Bärbel Bas, die Schönrednerin

Die Massenarbeitslosigkeit ist zurück. Drei Millionen Menschen sind bei uns ohne Job, Tendenz steigend. Doch die Bundesarbeitsministerin von der SPD tut so, als sei alles ganz normal. Das ist politische Rosstäuschung.

IMAGO

Kein Frühjahrsaufschwung in diesem Jahr. Die Temperaturen steigen zwar, doch die Hoffnung sinkt. Auch im März haben wir drei Millionen Arbeitslose, das sind 54.000 mehr als vor einem Jahr.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, in Personalunion auch Co-Vorsitzende der Sozialdemokraten, steht dennoch vor den Kameras und Mikrofonen und spricht von einem „stabilen Arbeitsmarkt“. Wie kommt die Frau darauf? Spielen Zahlen in ihrer Parallelwelt einfach keine Rolle mehr?

Denn wenn Zahlen, die eigentlich stark fallen müssten, nur ungefähr stabil bleiben, dann ist das keine gute Nachricht.

Der Arbeitsmarkt müsste von der Demografie profitieren: Immer mehr Ältere gehen in Rente, immer weniger Schulabgänger rücken nach. Fachkräftemangel überall, so geht seit Jahren das Mantra. Wirklich? Der Arbeitsmarkt müsste leergefegt sein, wenn das stimmte. Ist er aber nicht, im Gegenteil. Tatsächlich haben wir inzwischen sogar wieder mehr Arbeitslose als in den Corona-Hochphasen mit den großen Lockdowns.

Die Gründe kennt inzwischen nun wirklich jeder. Die deutsche Wirtschaft hängt fest im tiefen, dunklen Tal der Hoffnungslosigkeit – und das inzwischen im vierten Jahr. Energie ist teuer wie nirgendwo sonst, große Industriezweige kämpfen buchstäblich ums Überleben. Monat für Monat verschwinden tausende, oft zehntausende Jobs: in der Chemie, in der Metall- und Elektrobranche, im Einzelhandel, überall.

Durch den Konflikt im Nahen Osten rollt eine zusätzliche Belastungswelle auf die deutsche Wirtschaft zu: noch höhere Energiepreise, noch mehr Unsicherheit, noch weniger Investitionen.

Doch Bärbel Bas gibt den Gute-Laune-Bär.

Während die Unternehmer mit spitzem Bleistift hin und her rechnen und die Mitarbeiter zittern, liefert die Arbeitsministerin Durchhalteparolen. Sie spricht von „starken Impulsen“ und von „Stabilisierung“. Das ist kein Optimismus mehr, das ist Realitätsverweigerung. Bas beschreibt nicht die Lage – sie beschönigt sie.

Und je weiter sich die politische Rhetorik von der Wirklichkeit entfernt, desto größer wird das Misstrauen der Bürger. Die Leute sind nicht so dämlich, wie Bärbel Bas offenbar glaubt.

Das schuldenfinanzierte Sondervermögen – diese 500-Milliarden-Euro-Orgie, mit der die schwarz-rote Bundesregierung angeblich die Wirtschaft ankurbeln wollte – versickert weit überwiegend im normalen Bundesetat. Da werden Löcher im Haushalt gestopft, nicht auf den Straßen und Autobahnen. Nix neue Investitionen: ein Verschiebebahnhof, kein Wachstumsmotor.

Der Arbeitsmarkt ist auf geradem Weg in den Kollaps. In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit für 1.910 Ungelernte gerade einmal 100 offene Stellen. Das ist ein katastrophales Missverhältnis, das sich nicht mit dem hübschen Wort „Stabilität“ wegmoderieren lässt. Übrigens: Qualifikationsdefizite, mangelnde Weiterbildung, fehlende Anreize: All das fällt in den Verantwortungsbereich der Arbeitsministerin.

Deutschland durchlebt gerade keine normale konjunkturelle Schwächephase, sondern eine epochale strukturelle Krise. Die Industrie schrumpft oder zieht gleich ganz weg, Investitionen bleiben aus, der Arbeitsmarkt implodiert. Und Ministerin Bas freut sich darüber, dass alles „stabil“ sei.

Die Krise unserer Wirtschaft ist schlimm. Dass unsere politische Klasse keine Krise erkennen will, ist noch viel schlimmer.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 19 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

19 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Schwabenwilli
18 Minuten her

„Die Krise unserer Wirtschaft ist schlimm. Dass unsere politische Klasse keine Krise erkennen will, ist noch viel schlimmer.“

Die Lernkurve bei der SPD scheint äußerst flach zu sein:

https://m.youtube.com/watch?v=FmCcO5Bdv1U&pp=ygUjV2FzIGhhYmVuIGZpZSBsZWl0ZSBkZW4gZsO8ciBkb3JnZW4%3D

Und Frau Bas ist nochmal ein Sonderfall.

