschwärzen, versuchen, wirtschaftlich zu erledigen. Sie werden den doch wohl nicht finanzieren!, steht dahinter. Jedoch unausgesprochen. Denn so viel DDR 2.0 traut er sich nicht, direkt den Kulturförderstellen Verrat zuzurufen. Er schleicht spitzelgleich um den Block, ob er Zersetzendes vernimmt und suggeriert scheinheilig, ob nicht ein Boykott Münchs angebracht wäre. Natürlich im Rahmen der »journalistischen Sorgfaltspflicht«. Denunziatorischer gehts nun wirklich nicht.

Martin Münch entgegnet: »Hier ruft Matthias Roth ungeniert dazu auf, mir als Vertreter einer ihm missliebigen politisch-weltanschaulichen Haltung den Finanzhahn zuzudrehen. Er ließ es dabei nicht bewenden, sondern hat etliche Partner des Neckar-Musikfestivals aktiv angeschrieben mit dem unverhohlenen Ziel, sie von der Zusammenarbeit mit mir oder der Förderung meiner kulturellen Projekte zu entfremden oder gar abzubringen. Dabei schreckte er auch nicht vor den in Deutschland derzeit möglichen Maximaldiffamierungen (»antisemitisch«, »national-völkische Ausrichtung«) zurück, die ich in dieser Form ganz klar zurückweise.«

Roth in bester Stürmer-Manier über das Ergebnis seiner Nachforschungen bei den Förderstellen: »Auf Nachfrage der RNZ zeigten sie sich erschrocken von den außermusikalischen Aktivitäten des Pianisten, von denen sie größtenteils nichts wussten.«

Roth haute in die Tasten: »Gegen »Allianz für Weltoffenheit, die Wut der Worte« und »Martin Münch zeigt sein wahres Gesicht – Kritik am deutschen Komponistenverband mit wenig Distanz zur Neuen Rechten«.

Für Roth ein starkes Stück, dass Münch nicht seine staatstragende Meinung teilt und ihn beim »Refugees Welcome« Schreien übertrifft: »Als Gründer der Jahrhundertwende-Gesellschaft und der Klavierwoche Heidelberg (beide 1988) sowie des Neckar-Musikfestivals (2005), vor allem aber als Solokünstler und Pianist in kleinen Formationen, auch als Begleiter von Stummfilmen oder Kaffeehaus-Musiker ist er ebenso bekannt wie als Charakter, der seine eigene Meinung auch in politischen Fragen nie zurückhielt. In den letzten Jahren fiel der Kompositionsschüler von Wolfgang Rihm in den sozialen Medien als streitbarer Aktivist mit anti-islamischer Grundhaltung auf, der sich seit 2015 als vehementer Kritiker der deutschen Bundesregierung und ihrer Flüchtlingspolitik hervortat.«

Kritik an der Bundesregierung geht für Roth nun gleich gar nicht: »Seine oft ins Extreme schlagende politische Haltung ist unter Heidelberger Musikern lange bekannt. Sie hat ihn viele Freundschaften gekostet.«

Er füllt Zeile um Zeile: »Pikant dabei ist, dass in den Statuten des Vereins unter Punkt 2.2 steht: »Der Förderverein Neckar-Musikfestival hat die Aufgabe, die im Neckar-Musikfestival und im künstlerischen Schaffen seines Gründers Martin Münch manifestierten Ideale und kulturellen Zwecke zu pflegen und fortzuentwickeln.« Was sind nun aber diese »Ideale und kulturellen Zwecke« eines Künstlers, der öffentlich über Angela Merkel von der »unseligsten Kanzler-Besetzung seit Hitler« spricht, der sich mit den europäischen Rechtspopulisten Geert Wilders, Heinz-Christian Strache und Viktor Orbán identifiziert und darauf beharrt, dass »Deutschland als grundrechtsbasiertes Land am Ende« sei?«

In unerträglicher Gesinnungsschnüffelei schreibt Roth über Münchs politische Meinung anstatt über dessen Musik: »Im Fall Münch stellen sich weitere Fragen: Wer garantiert, dass das politische Weltbild eines Künstlers nicht in die von ihm organisierten Veranstaltungen einfließt? Welche Relevanz hat das Weltbild eines Kunstschaffenden für dessen Kunst? Und wo verlaufen die Grenzen freier Meinung außerhalb der Kunst, deren Übertretung eine Kunstförderung von öffentlicher Hand fraglich machen?«

