Die sieben Konstruktionsmängel im Eurosystem

Die nächste Eurokrise kommt bestimmt. Indizien sprechen dafür, dass Deutschland dann für die Schuldensünder des Euroraums zahlen muss.

@ Thomas Lohnes/Getty Images

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Verschmitzt lächelnd gibt EZB-Präsident Mario Draghi finanz-technokratisch zu Protokoll: „Es bedarf weiter eines sehr erheblichen Grades an geldpolitischer Akkomodierung, damit sich im Euroraum Druck auf die Kerninflation aufbaut.“ Wow. So am vergangenen Donnerstag mal eben begründet, warum die Leute im EZB-Rat nicht im Traum daran denken, von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik auch nur einen Hauch abzuweichen.

Geldpolitik als Enteignung
Inflation: Haltet den Dieb!
Jetzt ist es also die Kerninflation, die als Begründung dafür herhalten muss, das heißt, die Inflation ohne Energie und Lebensmittel – als würden wir alle mangels Heizung ständig frieren und auf die Ernährung verzichten. Draghis Trick mit der Kerninflation ist leicht zu durchschauen: Während die Gesamtinflation im Euroraum zuletzt auf 2 Prozent emporgeschossen ist, liegt ihr harter Kern nur bei schlappen 0,9 Prozent. Mit dem Trick hat Draghi ganz nebenbei Zeit gekauft. Denn sobald das Ende des Basiseffekts – die Wirkung des 2016 stark gestiegenen Ölpreises lässt statistisch gesehen nach – die Gesamtinflation wie zu erwarten im März oder April unter 2 Prozent drücken wird, kann er triumphieren: Seht her, ich habe mit meiner Akkomodierung recht behalten, das Anleihenkaufprogramm zur Belebung der Konjunktur kann weiter gehen.

So kann es nicht weiter gehen

Diese Betrachtungsweise mag auf Anhieb schlüssig erscheinen, falsch ist sie trotzdem, weil Geldpolitik und Konjunkturpolitik zweierlei Paar Schuhe sind. Oder wie es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann noch zugespitzter formuliert: „Die Wirtschaft auf einen dauerhaft höheren Wachstumspfad führen, das kann nur die Politik.“ Was Draghi allerdings nicht davon abhält, sich als gesamtökonomischer Herrscher über den Euroraum zu gebärden, indem er, weil wirtschaftlicher Sachverstand bei Politikern Mangelware ist, de facto politische Entscheidungen an sich reisst. Das wiederum schmeckt Weidmann ganz und gar nicht, weshalb er warnt: „Geld- und Fiskalpolitik werden in wachsendem Maße vermengt.“

Was lernen wir daraus? Zunächst, dass es wie bisher nicht weiter gehen kann. Aber wie sonst? Offenbar bedarf es nur noch eines kleinen Funkens, bis die Eurokrise in die nächste Runde geht. Viel spricht dafür, dass der Funken diesmal weniger von Griechenland als vom hoffnungslos überschuldeten Italien auf den ganzen Euroraum überspringen wird. Die Kapitalflucht der Italiener in Richtung Schweiz und Deutschland hat ja längst eingesetzt.

Der jetzige Euro ist nicht überlebensfähig

Damit wird wieder mal das Grundübel der gemeinsamen Währung für ganz und gar nicht zusammenpassende Länder deutlich. Das bedeutet letztlich: Der Euro ist in der derzeitigen Konstellation nicht überlebensfähig. Also muss eine Alternative her. Nur gibt es dazu erst vage Überlegungen und noch keinen festen Plan. Derweil schrauben sich, hinter dem Zahlungsverkehrssystem Target 2 versteckt, Forderungen der Bundesbank in immer neue Höhen, zuletzt auf über 814 Milliarden Euro – am Ende zum größten Teil wohl nicht einlösbare Forderungen gegen die Schuldensünder im Euroraum.

Heinz-Werner Rapp, Anlagestratege des Finanzdienstleisters Feri, zählt nicht weniger als sieben Konstruktionsmängel des Eurosystems auf: Einbindung ganz unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen, keine zentrale politische Instanz, dominierende nationale Interessen, keine Vorkehrungen für den Finanzausgleich, stark inkongruente Verteilung von Stimmrechten, keine klaren Regeln für Sanktionen und realitätsfremdes Ziel einer Konvergenz. Mit anderen Worten: Dem bisherigen Schrecken ohne Ende wird das Ende mit Schrecken folgen. Allein das Wann und Wie ist noch offen.


