Das neue Deutschland ist staatsgläubig, hypersozial und ökogläubig

Ein Deutsch sprechender Fremder in einem fernen Land hat sich mit der politischen oder wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik noch nie beschäftigt. Doch nach konzentriertem digitalem Medienkonsum ist er überzeugt, Deutschland verstanden zu haben. Sein Deutschland-Bild in sieben Kapiteln.

Sean Gallup/Getty Images
Maja Göpel, a member of the advisory body to the German government on climate change, speaks at a FridaysForFuture climate protest march outside the Chancellery on March 15, 2019 in Berlin

Ein der deutschen Sprache mächtiger Mensch in einem fernen Land hat nichts Besseres zu tun, als ein paar Tage lang deutsche Zeitungen zu lesen und Nachrichtensendungen im Fernsehen zu verfolgen. Er hat sich mit der politischen oder wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik noch nie beschäftigt. Doch nach konzentriertem digitalem Medienkonsum ist er überzeugt, Deutschland verstanden zu haben. Sein Deutschland-Bild in sieben Kapiteln:

Kapitel 1: Das soziale Deutschland

Nichts scheint die Deutschen, ihre Politiker und ihre Medien mehr zu beschäftigen als die soziale Frage. Die Konjunktur schwächelt, Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie oder die Finanzwirtschaft müssen sich strukturell neu ausrichten, aber die Deutschen reden in erster Linie von höheren Sozialleistungen, höheren Renten, höheren Gehältern und neuen Möglichkeiten, weniger zu arbeiten.

Kapitel 2: Das staatsgläubige Deutschland

Unser Beobachter hat im digitalen Lexikon erfahren, dass Deutschland einst als Wirtschaftswunderland galt – dank seiner sozialen Marktwirtschaft. Jetzt lernt er ein Land kennen, in dem fast alle auf den Staat setzen: Der Staat soll Wohnungen bauen, private Wohnungen verstaatlichen und niedrige Mieten garantieren. Die Regierung drängt zwei große Banken zu einer Fusion, scheint besser zu wissen als die verantwortlichen Manager, wie man aus zwei Fußlahmen einen olympiareifen Athleten formen kann. Der Wirtschaftsminister will unter staatlicher Anleitung „europäische Champions“ entstehen lassen. So viel Staat war hier wohl noch nie.

Kapitel 3: Ein Land im Umwelttaumel

Wenn die Deutschen etwas tun, dann richtig. Nirgends ist die Verehrung für eine 16-Jährige, die ein umweltpolitisches „Kehret um“ predigt, so groß wie hierzulande. Schüler schwänzen Freitag für Freitag die Schule, um die Umwelt zu retten. Das Staatsoberhaupt und die Regierungschefin zollen ihnen für diesen Regelverstoß laut Beifall – und zahllose rote und grüne Politiker auch. Eine führende Grünen-Politikerin mit abgebrochenem Theologie-Studium vergleicht das Mädchen mit einem Propheten. Unser Beobachter wundert sich: Es wurden in Deutschland noch keine Straßen und Plätze nach Greta Thunberg benannt. Auch wurde sie bisher nicht zur Heiligsprechung vorgeschlagen.

Kapitel 4: Land der ausgebeuteten Frauen

Überall stößt unser Deutschland-Forscher auf die These, Frauen bekämen in Deutschland 21 Prozent weniger Lohn als Männer. Er wundert sich: Wenn das der Durchschnittswert ist, muss es ja arme Frauen geben, die 30 oder 40 Prozent weniger verdienen als Männer. Aber trotz intensiver Recherchen in allen verfügbaren Datenbänken findet er keinen einzigen Fall dokumentiert, in dem eine Frau für die identische Tätigkeit bei gleich langer Betriebszugehörigkeit und gleicher Ausbildung 21 Prozent weniger bekommt als ihr männlicher Kollege. Das wundert ihn sehr.

Kapitel 5: Land mit den meisten „Superreichen“

Unser Beobachter kann nicht ganz nachvollziehen, worum es bei der Debatte um die Abschaffung des Solidaritätsbeitrags genau geht. Aber eines fällt ihm auf: Die Gegner einer vollständigen Abschaffung sind gegen Erleichterungen für „Superreiche“. Was ihn aber wundert: dass aus der Sicht der SPD der „Superreichtum“ bei einem zu versteuernden Einkommen von 76.000 Euro im Jahr beginnt. Es überrascht ihn, dass „Reiche“ in Deutschland so arm sein sollen.

