Deep State statt Deep Fake

Doch keine KI-generierten Fälschungen, keine anonymen Plattformen, keine Gesetzeslücken in Itzehoe? Ein Narrativ bricht Stück für Stück zusammen, auf dem ein ganzer Gesetzentwurf ruht. Was bleibt, ist die Blaupause einer Kampagne, in der NGO, Ministerium und Leitmedium so reibungslos ineinandergreifen, dass man von Zufall nicht mehr sprechen kann. Von Silvia Venturini

IMAGO - Collage: TE

Am Dienstag schrieben wir an dieser Stelle: In Berlin hat man das Verfahren optimiert, man legt den Entwurf in die Schublade und wartet auf den passenden Moment. Seitdem ist einiges passiert. Nicht im Sinne neuer Beweise gegen Christian Ulmen, wohlgemerkt, es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Aber im Sinne einer sich rapide zersetzenden Erzählung, auf deren Grundlage gerade ein Gesetz durchs Kabinett gebracht werden soll.

Das Deepfake-Phantom

Testimonial-Rammbock
Der Fall Fernandes als Vehikel für nächsten Angriff auf Anonymität im Netz
Ganz Deutschland diskutiert seit einer Woche über Deepfakes. Jede Talkshow, jede Politikerrede dreht sich um KI-generierte Pornografie und die Notwendigkeit neuer Paragrafen. Es gibt nur ein Problem: Im Fall Fernandes-Ulmen geht es offenbar gar nicht um Deepfakes.

Fernandes selbst hat das offenbar schriftlich klargestellt, in persönlich beantworteten Fragen gegenüber NIUS. Auf die Frage nach den Vorwürfen gegen Ulmen trennt sie ausdrücklich: „Das sind verschiedene Punkte. Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat.“ Die Deepfakes stammen von unbekannten Dritten. Ulmen wird vorgeworfen, reale pornografische Videos mit Frauen verschickt zu haben, die Fernandes „zum Verwechseln ähnlich“ sahen, und zwar über Fake-Profile, die ihren Namen trugen.

Das ist, wenn es stimmt, widerwärtig und strafrechtlich relevant. Aber es ist kein Deepfake. Und es ist kein Fall, der neue KI-Gesetze erfordert. Der Spiegel formulierte so geschickt um diese Leerstelle herum, dass Millionen Leser exakt das verstanden, was sie verstehen sollten: Ulmen hat Deepfakes seiner Frau erstellt. Die Beleglage dafür ist offenbar dünn. In der ZDF-Dokumentation von 2024, die Fernandes gemeinsam mit HateAid und der ehemaligen Correctiv-Journalistin Marie Bröckling drehte, ist nur von einem einzigen Deepfake-Clip die Rede, der auf Pornhub hochgeladen und nach Meldung gelöscht worden sein soll. Fernandes hat ihn nach eigener Aussage nie gesehen: „Es gab einen ganz konkreten Clip, da habe ich mir quasi erzählen lassen, was darin passiert.“ Der Spiegel ließ eine Anfrage zu seiner Beleglage unbeantwortet.

LinkedIn ist kein Darknet

Die Fake-Profile liefen unter anderem über LinkedIn und Xing. Plattformen also, auf denen Klarnamenpflicht herrscht. Man muss das einen Moment sacken lassen, denn seit einer Woche fordern Politiker aller Couleur, von Kanzler Merz abwärts, genau diese Klarnamenpflicht als Schutzschild gegen solche Taten. Fernandes selbst erklärte im WDR-„Kölner Treff“, mit einer solchen Pflicht „wäre das ja gar nicht passiert“. Doch die mutmaßlichen Taten fanden auf Plattformen statt, auf denen sie bereits existiert. Rechtsanwalt Carsten Brennecke fasst es nüchtern zusammen: „Es gibt im Fall Ulmen keine Strafbarkeitslücken.“

Così fan tutte

Politiker nutzen Gelegenheiten, das ist ihr Geschäft. Was hier allerdings vorliegt, geht über gewöhnlichen Opportunismus hinaus. Es zeichnet sich das Bild einer Kampagne ab, bei der echtes Leid als Treibstoff für eine politische Agenda dient, die lange vor dem Spiegel-Titel feststand. Und die Chronologie spricht für sich.

