Promis von Jauch bis Böhmermann forderten in einem Offenen Brief an Kanzler Merz mehr Afghanen-Aufnahmen. Die eigene Villa wollte keiner anbieten. AfD-Mann Pierre Lamely kaufte die abgelaufene NGO-Domain „Deutsch für Flüchtlinge“ und macht daraus einen Wegweiser für Asylmigranten.
picture alliance/dpa | Niklas Graeber
Wie war das noch mit der deutschen Kulturschickeria? Unter Namen wie Günther Jauch, Herbert Grönemeyer oder Herta Müller, Nobelpreisträgerin für Literatur und selbstbekundetes Opfer rumänischer Stasi- und Gulag-Methoden, sprach man sich im Dezember 2025 in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz für weitere freiwillige Aufnahmen von Afghanen aus. Im Klartext sollte die aktuelle Bundesregierung sogar ihre Hinhaltetaktik aufgeben und mutig das Werk der Ampel fortsetzen.
Pierre Lamely, Bundestagsabgeordneter für die AfD aus Fulda, fand das anstößig und schrieb den Unterzeichnern einen offenen Antwortbrief, in dem er sie aufforderte, bei Ankunft der neuen afghanischen Großfamilien auch und zumindest für deren Beherbergung zu sorgen, am besten indem sie „die eigene Villa zur Erstaufnahmeeinrichtung machen“.
Lamely schrieb jeden Unterzeichner des Briefes persönlich an und fragte zusätzlich im Bundestag nach. Per Schriftlicher Frage wollte er von der Bundesregierung wissen, ob sich einer der Unterzeichner oder ein Dritter gemeldet habe, um die geforderte Aufnahme auf eigene Kosten zu tragen und mit einer Bürgschaft einzustehen. Doch auch die Bundesregierung konnte hier nicht weiterhelfen. Laut Antwort vom 20. Februar sind der Bundesregierung „keine derartigen Anfragen von Unterzeichnern des Briefes oder Dritten“ bekannt. Lamely schließt: „Es hatte sich niemand gemeldet.“
Fakten statt Fühlis – Wegweiser statt Teddybären
Weiter führte er aus: „Wer nach Aufnahme ruft, muss bereit sein, die Folgen selbst zu tragen.“ Zugleich ließ auch das Interesse Lamelys an diesem Fall von Gratismut deutscher Kulturschaffender nicht nach. Er fand, dass das Unterzeichnermilieu des Offenen Briefs eine Internetdomain reserviert hatte, mit dem klingenden Namen „Deutsch für Flüchtlinge“. Dahinter stand ein gleichnamiger eingetragener Verein. Was Lamely auch herausfand: Die Domain war inzwischen wieder frei. Auch diese „Initiative“ des bestehenden Vereins war also vorerst im Sand verlaufen. Lamely kaufte die freie Domain und hat sie nun einer alternativen Nutzung zugeführt.
Auf der Seite selbst, die Absatz für Absatz ins Arabische übersetzt wurde, schreibt Lamely: „Grenzenlose ,Toleranz‘ zu predigen, ist eben ein Luxus für jene, die den Preis nie selbst bezahlen. Ihn zahlen andere: die Krankenschwester, die abends Angst vor der Heimfahrt hat, die junge Familie ohne bezahlbare Wohnung, der Rentner, der Flaschen sammelt.“ Lamely will dabei sogar das Versprechen des Domain-Namens einlösen: Hilfe „für Flüchtlinge“ zu leisten, „nur ehrlicher, als es die üblichen Willkommensprediger je getan haben“. Echte Hilfe bedeute nicht, „jedem nach dem Mund zu reden, sondern Klartext zu sprechen“. Lamelys Klartext klingt so: „Wer nach Deutschland kommt, hat sich an unsere Gesetze und Werte zu halten, ausnahmslos, ohne Ausreden und ohne Missverständnisse. … Wer bereit ist, sich einzufügen, findet hier Orientierung. Wer es nicht ist, findet hier auch den Weg zurück in die Heimat.“
Statt Sprachkurs lieber handwerkliche Kurzausbildung
Das Portal besteht in seiner neuen Form aus drei „Modulen“ mit Informationen zu Menschenwürde, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit, Mitwirkungs- und Meldepflichten von Migranten und schließlich den Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr einschließlich des Rückkehrprogramms REAG/GARP des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Lamely schlägt zudem eine handwerkliche Kurzausbildung für Asylbewerber vor, damit diese – gemäß Lamelys Konzept „Fit für die Heimat“ – im Herkunftsland am Wiederaufbau mitwirken können. Das hält Lamely gegenüber TE für eine nützlichere Hilfe als Sprach- und Integrationskurse. Aus eigener Erfahrung weiß Lamely: „Wer mit einem Beruf in den Händen zurückkehrt, kehrt nicht mit leeren Händen zurück.“
Insgesamt präsentiert sich die Lamely-Seite – deren Zuspruch und Nutzungsrate noch unsicher sind – als Beitrag zu einer Gegenkultur von rechts, die sich den undurchdachten Forderungen einer linken, oft auch einfach ahnungslosen und restlos vom Land abgekoppelten Kulturschickeria entgegenstellt. Die Seite. die unter www.deutsch-fuer-fluechtlinge.de erreichbar ist, kann man sich daneben auch gut als Bildungsseite für die bisher vom Linkssein Verstrahlten vorstellen.
Hier könnten sie Grundlagen über unsere Gesetze lernen wie diese: dass ein Zuwanderer und Asylantragsteller selbstverständlich gesetzlich verpflichtet ist, an der Klärung seiner Identität mitzuwirken, postalisch unter einer bestimmten Adresse erreichbar sein muss und behördliche Termine einzuhalten sind. Es klingt wie ein Brief auch ins NGO-Paradies der Abschiebungsverhinderer. Und ist sicher auch so gemeint.





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