Kapitel 6: Land mit seltsamen Medien

Eine Umfrage des „Politbarometers“ im März zeigt, welche Probleme aus Sicht der Deutschen die wichtigsten sind. Die Reihenfolge: Ausländer/Flüchtlinge 33 %, Rente/Alterssicherung 18 %, Umwelt/Klima 16 %, Bildung/Schule 10 %, Soziale Gerechtigkeit 9 %, Wohnungsmarkt/Mieten 9%. Was dem Deutschland-Analysten aus der Ferne auffällt: In den Medien liest und hört und sieht relativ wenig über Probleme mit Zuwanderern und ihrer Integration. Aber umso mehr über die drohende Klimakatstrophe, die angeblich fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau, über „Political Correctness“ und Grabenkämpfe in den politischen Parteien. Die Notwendigkeit separater Toiletten für das „dritte Geschlecht“ wird in den Medien breiter diskutiert als die Frage, warum die Toiletten in den Schulen vielfach in einem miserablen Zustand sind. Er steht vor einem Rätsel.

Kapitel 7: Ein übelgelauntes Volk, dem es gut geht

Was den Mann aus dem fernen Land am meisten wundert: Bei fast allen internationalen Vergleichen steht Deutschland in Bezug auf Wirtschaftskraft und Lebensqualität gut da. Er kann deshalb nachvollziehen, dass es so viele Menschen aus fernen Ländern hierher zieht. Was er aber nicht verstehen kann: dass die Deutschen trotz objektiv – immer noch – guter Daten so gerne jammern und klagen.

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Kommentare ( 94 )

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Der Fremde hat eben die Linksmedien gelesen. Dort findet sich dieser ganze geistige Müll. Randvoll.

……und der Beobachter stellt sich eine Frage: Warum wirbt der Autor des Artikels immer noch für die CDU?

Ja, ja Deutschland gehts gut ist klar.

Auf der Titanic fiel ja auch erst ganz kurz vor dem Ende das Licht aus und die Kapelle

spielte auch so schön fast bis zum Schluß…

Zusammenfassung von Napoleon Bonaparte vor 200 Jahren über die Deutschen:
„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das Deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“

„Was er aber nicht verstehen kann: dass die Deutschen trotz objektiv – immer noch – guter Daten so gerne jammern und klagen.“
Der Deutsche vergleicht sich halt mit der Generation seiner Eltern. Früher konnte ein Alleinverdiener sich ein Haus kaufen. Warum ist dies heute vielen Doppelverdienern nicht möglich, wenn es uns doch so gut geht? Wir haben eine unheimlich lange Friedensphase mit immensem wirtschaftlichen Wachstum hinter uns. Warum merkt der Biodeutsche davon überhaupt nichts? Wohin ist diese gigantische Wirtschaftsleistung eigentlich abgeflossen? Und da soll man brav seinen Mund und das Hamsterrad weiter am Laufen halten?