Im November 2024 erstattete Fernandes in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt. Das Verfahren wurde an die Staatsanwaltschaft Itzehoe weitergeleitet, die bat, Unterlagen nachzureichen. Nur einen Monat später, am ersten Weihnachtsfeiertag 2024, soll Ulmen laut Spiegel gestanden haben. Die naheliegende Frage: Warum wurden die Unterlagen danach nicht eingereicht? Warum verlor Fernandes offenbar jedes Interesse an dem deutschen Verfahren, obwohl sie nun einen konkreten Tatverdächtigen hatte? Stattdessen erstattete sie Ende 2025 Anzeige in Spanien. In der Zwischenzeit trat sie im ZDF auf, moderierte für Correctiv, und HateAid-Gründerin Anna-Lena von Hodenberg erfuhr, wie sie selbst im RTL-Nachtjournal erklärte, „schon vor einigen Monaten“ von dem Fall. Einige Monate also, in denen man sich vorbereiten konnte.

Totalitarismus
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Am 14. Oktober 2025 traf sich Hubig mit HateAid-Vertreterinnen, um über „digitale Gewalt und bildbasierte sexualisierte Gewalt“ zu sprechen. Im Januar 2026 legte HateAid einen eigenen Gesetzentwurf vor. Hubigs Entwurf lag fertig in der Schublade. Dann, am 19. März, die Spiegel-Titelgeschichte, und noch am selben Tag der Satz des Ministeriums: „praktisch fertig“. Es folgten Demo, offener Brief, ZDF-Spielfilm, Kabinetts-Ankündigung. Fernandes kehrte nun von Dreharbeiten in Vietnam zurück und erklärte gegenüber t-online, sie wolle Politikerinnen (sic!) treffen und mit ihnen über den mangelnden gesetzlichen Schutz hinsichtlich digitaler Gewalt sprechen.

Alle Beteiligten betonen, es habe keine Absprachen gegeben. Das mag formaljuristisch zutreffen. Aber wenn eine NGO seit Monaten den Fall kennt, einen eigenen Gesetzentwurf in der Tasche hat, das Ministerium trifft und am Tag nach der Veröffentlichung sofort mit Hashtag-Kampagnen und Demo-Aufrufen parat steht, dann braucht man kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um eine koordinierte Strategie zu erkennen.

Die eigentliche Schweinerei

Fassen wir zusammen, was nach einer Woche vom großen Narrativ übrig ist: keine Deepfakes im Kern der Vorwürfe. Keine Anonymität auf den genutzten Plattformen. Kein Versagen der Gesetze in Itzehoe, sondern fehlende Unterlagen. Ein Gesetzentwurf, der die Identitätsanmaßung im Zentrum des Falls nicht einmal erfasst. Und eine Allianz aus NGO, Ministerium und Leitmedium, die „seit Monaten“ Bescheid wusste und am Tag X sofort in Formation stand.

Fernandes, HateAid, Hubig etc.
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Das Opfer dieser Inszenierung sind die Frauen, die tatsächlich unter Deepfakes und digitalem Stalking leiden und jetzt zusehen müssen, wie ihr Leid zur Requisite wird. Aber es gibt noch ein anderes Opfer, und das sind wir alle. Denn was sich hier abzeichnet, ist größer als ein Promi-Skandal: Es ist das Zusammenspiel einer steuerfinanzierten NGO, die den Fall seit Monaten kannte und medial aufbereitete, eines Ministeriums, das den passenden Gesetzentwurf seit August in der Schublade hatte, und eines Leitmediums, das die Titelgeschichte punktgenau zur politischen Verwertung lieferte. Was wir hier beobachten durften, war nichts geringeres als der tiefe Staat bei der Arbeit.

Und sein Ziel ist nicht der Schutz von Frauen. Wer Frauen wirklich schützen will, sorgt dafür, dass Staatsanwaltschaften bestehende Gesetze anwenden können, dass Betroffene nicht an Bürokratie scheitern und dass Richter digitale Gewalt nicht als Kavaliersdelikt abtun. Das kostet Geld, Personal und politischen Willen, drei Dinge, die man nicht mit einer Titelgeschichte und einer Demo herbeizaubern kann.

