Lehren aus Österreich – Wer wird der deutsche Kurz?

Die Österreich-Wahl widerlegt die These, ein Aufgreifen jener Themen, die Protestwähler bewegen, führe zu Stimmenverlusten.

© Alex Halada/AFP/Getty Images

Man kann es schon nicht mehr hören: Es vergeht keine Talkshow und kein Interview, in dem nicht Vertreter von SPD, Grünen, Linken und vom linken CDU-Flügel folgende These vertreten: „Es lohnt sich für die Union nicht, die Themen der Rechtspopulisten aufzunehmen, denn die Menschen wählen dann lieber das Original als die Kopie und dies schwächt die Union.“

Linke „sorgen“ sich um die Union

Ich habe das in den letzten Tagen von Jürgen Trittin, Sarah Wagenknecht, Annegret Kramp-Karrenbauer, Daniel Günther und vielen anderen gehört. Als Beleg für diese These werden die schlechten Wahlergebnisse der CSU in Bayern angeführt. Die CSU, so heißt es, habe die AfD kopiert und deshalb verloren. Und daher sei es nicht ratsam, wenn die Union nach rechts rücke. Es ist ja schon merkwürdig, wie sehr sich die linken Parteien um gute Wahlergebnisse für die CDU „sorgen“ und sich als deren Strategieberater profilieren.

Seehofer laviert, Kurz handelt

Der Wahlerfolg von Sebastian Kurz widerlegt diese These nun schlagend. Denn er hat konsequent und in klarer Sprache die Sorgen der Österreicher vor einer ungebremsten Zuwanderung angesprochen. Warum hatte er Erfolg und Seehofer nicht? Ganz einfach: Weil die Wähler nicht ganz so dumm sind, wie manche Politiker glauben. Bei Seehofer war doch zu spüren, dass seine Merkel-Kritik halbherzig und taktisch motiviert war. Er drohte mit Verfassungsklagen und sprach von einer Herrschaft des Unrechts, um wenige Monate später Angela Merkel, die uns die Probleme eingebrockt hat, über den grünen Klee als bestmögliche, ideale Kanzlerin zu loben. Reden als Ersatz für Handeln, das war Seehofers Maxime. Ganz anders bei Kurz: Er handelte, statt nur zu reden. Kurz haben wir die Schließung der Balkan-Route zu verdanken. Die Menschen spüren den Unterschied zwischen taktischem Manövrieren, um Wählerstimmen zu gewinnen, und konsequentem Handeln. Es ist der Unterschied zwischen Opportunismus (der bestraft wird) und glaubwürdigem Eintreten für Überzeugungen (das belohnt wird).

Ein deutscher Kurz?

Wer wird der deutsche Kurz? Hier stehen derzeit nur drei Personen zur Auswahl: Jens Spahn von der CDU, Markus Söder von der CSU und Christian Lindner von der FDP. CSU und FDP stehen vor der Wahl, mit Jamaika unterzugehen oder durch ein konsequentes Adressieren der Probleme in der Opposition zu erstarken und bei den nächsten Wahlen eine ähnliche Rolle zu spielen wie Kurz. Die Österreicher sind uns allerdings um eines voraus: Die Political Correctness gibt es dort zwar auch, aber ihre Vertreter haben die Diskurshoheit verloren. Das hat Kurz verstanden.

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Kommentare ( 54 )

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Eine Umweltschutz-orientierte Partei in rational wäre sicherlich eine Bereicherung. Jetzt mal unabhängig von Palmer.

Verkürzt :
Inwieweit kann ICH etwas dazu beitragen ( jeder mit seinen Möglichkeiten ) an einer Wende für dieses Land. ( anstatt immer wieder auf den Anderen zu zeigen bzw. Verantwortung delegieren zu wollen)

Auf FB läuft es nicht anders. Wer was gegen Merkel, Links-Grüne oder Muslime schreibt wird gesperrt. Ich war selber mal wieder für 60 Tage Gesperrt. Ohne eine Begründung mitgeteilt zu bekommen.

Nana, dann beschäftige dich erstmal näher mit dem Herrn. Frage dich mal, seit wann die Fehler begangen wurden und ab wann Palmer plötzlich die Probleme konkret anspricht? Was die Zahlen angeht lügt der genau so wie die anderen Grünen. Ausserdem fordert der auch 200 000 pro Jahr in s Land zu lassen.

…allerdings!

Auf die dummen Klatschhäschen am Wahlabend gebe ich gar nichts. Am schlimmsten finde ich aber, daß die fürchterliche Frau immer noch standing Ovations für ihre komplett hohlen Reden – zuletzt bei der JU – bekommt. Was ist das, Personenkult? Als Rednerin ist sie doch die größte vorstellbare Niete!

Friedrich Merz. Wenn er sich denn bereiterklärt.

Linnemann ist kompetent, aber farblos. Er hätte schon deutlich aus der Deckung kommen müssen, tut er aber nicht. Ich weiß nicht, was ihn zurückhält. Wovor haben die alle so viel Angst?

Den habe ich vor einiger Zeit in einem langen Interview auf Phoenix gesehen. Großartig. Seit seiner Politikerzeit ist er in der Wirtschaft aktiv und hat nach eigener Aussage da vieles erst verstanden, was in der Politik gar nicht ankommt. Er wäre genau der Richtige. Der Interviewer hat ihn leider nicht gefragt, ob er zur Verfügung stehen würde.

Danke fuer Ihrer Kommentar!
Sie koennen es aber an der Resonanz sehen: das interessiert kaum jemand !
Und mit zwei drei Kommentaren holen wir Niemand hinter der Ofen hervor! R. Tichy hats wahrscheinlich nicht mal gelesen.
Also?
Nichts weiter- also so weiter wie bislang.
Einen schoenen Abend noch

Gruß

L.J. Finger

Alles was es braucht, ist ein kleiner Wink an die AfD: Wir wären soweit, würdet ihr so nett sein, ans Rednerpult zu gehen?
Dann kriegt die Frau das Mißtrauensvotum vor den Latz geknallt. Selbst wenn sie das beim ersten Mal knapp überstehen sollte, wovon ich nicht ausgehe – selbst die künftigen Koalitionäre würden lieber ohne diese Schwarze Witwe, die sie doch nur aussaugt, arbeiten – wäre danach doch das Hauen und Stechen intern eröffnet. Denn dann wären die Fronten und Mehrheiten klar sichtbar.

Ja, das habe ich gesehen. Aber für mich ist das kein Vergleich zu den überhand nehmenden Auswüchsen von linker Seite, die wir hier in D haben. Oder laufen in Ö auch die Antifa und ihr Gefolge durch Städte und zünden sie an? (G20)