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Kommentare ( 40 )

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Jede Währungsbindung umfasst ein territoriales Gebiet in dem politische Regeln gelten.
Das territoriale Gebiet orientiert sich nur nach geographische Himmelsrichtungen und nicht nach dem Himmel (Dichte ökologischaffine Ausdehnung von der Wüste zum Regenwald). Diese Schwäche hat jede etablierte Währungsbindung.

Der Euro. Dank unserer Nichtpolitiker, der größte Raubzug aller Zeiten. Schon dafür, dass die deutschen Sparer, Rentner und normalen Arbeitnehmer regierungsgewollt die Zeche der zockende Banken und maroden EU Staaten per Inflation bezahlen dürfen, sollte man unserer Regierung zur Verantwortung ziehen. Target 2 tut ein übriges. Pervers, die italienische Kapitalflucht und davor die griechische. Das heißt. doch nichts anderers als dass die Wohlhabenden der Pleitestaaten ihr Geld bei uns in Sicherheit bringen und der deutsche Steuerzahler zahlt dann die Zeche wenns kracht. Jemand brachte letztens den Vergleich mit dem chronischen klammen Pleitenachbarn, der sich bei Ihnen Ihre Kreditkarte leiht um… Mehr

„Der Euro. Dank unserer Nichtpolitiker, der größte Raubzug aller Zeiten.“ Mir und 82 Millionen Deutschen hat der Euro nichts, gar nichts weggenommen!

Nur ein Satz Herr Gburek, wieso denke ich, wenn ich ein Bild von Draghi sehe oder diesen im TV immer an Palermo und Sizilien ??? Komisch…..

Zum Euro, Sinn, Unsinn und Überleben dieser Währung, alles schon gesagt, siehe auch Antwort von Hellerberger..ansonsten nur noch….forget about it….

Sie sehen falsch! Er ist Römer und war noch nie in Sizilien!

Man muss es leider so knallhart sagen: die einzigen politischen Realisten sitzen derzeit bei der AfD. Ein rascher und soweit wie möglich noch geordneter Euro-Ausstieg Deutschlands ist der einzige Weg dieser Dooms-day-Maschinerie noch einigermaßen glimpflich dh ohne kriegerische Auseinandersetzungen zu entkommen. Deshalb Hut ab vor dieser öffentlich (noch) unbequemen aber in der Sache absolut zutreffenden Position. Verantwortungsvolle Politik mit Weitblick hätte bereits spätestens ab Mai 2010 die Weichen in diese Richtung gestellt und nicht darauf gedrängt, die Südeuropäer in die Austerität/reale Abwertung zu stürzen und – wie ein Kauder – von endlich „spricht man wieder Deutsch in Europa“ zu schwadronieren.… Mehr

„Man muss es leider so knallhart sagen: die einzigen politischen Realisten sitzen derzeit bei der AfD.“ Deshalb werden sie unter 10% bleiben! Schuld ist immer der dumme Wähler.

Ja, Seneca, Sie haben ganz sicher recht und die Katastrophe wird kommen, weil das Volk, wie immer vertrauend auf Frau Merkel und ihre Spießgesellen, diese dann wählen wird. Das Desaster kann noch gesteigert werden, weil diese geplante infame Zestörung Deutschlands ist über dem “point of no return“ und wir können nicht entfliehen. Wir nicht und unserer KINDER erst recht nicht. Ich erinnere auch an Ihr Zitat: “Nicht wenig Zeit haben wir, aber viel vergeuden wir.“

Herr Gburek, das haben wir alles schon zehntausendmal gelesen und werden es auch noch weitere zehntausendmal zu lesen bekommen, gelegentlich auch in der Mainstreampresse. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber soll das alles sein, was Sie zu diesem Thema sagen möchten? Der Euro ist keine Währung, sondern ausschließlich ein politisches Projekt, das zu den Vereinigten Staaten von Europa führen soll. Er hat nie fiskalisch oder monetär funktioniert, sondern vom ersten Tag an rein politisch, denken Sie nur an die exzessiven Preissprünge, die sich hinter der Umstellung versteckten und einer Kaufkraftabwertung von bis zu 50 % gleichkamen. Die Aufführung… Mehr

„Der Euro ist keine Währung, sondern ausschließlich ein politisches Projekt, das zu den Vereinigten Staaten von Europa führen soll.“ Der Euro ist die Währung, die Beste weltweit! Was haben Sie gegen die „Vereinigten Staaten von Europa“? Wir leben in Freiheit und Wohlstand. Oder sollen wir alle nach Nordkorea auswandern?

Wieso denn? Ohne andere meinungen und ansichten wär’s doch recht langweilig hier.