Roth weiter: »Doch Kunst- und Meinungsfreiheit sind das eine: Die Entscheidung über ihre finanzielle Förderungen mit Steuergeldern ist etwas anderes. Die Kulturämter Heidelberg, Bad Wimpfen, Bad Rappenau, Gundelsheim, Elztal Dallau, Neckarwestheim, Viernheim oder Lorsch sowie das Regierungspräsidium in Karlsruhe, auch die Baden-Württemberg Stiftung und das Humanistische Zentrum Stuttgart sowie zahlreiche private Veranstalter unterstützen das Neckar-Musikfestival oder andere Musikveranstaltungen Münchs. Auf Nachfrage der RNZ zeigten sie sich erschrocken von den außermusikalischen Aktivitäten des Pianisten, von denen sie größtenteils nichts wussten. Einige allerdings hatten bereits interne Diskussionen darüber geführt oder kündigten diese an.«

Er gibt zu: »Die mit Münch zusammenarbeitenden Musiker betonen durchweg, seine politische Meinung habe die Konzerte nie beeinflusst.«

Starker Tobak eines Provinzfeuilletonisten. Er fordert: »Ob die Verantwortlichen der öffentlichen Kultur-Förderung in der Region an einer Finanzierung von Münchs Aktivitäten festhalten? Es geht nicht um Gesinnungskontrolle, aber es ist Zeit, Grenzen zu ziehen. Denn Kultur definiert sich eben nicht nur aufgrund ästhetischer Kriterien. Auch auf den Inhalt kommt es an. Die Ämter sind also gefordert, darüber nachzudenken. Martin Münch hat sich nun völlig demaskiert und sich selbst jede weitere seriöse Einflussnahme auf deutsche Debatten endgültig verbaut.«

Roth schwadroniert von »klaren Grenzen aufzeigen« und vom Kampf gegen die AfD. Das bringt er alles nahtlos zusammen und befürchtet, »dass die AfD heute ihre Wählerschaft hauptsächlich aus der frustrierten Menge von vormaligen Nichtwählern rekrutiert, die 2017 bei 25 Prozent lag, so sind bundesweite Wahlergebnisse dieser Partei bei rund 20 Prozent in drei Jahren durchaus denkbar. In dieser Größenordnung sind Koalitionen und damit zumindest eine Regierungsbeteiligung nicht auszuschließen.«

Er offenbart: »Es ging mir nie darum, bei zuständigen Stellen darauf einzuwirken, Münchs Veranstaltungen zu verbieten. Es ging mir nur darum, die Verantwortlichen dazu zu bringen, die Bewilligung weiterer Fördermittel zu überdenken.«

Ein Erfolg des Denunzianten Roth: Im vergangenen Herbst hat die Stadt Lorsch bei ihren Rathauskonzerten Martin Münch gegen einen anderen Musiker »ausgetauscht«. Ein anderer: Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte für das Jahr 2018 keine Förderung mehr bewilligt.

Immerhin haben 40 Kulturschaffende im vergangenen Jahr einen »Offenen Brief zur Kampagne gegen den Pianisten und Komponisten Martin Münch« veröffentlicht:

»Wer wie Martin Münch für eine freiheitliche Gesellschaft eintritt und gegen die Gefährder dieser Freiheit, zu denen nun ganz gewiss auch die Ideologie des Islam gehört, argumentiert, der hat sich nichts vorzuwerfen, und dem ist nichts vorzuwerfen.
Wir fordern diejenigen, die Herrn Münch und das Neckar-Musikfestival bisher unterstützt haben, dazu auf, sich nicht von einer ideologisch motivierten Schmutzkampagne beeindrucken zu lassen.
Wir fordern aber auch alle Institutionen und jeden Einzelnen dazu auf, sich der Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen aufgrund politischer Ansichten sowie der schleichenden Entdemokratisierung unserer Gesellschaft zu widersetzen.«

Versteht sich von selbst, dass die Leser der rnz davon nichts erfahren.


Musikbeispiele von Martin Münch:

Martin Münch: Feuerwerk-Ouvertüre op. 46 – Emanuele Delucchi, Klavier

Maurice Ravel: Bolero – Martin Münch, Klavier

Martin Münch: Tango Toscano, Live-Improvision

Antonio Vivaldi: Der Winter (II) – Martin Münch, Klavier 

Martin Münch: 1. Klavierkonzert op. 3 (1977)

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Markenzeichen und gleichzeitig Qualifikationsnachweis in heutiger
Zeit ist ganz offensichtlich: Desorientiering. Wie anders kann und
muß man sowas sonst noch verstehen? Apropos: Von Ihrem kleinen
Münch-Menü habe ich mich ganz spontan für ein Lieblingsstück von
mir, den Ravel’schen Bolero, entschieden. Als quasi Klavierauszug
kannte ich das noch nicht. Großartig. [Was ich als Musik.Laie wohl
nie verstehen werde, ist, wie man das alles „auswendig“ spielen kann]

Eine elegantere Form von politischer Verfolgung. Im Westen wird man bei unliebsamer Meinung beruflich und finanziell kalt gestellt, in autoritären Systemen kommt man dafür in den Knast. Herr Roth soll doch mal erklären, wo in der Praxis der Unterschied zwischen Gesinnungskontrolle und „Grenzen ziehen“ liegt? Wieder einmal muss ich die Frage stellen: gibt es überhaupt sowas wie liberale Demokratie wirklich oder gibt es nur eine irgendwie gearte Funktionärsherrschaft mit vorgegebenem Meinungskorridor, der nach Belieben immer enger gestaltet werden kann? In unseren Gesetzen stehen allerhand schöne Dinge, aber Papier ist geduldig. Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. GG Art. 3, Absatz… Mehr

Solange die RNZ die Methoden der Nazis anwendet, um Meinungsfreiheit aktiv zu unterbinden, ist jeder Abonnent Mittäter!