Das was ich schreibe ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber meine Gedanken dazu sind folgende: Meine Eltern haben um 1960 ein Einfamilienhäuschen gebaut. Mein Vater war, wie damals üblich, Alleinverdiener. Professionelle Handwerker waren nicht so viele am Werk, das Haus wurde überwiegend von meinem Vater und meinen Onkeln nach Feierabend und Samstags in einem Zeitraum von 2 Jahren hochgezogen. Die halfen sich gegenseitig beim Bau ihrer Häuser. Das ganze wurde vom Mund abgespart, wir gingen nie in den Urlaub, am Sommer war außer Freibad oder Baggersee nicht viel mehr drin. Ein Auto hatten wir auch lange nicht. Meine… Mehr
Die eigentliche »deutsche« Staatlichkeit begann um 1848 und führte bis zum 08.05.1945 zu verschiedenen Gemeinwesen, die sich letztlich alle als nicht fähig erwiesen, den sie repräsentierenden Völkern/Menschen/Staatsangehörigen ein Leben in politischer Stabilität und fortschrittsorientierter, friedenswahrender und wohlstandsmehrender Weise zu ermöglichen. Ich gestehe auch politischen Eliten und Staatsmännern Fehler zu, aber warum konnten wir Deutschen weder nach ~1915 oder nach ~1934, geschweige denn nach ~1941 den Irren in die Arme fallen und das Steuer herumreißen?! — Sind »wir Deutsche« also, wie ich wagemutig behaupte, zwar ungemein tüchtig, aber politisch dumm? Nach dem 09.05.45 haben uns die westlichen Siegermächte erst bei der… Mehr
Ich mache es mal wie Sie, fassen Sie es aber nicht als Zustimmung auf. – Weil kein Mensch (kein Staat) in Frieden leben kann, wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt oder ein Volk nur einen schwachen Staat hat. – Weil ein Staat das Mittel und der Ausdruck der Souveränität eines Volkes ist. ~ – Betreiben Sie unbedingt Quellenstudium z. B. Gerd Schultze-Rhonhof „Der Krieg der viele Väter hat“. – Sprechen Sie mit ihren Deutschen Vorfahren die den zweiten 30-jährigen Krieg oder einen Teil davon erlebt hat. – Unterlassen Sie das Lesen von „Blöd“ und schauen Sie Nachrichten unbedingt mit… Mehr
All das was sie in ihren Kommentar beschreiben, sind meiner Meinung nach keine alleinige „deutsche“ Probleme, sondern mal mehr oder weniger in den meisten Laendern der Welt der „Normalfall“. Und nein, die Deutschen sind nicht „dümmer“ als andere Nationen, was wohl auch schlecht möglich waere, wenn man sich nur die deutsche İngenieurskunst der letzten hundert Jahre und ihren Erfindergeist anschaut. Wo sie recht haben, ist das der „gemeine“ Deutsche politisch wenig bewandert ist und einen einmal eingeschlagenen politischen Kurs bis zum bitteren Ende die True haelt, koste es was es wolle. Über das Thema „Souveraenitaet“ möchte ich nicht weiter eingehen,… Mehr

Zitat: „Sind »wir Deutsche« also, wie ich wagemutig behaupte, zwar ungemein tüchtig, aber politisch dumm?“
Ich glaube nicht. Ich vermute eher an den Deutschen ist die Aufklärung vorbei gegangen. Wir haben nicht „den Mut, uns unseres Verstandes zu bedienen“ (Kant). Wir warten lieber auf Anweisungen, schwimmen lieber im Strom, sind uns lieber „einig“. Wir sind froh, wenn uns Verantwortung abgenommen wird. Wir sehen aber, dass die anderen unsere Naivität ausnutzen und fühlen uns dann als Opfer. Dies führt zu Frust und zu Rachegelüsten. Genau das haben wir auch mit der islamischen Welt gemeinsam.

Kapitel 8: Die German Angst
Der Mann aus fernem Land wundert sich doch sehr über die Angst vor Neu-Ankömmlinginnen, vor Fremdlinginnen – insbesondere Koran-Gläubiginnen, weil diese von den Deutschen als Ungebildetinnen stigmatisiert werden, die als Arbeitsloserinnen und damit Rumlungerinnen, Sozialschmarotzerinnen, Taugenichtsinnen oder gar als Kriminellinennen verdächtigt werden. Sollten denn nicht auch Schreihälsinnen und sonstige Störerinnen die gleichen Rechte wie Einheimische haben, zu Bossinnen aufzusteigen?

Guter Vorschlag. Daumen hoch.

„er aber nicht verstehen kann: dass die Deutschen trotz objektiv – immer noch – guter Daten so gerne jammern und klagen.“

Dann hat ihn niemand einen Steuerbescheid gezeigt. So 70 % Abzug für Umlagen, Beiträge und Steuern.

Es war gestern eine Meinung bei Achgut, die war glaube von Roger Letsch. Dort wurde eine herrliche Metapher verwendet, „Freilandhühner, die um Käfighaltung betteln“.

Auch dem fremdesten Beobachter aus dem fernsten Land wird bei so viel Widersprüchen schnell klar, dass er von den deutschen Medien vergackeiert wird (hat er in Punkt 6 „Land mit seltsamen Medien“ ja auch schnell erkannt). Er wird sich also hüten, von d e n Deutschen zu reden und sie ausnahmslos mit grün-linken Ideologen und ihren Luxusproblemen in einen Topf zu werfen. Ich schätze, er wird TE ** abonnieren, dann wird er die Probleme des Landes besser verstehen …