Nein, das Ziel ist Kontrolle. Ein Gesetz mit Begriffen wie „erhebliche Ansehensschädigung“ und „nicht sozial hinnehmbar“ richtet sich nicht gegen Sexualstraftäter. Es richtet sich gegen jeden, der unbequem wird. Gegen Blogger, gegen anonyme Kritiker, gegen die nächste Recherche, die einem Minister nicht passt. Deepfakes waren nie das Problem. Sie waren der Vorwand.

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Kommentare ( 5 )

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Der Ingenieur
33 Minuten her

„Und es ist kein Fall, der neue KI-Gesetze erfordert. Der Spiegel formulierte so geschickt um diese Leerstelle herum, dass Millionen Leser exakt das verstanden, was sie verstehen sollten: Ulmen hat Deepfakes seiner Frau erstellt.“

Auch die Redakteure von TE haben es tagelang falsch verstanden, haben bei der Hysterie mitgemacht und von Deepfakes gesprochen, anstatt mal den Artikel und sonstige Äußerungen von ihr mal genau zu lesen.

So auch der TE-Gastautor RA Michael R. Moser, der schrieb, dass Ulmen den Körper seiner Frau „ohne ihr Wissen im Internet zur Verfügung gestellt“ haben soll.

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/deepfakes-fall-fernandes/#comment-3391897

Last edited 32 Minuten her by Der Ingenieur
Raul Gutmann
35 Minuten her

Bei aller gebotener persönlicher Zurückhaltung und medialer Fasizination des „Rosenkrieges“ scheint es, als stehe im Kern besager Causa ein Gesinnungs- und Propagandastaat, der danach strebt, via abhängiger NGO (HateAid, RadikaleTöchter uam), willfähriger Medien (ARD, ZDF, SPIEGEL uam) sowie öffentlicher Inszenierungen (Großdemo Berlin) sein Wahlvolk, das ehemals als Souverän dieses Staates galt, zu kujonieren und unterwerfen.
Wie meinen? Dies sei die DDR 2.0? Mitnichten. Von der sprach Maxim Biller bereits aus guten Gründen vor mehr als 20 Jahren. Das gegenwärtige „beste Deutschland a… Z…“ ist eher mindestens eine DDR 3.0.
Daß wir das nach „3. Reich“ und DDR noch erleben dürfen…

Last edited 32 Minuten her by Raul Gutmann
Klaus Uhltzscht
42 Minuten her

Die Firma LinkedIn gendert auf ihrer Webseite. Vorsätzlich.
Hier sehe Handlungsbedarf, dies gesetzlich unter Strafe zu stellen. Denn dahinter steckt die menschenfeindliche internationalsozialistische Agenda gegen die Darwin’sche Lehre und das Christentum als kulturelle Basis der europäischen Nationen.

flo
43 Minuten her

„Was bleibt, ist die Blaupause einer Kampagne, in der NGO, Ministerium und Leitmedium so reibungslos ineinandergreifen, dass man von Zufall nicht mehr sprechen kann.“ Das ist, unabhängig vom konkreten Thema, zu dem inzwischen fast alles gesagt worden ist, ein wichtiger Aspekt: dass hier etwas in der Öffentlichkeit als spontanes, überraschendes Geschehen erscheint, das vielen Beobachtern als längerfristig vorbereitete orchestrierte Aktion eines Netzwerks vorkommt und ein bisschen an das Correctiv-Potsdam-Geheimtreffen erinnert, das medialen Aufruhr verursachte. Nachdem Fernandes schon 2023 auf einer Veranstaltung von HateAid aufgetreten ist mit von Hodenberg, Überraschung, zu Face Swap Apps, wäre die offene Frage, ob HateAid hier… Mehr

Philoktet
1 Stunde her

Sehr guter Artikel!
Bei einer möglichen Einführung der Klarnamenpflicht sollte jedoch auch politische Gewalt, insbesondere von links bedacht werden.
Die heutigen Linken, wie die Antifa, sind gewaltbereit, sehr gut organisiert und auch steuerfinanziert, außerdem betrachen sie jede bloß konservative Meinung bereits als „faschistisch“,
Deshalb wird sich dieser Kreis wahrscheinlich berechtigt fühlen, Gewalt und Sachbeschädigung gegen andere Meinungen anzuwenden.
Und die Justiz wird just in diesem Bereich dann „überlastet“ sein, also nichts tun wollen.
Die Klarnamenpflicht im Internet wird zu einer Zunahme der politisch motivierten Gewalt von links führen. Ich bin überzeugt das ist auch beabsichtigt.