Ernst Jünger in „Autor und Autorschaft“ aus dem Jahr, wie passend, 1984: „‚Der ist umstritten.‘ Das ist heute nicht etwa als Lob, sondern abschätzig gemeint. Beliebtes Urteil, vor allem von Typen, die sich nie exponiert haben. Sie halten es immer mit der herrschenden Meinung, gleichviel ob Kastraten oder Kannibalen regieren; verdächtig ist jeder, der nicht ins Schema paßt.“

Grundsätzlich bin ich eher der Meinung, der Schuster solle bei sein Leisten bleiben, Künstler sollten sich also über ihre Kunst profilieren und ihre Prominenz nicht für politische statements nutzen, für die sie meist wenig qualifiziert sind (wenn sie ihre Kunst ernst nehmen), jedenfalls nicht mehr als jeder x-beliebige Bürger. In der politischen Debatte sollten Argumente zählen, nicht Prominenz. Zugegeben, das ist etwas weltfremd. Aber davon abgesehen, dürfen sie selbstverständlich ihre Bürgerechte wahrnehmen, wozu eben auch das Unterzeichnung einer Resultion gehört. Zu dem „Journalisten“ fallen mit nur Begriffe ein, die strafbewährt wären. Bei mir, als Ex-DDR-Bewohner, lösen solche Typen nur Ekel… Mehr

Der Autor der Rhein Neckar Zeitung ist ein Vollblutwessi.

Jetzt landen wir langsam dort wohin sich Deutschland durch historische Vorlieben, und „verdiente“ Denunzianten auf vielen Ebenen schon lange bewegt. Mit tatkräftiger Unterstützung der Politik. Wir landen bei Gesinnung! Leise aber unaufhaltsam!
Es hilft nur, sich organisieren, sich entschloßen wehren **

Meine ausdrückliche Solidarität mir Herrn Münch! Wenn es darum ginge, über politischw Einstellzngen von Künstlern zu richten, dann dürfte ich nicht Pound oder Grass lesen, nicht Fried oder Benn, die Bilder Noldes nicht aufhängen (die alte Schabracke im Kanzleramt hängt ihn gerade ab – da hat sie was gemein mit Adolf, der mochte Nolde ebenfalls nicht), dürfte Benn nicht lesen, Jünger nicht. Wyndgam Lewis Bilder dürfte ich nicht betrachten usw. usf. Leute wie diesen unsäglichen Denunzianten solte man einfach ignorieren – das trifft ihn am ehesten.

Ich hatte den besagten Artikel seinerzeit gelesen und war selbst so empört, dass ich sofort einen (natürlich unveröffentlichten) Leserbrief an die RNZ und eine Notiz an Stephan Paetow für seine Rubrik über den Denunzianten der Woche geschickt hatte. Trotzdem bin ich dafür, die Problematik und das Verhalten von Leuten wie Roth auch aus einer gewissen Distanz zu sehen und zu beurteilen und sich nicht nur von Empörung leiten zu lassen. Diese Menschen glauben ja fest daran, dass Deutschland von einem neuen Faschismus bedroht ist und dass dieser sich vor allem in Partei und Wählerschaft der AFD manifestiert. Sie empfinden sich… Mehr
Ihr Verständnis mit diesen „Gesinnungstätern“ in allen Ehren – aber dem kann ich ganz und gar nicht folgen: Herr Roth ist immerhin Journalist und hat damit die Verantwortung, sich nicht von „Wahn“, wie Sie es nennen, und Pauschalurteilen leiten zu lassen, sondern sachlich zu informieren und mit stichhaltigen Argumenten zu kämpfen. Er hat nicht nur seinen Beruf verfehlt, sondern als übler Denunziant auch einen Charakter offenbart, der sehr wohl moralisch zu beurteilen ist. Schließlich will er ganz bewusst und bösartig einem anderen schaden. Selbst einem Spatzenhirn wie dem seinen muss klar sein, dass Martin Münch mit seiner Unterschrift unter die… Mehr

Der Faschismus kleidet sich diesmal in das Mäntelchen des Antifaschismus. „Bist du nicht meiner Meinung kriegst was auf’s Maul oder wir machen dich anders platt“…