Der Euro ist keine Währung im eigentlichen Sinn mit den Funktionen Tauschmittel und Wertspeicher. Der Euro ist ein reines Herrschaftsinstument, ein gigantischer Hebel mit dem die globale Gleichschaltung, die Zerstörung der Nationen, Kulturen, Zivilisationen und Völker erzwungen(!) wird. Ein Brecheisen der globalen Umverteilung, des ökonomischen und kulturellen Marxismus. Wäre dies nicht der Fall gäbe es keinerlei Motiv, diese Zwangseinheitswährung wider jede ökonomische Vernunft und gegen den Willen aller Völker Europas beizubehalten, ihn zum religiösen Dogma, der unbefleckten Empfängnis gleich, zu erheben und Kritik an ihm zu tabuisieren. Der zweite Hebel ist unbegrenzte Immigration aus der dritten Welt. Sie etabliert den… Mehr

„Der Euro ist ein reines Herrschaftsinstument, ein gigantischer Hebel mit dem die globale Gleichschaltung, die Zerstörung der Nationen, Kulturen, Zivilisationen und Völker erzwungen(!) wird.“ Sie wollen das Europa der Nationen von 1914. Wie Sie schreiben, sind Sie ein Feind der zivilisatorischen Errungenschaften und wollen das Rad der Geschichte zurückdrehen!

Wir wollen nicht das Europa der Nationen von 1914, wir wollen ein Europa der souveränen Vaterländer und natürlich mit einem Ansatz am Ende der letzten und rechtsmäßigen Staatlichkeit 1918 in eine neue weiterführende Staatliche Souveränität.

Das wäre zu schön, um wahr zu sein, dann könnte man beide Weltkriege noch verhindern und Europa wäre heute ein besserer Ort.
Aber seien wir bescheiden und wünschen uns das Europa der freien und friedlichen Vaterländer vor der Euroeinführung und vor dem Amoklauf der Brüsseler Administration zurück (Mitte der 90er). Dann können wir zwar nicht mehr WKI und WKII verhindern, aber immerhin noch die dritte und folgenschwerst Katastrophe: Den Globalismnus.

Vielen Danl! Einer der besten Kommentare, die ich dazu gelesen habe.

Durch mehr Geld im Finanzmarkt steigen nur die Aktienpreise, aber nicht die Nachfrage nach Konsumgütern. Aber nur eine steigende Nachfrage nach Konsumgütern kann die Wirtschaft ankurbeln.

Wir haben im reichen Deutschland beides: Finanzkraft und steigende Nachfrage nach Konsumgütern. Resultat: Vollbeschäftigung.

Die Inflation, die uns als solche in Zahlen präsentiert wird, ist selber eine selektive Aussage und damit eine ohne höhere Weihen, die sich auf einen bestimmten Warenkorb bezieht, den man auch hätte anders definieren können. Damit bezieht sich die Angabe so oder so nicht auf das, worauf sie sich beziehen müsste, nämlich auf die Inflation des Gesamtgeschehens. Wir haben in den letzten Jahren z.B. enorme Preissteigerungen im Immobilienbereich sowie den Aktienmärkten gesehen, die nicht in den Warenkorb einfließen. Insofern ist Draghis Fokussierung auf die sog. Kerninflation kaum besser oder schlechter als auf die Standardinflation – aber mit Blick auf Binnenunternehmen… Mehr

Weil es keine Inflation gibt!

Weidmann hat Recht, und der Euro ist ein Projekt von Finanz-Gangstern, die ständig auf unser Aller Kosten betrügen. Der Betrug ist als notwendige „Ausgleichsmaßnahmen“ fester Bestandteil eines gigantischen Scams, der als europäisches Einigungsprojekt ohne vernünftige Kontrollen den Leuten genauso aufgeschwatzt worden ist wie die antidemokratische Feudalmaschinerie Brüssel, die nur den Politikern und Konzernen zur Beherrschung des Wirtschaftsraumes verhilft, sprich, nur der optimierten zentralistischen Abschöpfung durch Gauner dient.

„…der Euro ist ein Projekt von Finanz-Gangstern, die ständig auf unser Aller Kosten betrügen. “ Bezahlen Sie überhaupt Steuern? So wie Sie redeten auch die Genossen von der RAF.

Die Wahrheit ärgert sie schon sehr, gell? Immer an den Blutdruck denken!

Da ist es doch gut, dass wenigstens Deutschland rechtzeitig ein neues Wirtschaftswunder (Zetsche) eingeleitet hat….

eine unterbewertete währung für eine starkes industrieland ist gift – sehr süsses gift. man könnte es mit aufputschmittel für bodybuilder vergleichen. am ende steht der kollaps!