Gemeinsam gegen Schnaps und Schnitzel

Deutschland-Ticket, Deutschland-Korb, Deutschland-Gefühl. Was nach harmloser Fürsorge klingt, ist der nächste Schritt zur Entmündigung. Die SPD entdeckt die Nachfrage als Feind und will Bürger mit alten Ideen zu Konsumenten nach ihrer Anleitung erziehen. Willkommen im, noch sanften, Zwangsstaat.

picture alliance / imageBROKER | Petr Svarc

Deutschland ist zäh; leider, wie Angela Merkel oder Robert Habeck wohl hinzusetzen würden. Hatte Frau Merkel die Deutschlandfahne, die ihr ein Verehrer in die Hand gedrückt hatte, denn nicht schnell wieder verschwinden lassen? Und hatte Habeck sich nicht öffentlich zu seiner Sehnsucht nach einer Welt ohne Deutschland bekannt? Die beiden waren ihrem Ziel, Deutschland abzuschaffen, schon so nah gekommen; und nun dies: ein Deutschland-Ticket, nach dem sich die Leute reißen. Und als wäre das nicht schon fatal genug, setzt die SPD noch eins drauf und erfindet den Deutschland-Korb.

Wie soll man das nennen? Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus? Oder gleich „Faschismus!“ rufen und den Verfassungsschutz alarmieren?

Dass es sich hier um etwas Neues handelt, liegt auf der Hand. Wie man die Wirtschaft mit einem Wust von Plänen – daher der Name Planwirtschaft – vom Angebot her ruiniert, hat der real existierende Sozialismus vorgemacht; wie man mit Unternehmern verfährt, weiß die SPD also ganz gut. Doch hier sind nicht die Unternehmer die Gegner, sondern die Kunden. Beim Deutschland-Korb geht es um die Nachfrageseite, und damit stellt sich die alte Frage neu, nämlich so: Wie entmündige, demütige, kujoniere ich die Verbraucher? Am besten so, dass sie den Schlag gar nicht bemerken, am Ende auch noch dankbar dafür sind? Nach dem Muster von Daniel Günther also, der die Zensur ja nicht im Namen der Zensur, sondern im Namen der Freiheit pries?

Selbst zu entscheiden, setzt Urteilsfähigkeit voraus. Man muss lesen können, um eine Packungsbeilage zu verstehen, die Grundrechenarten beherrschen, um Preise zu vergleichen, und so weiter. Aber wer kann das noch, wer soll das denn noch können? Zwei Generationen lang haben die Bildungsfunktionäre der GEW das ehemals mustergültige deutsche Schulwesen gleich-, also plattgemacht. Mit bemerkenswertem Erfolg, wie PISA, der internationale Vergleichstest, bewiesen hat. Die meisten Schüler können nur noch stockend lesen, hässlich schreiben, fehlerhaft rechnen. Damit sind sie reif für den Empfang des Deutschland-Korbes, der ihnen die Entscheidung, was sie kaufen, essen, trinken sollen, aus der Hand bzw. aus dem Mund nimmt.

Die SPD wünscht sich gehorsame Leute. Dem Bürger, der nur noch wählt, was die Partei erlaubt, folgt der Verbraucher, der nur noch kauft, was ihm die Obrigkeit empfiehlt. Die Meldestellen, die den Krieg gegen Hass und Hetze proklamieren, werden ergänzt durch die Preisbeobachtungsstellen, die den Kampf gegen Schnaps und Schnitzel predigen. Laktosefreie Milch, vegane Wurst und andere Köstlichkeiten, an denen viele von uns keinen Gefallen finden, kann die Regierung, versteckt im Deutschland-Korb, dann doch noch an den Mann bringen. Wer da nicht mitmacht, ist ein Querulant und muss im Namen der Volksgesundheit entmündigt werden; wie zu Corona-Zeiten ja auch schon geschehen. Für die Gesundheit ist man nicht mehr selbst verantwortlich, Gesundheit ist ein öffentliches Gut, in dessen Namen Grundrechte nicht nur eingeschränkt, sondern beseitigt werden dürfen.

„Das Gebot der alten Tyrannei lautete: Du sollst nicht!“ liest man bei George Orwell (der neuerdings ja auch vom Papst zitiert wird). Und weiter: „Das Gebot des neuen Totalitarismus lautet dagegen: Du sollst!“ Das ist ein Fortschritt, aber keine Lösung, zumindest nicht für eine Bewegung, die auf Gleichheit schwört, nicht auf die Freiheit. Ein Korb, aus dem man wählen darf, kann da nur eine Zwischenlösung auf dem Weg ins Paradies sein. Das sozialistische Ideal ist nicht der Warenkorb, sondern die Lebensmittelkarte, nur sie stellt alle gleich, gleich schlecht. Sie sagt nicht mehr: Du sollst! Sie sagt: Du musst! Mehr gibt es nicht! Friss, Vogel, oder stirb! Deswegen ist die Lebensmittelkarte bei den nationalen Sozialisten genauso beliebt wie bei den internationalen. Wenn sie in Deutschland wiederkommt, dann wird sie Deutschland-Karte heißen.

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