Nibelung
19 Minuten her

Alle im arbeitsfähigen Alter sind Arbeitslose und nur die Trickserei schafft 3 Millionen und in Wirklichkeit sind es die alten 6 Millionen, die Adolf schon damals von den Sozis übernommen hat und ihnen einen Spaten überreicht hat, damit sie nicht mehr hungern müssen. Das führte auch in die falsche Richtung wie heute und wer bestimmt erneut unser Geschicke, wieder Sozialisten, wenn auch in rot-grüner Farbe, aber im Grunde genommen die gleichen sind wie von damals, die auch nichts konnten und demzufolge früher wie heute in den Untergang führen, was bei diesen Typen zum Standard gehört und sich auch nie ändern… Mehr

Pingo
21 Minuten her

Am stabilsten innerhalb der Regierung ist hauptsächlich die Unfähigkeit zur Problemlösung mangels Intelligenz und Vernunft. Wenn man sich die Lebensläufe der Protagonisten ansieht, fragt man sich, wie konnte er/sie/es soweit kommen..

heinrich hein
28 Minuten her

Ich bezweifle sehr stark, dass Bärbel Bas über die intellektuellen Fähigkeiten verfügt, diese Zahlen und Statistiken zu verstehen bzw. zu durchdringen. Ist aber nur eine Vermutung.

Ich bin RECHTS
31 Minuten her

Bärbel Bas hat doch den Feind eindeutig erkannt und auf dem Juso-Bundeskongress im Dezember 2025 klar benannt:

Es sind die männlichen Unternehmer in Deutschland.

Fazit:
Wir werden von Vollidiot*innen regiert

JensM
33 Minuten her

3 Millionen Arbeitslose, damit können nur die gemeint sein, die ALG beziehen. Die tatsächliche Zahl an Arbeitslosen, also all die, die keiner Arbeit nachgehen, obwohl sie es könnten ergibt sich aus: ALG Bezieher + Bürgergeldbezieher + Flüchtilanten die nicht arbeiten wollen oder können + Arbeitslose, die in Weiterbildungsmaßnahmen festhocken. Ich schätze hier handelt es sich in Summe um etwa 10 Millionen Arbeitsloser.

Ich bin RECHTS
35 Minuten her

Bärbel Bas, Katrin Göering-Eckardt, Claudia Roth, Angela Merkel, Nancy Faeser, Saskia Esken, Ursula von der Leyen, Annalena Baerbock,…….

Man muss kein Frauenhasser sein, um sich alte weisse Männer wie Adenauer, Erhard, Brandt, Schmidt, Kohl, Weizecker und Co. zurück zu wünschen.

Orlando M.
36 Minuten her

Bundesarbeitsministerin Bärbel hat jetzt den undankbaren Höllenjob, den sie verdient hat, ihr Gesicht wird mit dem Niedergang der Wirtschaft direkt in Verbindung gebracht. Und spätestens dann, wenn der Sozialstaat nicht mehr wie gewohnt das Geld der anderen verplempern kann, dann wird sie von allen gehasst. Fairerweise muss ihr aber zugestanden werden, dass sie weiß, dass ein Politiker in so einer Art von Krise keinesfalls von einer Krise sprechen darf, denn das ist sonst geeignet, dieselbe noch deutlich zu verschärfen. Aber in dieser äußerst hässlichen Situation die erstickend hohen direkten Abgaben noch weiter zu erhöhen (Krankenkassenzusatzbeitrag), ist das Werk von Cretins,… Mehr

Last edited 34 Minuten her by Orlando M.
Montesquieu
36 Minuten her

Bas hat doch Recht. Das ist alles ganz normal, in fast allen EU Ländern, im besten Deutschland aber ganz besonders.
Und es wird noch viel normaler in den nächsten Wochen und Monaten. Jeden Tag erweitert sich die Normalität.

Strix Nebulosa
42 Minuten her

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass gerade jetzt, wo auch vermehrt langjährig Beschäftigten der Arbeitsplatzverlust und längere Arbeitslosigkeit droht, die Regeln für das Bürgergeld (oder wie auch immer ALG 2 jetzt heißt) geschärft wurden, insbesondere was das Schonvermögen und die Karenzzeit angeht. Als hier massenhaft Ukrainer mit dicken Autos ankamen, durfte man pro Person 40.000 € für ein Jahr besitzen (Karenzzeit) und danach noch 15.000 €. Jetzt wo auch deutschen Arbeitnehmern die längere Arbeitslosigkeit droht und damit ein Abrutschen von ALG 1 in ALG 2 oder bei Geringverdienern direkt eine Kombination aus beiden, weil das ALG 1 zu niedrig… Mehr